Jesus – radikal (26. So im JK)

***

Da sagte Johannes zu ihm: Meister, wir haben gesehen, wie jemand in deinem Namen Dämonen austrieb; und wir versuchten, ihn daran zu hindern, weil er uns nicht nachfolgt. Jesus erwiderte: Hindert ihn nicht! Keiner, der in meinem Namen Wunder tut, kann so leicht schlecht von mir reden. Denn wer nicht gegen uns ist, der ist für uns. Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen. Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer. Und wenn dich dein Fuß zum Bösen verführt, dann hau ihn ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Füßen in die Hölle geworfen zu werden. Und wenn dich dein Auge zum Bösen verführt, dann reiß es aus; es ist besser für dich, einäugig in das Reich Gottes zu kommen, als mit zwei Augen in die Hölle geworfen zu werden, wo ihr Wurm nicht stirbt und das Feuer nicht erlischt. (Markus 9, 38-43; 45; 47-48)

***

Jesu Froh- und Drohbotschaft

Jesus präsentiert seinen Jüngern und uns hier zwei radikale Positionen. Zum einen gilt: „Wer euch auch nur einen Becher Wasser zu trinken gibt, weil ihr zu Christus gehört – amen, ich sage euch: er wird nicht um seinen Lohn kommen.“ Liebe und Gnade werden greifbar: Frohsinn macht sich breit. Doch dann: „Wer einen von diesen Kleinen, die an mich glauben, zum Bösen verführt, für den wäre es besser, wenn er mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde. Wenn dich deine Hand zum Bösen verführt, dann hau sie ab; es ist besser für dich, verstümmelt in das Leben zu gelangen, als mit zwei Händen in die Hölle zu kommen, in das nie erlöschende Feuer.“ Ähnliches gilt für das Auge. Was für eine Drohung!

Oft wird die Frohbotschaft von der Liebe und Gnade Gottes und deren Konsequenz (Heil) gegen die Drohbotschaft vom Scheitern und Versagen des Menschen und deren Folge (Verdammnis) gegeneinander gestellt. Dabei gehören sie zusammen, so wie sie hier von Jesus in einen einzigen eschatologischen Zusammenhang gestellt werden. Daher müssen sie theologisch und pastoral auch zusammen betrachtet werden.

Theologisch, weil wir als Christen doch wissen, dass am Ende tatsächlich die unendliche Liebe und Gnade Gottes auf uns wartet, die uns in unserem Egoismus zwar (paradoxerweise!) zu stören vermag, aber doch nicht zerstören will. Das können wir nur selbst, indem wir uns mehr Raum geben als Ihm, das Ego höher platzieren als die Liebe.

Und auch pastoral, denn: Man kann doch heute gar Niemandem mehr mit Verdammnis drohen! Früher hatten die Menschen noch existentielle Angst. Sie hatten Alpträume, die sie in Schweiß baden ließen – Furcht vor ewiger Höllenqual. Da konnte die Kirche im negativen Modus ansetzen und hat es (leider!) auch getan. Aber heute? Das schlimmste, was dem Menschen heute passieren kann, ist doch, dass er sein Passwort vergisst! Im Ernst: Die Ängste der Menschen heute lassen sich nicht mehr so kanalisieren, dass man sagt; „Ja, Du hast völlig zu Recht Angst! Und: Wir haben die Lösung. Also: Bleib gefälligst bei uns!“ – Heute geht es nicht darum, die Angst zu verstärken und zugleich Schutz zu bieten, sondern die Angst zu nehmen, indem auf die Liebe und Gnade Gottes gezeigt wird.

Gerade das bedeutet aber, nicht alles gut zu heißen (schon deshalb nicht, weil Angst viel mit moralischer Schuld zu tun hat), sondern im gläubigen Blick auf jenen Gott an dessen Vorstellung vom menschlichen Zusammenleben zu erinnern (Stichwort: Zehn Gebote). Da gehört zum Beispiel auch die Treue zum Partner dazu. Das mag aus der Mode gekommen sein, aber bei Gott hat es nach wie vor Bedeutung. Die Kirche hat daran zu erinnern, dass es gut und böse gibt – und daran, dass man das Gute tun und das Böse lassen soll. Radikal.

Geht dieses Bewusstsein verloren, lässt man also „Hand“ und „Auge“ tun, was sie wollen, verlieren wir das Gespür für unsere Bestimmung, die sich in einem Wort zusammenfassen lässt: Erlösungsbedürftigkeit. Denn die Versöhnung, die Gott uns in Jesus Christus anbietet und die von der Kirche sakramental gestaltet wird, gibt es nur in Rücksicht auf das, was sie nötig macht. Das heißt: Man muss die Fehler (die Kirche nennt sie „Sünden“) bereuen und sich bessern, klar, doch zunächst muss man sie überhaupt als solche erkennen! „Ich bin ein Sünder!“ Diese Einsicht ist der Beginn der Umkehr.

Das ist doch der „Witz“ der Frohbotschaft: den „Lohn“ gibt es nur durch Erlösung, die Erlösung nur nach Versöhnung. Die Versöhnung wiederum gibt es aus Liebe und Gnade, doch selbst ein liebevolles Geschenk muss man annehmen wollen. Wer sein Verhalten immer nur schönfärberisch erklärt, wird ja gar keine Notwendigkeit erkennen für die Versöhnung. Und das ist die eigentliche Gefahr: Dass wir vorbeilaufen an der Liebe und Gnade Gottes. Darauf muss die Kirche hinweisen.

Somit gilt: Nicht Frohbotschaft statt Drohbotschaft, sondern Frohbotschaft und Drohbotschaft, denn die Frohbotschaft ist in der ultimativen Drohbotschaft der Kirche enthalten. Zugleich umgreift die Drohbotschaft die Frohbotschaft: „Pass auf, dass Du die Liebe und Gnade Gottes nicht verschmähst!“

***

Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

***

+

 

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s