Attacken führender Medien gegen den Glauben

SPIEGEL Religion Warum glaubt der Mensch Ausgabe 52-12

In den letzten Dezembertagen war es wieder einmal so weit: Zwei deutsche Medien, die noch dazu den Anspruch auf intellektuelle Führerschaft stellen, fahren Geschütze auf – gegen den Glauben an das Übernatürliche, gegen den Glauben an Gott. „Die falsche Rückkehr zu Religion“ heißt es auf ZEIT ONLINE, wobei ich das genüssliche Zerpflücken des Artikels dem Bloggerkollegen Alipius überlasse, der dem Artikel auch noch den „Tonni-Preis“ verleiht – das heißt so viel wie ab in die Tonne.

Der Spiegel beginnt in seiner Printausgabe 52/2012 unter der Überschrift „Die Erfinder Gottes“ mit Experimenten des im deutschen Sprachraum weniger bekannten Psychologen Jesse Bering ¹ . Kinder spielen zunächst ohne Aufsicht ein Wurfspiel – und viele beschönigen ihre Wurfergebnisse. Im zweiten Experiment, unter der Aufsicht einer unsichtbaren „Prinzessin Alice“, verhalten sich die Kinder anders – und werfen mit großer Mehrheit nach den Regeln.

Mit derartigen Experimenten will der Psychologe Bering stets neue Belege dafür finden, „wie natürlich den Kindern das Übernatürliche erscheint.“ Bering vermutet eine Art versteckte Kamera in uns, die uns an selbstsüchtigen Verhalten hindert.

Berings Kollege Ara Norenzayan ² ermittelt mit Hilfe des sogenannten Diktatorspiels bei Erwachsenen. Die Teilnehmer bekommen dabei ein wenig Geld, und es liegt an ihnen, wie viel sie davon einem unbekannten Mitspieler abgeben. Naturgemäß behalten die meisten alles für sich. Werden die Probanden jedoch zuvor mit Wörtern wie „göttlich“ oder „Geist“ beschäftigt, steigt der durchschnittliche Spendensatz um mehr als das Doppelte. Die Mehrzahl gibt dann brav die Hälfte ab – und das gilt für gläubige und ungläubige Menschen gleichermaßen.

Die Sache mit der Aufsicht

„Aufsicht“ ist das große Schlüsselwort der Psychologen, heißt es doch weiter unten: „Erst unter Aufsicht wird der Mensch kooperativ; viele psychologische Experimente belegen das. Solange er sich anonym wähnt, geht der Eigennutz vor.“

Es ist schon merkwürdig, was der Wissenschaftsjournalist des Spiegel, Manfred Dworschak, uns da vermitteln will, besonders mittels des „Diktatorspiels“ von Ara Norenzayan:  Ungläubige (!) lassen sich also von den Stichwörtern „göttlich/Geist“ beeinflussen – interessant, was uns das wohl sagen soll: Womöglich ist das Stichwort „Gott“ so wirkmächtig, dass auch Ungläubige in die Knie gehen?

An dieser Stelle lässt sich nur ein sehr undifferenzierter Parameter für Religionen namens „Aufsicht“ erkennen. Während im Islam von einer Art „göttlicher Aufsicht“ durch den alles beherrschenden Allah ausgegangen werden darf, ist dies im christlichen Glauben ganz und gar unangebracht; Christen interpretieren, erleben und beschreiben einen liebenden Gott: „Aufsicht“ und „Liebe“ könnten wohl kaum schärfer im Gegensatz stehen. (Update: Siehe zu diesem Punkt auch den Kommentarteil!)

Wer ist barmherziger, spendabler und selbstloser?

Eine klarer Seitenhieb gegen Religionen und deren Anhänger steckt in der Behauptung, Nichtgläubige verhielten sich sozialer und altruistischer als Gläubige. „Aber sollten  die Gläubigen nicht auch ohne Aufsicht irgendwie bessere Menschen sein? Wenn man sie selbst fragt: klar. Sie schätzen sich in Umfragen als barmherziger, spendabler und selbstloser ein als der Durchschnitt. ‚Doch wer das im Experiment nachprüft‘, sagt Norenzayan, ‚findet davon keine Spur‘.“

Mit dem Anliegen, messen zu wollen, wer denn sozialer (und damit „nützlicher“) für die Gesellschaft sei, habe ich kein grundsätzliches Problem – aber diese „Messungen“ verlangen ein außerordentlich hohes Maß an Wissenschaftlichkeit. So wird bei Experimenten dieser Art oft derselbe Fehler in Kauf genommen: Wer angibt, gläubig zu sein, ist es deshalb noch lange nicht. An dieser Stelle muss das unwissenschaftliche Fragekriterium – „Bezeichnen sie sie sich als gläubig oder ungläubig“ – durch eine forschungsgerechte Überprüfung von Glaubensinhalten und -praktiken der Probanden ersetzt werden. Man denke nur daran, dass atheistische Historiker uns heute noch erzählen, dass Adolf Hitler als gläubiger Christ zu werten sei, schließlich sei er zeitlebens Mitglied der katholischen Kirche Deutschlands gewesen, und man müsse nur lesen können: „So glaube ich heute im Sinne des Allmächtigen Schöpfers zu handeln: Indem ich mich des Juden erwehre, kämpfe ich für das Werk der Herrn“ (Mein Kampf, 1925).

