„Katholische Ehe“, schon mal gehört?

 

Die österreichische Frauenministerin gab vor wenigen Tagen ein Interview, dem der folgende Auszug entnommen ist. Die Äußerungen sind ganz typisch für die aktuelle, europäische Politik, und sie spiegeln nichts anderes als die vorherrschende gesellschaftliche Meinung:

STANDARD: Die Institution Ehe gilt vielen als heilig, besonders in der Volkspartei [Anm.: Pendant zur CDU in Deutschland].

Ehe katholische Kirchenfahne

Ministerin Heinisch-Hosek: Ich finde, Ehe hat mit heilig nichts zu tun. Es gibt standesamtliche Trauungen, die nicht in der Kirche nachvollzogen werden, so wie meine. Dafür kann man sich entscheiden. Ich denke, dass die katholische Kirche für viele Leute ein Fixpunkt ist im Sich-Trauen, im besten Sinne des Wortes. Das soll auch so bleiben. Aber jeder soll die Möglichkeit haben, eine Ehe oder einen Partnerschaftsvertrag einzugehen. Die Politik soll nicht werten, was besser oder schlechter ist.

STANDARD: Wird sich da bis zur Nationalratswahl etwas bewegen?

Heinisch-Hosek: Ich werde das mit dem Koalitionspartner sehr vehement diskutieren, weil ich so viele Regenbogenfamilien kennengelernt habe und mir denke: Wieso sollen die Nachteile haben?

STANDARD: Ist man teilweise bei nichtbiologischen Eltern strenger als bei biologischen?

Heinisch-Hosek: Diesen Eindruck habe ich schon. Dabei bedeutet das biologische Elternsein nicht automatisch, dass man es besser macht. Das Wichtigste ist doch, dass ein Kind Liebe, Geborgenheit und Sicherheit mitbekommt. Und das passiert tagtäglich auch in Regenbogenfamilien, in Patchworkfamilien und bei Adoptiveltern. (DER STANDARD, 18.2.2013)

Säkulare gesellschaftliche Meinung hin oder her, ich denke, die Aufgeregtheit vieler Kommentatoren darf einem intelligenteren Ansatz weichen. Wer für eine Trennung von Staat und Kirche ist (ein zeitgemäßer und aufrechter Katholik kommt an dieser Position ohnehin nicht mehr vorbei), der muss wissen, dass es zivilrechtliche Grundlagen und Entscheidungen gibt und geben wird, die mit den eigenen Glaubensüberzeugungen im Widerspruch stehen.

So haben Kardinal Christoph Schönborn und der österreichische Familienbischof Klaus Küng zum jüngsten Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Straßburg (EGMR) am Freitag wie folgt Stellung genommen:

Dieses Urteil des EGMR über das Adoptivrecht homosexueller Paare müssen wir wohl zur Kenntnis nehmen, betrachten es aber mit Sorge. Problematisch am Urteil ist, dass es eine weitere Entwicklung in Richtung Umdeutung des Familienbildes vorzeichnet. Zentral muss es in dieser Frage immer um das Kindeswohl gehen. Die Identität jedes Menschen ist mit dem eigenen Vater und der eigenen Mutter untrennbar verknüpft. Und das Kind leidet am meisten, wenn Familien zerbrechen oder wenn es nicht in der Geborgenheit der Familie im Sinne der Ehe zwischen Vater und Mutter aufwachsen kann.

Diese Stellungnahme ist richtig und wichtig, aber wen wird sie erreichen? Zwar wird die eigene Klientel damit beruhigt („Unser Kardinal vertritt die katholischen Interessen!“), aber alle anderen werden sich nur denken: Natürlich, diese Meinung von katholischer Seite war ja zu erwarten! – Vorsicht: Ich spreche mich damit nicht gegen öffentliche Stellungnahmen aus, ganz sicher nicht! Aber das kann und darf nicht alles sein:

Mit Freude sehe ich dem Tag entgegen, an dem katholische Entscheidunggsträger und Meinungsführer dazu übergehen, von einer großen Chance für die katholische Kirche zu sprechen. Schluss mit dem Gejammere über die Missachtung christlicher Überzeugungen, Zurückhaltung im Gerede vom Niedergang jeglicher gesellschaftlicher Moral!

