Darstellung des Herrn, Texte + Gebete

Darstellung des Herrn - presentation in the temple

Hymnus

Lasst uns preisen Gott, den Höchsten,
mit dem greisen Simeon
und mit Hanna, der Prophetin,
die Gott diente Tag und Nacht.
Lasst uns ihm, dem Vater, danken
durch den Sohn im Heilgen Geist. Amen.
(Deutsches Hymnar)

Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren,
wie du gesagt hast;
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.
(Lukas 2,29–30)

*

Fest der Darstellung des Herrn

Der biblische Bezug der »Darstellung des Herrn« ist die alttestamentliche Vorschrift, dass Frauen sich vierzig Tage nach der Geburt einer kultischen Reinigung unterziehen müssen. Da der Erstgeborene Gott geweiht war, wurde er im Tempel »dargestellt«.
Der gebräuchliche Name »Lichtmess« (von Messe) erklärt sich daraus, dass an diesem Tag die Kerzen für das kommende Jahr geweiht wurden. Das Licht symbolisiert Christus. Die Lichtsymbolik leitet sich direkt aus dem Bericht bei Lukas her. Als die Eltern das Kind in den Tempel bringen, werden sie von dem greisen Simeon und der 84-jährigen Witwe Hanna erwartet. Simeon nennt das Kind »ein Licht, das die Heiden erleuchtet und Herrlichkeit für sein Volk Israel«. Das Preislied des Simeon (Lk 2,29–32) wird traditionell im Nachtgebet der Kirche gebetet.
L: Mal 3,1–4 oder Hebr 2,11–12.13c–18

(TeDeum, 2.2.2013)

***

EVANGELIUM

Lukas 2,22–40 (Lk 2,22–32)

Es kam für die Eltern Jesu der Tag der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung. Sie brachten das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn zu weihen, gemäß dem Gesetz des Herrn, in dem es heißt: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geweiht sein. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.
In Jerusalem lebte damals ein Mann namens Simeon. Er war gerecht und fromm und wartete auf die Rettung Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Messias des Herrn gesehen habe. Jetzt wurde er vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern Jesus hereinbrachten, um zu erfüllen, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Simeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten:
Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel.
Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Simeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele durch ihn zu Fall kommen und viele aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird. Dadurch sollen die Gedanken vieler Menschen offenbar werden. Dir selbst aber wird ein Schwert durch die Seele dringen.
Damals lebte auch eine Prophetin namens Hanna, eine Tochter Penuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten.
In diesem Augenblick nun trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten.
Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm.

*

Impuls

Nach jüdischer Tradition wird der erstgeborene Sohn 40 Tage nach seiner Geburt Gott im Tempel als Eigentum übergeben bzw. »dargestellt«. Eine wenig begüterte Mutter »reinigt« sich durch das Opfer von zwei Tauben, eine reiche durch ein Schaf oder Lamm. In diese Tradition wissen sich Maria und Josef eingebunden. Der innere Sinn dieses Festes schließt direkt an Weihnachten an: Jesus, Mensch gewordener Gott, kommt zum ersten Mal in »seinen Tempel«. Zwei prophetisch begabte Menschen erkennen in dem Kind den sehnsüchtig erwarteten Messias, den Trost und die Hoffnung Israels. Gegen eine Welt dunkler Machtinteressen setzt sich das Licht durch. Gegen eine Logik des Friedens, die nur den Siegern nutzt, setzt sich die Logik des Friedens Gottes durch, die sich den Unterdrückten zuwendet. Gerade dadurch ist Jesus ein Zeichen, dem widersprochen wird. Wer ihm nachfolgt, kann nicht damit rechnen, dass sein Leben zur Erfolgsstory wird, es wird vielmehr aufgebrochen und verwundet. Jesus lässt uns die Widersprüche in uns selbst, unsere Ohnmacht, Schuld, Bedürftigkeit erkennen. Aber vor ihm können und müssen wir uns nicht verstecken. So wie wir sind, dürfen wir ihn erwarten wie Simeon und Hanna. Als Christen ist es unsere Aufgabe, Zeichen des Widerspruchs in einer auf Anpassung bedachten Welt zu sein, damit Heil und Licht aufscheinen können.

(TeDeum, 2.2.2013)

*

GEBET

Gott unseres sehnsüchtigen Wartens,
du unser Licht, unser Heil, unser Friede,
du kommst uns entgegen, du zeigst dich uns,
wenn wir deinem Heil in unserem Leben eine Chance
geben, indem wir das, was uns begegnet,
in seiner tieferen Bedeutung wahrnehmen.
Gib uns ein junges Herz, das nicht aufhört,
nach dir zu suchen –
damit wir einmal sagen können:
»Nun lässt du, Herr, mich in Frieden scheiden.
Denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast.«
Amen.

***

Tagesheiliger / Märtyrer

Alfred Delp

Der Jesuit Alfred Delp wurde 1937 zum Priester geweiht. Er wirkte als Journalist bei der Zeitschrift »Stimmen der Zeit«, die 1939 verboten wurde, und war als Seelsorger in München tätig. Er gehörte dem »Kreisauer Kreis« im Widerstand gegen den Nationalsozialismus an und wurde deshalb im Januar 1945 vom Volksgerichtshof unter Roland Freisler zum Tod verurteilt und am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

*

„Die goldenen Fäden“

„Die Welt ist mehr als ihre Last und das Leben mehr als die Summe seiner grauen Tage. Die goldenen Fäden der echten Wirklichkeit schlagen schon überall durch. Lasst uns dies wissen und lasst uns selbst tröstender Bote sein. Durch den die Hoffnung wächst, der ist ein Mensch selbst der Hoffnung und Verheißung.“

Alfred Delp SJ (1907–1945; im Widerstand
gegen den Nationalsozialismus aktiv)

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