Die Berufung der ersten Jünger (5.So im JK 2013)

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Als Jesus am Ufer des Sees Gennesaret stand, drängte sich das Volk um ihn und wollte das Wort Gottes hören. Da sah er zwei Boote am Ufer liegen. Die Fischer waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze. Jesus stieg in das Boot, das dem Simon gehörte, und bat ihn, ein Stück weit vom Land wegzufahren. Dann setzte er sich und lehrte das Volk vom Boot aus. Als er seine Rede beendet hatte, sagte er zu Simon: Fahr hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Simon antwortete ihm: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Das taten sie, und sie fingen eine so große Menge Fische, dass ihre Netze zu reißen drohten. Deshalb winkten sie ihren Gefährten im anderen Boot, sie sollten kommen und ihnen helfen. Sie kamen, und gemeinsam füllten sie beide Boote bis zum Rand, so dass sie fast untergingen. Als Simon Petrus das sah, fiel er Jesus zu Füßen und sagte: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Denn er und alle seine Begleiter waren erstaunt und erschrocken, weil sie so viele Fische gefangen hatten; ebenso ging es Jakobus und Johannes, den Söhnen des Zebedäus, die mit Simon zusammenarbeiteten. Da sagte Jesus zu Simon: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm nach. (Lk 5, 1-11)

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Vertrauen und Demut

Nach menschlichem Ermessen wurde alles getan. Die Experten haben hart gearbeitet – ohne Erfolg. Die Lage scheint hoffnungslos. Nun kommt jemand, der zwar nicht vom Fach ist, aber dennoch Menschen begeistert, so dass sie sich um ihn drängen, ihm zuhören, sich belehren lassen. Aber nun geht er doch zu weit:

Er mischt sich ins Handwerk der Experten ein! Gut – ein hervorragender Prediger, ein verständnisvoller Seelsorger, eine charismatische Persönlichkeit mag dieser Jesus ja sein, aber die Fischer, das sind doch wir! Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. In der ersten Reaktion des Petrus ist Empörung spürbar, verletzter Stolz. Wenn wir mit all unserem Know How, unserer jahrzehntelangen Erfahrung eine Nacht lang permanent erfolglos arbeiten, werden wir am Tag, wo kein vernünftiger Mensch fischt, sicher nicht plötzlich den Erfolg haben, der in der Nacht ausblieb!

Jetzt passiert etwas, das ganz charakteristisch ist für den christlichen Glauben: die Zusage im inneren Eingeständnis an die eigene Begrenztheit, im Vertrauen auf Gott und Sein Wort, in der Hoffnung, dass uns der Herr ermöglicht, was uns unmöglich ist. Doch wenn du es sagst, werde ich die Netze auswerfen. Und das Vertrauen wird reich belohnt und der reiche Lohn in Demut angenommen: Herr, geh weg von mir; ich bin ein Sünder. Und wieder kommt die ausgestreckte Hand des Herrn, um hochzuheben, was – nicht mehr erschöpft, sondern nun erschrocken – am Boden liegt: Fürchte dich nicht! Von jetzt an wirst du Menschen fangen. Und noch einmal ergreift sie der Fischer Simon und zieht die Konsequenzen: Und sie […] ließen alles zurück und folgten ihm nach.

Auch mir gilt das Wort des Herrn: Versuche es noch einmal! Und meine Antwort ist: Wenn du es sagst, Jesus, will ich es versuchen! Wenn Du mich zur Nächstenliebe aufrufst, will ich versuchen, den Nächsten zu lieben. Wenn Du mich zur Vergebung animierst, will ich versuchen, zu vergeben und zu verzeihen. Wenn Du mich in die Welt schickst, werde ich meine Netze auswerfen. Immer und immer wieder. Das Wort des Herrn gilt zudem Seiner ganzen Kirche. Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen. Wir haben Studien in Auftrag gegeben und Werbekampagnen gefahren, wir waren in Talkshows, veranstalteten kostengünstige Busreisen, boten Kurse zur Muskelentspannung an und organisierten einmal im Monat ein kostenloses Kuchenbuffet. Und haben doch nichts gefangen. Und Jesus sagt uns: Fahrt hinaus auf den See! Dort werft eure Netze zum Fang aus! Gebe Gott, dass wir dafür immer wieder neu den Glauben und das Vertrauen aufbringen. Und die Demut und Dankbarkeit dafür, dass uns mit Seinem Segen gelingt, was uns mit unserem Einsatz allein versagt bleibt.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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