Papst Benedikt XVI. tritt zurück – ein Überblick

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PAPST BENEDIKT XVI. TRITT ZURÜCK

Der 11. Februar 2013 ist ein Datum für die Geschichtsbücher: Zum zweiten Mal überhaupt in der Geschichte der katholischen Kirche, und zum ersten Mal aus freien Stücken (actus plena libertate), verzichtet ein Papst auf die Fortführung seines Amtes.

Im Gespräch mit Peter Seewald hatte Benedikt XVI. bereits die Umstände eines päpstlichen Rücktritts skizziert:

Wenn ein Papst zur klaren Erkenntnis kommt, dass er physisch, psychisch und geistig den Auftrag seines Amtes nicht mehr bewältigen kann, dann hat er ein Recht und unter Umständen auch eine Pflicht, zurückzutreten.

(Benedikt XVI. im Gespräch mit Peter Seewald, in: Licht der Welt, S. 47)

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Papst Benedikt XVI.

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Die Erklärung des Papstes im Wortlaut:

Liebe Mitbrüder!

Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewißheit gelangt, daß meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Ich bin mir sehr bewußt, daß dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet. Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen. Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Im Bewußtsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so daß ab dem 28. Februar 2013, um 20.00 Uhr, der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muß.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler. Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen. Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe. Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.

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WIE GEHT ES WEITER

Frühestens am 15. und spätestens am 20. Tag nach dem Tod eines Papstes müssen die Kardinäle zur Wahl eines Nachfolgers zusammentreten. Dieses Prozedere tritt auch mit dem Abend des 28. Februar 2013 ein, wenn der Rücktritt von Benedikt XVI. gültig wird.

Damit wird noch im März der Nachfolger von Papst Benedikt XVI. gewählt werden.

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ERSTE REAKTIONEN

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Kardinal Christoph Schönborn, Wien

Die Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI. sei ein „ganz außergewöhnlicher Schritt“, der „höchsten Respekt und Hochachtung verdient“. Das hat Kardinal Christoph Schönborn am Montag in einer ersten Stellungnahme gegenüber „Kathpress“. betont. Er habe Verständnis für die Entscheidung des Papstes, wiewohl ihn dieser Schritt auch „schmerzlich berührt“, so ein sichtlich bewegter und zugleich überraschter Wiener Erzbischof.

Die „Bürde des Papstamtes“ sei enorm, erläuterte Schönborn. Das Arbeitspensum – bestehend aus öffentlichen Terminen, Schreibtischarbeit, Entscheidungen und Beratungen – verlange dem fast 86-jährigen Papst unglaublich viel ab.

Der Papst sei freilich bis heute „geistig völlig auf der Höhe seines Amtes“, betonte Schönborn. Benedikt XVI. nehme seine Aufgaben „mit einer bewundernswerten geistigen und geistlichen Klarheit und Tiefe“ wahr. Das wisse jeder, der etwa seine Predigten und Ansprachen hört, so Schönborn.

Zugleich sei aber immer deutlicher geworden, dass die körperlichen Kräfte des Papstes schwinden würden. Er selbst habe dies in seiner Verzichtserklärung so großartig angeführt: Um das „Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden“, sei „sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig“. Er müsse nun sein „Unvermögen“ erkennen, den ihm anvertrauten Dienst „weiter gut auszuführen“, zitierte Schönborn den Papst. Nachsatz des Kardinals: „Dem gibt es eigentlich nichts mehr hinzuzufügen.“

Sorgen um die katholische Kirche brauche sich freilich niemand zu machen, zeigte sich Schönborn überzeugt. Es werde ein Konklave einberufen, das nach bewährten Regeln stattfinden wird. Im Übrigen sei es „Jesus Christus selbst, der die Kirche leitet“. Er sei der oberste Hirte der Kirche: „Er hat sie in 2.000 Jahren durch alle Stürme geführt und wird sie auch weiterhin führen.“

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Stift Heiligenkreuz 

Der angekündigte Amtsverzicht von Papst Benedikt XVI. am 28. Februar 2013, 20 Uhr, hat uns heute während des Chorgebets zu Mittag sehr überrascht. Abt Maximilian hat es gleich nach der Sext verkündet, beim Mittagessen haben wir dann die Ansprache des Heiligen Vaters vom 11. Februar vormittags vorgelesen. Wir erleben einen Kampf der Gefühle: Dank, Trauer, Bewunderung, Erinnerungen, Sorge um die Zukunft… Wir danken Papst Benedikt XVI. für seine Verbundenheit mit dem Stift Heiligenkreuz und der Hochschule.

