Fastenwoche 1 (2013): SUCHE NACH FREIHEIT

Freiheit

Wir befinden uns in der Vorbereitungszeit auf Ostern. Wenn wir das vierzigtägige Fasten Jesu und seine Versuchungen in der Wüste, die Ort der Entsagung, der Einsamkeit und auch der Versuchung ist, betrachten, dann sehen wir darin einen Zusammenhang mit unserem eigenen Leben.

Jesus nimmt unsere Versuchungen, unsere Armseligkeit auf sich, um das Böse zu besiegen und den Weg auf Gott hin zu öffnen, einen Weg der Umkehr.
Wie geht der Teufel bei der Versuchung vor? Zunächst redet er Jesus ein, er möge befehlen, dass aus Steinen Brot werde. Dann verspricht er die totale Macht auf dieser Erde. Und schließlich schlägt er vor, der Herr solle sich von der Zinne des Tempels stürzen und dabei die Leute ins Staunen bringen.
Was ist nun der Kern der drei Versuchungen? Der Kern ist, Gott für die eigenen Interessen, für den eigenen Erfolg zu instrumentalisieren, letztlich sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen. In solch herausfordernden Situationen heißt es ganz besonders zu Gott und zum Glauben zu stehen, den Glauben zu bekennen:

Das Wort ist dir nahe, es ist in deinem Mund und in deinem Herzen. Gemeint ist das Wort des Glaubens, das wir verkündigen; denn wenn du mit deinem Mund bekennst: «Jesus ist der Herr» und in deinem Herzen glaubst: «Gott hat ihn von den Toten auferweckt», so wirst du gerettet werden. Wer mit dem Herzen glaubt und mit dem Mund bekennt, wird Gerechtigkeit und Heil erlangen. Denn die Schrift sagt: Wer an ihn glaubt, wird nicht zugrunde gehen. Darin gibt es keinen Unterschied zwischen Juden und Griechen. Alle haben denselben Herrn; aus seinem Reichtum beschenkt er alle, die ihn anrufen. Denn jeder, der den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden. (Röm 10,8-13)

»Umkehr« bedeutet hier, die rechte Ordnung anzuerkennen, Gott den richtigen, das heißt den ersten Platz zu geben.

(Benedikt XVI.)

*

Da Du mir in Deinem Brief davon sprichst, dass wir mit unserer Liebe zu Gott frohe Menschen sein müssen, konnte ich nicht anders und musste den Herrn loben mit heiliger Freude in dem Bewusstsein, dass wir Ihm gehören, im Bewusstsein darüber, dass wir von ihm brennend geliebt werden. Weg mit der Traurigkeit und mit den Sorgen! Gott, und Gott allein! Ich kann Dir sagen, dass unser Leben – wenn wir das immer so sähen – ein vorweggenommener Himmel wäre. Alles würde sich darauf beschränken, Gott zu lieben und zu wissen, dass Er uns liebt. Uns mit den Engeln, mit den Heiligen, mit Maria vereinigen! Was würden wir dann nicht alles erreichen, nicht wahr?

(Hl. Rafael Arnáiz Barón)

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Es folgen 6 Gedanken für die Woche.

Ob du für jeden Wochentag (Mo-Sa) einen Gedanken
in den Mittelpunkt stellst, oder aus diesen Vorschlägen
ein „Fastenprogramm“ nach eigenen Vorstellungen
zusammenstellst, bleibt dir überlassen.

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1. DAS NETZ IST ZERRISSEN

Unsere Seele ist wie ein Vogel dem Netz des Jägers entkommen; das Netz ist zerrissen, und wir sind frei. (Ps 124,7)

Wir sind frei – oder wie es der Apostel Paulus im Neuen Testament formuliert: Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Bleibt daher fest und lasst euch nicht von neuem das Joch der Knechtschaft auflegen! (Gal 5,1)

  • Kennst du die Sehnsucht nach Freiheit?
  • Wovon willst du frei sein bzw. befreit sein?

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2. ENGE UND WEITE

Du schaffst meinen Schritten weiten Raum, meine Knöchel wanken nicht. (2 Sam 22,37 und Ps 18,37).

Gott ist mit uns, er sorgt für uns. ER hat vor aller Zeit bestimmt, dass wir eines Tages zu atmen beginnen.

Nehmen wir das Atmen als eine Übung für unser Fasten. Beim Einatmen denken wir daran, dass ER unser Leben überhaupt ermöglicht hat. Das Ausatmen nehmen wir als Übung der Befreiung – und gehen auf die folgenden Fragen ein:

  • Was bedrängt mich, was hat mich verletzt? Was ärgert mich?
  • Mit meinem Ausatmen schicke ich allen segnende Gedanken zu,
    die ich verletzt habe, die ich gekränkt habe,
    denen ich nicht geholfen habe.
  • Mit meinem Ausatmen verbinde ich den Wunsch,
    dass Friede sei zwischen uns.