Wohin diese Feststellungen führen sollen, wird nicht ausgesprochen, ist aber leicht nachvollziehbar: Sobald eine demokratisch legitimierte Mehrheit zur Überzeugung gelangen würde, dass ungläubige Menschen gemeinschaftsdienlicher handeln als Gläubige, ließe sich eine Auflösung der Religionsfreiheit nicht nur argumentieren, sondern politische Maßnahmenpakete zur Bekämpfung der Religionen wären an der Tagesordnung.

Eine Vielzahl spekulativer Argumentationen

„Leichtgläubig“. Der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins 3 darf in der Spiegel-Argumentationskette natürlich nicht fehlen. Da ich mich durch das nicht sehr religionsfreundliche 500-Seitenwerk „Der Gotteswahn“ gekämpft habe, darf ich berichten, dass Dawkins zum einen festhält, dass aus seiner Sicht „Gott mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht existiert“, es aber „nicht möglich sei, die Nichtexistenz Gottes zu beweisen“. So bleibt dem quirligen Professor nichts anderes übrig, als Gläubige als „leichtgläubig“ zu bezeichnen.

„Natürlich sinnvoll“. Dann gibt es Forschungsergebnisse der amerikanischen Psychologin Deborah Kelemen 4 aus den letzten Jahren, nach denen Kinder (4-8jährige) die Welt schlicht als sinnvoll erleben: „Die ganze Welt kommt ihnen sinnvoll eingerichtet vor; da liegt die Frage nahe, wer ihr Urheber ist.“ Diese Feststellung ist erträglicher als die zynische Formulierung von Richard Dawkins, dass „Kinder an das glauben, was ihnen Erwachsene erzählen, ohne zu hinterfragen“ (R.D. 2006). Übrigens hat Kelemen auch 80 führende Naturwissenschaftler befragt, wobei die Probanden nur jeweils 3 Sekunden pro Frage hatten – und siehe da, viele Wissenschaftler fielen in kindliche Vorstellungen über die Welt zurück…

„Aus Instinkten und Warnsystemen gespeist“. Der in St.Louis (USA) lehrende französische Anthropologe Pascal Boyer 5 hat sich umfassend mit Fragen der Evolution, sozialer Institutionen und religiöser Verhaltensweisen beschäftigt. Der Spiegel zitiert den Wissenschaftler mit dem Befund für „einen überscharfen Sinn des Menschen für Wesen in seiner Umgebung: er nimmt Angreifer wahr, wenn es im Gebüsch knackt, er sieht Gesichter in Wolken“. „So ein wachsames Geschöpf wähnt dann hinter jedem Blitz einen, der ihn schleudert. Und hinter jeder schweren Krankheit einen, der ihm übelwill.“  Der Gedanke an übernatürliche Wesen, die ihre eigenen Absichten verfolgen, kommt fast von selbst. Auch für die Körper-Geist-Frage hält Boyer eine Erklärung bereit: Von Urzeiten her habe der Mensch gelernt, sich in andere Mitmenschen hineinzuversetzen. Für einen Geist, der den Standpunkt wechseln kann, „liegt die Vorstellung nahe, er könne sich vollends vom Körper lösen und ein Eigenleben führen.“

„Nützlich und gemeinschaftsfördernd“. Anhand jüngster Ausgrabungen in der Türkei (Göbekli Tepe) wird wieder einmal vermutet, dass gläubige Menschen in ihrer Gemeinschaft bereits vor 11.000 Jahren zu kolossalen Sakralbauten fähig waren, weil es „nützlich“ war – gemeinsam arbeiten, gemeinsam essen und „Messbier“ trinken – und weil man ja unter einer „übernatürlichen Aufsicht“ stand.

„Anstrengend oder natürlich leicht?“ Auf‘s erste wirken die Argumentationen nicht sehr zusammenhängend, wenn man einerseits immer wieder betont, wie leichtfertig der Mensch von klein auf ans Übernatürliche zu glauben bereit ist, und andererseits erstaunt feststellt: „Religionen haben eine schier endlose Fülle von Prozeduren hervorgebracht, die weh tun, Opfermut verlangen oder einfach nur lästig sind: Gebetsrituale, Fastengebote, Selbstkasteiungen oder die Geduld, eine endlose lateinische Messe durchzustehen.“ Doch dann wird im Spiegel-Artikel ein erster Ansatz zum Verstehen von Religionen erkennbar: „Paradox, aber wahr: Dass die Religion Mühe macht, ist ihr Schlüssel zum Erfolg. Der Mensch denkt, er investiere diese Mühe in sein Seelenheil.“ Es ist allerdings nur ein kleiner Ansatz, denn wer als „gläubiger“ Christenmensch tatsächlich annimmt, sich durch eigene Mühe das Himmelreich erarbeiten zu können, könnte an der Himmelspforte eine unliebsame Überraschung erleben.

