Bitten nach dem Rezept von ProChrist? (Gedanken zum Thema Bittgebet)

Möglichst vielen Menschen soll das Beten nahegebracht werden – wie anders als positiv sollte ZEIT ZU BETEN diese Initiative von ProChrist aufnehmen. Die Organisation ProChrist entspringt protestantischen Kirchen (Billy Graham, ein evangelistischer Baptist, war am Aufbau in den 90er Jahren beteiligt) und wird heute als überkonfessioneller Verein, dessen Veranstaltungen in Deutschland von evangelischen Landes- und Freikirchen mitgetragen werden, geführt. Die Adressaten sind (laut Pfarrer Ulrich Parzany) „Menschen auf der Suche, am besten Nichtchristen“. Solche Gruppierungen sind künftig im Auge zu behalten, da sie die modernen Medien kompetent nutzen – und natürlich deshalb, weil sie Neuevangelisierung betreiben. Apropos, wo gibt es (ausgenommen die Weltjugendtage) die großen katholischen, mediengewandten Veranstaltungen zur Neuevangelisierung?

Zurück zur aktuellen Gebetsaktion von ProChrist. Diese hat – gerade weil sie auf verschiedenen Plattformen beworben wird – schon einige Wellen geschlagen. Da gibt es vollmundige Ankündigungen (jesuskanal), dass ProChrist mit dieser Aktion „den christlichen Glauben knallhart durchteste. Wenn nämlich der Glaube klare Wirkungen im Alltag zeige und Gebete erhört würden, dann könnten Atheisten wohl endgültig einpacken.“ Das sind ziemlich unsinnige Ansagen junger YouTube-Medien, die mit unserem Glauben wenig zu tun haben; aber hören wir nun die Initiatoren von ProChrist mit ihrer Präsentation.

„Warum gibt es diese Aktion?“

„Christen aus verschiedenen christlichen Kirchen haben sich in dem Projekt ProChrist zusammengetan. Sie wollen für suchende Menschen offen sein, egal ob sie sich mit dem christlichen Glauben oder mit christlichen Kirchen identifizieren oder nicht. Jeder soll eine Chance bekommen, sich auf die Suche nach Gott zu begeben und etwas über den Glauben an Gott kennen zu lernen…“

Soweit so gut, diesem Ansinnen kann ich mich anschließen, schließlich deckt es sich zu 99% mit den Intentionen dieses Gebetsblogs. Wer aber steckt eigentlich hinter ProChrist? Auch dazu wird ausführlich Stellung genommen, es sind Christen aus verschiedenen evangelischen Kirchen; mehr dazu unter dem oben gesetzten Link.

Und so sieht die Aktion auf GMX.NET aus:

ProChrist Gebetsaktion

Spätestens anhand dieser grafischen Umsetzung fragt man sich berechtigterweise, ob das wohl ein guter Weg ist: Klick – klick – klick …und jetzt heißt es nur mehr warten, und der Gebetserfolg wird sich einstellen!

Liest man dagegen den weiteren Text der Präsentation, kommt erfreulicherweise eine ganz andere Message herüber, mit einem treffenden Statement von Bonhoeffer: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Das trifft wirklich den Kern christlichen Betens; würden die Leser vom Betreiber dieses Blogs verlangen, in nur 10 Worten etwas Wesentliches über Erwartungshaltungen beim Beten zu sagen – ich würde sofort auf die Bonhoeffer-Worte zurückgreifen.

Zweifeln und Staunen.“ – so lautet die Überschrift auf der Initiativseite von ProChrist, wo die Aktion etwas ansprechender vorgestellt wird. Gewisse Zweifel sind angebracht, ob diese Initiative einen guten Weg zum Beten darstellt – und doch wünsche ich mir nichts mehr als Staunen über einen möglichen Erfolg der Aktion – mit Seiner Hilfe und Seiner Gnade.

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Fragen beim Bittgebet

Die Aktion von ProChrist war für mich ein guter Anlass, mein eigenes Bittgebet etwas zu hinterfragen. Jesus fordert uns ausdrücklich auf, den Vater in Seinem Namen zu bitten. Aber Hand auf’s Herz: Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, welche Bitten Gott gegenüber wie anzusprechen sind, und wieweit diese schließlich Gehör finden werden? So wie Moses in jungen Jahren vor dem Dornbusch lernen musste, Gott in großer Demut anzusprechen, sind unsere Fragen oder auch Zweifel (in Bezug auf unser bittendes Beten) verständlich und fruchtbringend.