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3. TRAUM VOM GLÜCK

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit… Wenn jemand etwas tut – welchen Vorteil hat er davon, dass er sich anstrengt? Ich sah mir das Geschäft an, für das jeder Mensch durch Gottes Auftrag sich abmüht. Gott hat das alles zu seiner Zeit auf vollkommene Weise getan. Überdies hat er die Ewigkeit in alles hineingelegt… Ich hatte erkannt: Es gibt kein in allem Tun gründendes Glück, es sei denn, ein jeder freut sich und so verschafft er sich Glück, während er noch lebt, wobei zugleich immer, wenn ein Mensch isst und trinkt und durch seinen ganzen Besitz das Glück kennen lernt, das ein Geschenk Gottes ist. Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht in Ewigkeit. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden und Gott hat bewirkt, dass die Menschen ihn fürchten. Was auch immer geschehen ist, war schon vorher da, und was geschehen soll, ist schon geschehen und Gott wird das Verjagte wieder suchen (vgl. Pred 3).

Wir sind zur Freiheit berufen – Flügel sind für den Menschen bestimmt. Wir dürfen nicht zu bequem werden, nicht zu sehr Nesthocker sein.

  • Kenne ich die Sehnsucht nach Neuem, nach Weite, nach Ewigkeit?
  • Ich will lernen, Abschied zu nehmen, vom Traum des einfachen Glücks,
    vom egoistischen Glücksstreben –
    – dann wächst der Weg unter meinen Füßen wie durch ein Wunder.

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4. WENN DIE KETTEN SCHMERZEN

Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern. Du schaffst meinen Schritten weiten Raum. (vgl. Ps 18)

Wenn die Ketten schmerzen, wird die Sehnsucht nach Befreiung unendlich groß. Die Mauern müssen fallen!

  • Welche Vorurteile bestimmen mein Denken und Fühlen?
  • Wie begegne ich dem Nächsten?
  • Spielt dabei meine christliche Überzeugung eine Rolle?

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5. PILGER SIND WIR

Herr, du hast mich erforscht und du kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. Ob ich gehe oder ruhe, es ist dir bekannt; du bist vertraut mit all meinen Wegen. (Ps 139,1ff)

Wir machen uns kleiner, als wir sind. Wir geben uns mit Minimallösungen zufrieden, arrangieren uns zu schnell mit „kurzen“ Wegen.

Augustinus spricht von der Wurzel des unruhigen Herzens, die es wie eine kostbare Pflanze zu bewahren gilt:

„Im Menschen lebt eine Sehnsucht… doch alles neue, das er unterwegs sieht und erlebt, kann ihn niemals ganz erfüllen. Seine Sehnsucht ist größer… Alle Wege, zu denen der Mensch aufbricht, zeigen ihm an, dass sein ganzes Leben ein Pilgerweg zu Gott ist.“

  • Spüre ich diese große Sehnsucht in mir?
  • Lasse ich mich auf überraschende, unsichere, auch unbequeme Pilgerwege ein?

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6. WER GEHT, WIRD ÄRMER UND FREI

Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen. (Mt 19,29)

„Wer geht, wird ärmer.“ Das Reisegepäck muss dem Gehen angepasst sein, alles kann ich nicht mitnehmen. Der Pilger lernt, loszulassen und Ballast abzuwerfen.

Es gibt Lebensphasen, da üben wir das Loslassen und wachsen in neue Freiheiten hinein.

  • Bin ich in einem Alter, wo ich meine Grenzen spüre?
  • Sammle ich meine Kräfte (sei es in schwierigen Zeiten, oder im Alter), um das Loslassen zu üben?
  • Spüre ich, wie mein Loslassen zu größerer Leichtigkeit und Freiheit führt?

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>>> Fortsetzung am nächsten Fastensonntag ab 06:00 ! <<<

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Anhang 1: „ICH WILL EIN NICHTS SEIN“

Herr, schau auf Deinen Diener Rafael! … Du weißt, dass sein Leben und seine ganze Seele Dir gehören. Er hat sie Dir einmal übergeben, und Du, als Eigentümer und Herr, nahmst sie an. Du sahst, dass meine Seele nicht vollkommen war, und wolltest sie läutern – was ich Dir gab, war alles, was ich besaß. Aber alles, was ich hatte, waren Sünden, Elend und Unvollkommenheiten, und das war Deiner nicht würdig.

Willst Du mich durch Opfer läutern? Opfere mich, Herr! Willst Du mein Leiden? Nimm es, Herr! Ich will Deinem göttlichen Handeln kein Hindernis in den Weg legen. – Aber, Herr, vergiss mich nicht! – Sieh, ich bin armselig und könnte es allein nicht aushalten. Gut, Herr, nimm keine Rücksicht auf mich und tu, was Du willst! – Ich will mich nur darum bemühen, keine Hindernisse aufzubauen, und an mir geschehen lassen… außerdem ist das so einfach und so wohltuend!

Herr, mit jedem Tag, der vergeht, erkenne ich besser, was ich zu tun habe, um mich zu heiligen. Früher glaubte ich, dass ich – ich Armseliger! – derjenige war, der die Tugend übte und dass ich, wenn ich etwas Gutes tat, es aus mir selbst vollbrachte. Aber nein, Herr, das ist es nicht!

