Mut zu Gott und Seinem Wort – für dich!

Zwei bedeutende Festtage haben wir letzte Woche erlebt; wie stehen diese Festtage nun im Zusammenhang? Papst Benedikt XVI. benötigt nur wenige Worte, um die Verbindung der beiden Tage zu verdeutlichen – dem Fest der Kreuzerhöhung und dem Gedenktag der sieben Schmerzen Mariens.

Du empfingst das Wort: „Frau, siehe da dein Sohn“ (Joh 19, 27). Vom Kreuz her empfingst du eine neue Sendung. Vom Kreuz her wurdest du auf neue Weise Mutter: Mutter für alle, die deinem Sohn Jesus glauben und ihm folgen wollen. […] Das „Reich“ Jesu war anders, als die Menschen es hatten erdenken können. Dieses Reich begann in jener Stunde und wird kein Ende haben. So bleibst du inmitten der Jünger als ihre Mutter, als Mutter der Hoffnung. (Enzyklika „Spe salvi“)

Jesus ist am Kreuz erhöht und das ist genau der göttliche Moment, in dem die Kirche eingesetzt wird, in dem der eine mystische Leib – unter Schmerzen – geboren wird. Wie viel Hoffnung, wie viel Schöpfung und wie viel Zuversicht doch in diesen Ereignissen liegt! Der Kern unseres katholischen Glaubens liegt vor uns ausgebreitet:

Der Sohn und Erlöser vollbringt das Werk für den Vater, Jesus bittet den Vater um den Beistand für die Menschen in Gestalt des Heiligen Geistes, und Maria wird zur Mutter der Kirche berufen. Nur wenige Tage später zeigt der Vater in Person des Heiligen Geistes seine unendliche Macht:

Viele Menschen werden durch den Geist nicht nur erreicht, sondern geradezu überwältigt – und die damals hervorgerufenen Elemente Erstaunen, Ehrfurcht, Anbetung, Offenbarung und Gemeinschaft bilden bis heute die Pfeiler der katholischen Kirche.
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„Hat jeder seinen eigenen Gott?“

Ich verstehe Johannes , wenn er fragt: „Hat jeder seinen eigenen Gott?“ und auf den Irrweg hinweist, wenn jeder meint, Gott müsse sich auch ihm (persönlich) zeigen. Johannes führt weiter aus:

„Etliche sagen „für mich ist Gott aber“ so und nicht anders. Dieses „für mich“ heißt eigentlich: Ich denke mir Gott aus und weil ich ihn mir ausdenke, glaube ich fest, dass er so ist. Etwas nüchtern betrachtet müsste man annehmen dürfen, das sei ziemlich töricht. Es scheint aber so zu sein, dass man annimmt, wenn viele solche Gedanken anstellen, dass sie dann aufhören töricht zu sein.

Jetzt kommt zum Ganzen eine weitere törichte Annahme hinzu. Man weiß, dass jeder einzelne Mensch seinen Verstand hat. Das bedeutet, jeder muss sich selbst auf den Weg machen und erfahren, was Sache ist und was mit ihm einmal sein soll und sein wird. Jeder einzelne, der Verstand hat, der hat auch eine eigene Verantwortung. Aus dieser Annahme zieht man den unsinnigen Schluss, dass Gott sich auch jedem einzelnen zeigen müsse.

Man beharrt auf dem Gedanken, dass Gott sich gefälligst jedem einzelnen einzeln zu zeigen hat oder dass jeder einzelne sich “seinen“ Gott ausmalen kann. Diese Annahme dürfte einer der großen Irrtümer unserer Zeit sein; dass jeder seine eigene Religion aus vielen kleinen Fetzen, die er aufschnappt, zusammenbauen und für sich basteln muss. Vor allem aber, dass diese vielen Religionen alle wahr sein sollen.“

Vermutlich kennen viele von uns derartige „Überzeugungstäter“, die es „ganz bestimmt wissen“ und uns alle mitnehmen wollen auf diesem „Himmelfahrtskommando“. Und mir scheint es ebenfalls so, als ob heute mehr Menschen auf diese Weise zu glauben versuchten und an ihrer Religion bastelten – übrigens sind auch und gerade Blogger aufgerufen, der Versuchung des Herumbastelns zu widerstehen.
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Pessimistischer Nachgeschmack