Geholfen haben mir dabei Gedanken von P. H.Schaller SJ, die auf diesem Blog an anderer Stelle ausführlich zu lesen waren; hier seien nur einige wenige Punkte herausgegriffen.

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beten-kerzen-church

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Bitten als Ausdruck der Freundschaft mit Gott

Das komplexe Bild einer wertvollen Freundschaft scheint mir sehr passend. Gute Freunde wissen meist, was der jeweils andere zu geben imstande ist, und wie es anzusprechen ist. Gerade die tiefe Freundschaft schließt aber auch mit ein, dass der Rahmen des Zumutbaren gesprengt werden darf: Wenn eine Herzensfrage brennt, wenn das Schicksal große Veränderungen bereithält, wenn schließlich der wahre Freund (Gott) in Seiner Liebe und Treue erkannt wird.

„Die Zumutung der Bitte lebt aus dem glaubenden vorausgesetzten Vertrauen, dass der angesprochene und aufgerufene Gott von sich her ewig den ersten Schritt auf uns zu… schon getan hat. Unser Mut, Gott zu bitten, lebt so aus dem gläubigen Wissen um diesen ersten Schritt, lebt aus dem Dank für das, was wir schon empfangen haben. Eben deshalb, weil wir schon empfangen haben, sind wir selbst im Bitten-Können auf den Schenkenden hin aufgebrochen, sind wir zur Zumutung der Bitte befreit. „Jede Bitte”, so sagt Gerhard Ebeling, „ist deshalb zu beten als schon erfüllte Bitte, als ein Nicht-Zweifeln an dem, was schon geschehen ist, als ein im Danken gründendes Bitten um das Bleiben bei dem, was schon begonnen hat”. Aber weshalb dann noch unsere Bitten? … man könnte die Antwort so geben: Die Bitte will nicht etwas bei Gott erwirken, sondern will uns dahin bereiten, das zu empfangen, was Er uns geben will. Sie wäre darin für uns eine Schule der Demut und der Erkenntnis.“

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betende und arbeitende Mönche

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Bitten als Einüben des Vertrauens in Gott

In der Freundschaft geht es natürlich nicht nur um Bitten und Danken, sondern um den Menschen selbst, sein Wesen, sein Vertrauen, seine Liebe. „Die erste Intention der Bitte geht darum, genau gesagt, nicht auf Etwas, sondern auf Jemand. Es ist nicht die Hilfe, die wir von Gott zuerst erbitten… Wir bitten zuerst um Gott selbst, seine Liebe, seine Huld, sein Leben. Er möge sich uns erschließen, möge sich uns mitteilen.“

„Es gibt nur ein Gut, das mit unbedingtem Gewicht begehrt werden darf und kann: Gott selbst, wie er sich uns und allem, was geschaffen ist, in Christus, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, endgültig zugewandt hat. Dieser Bitte allein ist unbedingte Erhörung verheißen. Jesus hat uns nicht die Erfüllung beliebiger Bitten versprochen, sondern nur jener, die in seinem Namen vorgebracht werden (Joh 16, 23). Das Vorzeichen und der Grund jeder Bitte an Gott ist darum Jesu Mahnung: “Suchet zuerst Gottes Reich, und alles andere wird euch hinzugegeben werden” (Mt 6, 33). Bittgebete haben ganz wesentlich mit Vertrauen zu tun.“ Gott hält Sein geschaffenes Universum nicht bloß in Händen, sondern Er führt die Welt und mich stündlich mit seiner Liebe.

„Wenn man freilich die konkrete Praxis des Bittens ansieht, so stellen sich die Dinge scheinbar anders dar. Wo die wirkliche, alltägliche Realität des Bittens gedacht und gesehen wird, da stellt man gleich fest, wie diese Balance von „Bitte um Gott” und der “Bitte um ein konkretes Anliegen” ständig gefährdet ist. Was ist es, was eine(n) flehentlich bittende(n) Mutter/Vater im Innersten beherrscht: die Gesundung ihres Kindes oder das Reich Gottes? An der Art nun, wie der Bittende sich zur Antwort, zur Tatsache der Erfüllung bzw. Nichterfüllung verhält, wird sich nochmals der spezifisch christliche Glaube ausweisen. In der verweigerten Gesundheit, im zerbrochenen Vertrauen, in zerhagelten Feldern – alles Inhalte einer Bitte – nochmals eine Antwort Gottes zu sehen, gelingt wohl ohne Einschränkung nur dem tief Glaubenden. Ihm kann es in der Tat gegeben sein, in der verweigerten Erfüllung nochmals eine Antwort Gottes zu sehen und sie in seinem Leben so anzunehmen und zu integrieren, dass sie nicht zu einer Revolte gegen Gott, sondern zu einer tieferen Annahme seines Willens sich wendet.