Wenn wir das Gehörte nun aneinanderreihen, ergibt sich diese Argumentationskette: Schon als Kind erlebt der Mensch die Welt als sinnvoll; seine Instinkte schärfen seine Sinne, und in den Lernprozessen, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen, erlebt er seinen Geist schließlich als eigenständige Instanz; kindliche Vorstellungen, aber auch Naturgewalten wie Blitze etc. legen eine übernatürliche Aufsicht nahe; unter diesen Gegebenheiten fördert die  religiöse Gemeinschaft das Überleben und das Seelenheil.

Zu kurz greifende Erklärungsansätze

Merken die Damen und Herren der Naturwissenschaften eigentlich, zu welch rein nutzenorientierter (und deshalb barbarischer) Erklärung von Glaube und Religion diese Ansätze führen? Folgende Fragen stellen sich mir am Ende dieser Betrachtungen:

Was spricht gegen die These, dass der Atheismus schon deshalb evolutionsbiologisch betrachtet eine Fehlhaltung sei, weil seine Anhänger (nach Studien des Religionswissenschaftlers Michael Blume 6 ) sich nicht arterhaltend reproduzieren?

Wo bleibt der plausible Erklärungsansatz, dass es dem Menschen zuträglicher sei, an eine sinnlose Welt zu glauben?

Wo ist das wissenschaftliche Eingeständnis, dass man über den vermuteten Urknall hinaus keine Erklärungen für diese Welt gefunden hat?

Wo werden die Pro-Argumente für das Phänomen „Geist“ in der Diskussion ausreichend gewürdigt?

Wo sind die Erklärungsansätze für Begrifflichkeiten und Lebensinhalte wie Treue, Liebe, Hoffnung, Barmherzigkeit, …?

*

PS: Ara Norenzayan meint, dass Leute ihren religiösen Glauben am ehesten dort verlieren, wo für anständige Krankenversicherungen gesorgt wird. Nur für den Fall, dass diese zynische Ansage stimmt, empfiehlt der Blogautor: Wählen sie bitte die Partei, die wenig in Krankenkassen aber viel in die Zukunft investiert.

*

Noch ein paar Anmerkungen zu den Wissenschaftlern, die der Spiegel zitiert:

1)      Jesse Bering

Der Psychologe Jesse Bering bezeichnet sich selbst als „irreligious“. Irreligiosität ist das Fehlen von, das Desinteresse an oder die Feindschaft zur Religion. Bering arbeitet derzeit im Rahmen des von der Europäischen Kommission mit zwei Millionen Euro finanzierten Projektes EXREL:

“Funded by a research grant from the European Commission, the ‚Explaining Religion‘ (EXREL) project is a three-year interdisciplinary research initiative that seeks to understand both what is universal and cross-culturally variant in religious traditions as well as the cognitive mechanisms that undergird religious thinking and behaviour. EXREL is large-scale and ambitious in scope, integrating the world’s leading centres for psychological, biological, anthropological, and historical research on religion.” (University of Oxford)

2)      Ara Norenzayan

Der Psychologe Ara Norenzayan wird nur mit wenigen Artikeln in der englischsprachigen WIKI zitiert. In den verlinkten Artikeln geht es ihm um „Vorurteile gegen Atheisten“ und wie „analytisches Denken den religiösen Glauben vermindern kann“…

3)      Richard Dawkins

Britischer Evolutionsbiologe, seit vielen Jahren als Doyen der atheistischen Meinungsmacher bekannt.

4)      Deborah Kelemen

In der englischsprachigen WIKI wird Deborah Kelemen nur in einem Nebensatz referenziert. Warum nicht ihr renommierter Kollege aus Yale, Paul Bloom, herangezogen wird, ist ein Rätsel.

5)      Pascal Boyer

Hier handelt es sich offenbar um einen Wissenschaftler, der zumindest gewillt ist, komplexere Zusammenhänge zu erforschen. Wer sich ein Bild machen möchte, dem sei die Homepage von Pascal Boyer empfohlen. Die Kurzbesprechungen seiner Artikel und Bücher vermitteln einen guten Überblick.

6)      Michael Blume

Religionswissenschaftler und Bloggerkollege Michael Blume, dessen Blog Natur des Glaubens ich sehr empfehlen kann

***

9 Gedanken zu “Attacken führender Medien gegen den Glauben

  1. Ich habe sehr interessiert den Artikel und die Kommentare gelesen und kann größtenteils die Bedenken gegen den Spiegelartikel nachvollziehen, jedoch möchte ich jetzt fragen, weshalb auch bei den Christen die Buße, Beichte, Sühne, das Fegefeuer und die Hölle eine große Rolle spielen? Sind das nicht auch Mittel der Aufsicht und Kontrolle?

    1. Hallo Christine,
      danke für den Beitrag.

      Dein Hinweis ist ganz richtig: Buße, Beichte, Sühne, das Fegefeuer und die Hölle spielen eine große Rolle im katholischen Glauben.

