Drei wesentliche Aspekte des Christseins (24. So im JK)

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Jesus ging mit seinen Jüngern in die Dörfer bei Cäsarea Philippi. Unterwegs fragte er die Jünger: Für wen halten mich die Menschen? Sie sagten zu ihm: Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten. Da fragte er sie: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias! Doch er verbot ihnen, mit jemand über ihn zu sprechen. Dann begann er, sie darüber zu belehren, der Menschensohn müsse vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er werde getötet, aber nach drei Tagen werde er auferstehen. Und er redete ganz offen darüber. Da nahm ihn Petrus beiseite und machte ihm Vorwürfe. Jesus wandte sich um, sah seine Jünger an und wies Petrus mit den Worten zurecht: Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen. Er rief die Volksmenge und seine Jünger zu sich und sagte: Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten. (Markus 8, 27-35)

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Das heutige Evangelium hat es in sich. Es besteht aus drei Teilen, die drei ganz wesentliche Aspekte für den christlichen Glauben behandeln: das Messiasbekenntnis des Petrus (Mk 8, 27-30), die erste Ankündigung der Leiden und der Auferstehung Jesu (Mk 8, 31-33) und die Lehre Jesu von der Nachfolge und der Selbstverleugnung (Mk 8, 34-35). Jeder einzelne dieser Aspekte ist eigentlich eine eigene Abhandlung wert; ich will mich auf drei kurze Gedanken beschränken.

1. Das Messiasbekenntnis des Petrus (Mk 8, 27-30)

„Für wen halten Sie mich?“ – Wer so fragt, drückt eine gewisse Empörung über eine vielleicht nicht ganz ernst gemeinte, vielleicht aber auch bewusst kränkende Fehleinschätzung aus. Jesus wusste, dass über ihn viel spekuliert wird. Er fragt deshalb seine Jünger: „Für wen halten mich die Menschen?“ (Mt 8, 27). Die Antwort besteht in der Tat aus Fehleinschätzungen: „Einige für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für sonst einen von den Propheten.“ (Mt 8, 28). An seine Jünger, von denen Er fürchtet, sie könnten Ihn ebenfalls falsch einschätzen und populären Missverständnissen anhängen („Versteht ihr immer noch nicht?“, fragt er sie zuvor, vgl. Mt 8, 21), richtet er die gleiche Frage: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ (Mt 8, 29). In dem „Ihr aber“ drückt sich Seine Hoffnung auf Differenz aus. Und, tatsächlich: „Simon Petrus antwortete ihm: Du bist der Messias!“ (Mt 8, 29). Die Frage „Für wen haltet ihr mich?“ gilt jedem von uns. Es ist die entscheidende Frage unseres Lebens. Nur eines ist entscheidender: die Antwort.

2. Die erste Ankündigung der Leiden und der Auferstehung Jesu (Mk 8, 31-33)

Wenn Seine Jünger Ihn schon richtig einschätzen, zumindest einige von ihnen, dann sollen sie auch in die Pläne Gottes eingeweiht werden. Jesus „redete ganz offen darüber“ (Mk 8, 32), was mit Ihm geschehen wird, dass Er „vieles erleiden“ und „von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen“ und „getötet“, aber auch, dass Er „nach drei Tagen“ von den Toten „auferstehen“ werde (Mk 8, 31). Daraufhin geschieht etwas Eigenartiges: Petrus, jener Petrus, der sich gerade noch zu Jesus als den Messias bekannt hat, beschwert sich bei Jesus über Seine Offenheit (Mk 8, 32). Jesus weiß, dass es nicht Petrus ist, der zu Ihm spricht, sondern der Teufel, der böse Geist, der von Petrus Besitz ergriff und durch ihn versucht, die Mission Jesu zu gefährden: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ (Mk 8, 33). Die Menschen wollen schöne Geschichten hören, die sie verstehen können, Gott aber will Erlösung.

3. Die Lehre Jesu von der Nachfolge und der Selbstverleugnung (Mk 8, 34-35)

Der Auftrag ist klar und unmissverständlich: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mk 8, 34). Kreuz tragen, Christus nachfolgen als Ausdruck des Glaubens setzt diesen voraus, d. h. das Vertrauen in Gott und das Vertrauen auf Seine Liebe, kurz: die Liebe zu Gott. Dann kann man Gott auch all seine Last geben. Es ist dann aber so, dass man nicht nur sein Kreuz, sondern Sein Kreuz tragen muss, d. h., man muss dann auch bereit sein, für Gott durch dick und dünn zu gehen – und dabei sein Leben zu verlieren. Genauer: Sein irdisches Leben, seine biologische Existenz. Das wahre Leben lässt sich gerade dabei gewinnen, ja: „retten“. Jesus ergänzt den Auftrag um diese Verheißung: „Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen und um des Evangeliums willen verliert, wird es retten.“ (Mk 8, 35).

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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