Fasten im Jahr des Glaubens – Aschermittwoch und danach (2)

Fasten Brot Gestern, im 1. Teil von „Fasten im Jahr des Glaubens – warum es Sinn macht“, stellte sich die Frage, wieviel geistliche und wieviel physische (materielle) Arbeit dem rechten Fastengedanken entspricht. Den Worten des Heiligen Hieronymus haben wir als Antwort ein „sowohl als auch“ entnommen. Im weiteren haben wir gesehen, dass Selbstbeobachtung, am besten in Ruhe- und Gebetszeiten, uns in die Lage versetzt, uns nachhaltig ändern zu können!

Heute wollen wir uns mit Verzicht, Solidarität, und dem Jahr des Glaubens etwas näher beschäftigen.

4. Die Sache mit dem Verzicht – wozu eigentlich?

Ob Ski-Weltmeisteschaft, Dschungelcamp oder Besteigen eines Achttausenders: Wie oft sitzen wir vor dem TV-Gerät oder lauschen Erzählungen, und denken uns im Stillen: Wie ist das nur möglich, für mich ist das unvorstellbar! Aber auch gewöhnliche Sterbliche wissen aus Notsituationen: Da werden Kräfte frei, die man nie für möglich gehalten hätte!

Extremsituationen schärfen die Sinne, plötzlich hören, spüren und sehen wir auf eine ganz „neue“ Weise. Daraus soll nun nicht abgeleitet werden, dass wir „extrem“ fasten sollen, wer könnte das schon 40 Tage durchhalten?

Sehen wir es so: Ein gutes Maß an Verzicht (Genussmittel, TV, etc.) hilft uns die Sinne für das Besinnen zu schärfen und ist an erster Stelle ein kleines Stück Aufopferung für das unendliche Leiden unseres Herrn am Kreuz und die Erlösung, die Jesus Christus uns geschenkt hat.

5. Apropos Solidarität: Faste ich eigentlich nur für mich allein?

Das ist eine durchaus interessante Frage. Ein katholisches Glaubensziel mahnt uns, so heilig wie nur möglich zu werden. Das verlangt viel Arbeit an uns selbst. Und besonders beim Fasten „bewache“ und „beobachte“ ich doch meine Tugenden und Nichttugenden, das tue ich doch für mich! Wie verhält es sich wirklich?

Auf besondere Weise bringt uns das Aschekreuz auf die richtige Spur. Zunächst nehmen wir es zur eigenen Umkehr an. Zugleich nehmen wir alle das Zeichen, das Kain von Gott erhielt, auf uns*: Ganz unabhängig davon, ob der Mensch mit schwerer Schuld beladen ist oder nicht, zeigt sich die christliche Gemeinde als Solidargemeinschaft, in der jeder aufgenommen und aufgefangen wird. Das bringt uns ein großes Stück weiter: In Gebet und Nächstenliebe sind wir in der Fastenzeit (und darüber hinaus) aufgefordert, nicht im Eigennutz zu verharren, sondern geistlichen und tätigen Dienst am Nächsten zu üben.

*

Schließlich bleiben noch jene (christlichen) Zweifler, die meinen, wir möchten uns bemühen wie wir wollen, am Ende könnten wir uns doch nicht des Herrn würdig erweisen. Diesen Zeitgenossen will ich einerseits zustimmen, da wir uns das Himmelreich nicht verdienen können. Aber widersprechen muss ich ihnen umso deutlicher, als es ja beim Fasten ohnehin nicht auf Zahl und Umfang der guten Werke ankommt:

Am Ende der Fastenreise heißt es nicht zu messen und zu wiegen, was wir getan haben; nach dem Fasten gilt es vielmehr über das Gebet zu erspüren und in den Augen der anderen zu erkennen, ob und wie wir uns verändert haben, ob uns der eine oder andere Schritt in Richtung Heiligkeit gelungen ist. Da unterscheiden wir uns nicht im Geringsten von den Christen der ersten Stunde, wenn wir an den Ursprung des Fastens denken:

In der Urkirche bestand das Hauptziel der Fastenzeit in der Vorbereitung der Katechumenen – der neu zum Christentum Übergetretenen – auf die Taufe, die in jener Zeit während der Osterliturgie vollzogen wurde. Dieser Gedanke passt besonders gut zum Jahr des Glaubens, in dem wir uns befinden.

Wie die Katechumenen des frühen Christentums sind wir heute aufgerufen, uns mit unserem Glauben auseinanderzusetzen. Nicht um einem scheinbar abstrakten Gebot im Jahr des Glaubens nachzukommen, sondern um uns soweit in Form zu bringen, dass wir IHN und uns selbst in unserem Glauben wiedererkennen, und diesen Glauben – Stichwort Neuevangelisation – schließlich auch bezeugen können!

*

zurüch zu Teil 1:
Fasten im Jahr des Glaubens – warum es Sinn macht

***

*

Auf ZEIT ZU BETEN erwarten dich

regelmäßige Impulse für Dein Fasten:

Immer am Sonntag!

*

Hier geht’s zur Fastenbotschaft >>> von Papst Benedikt XVI.

*

*

*Der Bezug auf das Kainszeichen stammt aus einer Predigt, die von der Katholischen Akademie Berlin veröffentlicht wurde. Einer der Ausgangspunkte der Predigt ist das Gedicht „Aschermittwoch – Ash Wednesday“ von T. S. Eliot mit den Themen Spiritualität, Vergänglichkeit und Buße. Vor einem Jahr hatte der Morgenländer schon auf die Eignung Eliot’scher Lyrik für die Fastenzeit verwiesen.

Anhang:

Auszug aus „Ash-Wednesday

by T. S. Eliot

…and pray to God to have mercy upon us
And pray that I may forget
These matters that with myself I too much discuss
Too much explain
Because I do not hope to turn again
Let these words answer
For what is done, not to be done again
May the judgement not be too heavy upon us

Because these wings are no longer wings to fly
But merely vans to beat the air
The air which is now thoroughly small and dry
Smaller and dryer than the will
Teach us to care and not to care
Teach us to sit still.

Pray for us sinners now and at the hour of our death
Pray for us now and at the hour of our death.

***

*

2 Gedanken zu “Fasten im Jahr des Glaubens – Aschermittwoch und danach (2)

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s