      Bevor ich zu meiner Antwort komme, möchte ich eines ganz klar sagen: Mein kirchliches Aufwachsen war davon geprägt, dass Buße, Fegefeuer und Hölle vor allem als Drohbotschaft und sicher nicht als Frohbotschaft zu verstehen waren; so sind viele Jahre vergangen, in denen ich mich von der Kirche abgewandt habe. Erst durch die Liebe meiner gläubigen Frau, sowie persönliches Erleben in meiner heutigen Pfarrgemeinde und mit Freunden im Stift Heiligenkreuz kann ich mit Freude auf Deine Fragen eingehen…

      Die Frage, der Christen sich heute stellen, ist also, wie sie mit diesen Gegebenheiten umgehen. Ich werde Dir nach meinen Überzeugungen antworten, die inhaltlich – nicht unbedingt im Wortlaut – mit der katholischen Lehre übereinstimmen.

      Buße und Beichte:
      Beides sehe ich als Geschenke dessen, der jede einzelne menschliche Seele erschaffen hat und schafft. Das Geschenk besteht darin, dass ich meine Seele (mein Herz, mein Gewissen) immer – sozusagen 24/7 – so reinigen kann, dass ich unserem Schöpfer ruhigen Gewissens gegenüber treten kann. Möglich wurde dies durch Jesus Christus, der seine Apostel dazu ermächtigt und eingeladen hat: „Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert“ (JOH 20,23).

      Fegefeuer und Hölle:
      Meine Vorstellung vom Himmel ist ein Zustand der Liebe mit anderen Seelen und schließlich mit Gott. Da es vermessen ist, davon auszugehen, dass Buße und Beichte perfekt gelebt werden, gibt es die Möglichkeit, dies nach dem Tod zu erkennen und weiter daran zu arbeiten – immer in der Gnade Gottes; soviel zum Fegefeuer.
      Sogar die Vorstellung der Hölle lässt sich – ein wenig überspitzt – als Geschenk sehen: es ist der ultimative Zustand derer, die sich mit aller Gewalt und in vollem Bewußtsein von Gott abwenden bzw. ihn bekämpfen; das „Geschenk“ in diesem Fall ist, dass Gott erstens die Freiheit geschaffen hat, dass jeder Mensch sich für oder gegen Gott entscheiden kann, und zweitens, dass es doch angenehmer ist, die Ewigkeit nicht gerade mit denen zu verbringen, die sich gegen Ihn entschieden haben.

      Sühne:
      Das ist vermutlich eine der höchsten Gaben überhaupt. Sühne bedeutet – im Unterschied zur Buße – dass jeder Mensch sich nicht nur für eigene Verfehlungen, sondern für diejenigen anderer Menschen wirkungsvoll einsetzen kann! Nimm die Ordensleute als Beispiel: Die Glücklichsten unter ihnen werden Dir zu berichten wissen, dass sie für andere beten, in der Gewissheit eines barmherzigen und liebenden Gottes.

      Übrigens habe ich erst kürzlich einen Text von Sr. Emmanuel Maillard gelesen, in dem sie von ihren Gesprächen mit den Seherinnen am Marienerscheinungsort Medjugorje berichtet, und das passt wunderbar zum Sühnegedanken:
      Jedes noch so kleine Gebet, dass du für einen anderen Menschen sprichst, führt (z.B. dann, wenn Du eines Tages auch im Himmelreich angekommen bist) zu einem spürbaren Erleben und Erkennen der Liebe im anderen: So wird die Sprache der Seelen im Himmel vorzustellen sein…

      Jetzt überlasse ich Dir die Beantwortung der Frage, ob ein Christ sich eher beaufsichtigt und kontrolliert fühlt, oder ob er die Freiheit und Fülle auskostet, die ihm sein Schöpfer bereitet hat.

  2. Hallo,
    also da wir Muslime den Qur´an als göttliches Wort anerkennen und in diesem das Bild von Jesus, a.s. (Friede sei mit ihm) korrigiert wird, sehen wir ja die Evangelien nicht als unverfälscht an. Das ist glaube ich auch unter Christen bis auf wenige Ausnahmen Konsens, denn diese unterscheiden sich ja doch in einigen Punkten. Soweit ich weiß, wird eine „Urquelle“ angenommen, die aber nicht zugänglich ist. Im Qur´an wird Jesus, a.s., als Prophet verehrt und natürlich als fehlerlos, denn das sind alle Propheten, a.s. Ganz klar wird abgelehnt, dass Gott sich einen Sohn genommen hat und auch die Kreuzigung hat demnach nicht stattgefunden, bzw. ist Jesus, a.s. nicht am Kreuz gestorben, sondern von Gott gerettet worden.

    Man kann wiederum beim Qur´an nachweisen, dass er eben unverfälscht niedergeschrieben wurde. Er liegt uns ja zeitlich näher, wurde nur von einer Person offenbart und durch die Tradition des Auswendiglernens in der arabischen Gesellschaft von vielen gelernt und für die Niederschrift zusammengetragen.

    Ich war ja auch mal katholisch, :-), und ich verstehe durchaus die christliche Vorstellung eines Mensch gewordenen Gottes, aber ich lehne die natürlich heute ab, weil es Gott nicht gerecht wird. Es ist menschlich, dass wir uns Gott vorstellen wollen, aber es ist eben auch unmöglich.

