Myriam, mein bester Rabbi

Dieser Beitrag ist zuerst auf der neuen Seite DAS JA DES GLAUBENS erschienen. Es handelt sich um eine kostbare Initiative zum Jahr des Glaubens: katholische Blogger teilen hier ihre persönlichen Gedanken und Erkenntnisse zum Apostolischen Glaubensbekenntnis. Monat für Monat wird ein Abschnitt des Glaubensbekenntnisses von den Teilnehmern „beschrieben“ – einfach mal reinschauen!

*

Foto: Muttergottes-Statue in Medjugorje. Copyright zeitzubeten.org

Den Besuch von Benedikt XVI. in Mariazell (2007) habe ich in einem früheren Glaubenszeugnis als Anlass meiner Rückkehr zum aktiven Glauben genannt. Heute denke ich, dass es weniger dieses Ereignis war, als vielmehr ein erster Ruf der… aber der Reihe nach.

Wie kommt man eigentlich dazu, zu sagen „Ich glaube“? Was bedeutet dieses „Credo“? Und wie bleibt man in diesem Glauben? Diese Fragen in einem kleinen Beitrag grundsätzlich lösen zu wollen ist natürlich unmöglich; eine persönliche Darstellung will ich aber gerne versuchen.


*

Was heißt „glauben“?

Für manche bedeutet „glauben“ eine Art Grundgewissheit, dass Gott existiert. Vielleicht stammt dieses „Wissen“ aus der Familie, möglicherweise steckt eine konkrete Glaubenserfahrung dahinter. Das heißt aber noch lange nicht, dass daraus ein Engagement für Jesus Christus erwächst – hier weiß ich genau, wovon ich spreche, denn gute 20 Jahre lang habe ich einen recht kraftlosen Glauben gelebt.

Was also hat mich zum Glauben geführt? Angefangen hat es damit, dass ich zunächst „etwas“ in den Augen mancher Menschen meiner Umgebung zu erkennen glaubte. Einmal war es „selbstlose Liebe“, in einem anderen Fall spürte ich „Frieden mit Gott“, schließlich erlebte ich bei einem Menschen „Treue zu Gott“. Auf den Punkt gebracht: es waren Beispiele, die mich zurückholten – damit wird auch deutlich, wie wichtig Vorbilder und Zeugen des Glaubens sind.

Es gibt sie tatsächlich: Diese leuchtenden Gesichter, die schon von weitem eine Geschichte erzählen… eine Simultanübersetzerin in Medjugorje berichtet von so einem Leuchten, das sie in der letzten Reihe einer großen Menge wahrgenommen hatte. Nach ihrem Job kämpft sie sich durch die Menschen durch, und steht schließlich vor einem 95-jährigen italienischen Priester. Auf die Frage nach seinem Geheimnis antwortet er: „Mit fünf Jahren habe ich einen Pakt mit Gott geschlossen, Ihn immer zu preisen, mich nie bei Ihm zu beklagen, und diesen Vertrag konnte ich bis heute erfüllen!“ (Das ist keine „nette Geschichte“ sondern steht für eben jene Haltung, die in den nächsten beiden Absätzen skizziert wird.)

Etwas Entscheidendes fehlt noch: Wenn die Wahrheit sich am Zeugnis anderer offenbart, wie gelange ich schließlich selbst zum Glauben? Eine Hilfe dabei ist die tiefe, wahre, biblische Bedeutung des hebräischen Wortes “ich glaube”: ani maamin. Dieser Begriff steht nicht für “Ich weiß, dass es das gibt“, sondern “Ich hänge dieser Lehre an!”. Es geht dabei um ein reales körperliches Wirken: ich hänge daran, ich bilde eine Einheit damit, wie Äste und Stamm der Libanon-Zeder organisch mit ihren Wurzeln verbunden sind. Die Worte von Schwester Emmanuel (Gemeinschaft der Seligpreisungen) beschreiben das auf berührende Weise:

„Wenn ich also sage: “Ich glaube an Jesus”, dann bedeutet das, dass ich mit meinem ganzen Wesen an ihm hänge, ich “klebe” an ihm und seiner ganzen Wirklichkeit, ich bilde eine Einheit mit ihm, ich bin da, wo er ist, ich gehe dahin, wo er hingeht, ich bekomme Steine ab, wenn man ihn steinigt, ich bekomme einen Kuss, wenn man ihn küsst, anders gesagt ich bin EINS mit ihm. Wenn aber mein Glaube schwach ist, dann löst sich der Klebstoff bei der kleinsten Prüfung auf, und ich entferne mich von Gott.“
*

Wie bleibe ich im Glauben?

