Was rät uns das Evangelium? (3. Advent – Ev. nach Lukas 3,10-18)

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Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun? Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten: Meister, was sollen wir tun? Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun? Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! Das Volk war voll Erwartung und alle überlegten im Stillen, ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei. Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort: Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen. Schon hält er die Schaufel in der Hand, um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er in nie erlöschendem Feuer verbrennen. Mit diesen und vielen anderen Worten ermahnte er das Volk in seiner Predigt. (Lukas 3, 10-18)

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Was sollen wir tun?

Diese Grundfrage der Ethik wird hier an Johannes den Täufer gerichtet. Gestellt wird sie von den unterschiedlichsten Menschen. Und Johannes gibt ihnen Auskunft, wie auch Jesus es nicht anders getan hätte:

Klar. Unmissverständlich. Jeder von ihnen kann dort, wo er steht, etwas tun, kann sich christlich verhalten – die nicht näher bezeichneten „Leute“ sollen teilen, die „Zöllner“ sollen sich an die Vorschriften halten, d. h. die Steuer nur auf gesetzlicher Grundlage erheben, in der festgesetzten Höhe, ja, selbst die „Soldaten“ können etwas tun: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold!

Thomas von Aquin wird mehr als ein Jahrtausend später bei der Formulierung des moraltheologischen Prinzips soldatischen Wohlverhaltens als Grundsatz der Kriegsführung diese Antwort nach Lukas 3,14 zugrundelegen. Zu den drei Bedingungen des Kriegseintritts (gerechter Grund, gute Absicht und die legitime Befugnis desjenigen, der den Krieg erklärt und führt) tritt für Thomas die Bedingung des geringsten Mittels hinzu, und zwar derart, dass bei einem Verstoß gegen diese Bedingung auch ein anfänglich gerechtfertigter Krieg durch die unverhältnismäßigen Mittel, mit denen er geführt wird, nachträglich noch zum Verbrechen werden kann.

Misshandelt niemand. Wir haben wohl alle noch die Folterbilder aus dem irakischen Gefängnis Abu Ghraib vor Augen, in dem US-amerikanische Soldaten so eklatant gegen die Weisung des Evangeliums verstießen. Vor rund sieben Jahren zeigten die veröffentlichten Dokumente die unmenschliche, entwürdigende Behandlung von Gefangenen in ihrer ganzen Grausamkeit. Soldaten sind sehr oft beteiligt, wenn irgendwo Menschen misshandelt werden. Diktatorische Regime bauen ihre unterdrückerische Gewalt auf den Militärapparat, und auch in Demokratien scheint es im Bereich der Armee Sonderregeln zu geben, wenn es denn der Staatsräson dient – zu Lasten Schwächerer. Ergo: Soldaten haben Macht. Jesus weiß das, schließlich lebt Er in einer Militärdiktatur. Die Römer haben das Land fest im Griff, foltern und ermorden zahlreiche Aufständische. Und es werden schließlich römische Soldaten sein, die Jesus vor der Hinrichtung quälen. Sie haben damit die Worte des Evangeliums nicht befolgt: Misshandelt niemand.

Derzeit sind 6.364 Bundeswehrsoldaten im Auslandseinsatz. In Afghanistan, im Libanon, im Kosovo, am Horn von Afrika. Ihnen, aber auch ihren Kolleginnen und Kollegen, die ganz normal in Deutschland ihren Dienst tun, gilt das Wort des Evangeliums: Misshandelt niemand, erpresst niemand, begnügt euch mit eurem Sold! In Deutschland arbeiten zudem 120.000 Finanzbeamte. Sie sollten sich in der Forderung Johannes des Täufers nach gesetzmäßiger Steuerverwaltung wiederfinden: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist. Und wir, die „Leute“? Das Evangelium sagt uns, was wir tun sollen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem, der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso. Erkundigen Sie sich doch einfach nach der nächstgelegenen Diakonie- oder Caritasstation, die noch warme Wintersachen entgegennimmt. Vielleicht gibt es ja auch eine Suppenküche in Ihrer Nähe, die gerne noch Lebensmittelspenden annimmt. So zu handeln, wie der letzte Prophet seinen Zeitgenossen (im Namen des Messias) rät, ist auch heute möglich, für „Soldaten“, für „Zöllner“ und für „Leute“ – für Menschen wie Sie und ich.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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4 Gedanken zu “Was rät uns das Evangelium? (3. Advent – Ev. nach Lukas 3,10-18)

  1. Danke für die positiven Rückmeldungen!

    Leider ist mir in der obigen Auslegung ein ziemlich großer Fehler unterlaufen: Ich habe die Rede Johannes des Täufers in der Wüste, von der Lk 3 handelt, Jesus Christus zugeschrieben und damit den gleichen Irrtum begangen, wie die, die damals meinten, Johannes sei bereits der erwartete Messias. – Ich denke zwar, dass Jesus die Worte Seines Künders (und Cousins) Johannes durchaus unterschreiben könnte, aber sie stammen von Johannes.

    Herzliche Grüße,
    Josef Bordat

    1. Lieber Josef,
      Johannes der Täufer bereitet uns vor auf Jesus Christus, und seine Worte dürfen so verstanden werden, wie Du es im obigen Text formuliert hast.

      Oder anders gesagt: Jesu Stimme ist hier mit Stimme dessen gleichzusetzen, der von Jesus selbst als der Größte auf Erden (Lk 7,28; Mt 11,11) bezeichnet wird!

      Um jedoch Mißverständnissen vorzubeugen, ist der Beitrag entsprechend ergänzt worden.

      Herzliche Grüße zurück!
      Stefan / zeitzubeten.org

    1. Danke, Bruder Martin, für Deinen Kommentar –

      – und ja, bei diesem Text von Josef Bordat kann ich Dir nur zustimmen:
      Die Wegweiser zu paradiesischen Zuständen sind aufgerichtet, also dann…

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