Das orthodoxe Gotteshaus (Orthodoxe Kirche, Teil 7)

orthodoxer Kirchenraum mit Kuppel
Hauptschiff, Blick auf Ikonostase und Kuppel

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„Das orthodoxe Gotteshaus begegnet uns als das Zentrum der Darbringung des unblutigen Opfers, d.h. des Vollzugs der Eucharistie und aller sieben Sakramente, die es in der Orthodoxen Kirche gibt. Vorbild für das orthodoxe Gotteshaus sind das Zelt des Bundes und der alttestamentliche Tempel zu Jerusalem. Nach ihrem Beispiel wird auch der orthodoxe Tempel in drei Teile eingeteilt, nämlich die Vorhalle (Narthex – siehe die englischsprachigen Bezeichnungen in der schematischen Darstellung unten), die eigentliche Kirche (Nave) und das Allerheiligste oder den Altarraum (Sanctuary). Die Kirche wird von einer, drei oder fünf oder noch mehr Kuppeln gekrönt, wobei sich in Russland die Form der sog. „Zwiebelkuppel“ durchgesetzt hat. Diese Kuppeln symbolisieren im allgemeinen Verständnis Flammen, die zur Höhe emporschlagen. Die russischen Gotteshäuser sind häufig mit Fresken geschmückt. Von der Vorhalle (dem Raum der irdischen Welt) treten wir durch die Königlichen Türen (Royal Doors) in das Hauptschiff (Nave).

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Orthodoxer Kirchenraum

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Der Raum, in dem sich die Gläubigen befinden, wird vom Allerheiligsten des Altares durch die Ikonenwand (Templon) getrennt. Die Ursprünge der Ikonostase reichen bis ins IV. Jahrhundert zurück. In den ersten Zeiten des Christentums war die Ikonostase einreihig. Mit der Entfaltung der Ikonenmalerei aber und besonders nach dem Sieg über den Ikonoklasmus entwickelte sie sich immer weiter. Im XIII. und XIV. Jahrhundert kommt es in Russland zur Ausformung der vielreihigen Ikonostase. In der Ikonostase gibt es drei Türen, nämlich in der Mitte die doppelte, sog. „Heilige Tür“ (Beautiful Gates), durch die Leib und Blut Christi zur Kommunion sowie das hl. Evangelium zur Verlesung getragen werden, sowie die nördliche und südliche Seitentüre (Deacon’s Doors).

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orthodoxe Kirche Ikonostase
Ikonostase

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Auf der rechten Seite der Ikonostase befindet sich eine Christus Ikone. Auf der gegenüberliegenden Seite sehen wir eine Ikone der Gottesmutter. Auf den Flügeln der Heiligen Türe werden die vier Evangelisten und die Verkündigung an die ewige Jungfrau und Gottesmutter dargestellt, auf den Seitentüren die Erzengel oder Diakone. Zur Rechten der Seitentür befindet sich die Ikone des Festes oder des Heiligen, dem die Kirche geweiht ist. Bei großen Ikonostasen sind in der darüber liegenden Reihe die Ikonen der höchsten Feste des orthodoxen Kirchenjahres gemalt, darüber dann die Bilder der Propheten und Vorväter des Alten Testaments. Die ganze Ikonostase mit ihren Darstellungen soll uns an die Gegenwart der himmlischen, unsichtbaren Kirche bei unseren Gottesdiensten gemahnen und uns demgemäß mit ihr verbinden.

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orthodoxe Messe goldene Tür
Heilige Tür

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In den Altarraum (Sanctuary) sollen nur die Geistlichen eintreten. Im Altarraum selbst steht in der Mitte der Altartisch, der an das Grab Christi erinnern soll. Auf dem Altartisch steht der zumeist wie eine kleine Kirche gestaltete Tabernakel, in dem die hl. Gaben für die Krankenkommunion aufbewahrt werden. Dort liegt auch das Antimension, d.h. ein Tuch mit der Darstellung der Grablegung des Erlösers, in das kleine Reliquienteile eingenäht sind. Außerdem finden wir auf dem Altartisch das Evangelienbuch, Segenskreuze und dem hl. Myron.

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orthodoxer Altarraum
Altarraum

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Auf der linken Seite im Altarraum findet sich der Opfertisch, auf dem Brot und Wein bereitet werden, bevor man sie zum Altar trägt. Dort stehen der Kelch und die Brotschale (Diskos), auf welche das hl. Lamm gelegt wird, das zur Wandlung in Christi Leib bestimmt ist. Es wird einem der fünf gesäuerten Weihbrote (Prosphoren) entnommen, mit denen man in der russischen Kirche die Eucharistie feiert.

Hinter dem Altartisch steht- wie schon einst im Tempel zu Jerusalem – der siebenarmige Leuchter, der heute an die sieben Sakramente erinnern soll, sowie das Altarkreuz. Wie in der alttestamentlichen Kirche wird auch in der orthodoxen Weihrauch verwandt: durch die Inzens bringen wir Gott unseren Lobpreis dar. Der duftende Weihrauch symbolisiert unser Gebet, das zum Himmel emporsteigt. In den orthodoxen Gotteshäusern pflegen die Gläubigen in der Regel zu stehen (nur in einigen griechischen Kirchen hat man in jüngerer Zeit auch eine Bestuhlung eingeführt). Durch das aufrechte Stehen soll die Auferstehung Christi symbolisiert werden.

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orthodoxe Messe
Russisch-orthodoxer Gottesdienst

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Das ganze Gotteshaus mit all seinen Einrichtungsgegenständen, mit den Ikonen, den Kirchenfahnen usw. wie auch der Gottesdienst selbst, sollen dem Menschen helfen, sich besser auf sein geistliches Heil zu konzentrieren; sie geben ihm die Möglichkeit, den „Himmel auf Erden“ zu erfahren, so wie dies einst die Gesandten des Kiewer Großfürsten Vladimir verspürten, als sie nach Reisen durch viele Länder in die Hagia Sophia zu Konstantinopel kamen und dort mit diesen Worten ihre Eindrücke schilderten. Möge das Gotteshaus auch für uns ein solcher Ort sein, wo wir mit ehrfurchtsvollem Zittern und Beben, mit Glauben und Liebe unsere Gebete zu unserem obersten Hirten und Hohenpriester, unserem Herrn Jesus Christus, emporsenden können.“

(Text: Russisch-orthodoxe Kirche Deutschland)

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Die Übersicht – RUSSISCH-ORTHODOXE KIRCHE: WIEDERAUFBAU UND WIDERSPRUCH – findest du hier.

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