Newtown: Robbie Parker, danke für Dein Zeugnis

Newton Amoklauf Massaker 2012
flickr.com – bostonpeter7

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Was kann einen härter treffen als der Tod seines kleinen Kindes, eine Mutter, die ihren kleinen Sohn verliert, ein Vater, der die kleine Tochter verliert? Lassen wir die Frage so stehen, schließlich ist in den Tagen nach Newtown, Connecticut, wieder besonders deutlich geworden, wovon die Rede ist.

Robbie Parker ist ein betroffener Vater. In seiner Rede, die viele gehört und gelesen haben, kommt das zum Ausdruck, was als christliche Haltung bezeichnet werden darf. Das ist nicht vereinnahmend gemeint – seht, wie großartig christliche Menschen reagieren, wenn sie größtes Leid erfahren – sondern mahnt ein beachtenswertes Vorbild ein, für jeden Menschen.

Die Ereignisse von Newtown zeigen, dass Angehörige der Opfer überrollt werden, nicht nur von tragischen Verlusten, sondern auch vom Informationsbedürfnis der modernen Mediengesellschaft. Es gehört Umsicht und Mut dazu, sich diesen Fragen zu stellen.

Schließlich zeigt sich in solchen Situationen, ob Betroffene über ihre eigene Situation hinaussehen, nicht nur andere Opfer ausdrücklich miteinschließen, sondern auch die eigene und die gesellschaftliche Zukunft ansprechen. Als ganz besondere Haltung darf angesprochen werden, wenn ein betroffener Elternteil den Mörder und sein Umfeld in sein Mitgefühl miteinbezieht.

Robbie Parker liebt seine Tochter Emilie und er hat uns ein wunderbares Zeugnis davon gegeben. Gerade zu dieser Zeit, im Advent, können wir uns ganz besonders hineinfühlen in Maria und Josef – und ihre Sorge um den so schützenswerten, ungeborenen Jesus.

Robbie Parker, danke für Dein Beispiel und Zeugnis, Du bist ein Vorbild für die schweren Tage unseres Lebens. Wir beten für Dich, für Emilie, für Deine Familie, so wie für den Mörder und seine Angehörigen.

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Die Rede Robbie Parkers und weitere Kommentare

„Mein Name ist Robbie Parker. Meine Familie ist eine von denen, die gestern ein Kind bei der Schießerei in der Sandy Hook Grundschule hier in Connecticut verloren haben. So viele Menschen und Organisationen haben mit mir Kontakt aufgenommen und wollten wissen, wie es uns geht. Ich glaube, dies könnte der beste Weg sein, diese Gefühle mit allen zu teilen.

Als erstes möchte ich all den Familien, die direkt von dieser Schießerei betroffen sind, unser tiefstes Beileid aussprechen. Es ist eine schreckliche Tragödie, und ich möchte, dass alle wissen, dass wir in unseren Herzen und Gebeten bei ihnen sind. Das gilt auch für die Familie des Schützen. Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie schwierig dies alles für Sie ist, und ich möchte, dass Sie wissen, dass unsere Familie, unsere Liebe und unsere Unterstützung auch Sie mit einschließt.

In diesem Moment möchten wir so vielen Menschen danken. So vielen Freunden, Verwandten, aber auch Fremden. Menschen, die wir gar nicht kennen – für die Liebe und Unterstützung und ihr Beileid. Meine Tochter Emilie wäre eine der ersten, die all diesen Opfern ihre Liebe und Unterstützung geben würde. Denn das ist die Art von Mensch, der sie ist. Nicht aufgrund irgendwelcher Erziehungsmethoden von meiner Frau und mir, sondern weil das die Gaben waren, die sie von Gott bekommen hat.

Während sich nun die tiefe Trauer in unseren Herzen festsetzt, finden wir Trost, indem wir uns daran erinnern, was für ein unglaublicher Mensch Emilie war. Und wie viele Menschenleben sie berühren konnte, in der kurzen Zeit, die sie auf dieser Welt war.

Emilie war klug, kreativ und sehr liebevoll. Emilie wollte immer neue Dinge ausprobieren. Außer beim Essen. Sie liebte es, mit ihren Talenten die Leben aller zu berühren, mit denen sie in Kontakt kam. Sie war künstlerisch sehr begabt und trug immer ihre Stifte mit sich herum. Sie wollte keine Gelegenheit versäumen, ein Bild oder eine Karte für jemanden zu malen.

Ich kann gar nicht nachzählen, wie oft Emilie bemerkte, dass jemand traurig oder frustriert war und sie sofort ein Blatt Papier suchte, um ihnen etwas zu zeichnen oder etwas Aufmunterndes zu schreiben. Emilies Art, Karten zu machen, kam im vergangenen Oktober besonders schön zur Geltung. Sie legte eine sehr besondere Karte zu ihrem Opa in den Sarg, der auch erst vor kurzem bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen war.