Nun ist „glauben“ etwas dynamisches; dieser Weg wird erst mit Tod und Auferstehung abgeschlossen. Zwei Wegmarken waren mir von Jugend an bewusst: nur sonntags zu glauben, das kann es nicht sein; und wie ist „glauben“ möglich, wenn ich nicht einmal weiß, wie ich mit Gott sprechen soll?

Wie bete ich? Wie beichte ich? Ist Gott auch wirklich barmherzig? Von diesen Fragen verstand ich wenig bis überhaupt nichts. Ein „Zufall“ – eigentlich eine Anregung meiner Frau – brachte mich dazu, genau aus diesen Themen ein Blog zu gestalten. Dieses Blog „Zeit zu beten“ war zunächst Selbsthilfe – aber in der festen Überzeugung, dass ich mit diesen Fragen nicht allein stehe.
*

Katholisch glauben!

Gehen wir noch einen Schritt weiter. Heute gehe ich fest davon aus, dass ganz bestimmte Inhalte des Glaubens unendlich hilfreich sind, vielleicht sogar die eigentliche Tür zum Glauben sind. Im ersten Absatz war von einem Ruf die Rede – in meinem Fall meine ich „die Zurufe“ der Gottesmutter. „Mit Maria auf Jesus schauen“ (Benedikt XVI.) war der erste Ruf, den ich nicht so ganz verstand. Die Einladung zum ehrenamtlichen Mitwirken bei „Radio Maria“ war ein weiterer Weckruf. Aber erst seit Medjugorje beginne ich etwas mehr zu begreifen – wenn Maria etwas will, lässt sie nicht mehr locker!

„Jesus ist auferstanden“und „Jesus ist unser wahres Brot“ sind geheimnisvolle und essentielle Eckpfeiler des Glaubens. Nach meiner Glaubenserfahrung kommt gleich danach: Jesus ist barmherzig! Wir Menschen sind von Anfang an geliebt – und (trotz aller Sünden) bis zum Ende geliebt! Wie ist es mir möglich, in dieser Frage so sicher zu sein? Meine Antwort ist – Maria. Nicht nur bei Schwester Faustyna, auch aus den Botschaften der Gottesmutter in Medjugorje geht hervor, dass „nichts Jesus mehr verletzt als mangelndes Vertrauen in seine Barmherzigkeit“.

Diese Erfahrungen sind nicht möglich – ohne Gebet. Auferstehung …heißt danken, Brot …bedeutet bitten, und Seine Barmherzigkeit …will ich preisen! Wie aber gehe ich mit den Geheimnissen des Glaubens um? Die Gottesmutter wird nicht müde, ihren Rat zu wiederholen: Betet! Betet! Betet den Rosenkranz! Ihr zu Ehren habe ich begonnen, zur Vertiefung des Glaubens eigene Geheimnisse zu beten:

…mit dem Du, o Jungfrau, uns zum Beten mit dem Herzen rufst.
…mit dem Du, o Jungfrau, uns zur Umkehr ermahnst.
…mit dem Du, o Jungfrau, uns zum Fasten ermutigst.
…mit dem Du, o Jungfrau, uns zur Versöhnung aufrufst.
…mit dem Du, o Jungfrau, uns zur Weihe an Sein und Dein Herz einlädst.

Wer könnte Jesus besser kennen als seine Mutter? Die Gottesmutter kann uns wie kein anderer Mensch zu Jesus führen:

…der uns vom Vater aus Liebe gesandt worden ist.
…der uns Gesetz und Barmherzigkeit verkündet hat.
…der ganz nach dem Willen des Vaters gelebt hat.
…der uns am Kreuz erhöht an sich zieht.
…der ewig nach den Seelen der Menschen dürstet.

So ist es mir möglich geworden, DURCH Maria zu glauben. Medjugorje hat mir geholfen MIT Maria zu glauben. Vielleicht wird es eines Tages sogar möglich WIE Maria zu glauben. Ich glaube! Ani maanin! – der Kreis schließt sich:

Myriam von Nazareth, Du bist mein bester Rabbi!

Foto: Muttergottes-Statue in Medjugorje. Copyright zeitzubeten.org

*

Sollte das jetzt so klingen, als ob der Autor in Gedanken, Worten und Taten schon glaubte? Wenn überhaupt, dann spricht dieses Bekenntnis von einer Ahnung, wie mein persönlicher Glaubensweg letztlich aussehen könnte – und jetzt freue ich mich auf Dein Bekenntnis oder Deinen Kommentar!

