Oscar Niemeyer – ein Engel der Leichtigkeit

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Engel in Oscar Niemeyers Kathedrale, Brasilia

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Die Idee war zunächst eine kleine Hommage an den großen brasilianischen Architekten mit deutschen Wurzeln, Oscar Niemeyer; ich war immer schon verliebt in die Leichtigkeit und Eleganz seiner Architektur. Anlässlich seines Todes im 105.(!) Lebensjahr gab es eine Reihe von Berichten und Interviews, wobei ich an einer Stelle dachte, wie recht er doch hat:

Wir Menschen nehmen uns viel zu wichtig. Das Leben ist kurz und wir sind ein Nichts in Relation zum Kosmos. Wir sollten uns eher bemühen etwas nützlicher für einander und die Schöpfung zu sein.“ Bei solchen Sätzen berühmter Persönlichkeiten stellt sich sicherlich die Frage der Glaubwürdigkeit – und die darf Niemeyer, der kein großes Aufheben um seine Person machte, zugesprochen werden.

Der Beginn der folgenden Geschichte zeigt – in der Frage des „Sich Wichtignehmens“ –  eine Parallele zu Papst Johannes XXIII. Diese Geschichte kam mir in den Sinn, als ich über die bereits angesprochene Leichtigkeit nachdachte. Vom Autor der Geschichte – Anselm Grün – kennen wir die Porträts verschiedenster Engel, unter anderem des Engels der Leichtigkeit. Oscar Niemeyer, ein Engel?

„Papst Johannes XXIII. schrieb einmal in sein Tagebuch: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!“ Er hatte etwas von der Leichtigkeit an sich, die Dich der Engel der Leichtigkeit lehren möchte. Vielleicht tun sich da die Italiener mit diesem Engel leichter als die eher schwermütigen Deutschen, die alles so ernst nehmen, die an alles mit Gründlichkeit und Konsequenz herangehen.

Alles hat seine Zeit. Es ist sicher gut, wenn wir schwere Probleme wirklich anpacken. Dazu braucht es den Engel des Mutes. Aber gerade bei persönlichen Problemen ist dieses konsequente Anpacken nicht immer die Lösung. Denn je mehr wir frontal gegen unsere Fehler ankämpfen, eine desto stärkere Gegenkraft entwickeln sie. Und dann müssen wir uns ständig mit ihnen herumschlagen.

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Kathedrale in Form der Dornenkrone
Kathedrale in Form der Dornenkrone

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Da täte uns die Leichtigkeit von Papst Johannes XXIII. gut. Ausgerechnet dieser Papst, der auch sein Amt leichter genommen hat als mancher seiner Vorgänger, die unter der Last ihres Amtes zusammengebrochen sind, hat den Mut aufgebracht, ein Konzil einzuberufen und damit die Weichen für die Zukunft zu stellen.

Die Leichtigkeit bräuchten wir gerade im Umgang mit uns selbst. Viele kommen mit sich nicht weiter, weil sie so tierisch ernst mit sich umgehen. Sie können es sich nicht verzeihen, wenn sie noch Fehler haben, die man in ihrem Alter eigentlich nicht mehr haben sollte. Also gehen sie konsequent daran, diese Fehler auszurotten. Aber je mehr sie gegen die Fehler kämpfen, desto stärker melden sie sich zu Wort.

Und schon bald verlieren solche ernsten Kämpfer dann die Geduld mit sich. Entweder werden sie noch strenger gegen sich vorgehen, oder aber sie geben den Kampf auf. Der Engel der Leichtigkeit möchte uns einen andern Umgang lehren. Wir geben uns nicht einfach mit unsern Fehlern zufrieden. Aber wir kämpfen mit Humor. Wir nehmen es nicht so tragisch, wenn wir wieder einmal versagt haben. Wir nehmen unser Menschsein leicht, weil wir nicht alles selber tragen müssen, weil wir uns von Gottes Hand getragen wissen.