Emilie war ein Mentor für ihre zwei kleinen Schwestern, und es machte ihr Freude, ihnen lesen oder tanzen beizubringen und die einfachen Freuden im Leben zu finden. Emilies Lachen war ansteckend, und all jene, die das Glück hatten, sie kennenzulernen, würden mir zustimmen, dass diese Welt ein besserer Ort ist, weil sie auf ihr war.

Wenn wir nun von dem, was hier passiert ist, in die Zukunft schauen, dann lassen wir das Geschehene nicht zu etwas werden, das uns bestimmt, sondern zu etwas, das uns inspiriert, zu besseren, mitfühlenderen und bescheideneren Menschen zu werden. Lasst uns bitte dieses Gefühl von Liebe, das wir für unsere Familien fühlen, und das Mitgefühl für andere beibehalten…sogar für völlig Fremde. Lasst uns diese Gefühle behalten, nicht nur in Zeiten von Schmerz und Leid. Und wir können dies tun, um unsere Gemeinden in all unseren Städten und Bundesstaaten besser zu machen, so dass sich alle sicher fühlen können. Vielen Dank.“

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Emilies Vermächtnis

„Unsere Töchter wurden innerhalb von drei Jahren nacheinander geboren, also stehen sie sich sehr nahe. Sie brachte meiner mittleren Tochter das Lesen bei und half meiner jüngsten Tochter, Sachen zu basteln. Sie sahen zu ihr auf und kamen zu ihr, wenn sie Trost brauchten. Normalerweise ist das was für Mutti und Vati, aber es war süß zuzusehen – wenn eine von ihnen hinfiel oder ihre Gefühle verletzt wurden, dann rannten sie zu Emilie für Hilfe, Umarmungen und Küsse.“

Sie war die Art von Mensch, der in einem Raum die Sonne aufgehen ließ. Sie hatte immer über jeden etwas Gutes zu sagen. Ihre Liebe und die Stärke, die sie uns gab, und das Vorbild, das sie für uns war, sind bewundernswert. Sie ist ein unglaublicher Mensch, und ich bin gesegnet, dass ich ihr Vater sein darf.

Ich bin nicht wütend. Denn ich habe meinen freien Willen, dieses Ereignis zum Anlass zu nehmen, um alles zu tun, was ich kann, um sicherzustellen, dass meine Familie, meine Frau und meine Töchter versorgt sind. Und wenn es irgendetwas gibt, das ich tun kann, um jemandem zu helfen, jederzeit, egal wo, dann werde ich das tun.“

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Quelle für die Worte Robbie Parkers: heute.de

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Link zur Kondolenz des Papstes und einem Gebet

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6 Gedanken zu “Newtown: Robbie Parker, danke für Dein Zeugnis

  1. Was passiert nur mit den Waffen, wenn alle Amerikaner entwaffnet sind?

    Andere Frage: Wer produziert denn eigentlich Waffen und schickt sie mit den Soldaten in Kriege? Das sollten wohl die gleichen Herren sein, die die Entwaffnung fordern, oder? Der Todesschütze aus Conneticut ist aber in den Schlagzeilen. Eigenartig. Wer hat nun mehr Menschenleben auf dem Gewissen?

    Ist es nicht auch so, dass eine handvoll korrupter Leute ganze Völker umbringen lassen? Tag für Tag? Diese richten somit viel mehr Schaden an als Menschen, die den Boden unter ihren Füssen verloren haben und mit einer Waffe Amok laufen.

    Glauben wir alle, dass die Kirche nicht wieder gegen anders gesinnte mobil machen wird? Glauben wir alle, dass unsere Staatsoberhäupter fehlerfrei sind und es keinen 3. Weltkrieg mehr geben wird? Glauben wir, dass wir aus der Geschichte lernen? Glauben wir, dass wir Teil der Regierung sind? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier vergleichbar mit einem Hausschwein. Hausschweine sind sehr reinliche und intelligente Tiere, trotzdem kann man sie in Ställen halten und sie mit Abfall füttern.

    Solange der Vatikan glaubt, wichtige Dokumente der Menschheit vorenthalten zu müssen, solange die Regierungen und Medien glauben, die müßten zensieren, solange Amerikanische Präsidenten glauben, es sei nun wichtig, das eigene – bereit manipulierte Volk – zu entwaffnen anstatt allen Bürgern das Recht auf kostenlose Bildung, Medizin und Obdach zu ermöglichen und Wohlstand weltweit zu gewähren – dazu gehört auch endlich eine Reichensteuer, solange Pfarrer nicht Mensch sein dürfen = keinen Sex haben dürfen = solange nicht auch Menschen wie du und ich Pfarrer sein dürfen (ja dazu zähl ich ich auch Frauen und Transgender!), solange wir verhaftet in alten Traditionen sind….solange denke ich, sollten wir beten.