    Für mich heißt das nicht, dass Gott mir nicht nahe ist. Im Gegenteil „näher als meine Halsschlagader“, so steht es im Qur´an. ER ist ansprechbar für mich, ganz direkt. ER verzeiht, ER prüft, ER erhört meine Bittgebete und ja: ER achtet auch auf das wasich tue und ich werde mich dafür verantworten müssen. Als Shiitin lehne ich allerdings auch nicht ab, Fürsprache zu suchen bei besonderen, heiligen Persönlichkeiten – anders als es gerade in der lautstarken wahabitischen Konfession gelehrt wird. Die aber eine Minderheit vertreten, um Fürsprache zu bitten hat auch im sunnitischen Islam Tradition. Das erinnert mich immer sehr, an die Bitten um Fürsprache der Jungfrau Maria, a.s.
    (die übrigens die einzige Frau ist, nach der eine Sure im Qur´an benannt wurde – und die „Weihnachtsgeschichte“ ist auch im Qur´an sehr schön).

    Was übrigens den Propheten Muhammed, s.a.s. (Friede und Segen sei mit ihm und den Reinen seiner Familie) angeht, ist er natürlich sündenlos. Vom Führen von Verteidigungskriegen kannst Du nicht auf etwas anderes schließen. Aber dazu fehlt natürlich bei den meisten Nichtmuslimen das geschichtliche Wissen und sogar unter Muslimen gibt es welche, die behaupten der Prophet, s.a.s., habe sich von Behinderten abgewandt u.a. schlechtes Verhalten. Der Qur´an nennt ihn „eine Barmherzigkeit für die Menschheit“. Seine Aufgaben waren andere als die von Jesus, a.s. – der keinen Staat gegründet und verteidigt hat. So hat jeder Prophet, a.s. sein Wirkungsfeld und seine Aufgaben gehabt, der Qur´an ist voll von Prophetengeschichten.

    Auch dieses ist natürlich alles sehr verkürzt. Und natürlich kann jeder seinen Glauben behalten, wir sind freie Menschen und können uns entscheiden. Für echten Dialog ist es aber wichtig, sich wenigstens mal ansatzweise in die andere Sicht hineinzudenken.
    In diesem Sinne finde ich übrigens auch nicht, dass „Aufsicht“ und „Liebe“ kollidieren, gerade nicht beim Bild eines „Vater unser im Himmel“. Eltern vereinbaren das schließlich auch, da sind sie Sinnbilder eines solchen göttlichen Wesens. Wie überhaupt die ganze Schöpfung uns Hinweise auf Gott gibt.

    Herzliche Grüße und Gottes Segen für Dich und Deine Frau, ich finde es schön wie Ihr hier zusammen bloggt. Gelebten Glauben finde ich immer schön, Meryem

    1. Hallo Meryem,
      ich danke Dir für die ausführliche Antwort auf meinen Kommentar.

      Als Muslima gehst du davon aus, dass die christlichen Evangelien verfälscht seien; würde ich den Koran als unwahres, verfälschtes Zeugnis des Wortes Gottes bezeichnen, müsste ich schon mit Todesdrohungen rechnen – dein Leben möge lang, gesund und friedvoll verlaufen.

      Bibel und Koran

      Es gibt gewisse Unterschiede in den Berichten der Evangelisten, jedoch darf – wenn wir von der weder für Muslime noch für Christen verfügbaren „Urquelle“ absehen – von göttlich inspirierten Quellen ausgegangen werden, die uns in den bekannten Evangelien zur Verfügung stehen. Wie die Evangelien abgefasst wurden, ist uns nicht in allen Einzelheiten bekannt. Allerdings ist an der Tatsache, dass drei Evangelisten ganz einheitlich berichten, leicht erkennbar, welche große Sorgfalt die sogenannten Synoptiker beim Umgang mit ihrer Quelle an den Tag legten.

      Entscheidend ist, dass in den Bereichen, in denen der Koran von der Bibel abweichende Positionen vertritt, entweder eine der beiden Quellen darüber berichtet, oder aber unumstößliche Einigkeit unter den christlichen Quellen besteht: Die Göttlichkeit Jesu, die Gottesmutterschaft Mariens, die Kreuzigung Jesu, die Auferstehung Jesu, und der Heilige Geist – bei diesen heiligen Wahrheiten gibt es nicht die geringsten Widersprüchlichkeiten.

      Man kann natürlich nicht „nachweisen“, dass der Koran unverfälscht niedergeschrieben wurde, dazu genügt ein kurzer Blick in die Geschichte: Der dritte Kalif, Uthman ibn Affan (644–656), ließ die ersten Koran-Bände, welche auch z. T. in anderen Dialekten und nicht dem quraischitischen Dialekt – dem Dialekt des Propheten Mohammed, der später zum Hocharabisch werden sollte – abgefasst waren, vernichten und einen bis heute erhaltenen Koran schreiben. Dabei mussten mindestens zwei Männer bei jedem Vers bezeugen, dass sie diesen direkt aus dem Munde des Propheten Mohammed gehört hatten. Sechs Verse im Koran sind aber nur von einem Zeugen, nämlich Zayd, dem ehemaligen Diener des Propheten Mohammed, auf diese Weise bezeugt worden.
      Jedem menschlichen Wesen dürfen Fehler zugemutet werden, und da erstens nicht Gott selbst niedergeschrieben hat und zweitens Teile der Niederschriften erst beträchtlich nach dem Tode Mohammeds fertiggestellt wurden, ist die Annahme der „Unverfälschtheit“ und „Fehlerlosigkeit“ unmittelbar als Irrglaube erkennbar.

