3. Advent: Freut euch – seid gütig und barmherzig! (Texte + Gebete)

Gaudete

Gaudete

„Gaudete“ ist das erste Wort des Introitus (lat. gaudete = Freuet euch allezeit!) des Eröffnungsverses in der Hl. Messe am dritten Adventssonntag.  Der Sonntag Gaudete hat im Sonntag Laetare seine Entsprechung: Beide Sonntage in der Advent- bzw. Fastenzeit nehmen das bevorstehende Heilsereignis, Ostern bzw. Weihnachten, schon in der Vorzeit in den Fokus, sind erfüllt von Vorfreude auf das Kommen des Herrn! Anstelle des in der Adventszeit üblichen violetten Messgewandes tragen Priester auch ein rosa Messgewand als Zeichen der Vorfreude auf das Weihnachtsfest.

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Benedikt XVI Gaudete

Über die wahre Freude

Die liturgischen Texte dieser Adventszeit fordern uns erneut auf, in der Erwartung Jesu zu leben und nicht aufzuhören, seine Ankunft zu erwarten, so dass wir in einer Haltung der Offenheit und der Bereitschaft für die Begegnung mit ihm bleiben. Die Wachsamkeit des Herzens, zu deren Ausübung der Christ immer, alle Tage seines Lebens, berufen ist, kennzeichnet im Besonderen diese Zeit, in der wir uns freudig auf das Weihnachtsgeheimnis vorbereiten (vgl. Präfation vom Advent II). Die äußere Umgebung bietet die gewohnten, kommerziellen Botschaften dar, wenn auch vielleicht weniger laut aufgrund der Wirtschaftskrise. Der Christ ist dazu aufgefordert, die Adventszeit zu leben, ohne sich von den Lichtern ablenken zu lassen, wohl wissend um den Wert der Dinge, um den inneren Blick auf Christus zu richten. Wenn wir wirklich „wachend im Gebet und freudig im Lobpreis“ (ebd.) verharren, werden unsere Augen in der Lage sein, in ihm das wahre Licht der Welt zu erkennen, das kommt, um unsere Finsternis zu erleuchten.

Die Liturgie des heutigen Sonntags, der „Gaudete“ genannt wird, lädt uns ganz besonders zur Freude ein, zu einer Wachsamkeit, die nicht traurig, sondern froh ist. „Gaudete in Domino semper“ – schreibt der heilige Paulus: „Freut euch zu jeder Zeit im Herrn“ (Phil 4,4). Die wahre Freude ist keine Frucht des Vergnügens, verstanden in der ethymologischen Bedeutung des Wortes „di-vertere“, das bedeutet, aus den Verpflichtungen des Lebens und aus seiner Verantwortlichkeit herauszutreten. Die wahre Freude ist mit etwas Tieferem verbunden. Es ist gewiss wichtig, im Rhythmus des Alltags, der oft hektisch ist, Zeiten der Ruhe für die Entspannung zu finden. Aber die wahre Freude ist mit der Beziehung zu Gott verbunden. Wer Christus im eigenen Leben begegnet ist, erlebt im Herzen eine Ruhe und eine Freude, die uns niemand und keine Situation nehmen kann. Der heilige Augustinus hatte das sehr gut verstanden. Bei seiner Suche nach der Wahrheit, dem Frieden und der Freude – nachdem er diese in vielen Dingen umsonst gesucht hatte – sagt er abschließend, dass das Herz des Menschen unruhig ist und weder Ruhe noch Frieden findet, bis es ruht in Gott (vgl. Confessiones, I, 1,1). Die wahre Freude ist kein vorübergehender Gemütszustand und auch nicht etwas, das man aus eigener Kraft erreicht, sondern sie ist ein Geschenk, das erwächst aus der lebendigen Begegnung mit der Person Jesu, aus dem Raum-Schaffen für ihn in uns, aus der Aufnahme des Heiligen Geistes, der unser Leben führt.

Dem entspricht die Aufforderung des Apostels Paulus, der sagt: „Der Gott des Friedens heilige euch ganz und gar und bewahre euren Geist, eure Seele und euren Leib unversehrt, damit ihr ohne Tadel seid, wenn Jesus Christus, unser Herr, kommt“ (1 Thess 5,23). In dieser Adventszeit wollen wir die Gewissheit stärken, dass der Herr mitten unter uns gekommen ist und beständig seine tröstende, liebende, frohmachende Gegenwart erneuert. Vertrauen wir ihm; wie wiederum der heilige Augustinus im Licht seiner Erfahrung sagt: Der Herr ist uns näher, als wir selbst es uns sind – „interior intimo meo et superior summo meo“ (Confessiones, III,6,11).

