Versuchungen und Vorhaltungen (1.Fastensonntag 2013)

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Erfüllt vom Heiligen Geist, verließ Jesus die Jordangegend. Darauf führte ihn der Geist vierzig Tage lang in der Wüste umher, und dabei wurde Jesus vom Teufel in Versuchung geführt. Die ganze Zeit über aß er nichts; als aber die vierzig Tage vorüber waren, hatte er Hunger. Da sagte der Teufel zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot. Da führte ihn der Teufel (auf einen Berg) hinauf und zeigte ihm in einem einzigen Augenblick alle Reiche der Erde. Und er sagte zu ihm: All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben; denn sie sind mir überlassen und ich gebe sie, wem ich will. Wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest, wird dir alles gehören. Jesus antwortete ihm: In der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf führte ihn der Teufel nach Jerusalem, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich zu behüten; und: Sie werden dich auf ihren Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Da antwortete ihm Jesus: Die Schrift sagt: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Nach diesen Versuchungen ließ der Teufel für eine gewisse Zeit von ihm ab. (Lk 4, 1-13)

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Versuchungen und Vorhaltungen

Die heutige Perikope ist überschrieben mit „Die Versuchung Jesu“. Man könnte aber auch einen anderen Titel wählen, etwa: „Die Vorhaltungen des Teufels“. Denn die Versuchungen sind mit einem Schuss Moralin versehen, was sie besonders durchtrieben macht. Es sind nicht bloß Aussichten auf eine angeblich „bessere“ Welt, die der Teufel an die Wand malt, es sind zugleich ethisch munitionierte Angriffe auf die Haltung Jesu, die diese „bessere“ Welt scheinbar verhindert.

Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl diesem Stein, zu Brot zu werden. Du könntest Dir und Anderen helfen, tust es aber nicht! All die Macht und Herrlichkeit dieser Reiche will ich dir geben. Was könntest Du da nicht alles tun – in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft! Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich von hier hinab. Traust Dich wohl doch nicht, was?! Wo ist denn nun Dein Gottvertrauen, wenn es darauf ankommt?!

Jesus setzt dem scheinbar humanistischen Aktionismus die Perspektive Gottes entgegen: Der Mensch braucht Gott, er soll Gott allein verehren, nur Ihm dienen und Ihn nicht auf die Probe stellen. Der Zweck heiligt niemals die Mittel. Jesus will – das zeigt sein Wirken nach der Versuchung – wirklich eine bessere, eine humanere Welt. Aber eben nicht um den Preis von billiger Effekthascherei und kurzatmigen Taschenspielertricks.

Jesus zeigt uns: Langfristig geht es dem Menschen mit Gott besser. Nur mit Gott kann es ihm gelingen, die Probleme der Welt – Hunger, Macht, Misstrauen – in den Griff zu bekommen. In der Rückbindung – religio – an Gott, im Gebet, tankt er die Kraft für die nachhaltige Entwicklung seiner selbst und der Gesellschaft, in der er lebt. Auch Jesus betet immer wieder und sucht Kontakt zum Vater, durchaus auch mal zu Lasten des sozialen Engagements, das deswegen aber nicht unwichtig wird.

Vielleicht ist es einen Schritt zu weit gegangen, wenn man für die Kirche an dieser Perikope Maß nimmt, doch ich finde, auch sie steht oft in der Versuchung, muss sich Vorhaltungen gefallen lassen. Auch für die Kirche gilt dann: Brot ist nicht alles, Einfluss ist kein Selbstzweck und Provokationen sind nicht immer ein Grund, aktionistisch zu reagieren. Der scheidende Papst Benedikt XVI. hat dies beispielhaft vorgelebt. Er wird mit uns verbunden bleiben – im Gebet. Das ist es, was bleibt.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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