Heiliger Abend (Texte und Gebete)

Weihnacht - Ikone von Rublev

Der Weg zur Stille

„Weihnachten ruft uns in die Stille Gottes hinein, und sein Geheimnis bleibt so vielen verborgen, weil sie die Stille nicht finden können, in der Gott handelt. Wie finden wir sie? Das bloße Schweigen allein schafft sie noch nicht. Denn es kann ja ein Mensch äußerlich schweigen, und doch ist er von der Unrast der Dinge völlig zerrissen. Es kann einer schweigen und doch ist es unheimlich laut um ihn.

Still werden bedeutet: eine neue innere Ordnung finden. Es bedeutet, nicht bloß auf das hinzuschauen, was unter den Menschen gilt und einen Verkehrswert unter ihnen hat. Stille bedeutet, die inneren Sinne zu entwickeln, den Sinn des Gewissens, den Sinn für das Ewige in uns, die Hörfähigkeit für Gott.“

(Benedikt XVI.)

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Eröffnungsvers

Nun ist die Fülle der Zeit gekommen,
da Gott seinen Sohn in die Welt sendet.

(Vgl. Gal 4, 4)

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Tagesgebet

Herr Jesus Christus,
komm bald und säume nicht.
Richte uns auf durch deine tröstliche Ankunft,
denn wir hoffen auf deine Güte.
Der du in der Einheit des Heiligen Geistes
mit Gott dem Vater
lebst und herrschst in alle Ewigkeit.

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Ruf vor dem Evangelium

Halleluja. Halleluja.
Du Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes,
der Gerechtigkeit strahlende Sonne:
komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis
und im Schatten des Todes!
Halleluja.

(Quelle für Gebet und Ruf: Erzabtei Beuron)

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Weihnachtsevangelium

In jenen Tagen erließ Kaiser Augustus den Befehl,
alle Bewohner des Reiches in Steuerlisten einzutragen.
Dies geschah zum erstenmal;
damals war Quirinius Statthalter von Syrien.

Da ging jeder in seine Stadt, um sich eintragen zu lassen.
So zog auch Josef von der Stadt Nazaret in Galiläa hinauf nach Judäa
in die Stadt Davids, die Betlehem heißt; denn er war aus dem Haus
und Geschlecht Davids.

Er wollte sich eintragen lassen mit Maria, seiner Verlobten,
die ein Kind erwartete. Als sie dort waren,
kam für Maria die Zeit ihrer Niederkunft,
und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen.

Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe,
weil in der Herberge kein Platz für sie war.
In jener Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und
hielten Nachtwache bei ihrer Herde.

Da trat der Engel des Herrn zu ihnen, und der Glanz des Herrn
umstrahlte sie. Sie fürchteten sich sehr,
der Engel aber sagte zu ihnen:
Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude,
die dem ganzen Volk zuteil werden soll:

Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren;
er ist der Messias, der Herr.
Und das soll euch als Zeichen dienen:
Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt,
in einer Krippe liegt.

Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer,
das Gott lobte und sprach:
Verherrlicht ist Gott in der Höhe,
und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.

(Evangelium nach Lukas 2,1-14)

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Krippe im Licht

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Der hl. Franziskus an der ersten Weihnachtskrippe

Etwa vierzehn Tage vor der Geburt des Herrn sprach Franz: „Ich möchte das Gedächtnis an jenes Kind begehen, das in Bethlehem geboren wurde, und ich möchte die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich mit leiblichen Augen schauen…“

Krippe

Es nahte aber der Tag der Freude. Aus mehreren Niederlassungen wurden die Brüder gerufen. Männer und Frauen jener Gegend bereiteten, so gut sie konnten, freudigen Herzens Kerzen und Fackeln, um damit jene Nacht zu erleuchten, die mit funkelndem Sterne alle Tage und Jahre erhellt hat. Endlich kam der Heilige Gottes, fand alles vorbereitet, sah es und freute sich. Nun wird eine Krippe zurechtgemacht, Heu herbeigebracht, Ochs und Esel herzugeführt. Zu Ehren kommt da die Einfalt, die Armut wird erhöht, die Demut gepriesen, und aus Greccio wird gleichsam ein neues Bethlehem. Hell wie der Tag wird die Nacht, und Menschen und Tieren wird sie wonnesam. Die Leute eilen herbei und werden bei dem neuen Geheimnis mit neuer Freude erfüllt. Der Wald erschallt von den Stimmen, und die Felsen hallen wider von dem Jubel. Die Brüder singen und bringen dem Herrn das schuldige Lob dar, und die ganze Nacht jauchzt auf in hellem Jubel. Der Heilige Gottes steht an der Krippe, er seufzt voll tiefen Wehs, von heiliger Andacht durchschauert und von wunderbarer Freude überströmt. Über der Krippe wird ein Hochamt gefeiert, und ungeahnte Tröstung darf der Priester verspüren.