Der Untertitel diese Blogs lautet seit einiger Zeit: Dialog mit Gott. Es ist genau dieser Draht zu Jesus, dieses Gespräch mit Gott, das uns nachhaltig verändert. „Wir erfahren, dass wir aus dem Dialog, in den wir im Gebet mit Gott eingetreten sind, nicht unverändert wieder herauskommen.“ Dadurch, dass wir unsere Bitten vor Jesus und vor Gott hintragen bezeugen wir unseren Glauben, von einem personalen Gott angesprochen zu sein, mit Ihm im Dialog zu sein.

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Gebet

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Bitten als Zeugnis der Freiheit vor Gott

Und doch gibt es manchmal so etwas wie einen nagenden Zweifel. Gerade habe ich um Arbeitsplatz und/oder Gesundheit gebetet, und schon taucht der Gedanke auf, dass Gott längst alles für mich entschieden habe und meine Bitte an seinem Willen nichts ändere; kurzum die Frage der Vorsehung fährt ihren Stachel aus.

„Was ist darauf zu sagen? Die christlich verstandene Vorsehung ist gewiss kein Uhrwerk, welches in der Ewigkeit aufgezogen nun in der Zeit abläuft. Gott weiß zwar alles voraus, nichts aber ist festgelegt. Oder genauer gesagt: Gott weiß alles voraus, aber in dem, was Er weiß, spiele ich meine Rolle, die mir von Ihm eingeräumt ist.“

Um zur Substanz eines christlich verstandenen Vorsehungsglaubens zu gelangen, ist es Zeit zu fragen: „Wie stand denn Jesus unter der ewigen Verfügung seines Vaters? Was können wir von ihm lernen?

Jesus bittet. Schon diese Tatsache genügt als Hinweis darauf, dass wir, seine Brüder, Gott den Vater in wirklicher Weise bitten können und sollen. Christi Gebet war nicht von vorneherein Ergebung; in ihm brach – etwa am Ölberg – sein ganzer Lebens- und Existenzwille durch. Jesus rechnete mit einer realen, nicht bloß scheinbaren Offenheit seiner Zukunft. Seine Bitte war vielmehr, was sich in der Erhörung der Auferstehung zeigte, ein Höchstfall dafür, dass eine gott-menschliche Freiheit vom Vater unendlich ernstgenommen und in Rechnung gestellt wurde.

Jesus erwirkt uns Erhörung. Gott kann den Feigenbaum, der schon weit über Gebühr ertragen wurde, obwohl er unfruchtbar blieb, auf die Fürbitte des Weingärtners nochmals mit außerordentlicher Pflege versehen (Lk 13, 6 f). Solche Schonung auf eine Bitte hin ist möglich, weil Jesus selbst derjenige ist, der als Anwalt für das Leben der Menschen beim Vater eine unendliche Fürbittmacht besitzt. Gott hält unbedingt an der Rettung, dem Heil, dem Leben der Menschen fest, allerdings, was jetzt offenbar geworden ist, nicht ohne das gewichtige stellvertretende Wort, das sein Sohn als Urbittender bei ihm einlegt. Jesus ist der leibhaftige „Imperativ der Liebe” bei seinem Vater. In ihm offenbart sich Gott als bewegbar, ja geradezu als (be)rührbar.“

Diese Gedanken von P. H.Schaller SJ haben mir in mancher Situation Mut gemacht, doch wieder zu fragen, mal um etwas Kleines, ein anderes Mal um das Versetzen von Bergen. Schließlich heißt es: Für Gott ist nichts unmöglich.

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Link zu >>> Eine geistliche Betrachtung des Bittgebets von P. Hans Schaller SJ

Link zu >>> BITTGEBETE

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Ein Gedanke zu “Bitten nach dem Rezept von ProChrist? (Gedanken zum Thema Bittgebet)

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