Vertrauen wir unseren Weg der Unbefleckten Jungfrau Maria an, deren Geist in Gott, dem Retter, gejubelt hat. Sie möge unsere Herzen zur frohen Erwartung der Ankunft Jesu führen, einer Erwartung, die reich an Gebet und guten Werken ist.

(Benedikt XVI, Dezember 2011, Gaudete)

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Advent-3 Kerzen

Impuls zum Tag

Nicht jeden Tag sind wir in freudiger Stimmung, auch nicht jeden Sonntag. Wenn wir Lieder der Freude singen, ist es oft nur unsere arme, allein gelassene Stimme, die zu singen versucht. Wo ist das Herz? Wo ist der Geist Gottes? Es gibt auch die hohen Zeiten, Stunden, wo wir spüren, dass wahrhaftig Gott in unserer Mitte ist. Und wenn wir selber ganz da sind, können wir uns einfach und unmittelbar zu ihm hinwenden. Da ist die Freude mehr als nur eine Stimmung, sie ist Gabe des anwesenden Gottes.

(Benediktinerkloster Beuron)

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Tagesevangelium

Da fragten ihn die Leute: Was sollen wir also tun?
Er antwortete ihnen: Wer zwei Gewänder hat, der gebe eines davon dem,
der keines hat, und wer zu essen hat, der handle ebenso.
Es kamen auch Zöllner zu ihm, um sich taufen zu lassen, und fragten:
Meister, was sollen wir tun?
Er sagte zu ihnen: Verlangt nicht mehr, als festgesetzt ist.
Auch Soldaten fragten ihn: Was sollen denn wir tun?
Und er sagte zu ihnen: Misshandelt niemand, erpresst niemand,
begnügt euch mit eurem Sold!
Das Volk war voll Erwartung, und alle überlegten im Stillen,
ob Johannes nicht vielleicht selbst der Messias sei.
Doch Johannes gab ihnen allen zur Antwort:
Ich taufe euch nur mit Wasser. Es kommt aber einer,
der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert,
ihm die Schuhe aufzuschnüren.
Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.
Schon hält er die Schaufel in der Hand,
um die Spreu vom Weizen zu trennen und den Weizen
in seine Scheune zu bringen; die Spreu aber wird er
in nie erlöschendem Feuer verbrennen.
Mit diesen und vielen anderen Worten
ermahnte er das Volk in seiner Predigt.

(Evangelium nach Lukas 3,10-18)

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Aus dem Gefängnis schreibt der Apostel an die Gemeinde von Philippi. Er weiß sich mit ihr verbunden im Glauben an Christus und im Warten auf seine Wiederkunft. „Der Herr ist nahe“, das sagt Paulus auch vor der Möglichkeit seines baldigen Todes. Die Nähe Christi bedeutet ihm Freude und Frieden; beides wünscht er auch der Gemeinde, an die er schreibt.

(Benediktinerkloster Beuron)

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Brief des Apostels Paulus an die Philipper 4,4-7.

Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich:
Freut euch!

Eure Güte werde allen Menschen bekannt. Der Herr ist nahe.
Sorgt euch um nichts, sondern bringt in jeder Lage betend und
flehend eure Bitten mit Dank vor Gott!

Und der Friede Gottes, der alles Verstehen übersteigt,
wird eure Herzen und eure Gedanken in der Gemeinschaft
mit Christus Jesus bewahren.

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Johannes Paul II Gaudete

„Freut euch im Herrn zu jeder Zeit!

Noch einmal sage ich: Freut euch! Der Herr ist nahe!“

Mit diesen Worten des Apostels Paulus lädt uns die Liturgie zur Freude ein. Der heutige dritte Sonntag in der Adventszeit wird aus diesem Grund auch »Gaudete« genannt…
Der Advent ist eine Zeit der Freude, denn er läßt uns aufs neue die Erwartung des freudigsten Ereignisses der Geschichte erleben: die Geburt des Sohnes Gottes aus der Jungfrau Maria. Zu wissen, daß Gott nicht fern ist, sondern nahe, nicht gleichgültig, sondern mitleidsvoll, nicht ein Fremder, sondern ein barmherziger Vater, der sich unter Achtung unserer Freiheit liebevoll um uns kümmert: all dies ist Grund zu tiefer Freude, der selbst die Wechselfälle des alltäglichen Lebens nichts anhaben können.
Es ist ein unverwechselbares Kennzeichen der christlichen Freude, daß sie sehr wohl auch neben dem Leid bestehen kann, denn sie gründet vollkommen auf der Liebe. In der Tat kommt der Herr – der uns so »nahe« ist, daß er Mensch wurde –, um uns seine Freude, die Freude zu lieben, einzuflößen. Nur so läßt sich die unbeschwerte Freude der Märtyrer verstehen auch inmitten aller Prüfungen oder das Lächeln der Heiligen der Nächstenliebe angesichts der Menschen im Elend: ein Lächeln, das nicht verletzt, sondern tröstet. »Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir« (Lk 1,28). Die Verkündigung des Engels an Maria ist eine Einladung zur Freude. Bitten wir die allerseligste Jungfrau um die Gabe der christlichen Freude.