      Sündhafte Propheten

      In deiner Antwort behauptest du, es sei klar, dass alle Propheten fehlerlos gewesen seien. Das ist eine klar widerlegbare Aussage hinsichtlich gleich zweier Religionen, dem jüdischen und dem christlichen Glauben: „Da sah er [Moses], wie ein Ägypter einen Hebräer schlug, einen seiner Stammesbrüder. Mose sah sich nach allen Seiten um, und als er sah, dass sonst niemand da war, erschlug er den Ägypter und verscharrte ihn im Sand. Als er am nächsten Tag… Da bekam Mose Angst und sagte: Die Sache ist also bekannt geworden“ (EXODUS 2,11-14).

      Es gibt nur einen Mann, der als Mensch geboren wurde, und der keine Sünde trug: Jesus Christus. Ganz anders sieht es beim ‚Propheten‘ Mohammed aus: Dein Hinweis auf bloße Verteidigungskriege ist zurückzuweisen, weil Mohammed und seine Anhänger nach der Auswanderung nach Messina unmittelbar keine Bedrohung erfuhren und beispielsweise der Angriff auf die Karawane, die sich auf dem Rückweg von Syrien nach Mekka befand, sündhafte Willkür war. Und nachdem Mohammed alle gefährlichen Gegner in seiner unmittelbaren Umgebung besiegt hatte, verschickte er Briefe an Herrscher außerhalb Arabiens und rief sie auf, sich dem Islam zu unterwerfen.

      Die gewaltsamen Bekehrungskriege des Islam

      An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen, heißt es in der Bibel. Die Unterwerfungsstrategie Mohammeds wurde in den späteren Kämpfen gegen nordafrikanische Staaten, Spanien, Portugal und Südeuropa getreu dem Wort des Propheten umgesetzt – hier sprechen wir von zumindest zehntausenden Toten. Wie soll man diese Frucht nennen? Eine weitere „Frucht“ ist es wohl, wie Muslime mit den Worten des Koran umgehen. Sure 17,33 ist einem Abschnitt des Korans entnommen, der einfache Richtlinien für das Alltagsleben lehrt (Achtung gegenüber den Eltern, sittliche Moral, Behandlung der Waisen…), wird aber als Ermächtigung für „gerechte Kriege“ herangezogen!

      An dieser Stelle kommt üblicherweise ein Hinweis auf die Kreuzzüge. In aller Ruhe darf hier gesagt werden, dass es richtig ist, dass auch Christen – jedenfalls zu einer bestimmten Periode ihrer Geschichte – ‚heilige‘ Kriege führten. „Tatsache ist aber, dass Muslime, wenn sie zum Schwert greifen, die Lehre vom Heiligen Kampf praktizieren, die der Koran in vielen Versen und Kapiteln lehrt und die der Begründer des Islam selbst in die Tat umgesetzt hat. Aber man nenne mir eine einzige Bibelstelle, in der Jesus seine Jünger auffordert, hinzugehen und im Namen Jesu Christi [im Namen Gottes] zu töten“ (Dr. M.A. Gabriel, 2006, S.170).

      Es gibt zwei interessante Geschichten über Jesus und Mohammed, die ihre Unterschiede in Bezug auf den ‚Heiligen Kampf‘ auf einen Blick deutlich machen. „Eines Tages kehrte Mohammed nach einer Schlacht zurück in sein Haus und rief seine Tochter Fatima. Er sagte: ‚Wasch das Blut von diesem Schwert ab, und ich schwöre im Namen Allahs, dieses Schwert war mir jeden Augenblick gehorsam.‘ Dann nahm er die Schwerter seines Freundes Ali ibn Abu Talib und wusch sie für ihn ab (Ibn Hisham, Bd.2, S.51). Mohammed wusch seinen Anhängern die Schwerter ab; Jesus wusch seinen Anhängern die Füße (JOH 13,2ff).