Alles Gute kommt von Dir. Daher ist es das Beste, in meinem Leben Dich wirken zu lassen. Ich überlasse mich ganz Dir. Nicht einmal den Wunsch, gut zu sein, möchte ich haben, wenn es nicht auch Dein Wunsch ist. Ich will gar nichts. Ich will für die Welt ein Nichts sein. Ich möchte ganz Dein sein.
Sogar meine Sünden gebe ich Dir, denn sie sind das Letzte, was mir bleibt und nur mir gehört.

(Hl. Rafael Arnáiz Barón)

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Lasset uns bitten:
Jesus Christus, du willst uns zu Gottes Hochzeitsmahl führen,
so bitten wir dich:
Herr, steh uns bei –
Schenke uns Freude an deiner Nähe,
Bereite uns für dein Reich, das du uns schenken willst,
Hilf uns, die Fastenzeit gut zu nutzen.

Jesus, segne uns mit der Sehnsucht nach dir und dem Vater.
Segne uns mit der Freude über das, was du uns schenkst.
Segne uns mit der Kraft, uns darauf vorzubereiten.
Segne uns mit dem Willen, uns von dir führen zu lassen.
Amen.

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Anhang 2: FASTEN IM JAHR DES GLAUBENS (Benedikt XVI.)

„Caritas Christi urget nos“ (2 Kor 5,14): Die Liebe Christi ist es, die unsere Herzen erfüllt und uns dazu drängt, das Evangelium zu verkünden, formuliert Papst Benedikt XVI. Heute wie damals sendet Christus uns…, um sein Evangelium allen Menschen der Erde bekanntzumachen (vgl. Mt 28,19). Mit seiner Liebe zieht Jesus Christus die Menschen aller Generationen an sich.

Es ist das Anliegen von Benedikt XVI., dass dieses Jahr des Glaubens in jedem Gläubigen das Verlangen wecke, den Glauben vollständig und mit erneuerter Überzeugung, mit Vertrauen und Hoffnung zu bekennen. Diese Zeit verlangt es, dass das Zeugnis des Lebens aller Gläubigen an Glaubwürdigkeit gewinnt. Wir sind aufgerufen, über den Glaubensakt selbst nachzudenken.

In diesem Zusammenhang ist das Beispiel der Lydia sehr bedeutsam. Der heilige Lukas erzählt, dass Paulus, als er in Philippi war, sich am Sabbat aufmachte, um einigen Frauen das Evangelium zu verkünden; unter ihnen war Lydia, und „der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte“ (Apg 16,14).
Was aber ist der Sinn dieser Worte? Der heilige Lukas lehrt, dass die Kenntnis der zu glaubenden Inhalte nicht genügt, wenn dabei das Herz, das echte „Heiligtum“ des Menschen, nicht durch die Gnade geöffnet wird.
Die Rede ist von jener Gnade, die die Augen öffnet, um in die Tiefe zu sehen und zu verstehen, dass das, was verkündet wurde, das Wort Gottes ist.

Über alle Zeiten haben Brüder und Schwestern aufgrund des Glaubens ihr Leben Christus geweiht und Tätigkeiten zugunsten der Gerechtigkeit gefördert, um das Wort des Herrn, der gekommen ist, konkret werden zu lassen. (vgl. Lk 4,18-19)

Aufgrund des Glaubens haben im Laufe der Jahrhunderte Männer und Frauen jeden Alters, deren Namen im Buch des Lebens verzeichnet sind (vgl. Offb. 7,9; 13,8), die Schönheit bekannt, was es heißt, dem Herrn Jesus dort nachzufolgen, wo sie berufen waren, ihr Christsein zu bezeugen: in der Familie, im Beruf, im öffentlichen Leben, in der Ausübung der Charismen und Dienste, zu denen sie gerufen wurden.

(Benedikt XVI.)

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Die Gedanken für die Woche sind inspiriert von
P. Erich Purk, Freiheit, KBW 2011

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2 Gedanken zu “Fastenwoche 1 (2013): SUCHE NACH FREIHEIT

  1. Diese Seite ist fantastisch. Es gibt soviel religiösen „Müll“ im Internet, dass dieser Blog die reinste Oase ist.
    Vielen Dank an die Autoren!

    1. Hallo Thomas,
      vielen Dank für Dein Feedback!

      Der Ausdruck „Müll“ ist ein wenig stark geraten ;-) …jedenfalls bemüht sich dieses Blog, das zu schaffen, was manche Leute in unserer Kirche etwas vermissen:

      ein zeitgemäßes Gesicht zu zeigen – ohne aber die Inhalte unserer wunderbaren Kirche und unseres heiligen Glaubens aufzugeben.

      Das ist sicherlich ein hoher Anspruch, hoffentlich nicht zu hoch. Jesus Christus, erbarme Dich, nur mit Deiner Hilfe wird es gelingen, den guten christlichen und katholischen Kurs zu halten!

      LG, Stefan.

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