    Wie siehts denn statt einem Verbot für den freien Erwerb von Sturmgewehren damit aus: Ein Verbot des Vatikans, Dokumente zurückzuhalten, auf die die gesamte Menschheit Anspruch hat. Oder sind die Dokumente und Beweisstücke des Vatikan ebenso gefährlich wie semiautomatische Schusswaffen?

  2. ja, so ist es. Danke, dass du dein Anliegen noch einmal erläutert hast. Vollkommen richtig. Nur wenn wir aus Liebe zu Gott uns um eine Veränderung in uns und um uns bemühen, gelingt es uns, sich in SEINEM Willen ein zu schwingen. Und wir müssen bei uns selbst anfangen. Gott läßt Leid zu, er will uns durch sein und durch unser Kreuz an sich ziehen. Sehr schöner und wichtiger Gedanke in der Adventszeit, der Zeit der Erwartung des Herrn.

  3. Beten wir dafür, dass Gott die Amerikaner, die in der großen Mehrheit sehr gläubig sein sollen, in ihren Herzen berührt, nun etwas zu ändern. Es gibt zu leichten und unkontrollierten Zugang zu Waffen in den USA. Das Gewaltmonopol gehört allein dem Staat, nicht einzelnen Bürgern. Mit Waffen, Drogen, Alkohol und Protitution verhält es sich ähnlich. Je leichter der Zugang ist, desto mehr werden diese Dinge mißbraucht und fügen der Gesellschaft Schäden zu.
    Gedenken wir auch die Gefahr, die von unserer Mediengesellschaft ausgeht. Müssen im Fernsehen heulende Eltern gezeigt werden? Muss individuelles Leid und Trauer nicht auch vor den Voyeuren der Öffentlichkeit beschützt werden?

    1. Hallo Schorsch, danke für Deinen Kommentar.

      Als Christen bewegen wir uns zwischen den Gegebenheiten, die jetzt und heute herrschen, und den Zuständen, auf die wir hinarbeiten, für die wir beten, und auf die wir hoffen.

      Die Mediengesellschaft ist Fakt, und als Christ denke ich, dass wir Robbie Parker dankbar sein dürfen für sein Beispiel, sich jetzt und heute in dieser Gesellschaft zu bewegen, und seinen Glauben zu bekennen.

      „Zugang“ zu Macht, Gewalt? Der Mensch ist mit jeder Freiheit ausgestattet worden (Gal 5,1) und daher hilft die Forderung nach „staatlichen Verfügungen“ nicht wirklich.

      Der Mensch hat sich zu ändern, in dem ein anderer Mensch mit Liebe auf ihn einwirkt und/oder Gottes Gnade wirksam wird.

      Ganz anders verhält es sich mit dem Staat: Unabhängig ob Demokratie oder Diktatur, der Staat wird immer nur dasjenige Gesicht zeigen, das die mächtigsten gesellschaftlichen Lobbys repräsentiert.

      Mit keinem Staat der Welt kommen wir dem Himmelreich auch nur einen Schritt näher.

      Daher: Glauben wir an Gott und die Menschen als seine Ebenbilder – dieser Weg führt zum Himmelreich!

      1. Stimmt, jeder Mensch hat die Freiheit, sich für das Gute und das Böse zu entscheiden. Sind wir aber nicht berufen, den Mördern die Waffen aus der Hand zu schlagen? Sind wir nicht berufen, für Abrüstung und Begrenzung der Mordmittel zu sorgen? Unsere größte Waffe ist das Gebet. Aus diesem Grunde beten wir ja auch, dass Gott die Herzen der Menschen berühren möge. Gott ist alles möglich. Wir sind als Christen berufen, uns für das Gute einzusetzen. Dazu gehört auch, auf Gesellschaft und Staat Einfluss zu nehmen. Der Staat, so lehrt uns auch der Katechismus, soll den Rahmen für ein friedliches und gerechtes Zusammenleben schaffen. Daran sollen wir in Wort und Tat mitwirken. Ansonsten wären wir nur „fromme“ Christen, die untätig in einem Elfenbeinturm sitzen.

        1. Kein Einspruch…
          mir geht es um den Ansatz, um das Herangehen.

          Menschen wie Robbie Parker nutzen gerade im größten Leid ihre Freiheit, um auf Gott zu verweisen. (Es hätte auch der Hinweis kommen können, dass die Schullleiterin nicht bewaffnet war, so eine Originalstimme aus den gestrigen Nachrichten…)

          Der Ansatz, dem ich mich immer mehr zu nähern versuche, stammt von Mutter Teresa: Wann immer die Frage nach kirchlichen oder gesellschaftlichen Veränderungen auftaucht – Du und ich, wir haben uns zu allererst zu verändern!

          Dann, wenn Menschen sich wie Robbie Parker verhalten, wird ihr Wort – das in dem Moment auch Gottes Wort entspricht – gehört.

          Auf dieser Grundlage können er und/oder andere Forderungen erheben, z.B. ein Verbot für den freien Erwerb von Sturmgewehren…

          In diesem Sinne,
          und vor allem im Gebet verbunden!

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