      Jesus und Mohammed

      Nachdem gerade auf einen Unterschied zwischen Jesus und Mohammed hingewiesen wurde, soll ebenso klar festgehalten werden, dass die beiden von vorneherein nicht zu vergleichen sind. Das Zitat eines orthodoxen Priesters soll dies verdeutlichen:

      „Zum Beispiel sagen viele Muslime im Gespräch: ‚Jesus Christus ist wie Mohammed.‘ Ich sage ihnen aber: ‚Nein, so ist es nicht. Jesus Christus ist das Wort Gottes, und Mohammed ist für euch nicht das Wort Gottes. Das Wort Gottes ist für euch der Koran. Und Mohammed ist einfach ein Überbringer, durch den das Wort Gottes in die Welt kam. Wenn man also für Christus eine Parallele in Islam sucht, wäre dies nicht Mohammed, sondern der Koran.‘ Aber bei den Muslimen ist das Wort Gottes – so denken sie – zum Buch geworden, während wir sagen, dass das Wort Gottes zu einem lebendigen Menschen geworden ist. Und die Parallele für Mohammed im Christentum wäre nicht Christus, sondern die Gottesgebärerin, durch die das Wort Gottes in die Welt gekommen ist. Auf diese Weise zu reden ist möglich.“

      Gebet und Fürsprache

      Schön ist andererseits, dass wir uns, so verschieden unsere Glaubensansätze auch sein mögen, beim Beten und bei der Suche nach Fürsprache wieder treffen. ZEIT ZU BETEN gäbe es nicht, wenn meine Frau und ich nicht darum ringen würden, wie der große, einzige, allmächtige, allwissende, allbarmherzige und liebende Gott angesprochen werden kann. Viele Heilige sind uns Trost und Vorbild, vor allem auch Maria, die Jesus besser gekannt hat, als jeder andere Mensch – Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder bei Jesus Christus, unserem Herrn, jetzt und in der Stunde unseres Todes, Amen.

      Im Gebet verbunden,
      Stefan

      1. Stefan, natürlich hast Du nichts zu befürchten, wenn Du als Nicht-Muslim nicht anerkennst, dass der Qur´an Gottes Wort ist. Würdest Du das tun, wärst Du ja Muslim. Aber natürlich sehe ich die Überlieferung und Niederschrift des heiligen Qur´an in anderem Licht und akzeptiere nicht Deine Informationen dazu, ebensowenig wie die zum Leben unseres Propheten, s.a.s. So ist es nicht gewesen und für das was Muslime an Kriegen nach seinem Tod geführt haben, ist er nicht verantwortlich. Nicht ohne Grund kritisieren wir Shiiten ja die illegalen Nachfolger, die geschafft haben, nach wenigen Jahren die islamische Gesellschaft wieder zu ruinieren. Viele Überlieferungen sind auch gefälscht, wie diese zu bewerten ist, die Du zitiert hast, kann ich nicht beurteilen. Jedenfalls bringt es natürlich nichts, Jesus, a.s. und Muhammed, s.a.s, gegeneinander „auszuspielen“. Vom barmherzigen Verhalten des Propheten Muhammed, s.a.s. gibt es jedenfalls auch viele Überlieferungen, die Geschichte muss man sehr genau beleuchten – ach, das führt hier alles zu weit. Muhammed, s.a.s., ist jedenfalls mehr als „nur“ ein Überlieferer, sondern auch „gelebtes“ Wort Gottes. Wie wir leidvoll erfahren, brauchen die Menschen mehr als nur den reinen Text, um das zu verstehen.
        Verbindend ist: wir alle warten auf die Rückkehr von Jesus, a.s. – nach unseren Überlieferungen wird er gemeinsam mit unserem verborgenen Imam Mahdi, a.s., auf die Erde zurückkehren. Ich habe mal einen Gelehrten danach gefragt, warum und der meinte: „Jesus, a.s. kehrt zurück um die Christen zu überzeugen“. Na, wir können doch darauf hoffen, das noch zu erleben und dann werden wir die richtige Interpretation der göttlichen Offenbarungen erfahren. Spätestens nach unserem Tod und ich wünsche allen wohlmeinenden und Gutes tuenden Menschen, dass es ihnen danach gut ergeht. Das verloren gegangene „Ur“-Evangelium wird dann ja auch wieder zugänglich sein.
        Grundsätzlich müssen Christen, Muslime und Juden überhaupt keine Probleme im Zusammenleben haben, da wir alle einen moralischen Maßstab für unser Leben haben, an dem wir uns orientieren und der uns dazu bringen sollte, mit den Mitmenschen in bester Weise umzugehen. Dass das nicht immer so ist wie es sein sollte, wissen wir leider auch. Da machen sich Angehörige aller Religionen schuldig, im Großen wie im Kleinen. Weil wir Gottes Wort nicht verstanden haben. Dass wir das tun, darum können wir alle beten.

        Dass mir die heilige Maria, a.s., im Islam sozusagen wiederbegegnet ist, freut mich übrigens sehr. Sie ist nach unserer Kenntnis die erste Frau die im Tempel von Jerusalem aufgewachsen ist und dort studiert hat, sie war von klein auf eine gottesfürchtige Person und wurde in ihrer Zurückgezogenheit von den Engeln mit paradiesischer Speise versorgt. Ist das nicht schön?
        Und als ihre Leute sie angegriffen haben, weil sie mit ihrem ancheinend in Unzucht gezeugtem Sohn Jesus, a.s., nach der Geburt zu ihnen zurückkehrte, hat dieser zu den Menschen gesprochen, das „Wiegenwunder“. Eines derer die in den Evangelien nicht vorkommen, es gibt noch andere im Qur´an über Jesus, a.s.

        So und ganz zum Schluss noch: der Prophet, s.a.s. ist nicht nach Messina ausgewandert, :-). Du weißt sicherlich, wohin.