Stift Heiligenkreuz ist im letzten Jahrzehnt zur größten Ausbildungsstätte deutschsprachiger Priester geworden, unter besonderer Förderung von Papst Benedikt XVI. Sein Besuch am 9. September 2007 war ein besonderes und wertschätzendes Ereignis. „Unsere Hochschule trägt mit Stolz und im Bewusstsein der hohen intellektuellen Verpflichtung den Namen des deutschen Theologenpapstes, der schon unter dem seligen Johannes Paul II. den Glauben der Kirche so treu bewahrt und verkündet hat“, heißt es heute auf der Homepage des Stiftes.  „Wir danken ihm für seine Liebe zur Schönheit der Liturgie. Wir danken Papst Benedikt XVI. und hoffen, dass es noch möglich ist, dass Papst Benedikt XVI. planmäßig in der (letzten) Generalaudienz am 27. Februar den Grundstein für den Hochschulausbau segnet.

Mit diesem Dank verbinden wir, wie Benedikt XVI. in seiner Ansprache gewünscht hat, unsere Gebete um einen guten neuen Petrusnachfolger!“

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Josef Bordat

Danke, Heiliger Vater!

Das Epochale am Pontifikat Papst Benedikts XVI. ist für mich sein unermüdlicher intellektueller Einsatz, mit dem er die Vernunft des Christentums betont, um den Sinnvorrat des katholischen Glaubens einer Welt verfügbar zu machen, die sich als hoch erhaben über Religion betrachtet. Papst Benedikt XVI. hat damit der Kirche im 21. Jahrhundert den Weg gewiesen: Sie muss die selbstbewusste Auseinandersetzung mit den Göttern der Moderne und Nachmoderne suchen, mit Markt und Machbarkeit. Der Hybris einer Selbsterlösung des Menschen setzt der Papst die Hoffnung auf Erlösung durch die Gnade Gottes entgegen. Benedikt XVI. ist wahrhaft petrinisch und marianisch zugleich, denn er führt Seine Kirche, indem er Jesus zur Welt bringt.

(Josef Bordat)

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PERSÖNLICHER DANK

Die Entwicklung meines Glaubenslebens über die letzten Jahre habe ich in hohem Maße Papst Benedikt XVI. zu verdanken.

Ohne seine marianische Spiritualität hätte sich mir einer der wunderbaren Wege zu Jesus wahrscheinlich nicht eröffnet: „Mit Maria auf Jesus schauen“, so sprach Benedikt XVI. 2007 in Mariazell.

Ohne sein Vorleben der eucharistischen Anbetung hätten meine Frau und ich vermutlich nicht die Initiative ergriffen, in unserer Pfarre „Abende der Barmherzigkeit“ einzurichten und seit nunmehr 4 Jahren anzubieten.

Seine Bücher zu „Jesus von Nazareth“ haben mir Christus und insbesondere das Vaterunser noch näher gebracht. Danke an den Theologen und Philosophen Josef Ratzinger!

Die Verbindungen, die Papst Benedikt XVI. zu Österreich unterhält, sind vielfältig und innig. So innig, dass man etwas sentimental von einer kleinen „Liebesgeschichte“ sprechen kann – war es doch Benedikt XVI. selbst, der in einem Brief an die Österreicher vor seinem großen Besuch im September 2007 formulierte:

Ich liebe dieses Land, das mir seit meiner Kindheit nahe ist – seit den sonntäglichen Wanderungen, die wir zu Beginn der 30er Jahre über die Salzach-Brücke mit unserer Mutter nach Ostermiething, nach Sankt Radegund und an andere Orte auf der österreichischen Seite der Salzach gemacht haben. (Benedikt XVI.)

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BETEN WIR MIT BENEDIKT XVI.

Zeige uns Jesus

Heilige Maria, Mutter Gottes,
Du hast der Welt das wahre Licht geschenkt,
Jesus, Deinen Sohn – Gottes Sohn.
Du hast dich ganz dem Ruf Gottes überantwortet
und bist so zum Quell der Güte geworden,
die aus ihm strömt.

Zeige uns Jesus.
Führe uns zu ihm.
Lehre uns ihn kennen und ihn lieben,
damit auch wir selbst wahrhaft Liebende
und Quelle lebendigen Wassers werden können,
inmitten einer dürstenden Welt.
Amen.

(Gebet von Papst Benedikt XVI. aus der Enzyklika »Deus caritas est«)

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3 Gedanken zu “Papst Benedikt XVI. tritt zurück – ein Überblick

  1. Als ich vom Rücktritt des Papstes gehört habe wurde ich zunächst sehr traurig, weil ich ihn als ein sehr liebevollen, einfühlsamen aber auch hoch geistigen Kirchenführer erlebt habe.
    Ich bin durch ihn nach 30 Jahren wieder zum Glauben gekommen.
    Ich akzeptiere aber auch seinen sehr mutigen Schritt den Stuhl Petri zu verlassen und hoffe Gott gibt ihm noch Jahre des Gebetes, so kann er auch weiter noch für die Weltkirche da sein.
    Ich jedenfalls danke ihm und wünsche ihm die Liebe Gottes und den göttlichen Segen.
    Renate Mennel

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