Da legt der Heilige Gottes die Levitengewänder an – denn er war Diakon – und singt mit wohlklingender Stimme das heilige Evangelium… Dann predigt er dem umstehenden Volk von der Geburt des armen Königs und bricht in lieblichen Lobpreis über die kleine Stadt Bethlehem aus.

(Thomas von Celano (13. Jhdt.), Biograph des Hl. Franziskus
und der Hl. Klara; Quelle: Evangelium Tag für Tag)

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"Lebendige" Krippe im Franziskanerkloster Pupping
„Lebendige“ Krippe im Franziskanerkloster Pupping

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„Lebendige“ Weihnachtskrippe

Ein Weihnachtserlebnis zum Angreifen gibt es im oberösterreichischen Pupping, wo in der Weihnachtsliturgie echte Tiere die Hauptrolle spielen.

In den Tagen vor Weihnachten sind alle im Franziskaner-Kloster Pupping mit den Vorbereitungen für die Christmette beschäftigt: die Tannen werden in der Kirche aufgestellt, das Krippenspiel geprobt und in der Kirche wird ein Stall gebaut. Am Krippenspiel nehmen die Kinder der Umgebung teil, meist wird ein Ehepaar mit einem neugeborenen Kind eingeladen in die Rolle der Heiligen Familie zu schlüpfen. Für das Ehepaar ist es immer ein besonderes Erlebnis, die Verbindung zu Maria und Joseph während des Heiligen Abends entdecken zu dürfen.

Biblische Vorlage

Wie können wir unsere Verbindung zu Gott, der unsere menschliche Natur angenommen hat, erkennen? Es ist nicht leicht an diesem Abend eine Botschaft weiterzugeben. Es ist nicht leicht die Herzen der Menschen, die überfüllt von Botschaften sind, zu berühren. Wir versuchen es jedes Jahr, indem wir die Geburt Jesu so lebendig wie möglich darstellen. Eine „lebendige Krippe“ mit Maria, Joseph, das Kind und unsere Tiere: Pferd, Esel und Ziegen.

Erinnerung nach Franziskus

Der Wunsch des heiligen Franziskus als er 1223 in Greccio die Krippe darstellte, war es, die Erinnerung an Jesus in den Herzen neu zu wecken. Zwar haben wir nicht die Ausstrahlung des heiligen Franziskus, aber die „lebendige“ Krippe an diesem Abend schenkt uns eine ganz besondere Stimmung, die Kinder und Erwachsene ganz deutlich spüren: Es passiert etwas Besonderes, etwas, das die ganze Schöpfung betrifft – und „Ich bin dabei!“. Sie hilft uns das Staunen und die Freude an diesen Abend zu spüren, durch die Augen der Kinder, die an der Mette teilnehmen. Es tut gut, an diesem Abend Staunen zu können, über die Wunder Gottes, über die Vielfalt seiner Liebe und seine unzähligen Geschenke an uns.

(Quelle: Franziskanerkloster Pupping)

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Schlussgebet

Deine Klarheit, heiliger Gott,
ist meines Lebens Licht und Gericht.
Vor dir kann nichts Unwahres bestehen.
Dein Wort will ich hören und tun.
Gib mir ein Ohr, das deine Stimme erkennt,
gib mir ein Herz, das wach ist
für die Gnade und Forderung der Stunde
und bereit für den Tag deiner Ankunft.

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Mehr Gebete zu Weihnachten sind >>> hier zu finden!

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Wir wünschen allen Lesern
Frohe und gesegnete Weihnachten!

Manuela und Stefan Ehrhardt

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2 Gedanken zu “Heiliger Abend (Texte und Gebete)

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