        Herzliche Grüße und Gottes Segen, Meryem

  3. Wenn ich auch in vielem zustimmen kann – und ich habe auch zu dem Artikel von Tanja Dückers gebloggt, der im Spiegel war mir nicht bekannt, muss ich doch widersprechen bei:

    Zitat: „Während im Islam von einer Art „göttlicher Aufsicht“ durch den alles beherrschenden Allah ausgegangen werden darf, ist dies im christlichen Glauben ganz und gar unangebracht; Christen interpretieren, erleben und beschreiben einen liebenden Gott: „Aufsicht“ und „Liebe“ könnten wohl kaum schärfer im Gegensatz stehen.“

    Das ist eine Vorstellung des islamischen Gottesbildes die nicht stimmt. Gott ist im Islam als der Allerbarmer, der Barmherzige beschrieben, neben vielen anderen Eigenschaften natürlich. Diese Sichtweise ist verkürzt und falsch.

    Aber Danke für den Artikel und die Hinweise zu den zitierten Wissenschaftlern.

    1. Danke, Meryem, für Deinen freundlichen und doch bestimmten Kommentar.

      Ich denke, wir können hier mehrere Punkte unterscheiden:

      1) Allah, wie er vom Christentum rezipiert wird:

      „Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde (5), der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.“
      (Nostra Aetate, Erklärung des Zweiten Vatikanischen Konzils zu den nichtchristlichen Religionen)

      2) Persönliche Eindrücke:

      Im Christentum erfahren wir Gott nicht nur als den fernen „Alleserbarmer“, sondern auch als kleines Kind, das unter ärmlichen Verhältnissen geboren wird, mit uns lebt, uns aus nächster Nähe liebt, Frauen und Männer gleichermaßen respektiert, Petrus zum Fels und Maria zur Mutter seiner Kirche erhebt.

      Jesus lebt als Gott (100%) und hat als Mensch (100%) gelebt, und er lebte ohne Sünde. Es ist für mich in jeder Weise denkunmöglich, einen mit Sünde behafteten Propheten annehmen zu können: Denn Mohammed hat mehr als einen Krieg geführt – und Christus hat jede Form von Gewalt abgelehnt: „Jesus aber sagte: Hört auf damit! Und er berührte das Ohr und heilte den Mann“ (LK 22,51).

      Weil das auch Muslimen nicht verborgen ist, wird die Gottheit Jesu mit aller Macht bekämpft. Es fällt mir schwer, den YouTube-Prediger aus dem Kopf zu bekommen, der die Worte der Heiligen Schrift umdreht, indem er fragt: „Wo steht geschrieben, dass Jesus sich selbst als Gott bezeichnet?“ Wir wissen alle, dass Jesus in der Heiligen Schrift als Messias und Gottes Sohn bezeichnet wird: „Simon Petrus antwortete: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“ (MT 16,16). Jesus hat dem nie widersprochen, und da er ohne Sünde war, ist seine Gottheit unbestreitbar.

      Hätte Mohammed sich als Gottes Sohn gesehen oder bezeichnen lassen, gäbe es möglicherweise einen Grund, verschiedene Fragen zu prüfen. Er hat es wohlweislich nicht getan – und damit ist alles entschieden. Zudem kann ein Prophet, der den wahren Gott vom wahren Gott leugnet, nach meiner christlichen Auffassung kein Prophet sein.

      3) WAS FOLGT DARAUS für diesen Artikel:

      Mit Bezug auf Nostra Aetate darf gesagt werden, dass hier sehr deutlich von einer Unterwerfung, wie auch Abraham sie im Verhältnis zu JAHWE verstanden hat, die Rede ist. Unterwerfung bedeutet nicht nur, aber auch, dass jemand Macht über mich – oder zumindest die „Aufsicht“ über mich hat. Nach meinem christlichen Verständnis ist mit Jesus Christus, Gottes Sohn, eine neue Dimension in der Gottesbeziehung entstanden: Gott hat sich ganz klein gemacht, ER ist aus der Ferne zu den Menschen gekommen, sodass heute weniger von Unterwerfung als von Freundschaft und Liebe die Rede ist, die jeder Gläubige mit Jesus Christus, wahrer Gott vom wahren Gott, erleben kann.

      So kommt es zur verkürzten Feststellung im Artikel: „Während im Islam von einer Art „göttlicher Aufsicht“ durch den alles beherrschenden Allah ausgegangen werden darf, ist dies im christlichen Glauben ganz und gar unangebracht; Christen interpretieren, erleben und beschreiben einen liebenden Gott: „Aufsicht“ und „Liebe“ könnten wohl kaum schärfer im Gegensatz stehen.“

      4) Allah, wie er von Muslimen bzw. von Dir gesehen wird:

      Wer bin ich, um dazu etwas zu sagen – und Deine Sichtweise sei Dir unbenommen.

      Ich hoffe trotzdem, dass wir im Gespräch bleiben können. Wir haben beide unsere Überzeugungen, und es sollte nur allzu verständlich sein, dass wir sie beide äußern.

      ER sei mit uns!

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