Kreuzerhöhung: Gebete und Wünsche

Ecce lignum crucis, in quo salus mundi pependit.

Seht, das Holz des Kreuzes, an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt.

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„Wir beten dich an Herr Jesus Christus,
hier und in allen deinen Kirchen auf der ganzen Welt und preisen dich,
denn durch dein heiliges Kreuz hast du die Welt erlöst.“

(Franz von Assisi)

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Christus hat keine Hände,
nur unsere Hände,
um seine Arbeit heute zu tun.
Er hat keine Füße,
nur unsere Füße,
um Menschen auf seinen Weg zu führen.
Christus hat keine Lippen,
nur unsere Lippen,
um Menschen von ihm zu erzählen.
Er hat keine Hilfe,
nur unsere Hilfe,
um Menschen an seine Seite zu bringen.
Wir sind die einzige Bibel,
die die Öffentlichkeit noch häufig liest.
Wir sind Gottes Botschaft,
in Taten und Worten geschrieben.
Amen.

 (Gebet aus dem 14. Jhdt. Das Gebet wird mit einem Fragment eines „Corpus Christi“ aus spätgotischer Zeit aus dem Kloster Volkenroda in Verbindung gebracht. Die Figur vom Kreuz hatte keine Hände mehr und nur Fragemente von Füßen.)

Fragment des Corpus Christi aus spätgotischer Zeit (um 1480), vermutlich schon als Leidenskreuz in der Klosterkirche der Volkenrodaer Zisterziensermönche; 1971 aus dem Schutt der geschlossenen Kirche gerettet und auf einem Dachboden in Leipzig aufbewahrt; 1996 wieder nach Volkenroda gebracht und restauriert. (P. Heribert Graab SJ)

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Der Christus-Pavillon ist eine Glas-Stahl-Konstruktion des Architekten Meinhard von Gerkan, die auf der Expo 2000 in Hannover von der evangelischen und katholischen Kirche errichtet wurde. Im Jahr 2001 wurde sie im Kloster Volkenroda in Thüringen wiedererrichtet und übernimmt die Funktion des nicht mehr erhaltenen Längsschiffs der historischen Klosterkirche.

Von Volkenroda aus wurde 1163 das Zisterzienserkloster Loccum gegründet. Daher wandte sich die Jesus-Bruderschaft Gnadenthal an Abt, Prior und Konvent dieses seit über 400 Jahren lutherischen Klosters in der Evangelischen Lutherischen Landeskirche Hannovers mit der Anfrage um Unterstützung, Sponsoren für den Wiederaufbau von Klosterkirche und Kreuzgang in Volkenroda zu gewinnen. Diese Anfrage traf mitten in die Diskussion des Jahres 1996, wie der Beitrag der christlichen Kirchen auf der Weltausstellung EXPO 2000 in Hannover aussehen könnte. Es hat sich daraus der ungewöhnliche Plan entwickelt, einen Kirchenbau für Volkenroda zuerst als christlichen Pavillon auf der EXPO 2000 zu errichten, um ihn anschließend nach Volkenroda zu translozieren und dort dauerhaft nachzunutzen.

„Der Christus-Pavillon – die EXPO-Kirche – gemeinsam verantwortet von der Evangelischen Kirche in Deutschland und der evangelischen lutherischen Landeskirche Hannovers und dem Bistum Hildesheim – gib dem Willen und der Bereitschaft der evangelischen und katholischen Christen in Deutschland Ausdruck, den Besuchern der Weltausstellung die gemeinsame Vision eines auf Glaube, Hoffnung und Liebe gegründeten Lebens in der Welt von heute vor Augen zu führen.“

(Horst Hirschler, lutherischer Theologe und Bischof im Ruhestand, Abt des Klosters Loccum)

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Texte und Kommentar zum Evangelium
des Festes der Kreuzerhöhung
findest du hier.

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Trotz der erfreulichen Entwicklung der letzten Jahre in Volkenroda möchte ich die Geschichte des Klosters Loccum als Beitrag zur wiederaufgeflammten ökumenischen Debatte sehen – aus katholischer Sicht. Dazu muss man die Geschichte des Klosters etwas näher kennen:

Im 15. Jahrhundert befand sich das 1131 gegründete Zisterzienserkloster in Krisensituationen, da die Schuldenlast für Ländereien groß geworden war. Der Erfolg anschließender Reformen ist im 1504 entstandenen Visitationsbericht des Abts Nicolaus von Volkenroda anlässlich der Einführung des neuen Abts Boldewin Clausing dokumentiert. Nun lebten wieder 40 Chormönche in Loccum und die wirtschaftlichen Verhältnisse waren gut. Mit der Reformation änderte sich die Geschichte des Klosters dramatisch.

1585 kam das Loccumer Kloster bei Bestätigung aller bisherigen Rechte unter die Hoheit der welfischen Landesherren. Ende des 16. Jahrhunderts nahm es die Augsburger Konfession, also das Luthertum, an. Im Dreißigjährigen Krieg fanden die „Loccumer evangelischen Konventualen“ zeitweilig auf dem Loccumer Hof in Hannover Zuflucht, nachdem das Kloster durch den Restitutionsedikt eine Zeit lang durch einen katholischen Zisterzienser-Konvent besetzt war.

Mit dem Übertritt zur evangelischen Kirche war naturgemäß ein Ende des mönchischen Lebens im ursprünglichen Sinn verbunden. Die Konventsmitglieder, jetzt lutherische Geistliche, legten nicht mehr die klassischen, für die gesamte Lebenszeit bindenden Mönchsgelübde der Armut, des Gehorsams und der Keuschheit ab; sie hatten das Recht, sich zu verheiraten, in diesem Fall mussten sie jedoch aus dem Konvent wieder austreten. Austritte sind überhaupt aus verschiedensten Gründen bezeugt und waren unproblematisch. Die Mitgliedschaft im Konvent hatte den Charakter einer zumindest potentiell zeitlich begrenzten beruflichen Stellung angenommen und war in der Regel keine Lebensentscheidung mehr.

Hier ist auf nachhaltige Weise zerstört worden, was heute beispielsweise im Zisterzienserstift Heiligenkreuz so wunderbare Frucht trägt: Eine katholische Klosterkultur, die heute den wichtigsten institutionellen Träger der Priesterausbildung darstellt (Stift Heiligenkreuz ist zur größten Priesterausbildungsstätte im deutschsprachigen Raum herangereift).

Nicht auszudenken, wo die christliche Kirche in Deutschland heute stünde, gäbe es keine deutsche katholische Kirche. Selbst eine zum Teil sehr fruchtbare orthodoxe Kirche hat größte Probleme – aufgrund ihrer synodalen Struktur. Am heutigen Festtag kann ich mir aus dieser Sicht nur eine Rückkehr verschiedenster protestantischer Kirchen unter das eine – katholische – Kreuz wünschen. Alle Christen vereint unter einem Kreuz – was für ein Fest der Kreuzerhöhung.

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