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Kruzifix hinter dem Altar in Oscar Niemeyers Kathedrale

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Wer meint, er müsse alles selbst lösen, der trägt schwer an seiner Verantwortung, der nimmt auch sein Menschsein als schwere Aufgabe. Die Leichtigkeit meint nicht Leichtsinn oder Fahrlässigkeit, sie gründet vielmehr auf einem tiefen Vertrauen, dass wir in Gottes guter Hand sind und dass Er für uns sorgt. Und sie weiß darum, dass wir Ihm nichts vorweisen müssen. Deshalb ist es nicht so schlimm, wenn wir einmal versagen. Denn Ihn können wir damit nicht betrüben. Wir ärgern uns nur selbst darüber, wenn wir unsern eigenen Vorstellungen nicht genügen.

Der Engel der Leichtigkeit möchte uns auch in eine neue Freiheit im Umgang miteinander führen. Wer etwa, wie ich [Anselm Grün], in einer klösterlichen Gemeinschaft lebt, der weiß, dass man nicht alles so ernst nehmen darf. Sonst macht man sich das Leben künstlich schwer. Wir sind und bleiben auch im Kloster Menschen. Das gilt selbstverständlich nicht nur für diese Gemeinschaft:

Jede Mutter, die Kinder erzieht, weiß auch, dass es nichts bringt, wenn sie sich ständig über die Fehler ihrer Kinder ärgert. Auch da braucht es die Leichtigkeit, die aus dem Vertrauen kommt, dass die Kinder schon über ihre Kinderkrankheiten hinwegkommen und irgendwann erwachsen werden. Es sind eben Kinder. Die dürfen auch Fehler machen. Die müssen aus eigenen Fehlern lernen.

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Innenraum mit Blick auf Engel und Kruzifix

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Kinder, die diese Leichtigkeit der Eltern erleben, werden mehr Vertrauen ins Leben haben als andere, bei denen die Eltern alles so ernst nehmen, bei denen die Eltern die Kindererziehung wie eine Doktorarbeit verstehen, die sie möglichst vollkommen zu erledigen haben. Wer perfekt erziehen will, der erreicht in der Regel das Gegenteil.

Die Leichtigkeit kommt auch hier aus dem Vertrauen, dass die Kinder nicht nur meine Kinder sind, dass sie in ihrer Entwicklung nicht nur von meiner ,,vollkommenen“ Erziehung abhängen, sondern dass sie in Gottes Hand sind, dass Gott für jedes Kind seinen Engel sendet, der für es sorgt.

Wenn wir die Engel betrachten, die über der Weihnachtskrippe jubilieren, oder die Putten, die die Barockzeit überall in den Kirchen platziert, dann spüren wir etwas von der Leichtigkeit, die sie ausstrahlen. Sie nehmen das Leben nicht so ernst wie wir. Sie schweben und fliegen über manches hinweg, an dem wir uns festbeißen, das wir unter allen Umständen lösen möchten.

Die Künstler haben etwas von der Leichtigkeit der Engel verstanden, indem sie sie entweder jugendlich oder sogar kindlich gemalt haben, verspielt, innerlich frei und froh. Unter diesen vielen Engeln ist auch der Engel der Leichtigkeit, der uns zugeordnet ist, damit er uns die Schwere unseres Lebens nimmt und uns die Leichtigkeit des Seins vermittelt.“ (Anselm Grün)

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Engel in Oscar Niemeyers Kathedrale, Brasilia
Engel in Oscar Niemeyers Kathedrale, Brasilia

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So ein Künstler, an den Anselm Grün wahrscheinlich nicht gedacht hat, ist Oscar Niemeyer. Gott möge den bekennenden Atheisten mit aller Gnade und Barmherzigkeit aufnehmen, und ihn für die Menschen wirken lassen: Als Engel der Leichtigkeit.

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Weitere Bilder aus der von Oscar Niemeyer entworfenen Hauptstadt Brasilia:

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PS:  Man sagt Oscar Niemeyer nach, er sei auch von
den Wellen und Kurven Brasiliens inspiriert worden.

Könnte durchaus sein ;-)

R.I.P., Oscar !!!

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