Papst Benedikt XVI. – ein lange geplanter Rücktritt

Benedikt Fatima

Der Papst hat nach Angaben des vatikanischen Blattes „L’Osservatore Romano“ schon vor „vielen Monaten“ seinen Rücktrittsbeschluss ergriffen. Seine Entscheidung habe er nach den Reisen in Mexiko und Kuba im März 2012 gefasst, schrieb der Chefredakteur von „L’Osservatore Romano“, Gian Maria Vian

Einschätzung durch Gian Maria Vian

Vian bezeichnet den Beschluss des Papstes als „präzedenzlos“.

Benedikt hat mit der Klarheit, die ihn kennzeichnet, mitgeteilt, dass seine Kräfte wegen des Alters nicht mehr angemessen sind, um seine Aufgaben zu erfüllen. Deswegen und nur deswegen hat der Pontifex in vollem Bewusstsein seiner Geste und in voller Freiheit auf das Ministerium verzichtet, das ihm am 19. April 2005 anvertraut worden war. Benedikts Worte bezeugen auf transparente Weise den Respekt für die Bedingungen, die das Kirchenrecht für die Demission von einem Amt vorsieht, das weltweit ohne gleichen ist.

Ein Rücktritt nach dem Willen Gottes

Der vorbereitete Rückzug von Benedikt XVI. steht dem sehr deutlich entgegen, was manch eiliger Kommentator (u.a. der Journalist und „Kirchenexperte“ H.Feichtlbauer) schon als Vorwurf formuliert hat: Der Papst sei spontan und ohne Sorge um das Wohl des Vatikans zurückgetreten. Bei der Vorbereitungszeit von beinahe einem Jahr darf man davon ausgehen, dass Benedikt XVI. sehr wohl seine Kontakte für die Zukunft der katholischen Kirche genutzt hat. Letztlich aber gilt das Wort, das Kardinal Christoph Schönborn gestern gegenüber der Presse ausgesprochen hat: „Gott hat schon entschieden, wer der nächste Papst wird, jetzt müssen sie herausfinden, wie ER entschieden hat.“

1294 trat Papst Coelestin V. zurück

Auf Betreiben von König Karl II. von Neapel wurde Pietro del Morrone, so Coelestins ursprünglicher Name, als fast 80-jähriger zum Papst gewählt. Als ihn die Nachricht von der Wahl erreichte, wollte er mit einem Mönchsbruder in die Wildnis fliehen. „Ich schaffe es nicht, mich selbst zu retten; wie soll ich da die ganze Welt retten?“, soll er verzweifelt gerufen haben.

Coelestin V. war der einzige Papst der Kirchengeschichte, der auf eigenen Entschluss auf das Amt verzichtete. Der Eremit war nur von Juli bis Dezember 1294 Papst. Er galt als umstritten; manche Interpreten halten ihn für einen „heiligen Narren“ nach dem Urbild der Narren um Christi willen, andere loben sein Beispiel als das eines Kirchenfürsten ohne Machtambitionen Nichtsdestotrotz erfolgte schon 1313 Coelestins Heiligsprechung durch Papst Clemens V.

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