Allerdings darf dieser mögliche Befund über Gläubige nicht zu Pessimismus führen – und das ist bei dem verlinkten Artikel der Nachgeschmack, der nicht unkommentiert bleiben soll. Schon einige Male war es nach meiner Wahrnehmung bei verschiedenen Bloggerkollegen so, dass vor lauter theologischen Bedenken die katechetischen Inhalte groß- aber die Essenz des Glaubens und der Geist Gottes eher kleingeschrieben wurden („viele Menschen machen sich Vorfeld oder im Angesicht der Kommunion gar keine Gedanken über den heiligen Gehalt der Eucharistie“; „viele Menschen bringen Gestaltungsformen in die Heilige Messe ein, die dem kirchlich festgelegten Ritus widersprechen“; „Geschieden-Wiederverheiratete und Homosexuelle haben auf ihre Sexualität zu verzichten, wenn sie dem Gesetz Gottes voll entsprechen wollen“).

Keine Frage, dass nicht jeder seinen eigenen Gott haben kann, und auch nicht eine persönliche Offenbarung erwarten darf – da stimme ich zu. Aber bevor Resignation, Pessimimus oder auch Pharisäertum die Oberhand gewinnt, darf man guten Mutes sagen

  • im christlichen Gewissen kann jeder Mensch den göttlichen Geist finden, ja er soll Ihn finden! (Nach meinem Verständnis ist der Geist Gottes so unvorstellbar, dass nicht nur alles möglich ist, sondern ein „Nicht-versuchen-Gott-zu-erreichen-und-ihn-erfahren-zu-wollen“ geradezu fahrlässig ist.)
  • bei der Kommunion darf der Gedanke der Barmherzigkeit – auch Judas hat das Brot vom Herrn empfangen – nicht dem Richterspruch der Gemeinde zum Opfer fallen. (Die Kirche soll ihre Grundsätze bewahren, aber im Zweifel das Brot mit dem Kommuniongänger teilen.)
  • im Angesicht von Schicksalen und Lebenswegen, die „anders“ sind, dürfen kirchliche Normen weder die Barmherzigkeit noch das Heil des Menschen aushebeln (Gibt es ein höheres Ziel als das Heil des Menschen? Das Heil des Menschen nicht als persönliches Gut, sondern als Heiligung für und in Gott? Wenn ein Hirte – nehmen wir Kardinal Christoph Schönborn – entscheidet, einen bekennend homosexuellen Pfarrgemeinderat in seinem Amt arbeiten zu lassen, dann ist unser Vertrauen in eine solche Entscheidung nicht zu verweigern, vielmehr sollte es vorausgesetzt werden können.)

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Gott ist unergründlicher und unendlicher Geist

Warum dürfen diese Ansätze so in den Raum gestellt und behauptet werden? Weil der Geist Gottes so unbegreiflich, groß, wundertätig, unberechenbar, wunderbar, gerecht, und voller Liebe ist, dass am Ende des Tages nicht unsere Ansichten und Normen bestehen, sondern einzig und allein Sein Wort und Sein Reich. Bis dahin bleibt nur eins: Immer aufs Neue zu versuchen, nach Möglichkeit nicht zu richten und Sein Wort zu verstehen. Aber auch aus pastoralen Realitäten heraus darf so gedacht und gehandelt werden: In der Erzdiözese Wien haben die genannten Grundsätze im pastoralen Alltag ihren Platz – und diese Diözese steht durchaus im Ruf, romtreu zu sein.

Wenn auch keiner der obengenannten Pfeiler (Erstaunen, Ehrfurcht, Anbetung, Offenbarung, Gemeinschaft und Kirche) je zum Einsturz gekommen ist, so geraten doch immer wieder einige der Elemente im Alltag – und im Laufe der Geschichte – in Gefahr oder zumindest in den Hintergrund. Das ist auch nicht anders zu erwarten, schließlich leben wir nicht im Paradies.

Spätestens dann ist es wieder Zeit aufzustehen und zu sagen: Mit Niederlagen und auch nicht mit irgendeinem Mittelmaß wollen wir uns zufriedengeben (Johannes Paul II.), und im Übrigen soll unser Ohr vor allem einen Ruf hören: „Fürchtet euch nicht!“ Keine Frage, so gelangen wir wieder auf den guten Weg und die richtige Spur – Yes, we get back on track!

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