Anmerkungen:
1. Medjugorje ist nach Fatima und Lourdes der drittgrößte europäische Gnaden- und Erscheinungsort Mariens, dessen offizielle Anerkennung von weiteren Untersuchungen der römischen Kirche abhängt.
2. Das Zitat von Schwester Emmanuel Maillard stammt aus „Triumph des Herzens“, Parvis-Verlag, 6. Auflage 2010

*

Ein Gedanke zu “Myriam, mein bester Rabbi

  1. Hallo!
    Alle kleinen Schritte zu schildern die mich bisher führten scheint mir unmöglich und ich befürchte ich könnte sie gar nicht so in Worte kleiden damit sie von anderen verstanden würden. Aber zwei Erkenntnisse möchte ich euch erzählen/schreiben die für mich alles verändert haben:
    Jesus gab sich für uns hin bis ans Kreuz und darüber hinaus…..und da traf es mich eines Tages voll gegen die Schlagseite als eine Frau in einer Sendung/einem Interview sagte „….er tat es auch für dich“. Das löste eine Welle in mir aus, es traf mich und erregte mich im Innersten, „Jesus tat es für mich, aus Liebe“. All das Leid, all die Hingabe, und, was mich auch weiterhin zutiefst bewegt, er wusste um alles was ihm widerfahren würde und er tat es trotzdem (oder auch gerade deshalb). Er wusste das ihm das Schlimmste widerfahren würde, nicht nur die körperliche Qual, das Leid, die Demütigungen, die Schmerzen, sondern dass er wenn er unsere Sünden (die begangenen, die bestehenden, wie die kommenden) auf sich nimmt um sich für uns hinzugeben, er vom „Vater“ für diesen Moment absolut getrennt sein würde. Darum der Schmerzensschrei „mein Gott, warum hast du mich verlassen“. Er der mit dem Vater/Gott eins war musste die Verbindung lösen für uns. Ich denke das wird mich mein Leben lang im tiefsten berühren. Diese Erkenntnis öffnete mir die Tür zum „Ja“, nicht zum „ja-vielleicht, warte mal einen Moment“, sondern zum „ja“, was nicht bedeutet dass es die Zwiegespräche des „…aber warte mal“ nicht mehr gäbe, sondern es ist das „Ja ich glaube dass du mich liebst und nehme es an“ wie das „Ja, ich liebe dich“. Deswegen wird das Leben nicht wie auf einer rosa Wolke und ich denke das Menschen die die Vorstellung haben alles müsste „supi“ sein weil sie glauben bzw. Gott in ihr Leben lassen und mit ihm gehen sich irgendwo sehr enttäuscht fühlen und sehen, diese Menschen haben falsche Erwartungen.

    Die zweite Erkenntnis die so vielem eine andere Farbe schenkt ist „Maria“. An Maria glauben, sie als Vorbild sehen….na wunderbar und wie tut man das? Für mich war die Muttergottes immer etwas nun ja „da oben“. Bis ich es zu lies dass sie zu mir herunterkommt, neben mich. Warum und wie genau, ich kann es nicht sagen, aber ich durfte Maria nicht nur mehr da oben sehen. Während ich die Schrift lass stellte ich mir Maria vor und zwar aus meinen Augen, als Frau oder eigentlich als -zumindest in unserer Zeit gelte sie noch so- Mädchen. Diese Situation, als der Heilige Geist zu ihr kam, die Situation mit ihrem Verlobten Josef (mal abgesehen davon dass Frauen gesteinigt wurden in ihrer Situation, sag mal dem Mann denn du liebst „hallo ich bin schwanger aber natürlich nicht von dir….“), die Flucht aus der Heimat usw. usw. usw. Das öffnete mir die Augen für einen ganz anderen Blick, für ein anderes wahrnehmen, fühlen und verstehen und auch Maria zu folgen (ich habe nun auch den Weg des Skapuliers eingeschlagen, weil Maria nicht mehr nur da oben ist und auch weil ich mich Elija sehr verbunden fühle)
    Ich denke wir Gläubigen sind uns gleich in der Sehnsucht und in der Gewissheit dass Glauben/bzw. ich möchte lieber sagen „Gott lieben“ ein Lebensweg ist, nichts wo wir sagen nun Punkt sondern wie in einer Ehe „ineinander wachsen, verwurzeln, reifen, leben, fließen“

    Danke für euch, lässt uns unsere Zeugnisse nicht verbergen sondern einander schenken

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s