(Sel. Johannes Paul II., Papst Angelus am 14/12/2003)

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Mutter Teresa mit Kind

Für den Tag und die Woche

Die Freude kommt aus der Erwartung, aus der Gegenwart, aus der liebenden Nähe. Hat der Christ von alledem mehr als andere Menschen? Die Frage ist, ob er Christus hat; ob er auf dem Weg ist Christus zu werden: „zu lieben, wie er liebt; zu helfen, wie er hilft; zu geben, wie er gibt; zu dienen, wie er dient, zu retten, wie er rettet. Vierundzwanzig Stunden mit ihm zu sein und ihn in seiner elendesten Verkleidung zu berühren.“

(Mutter Teresa von Kalkutta)

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GEBETE

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Verkündigung Maria Engel Fra Angelico 1434

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Macht hoch die Tür

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit,
ein König aller Königreich,
ein Heiland aller Welt zugleich,
der Heil und Leben mit sich bringt;
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Schöpfer reich von Rat.

Er ist gerecht, ein Helfer wert;
Sanftmütigkeit ist sein Gefährt,
sein Königskron ist Heiligkeit,
sein Zepter ist Barmherzigkeit;
all unsre Not zum End er bringt,
derhalben jauchzt, mit Freuden singt:
Gelobet sei mein Gott,
mein Heiland groß von Tat.

O wohl dem Land, o wohl der Stadt,
so diesen König bei sich hat.
Wohl allen Herzen insgemein,
da dieser König ziehet ein.
Er ist die rechte Freudensonn,
bringt mit sich lauter Freud und Wonn.
Gelobet sei mein Gott,
mein Tröster früh und spat.

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit,
eu’r Herz zum Tempel zubereit’.
Die Zweiglein der Gottseligkeit
steckt auf mit Andacht, Lust und Freud;
so kommt der König auch zu euch,
ja, Heil und Leben mit zugleich.
Gelobet sei mein Gott,
voll Rat, voll Tat, voll Gnad.

Komm, o mein Heiland Jesu Christ,
meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein;
dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit
den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr,
sei ewig Preis und Ehr.

(Georg Weissel)

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Jesus , du bist das Licht

Jesus Christus, du bist das Licht im tiefsten Dunkel.
Du bringst Freude den Freudlosen
und Zuversicht den Menschen, die ohne Hoffnung sind.
Du öffnest den Blinden die Augen und den Tauben die Ohren.

Erfülle uns Menschen mit deiner Lebenskraft,
damit wir dich in unserem Leben wahrnehmen
und einander Licht und Freude sind.
Darum bitten wir dich für heute und für alle Tage unseres Lebens.
Amen.

(Diözese Linz)

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Gebet um Freude

Mein Gott, ich bitte dich um Freude,
nicht um die große himmlische,
sondern um die kleine irdische Freude,
die mein Herz beschwingt,
mich froh und heiter macht,
mich lachen und singen lässt.
Gib mir menschliche Freude!

Um eine Freude bitte ich dich, mein Gott,
die um sich greift
und die Schwermut durchdringt,
den Stumpfsinn verjagt
und die Traurigkeit erhellt,
die Starrheit löst.
Gib mir befreiende Freude!

(aus dem Jugendgebetbuch der Burg Altperstein)

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An die Freude

O Freunde, nicht diese Töne!
Sondern laßt uns angenehmere anstimmen
und freudenvollere.
Freude! Freude!

Freude, schöner Götterfunken
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligthum!

Deine Zauber binden wieder
Was die Mode streng getheilt;
Alle Menschen werden Brüder,
Wo dein sanfter Flügel weilt.

Wem der große Wurf gelungen,
Eines Freundes Freund zu sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!

Ja, wer auch nur eine Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt, der stehle
Weinend sich aus diesem Bund!

Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.

Küsse gab sie uns und Reben,
Einen Freund, geprüft im Tod;
Wollust ward dem Wurm gegeben,
Und der Cherub steht vor Gott.

Froh, wie seine Sonnen fliegen
Durch des Himmels prächt’gen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig, wie ein Held zum Siegen.

Seid umschlungen, Millionen!
Diesen Kuß der ganzen Welt!
Brüder, überm Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.

Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer, Welt?
Such‘ ihn überm Sternenzelt!
Über Sternen muß er wohnen…

(Friedrich Schiller)

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