Anstatt in ein immer wiederkehrendes Lamento zu verfallen, muss sich das Engagement von Kirchenspitze und -basis endlich der katholischen Zukunft widmen. In Bezug auf unser Thema heißt das:

Eine zivilrechtliche „Ehe“ unterscheidet sich fundamental von der sakramental geschlossenen Ehe – und ebendiese kirchliche, katholische Ehe muss von der Kirche in engagierter Weise dargestellt, vorbereitet und thematisiert werden!

In jedem zweiten Gespräch, in dem das Wort Ehe fällt, muss doch nachgehakt werden, von welcher Ehe gesprochen wird: heterosexuelle Zivil-Ehe, Homo-Ehe oder kirchliche Ehe? Daher ist eine Empfehlung an die katholische Kirche auszusprechen, die Begrifflichkeit „Ehe“ zu überdenken und einen Terminus mit Alleinstellung zu prägen.

Googelt man den Begriff „kirchliche Trauung“, erhält man ungefähr eine halbe Million Treffer, bei „katholische Ehe“ nur knapp 8.000 Suchergebnisse:

Vermutlich sind wir alle gut beraten, den schwach vertretenen Begriff  katholische Ehe“ mit mehr Leben und Liebe zu besetzen!

Das betrifft, wie bereits angedeutet, die Erklärung und Darstellung der katholischen Ehe, die Vorbereitungskurse, die Familien- und Eheberatung, die moraltheologischen Diskurse zu den Themen (Abtreibung, Pille danach, PID, usw.), und manch anderes mehr.

*

U P D A T E :

Barbara Marie-Louise Pavelka verdanke ich via Facebook den Hinweis auf ein lesenswertes Buch zum Thema, gleich mehr dazu. Außerdem hat Barbara zu Recht angesprochen, dass an der Theologischen Hochschule des Stiftes Heiligenkreuz die „Theologie des Leibes“ im Lehrplan entsprechend Raum erhält, und es in Trumau ein Masterstudium für Ehe und Familie am Internationalen Theologischen Institut (ITI) gibt.

Das angesprochene Buch heißt „Menschliche Liebe im göttlichen Heilsplan„,  Norbert Martin/Renate Martin/Karol Wojtyla, Fe-Medienverlag.
Dr. Josef Spindelböck schreibt in seiner Rezension: „Wer die von Johannes Paul II. zu einem vorläufigen Höhepunkt geführte „Theologie des Leibes“ studieren will, ist mit dieser Neuausgabe seiner relevanten Katechesen bestens bedient. Die Terminologie der Übersetzung wurde präzisiert und vereinheitlicht; die Papsttexte lassen sich leicht auffinden: sowohl durch die gute Gliederung nach Überschriften für die Katechesengruppen und deren einzelne Teile als auch durch das Stichwortverzeichnis. Von großem Nutzen ist die ausführliche Einleitung (37-75) der beiden Herausgeber und Übersetzer, Norbert und Renate Martin. Der Mensch ist von Gott berufen zur Liebe – das ist die Kernbotschaft des Evangeliums, die hier in den Hauptbereichen der ehelichen Liebe und Sexualität sowie auch der gottgeweihten Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen entfaltet wird. Mit der „Theologie des Leibes“ schließt Johannes Paul II. theologisch dort an, wo auf anthropologischer und philosophischer Basis im Werk Karol Wojtylas „Liebe und Verantwortung“ die Ausführungen geendet haben. Die menschliche Person findet ihre Erfüllung nur in Gott, der die Liebe ist. Dabei wird auch die Heilsgemeinschaft der Menschen untereinander vollendet.“

*

Hier geht’s zur >>> Katechese von Sr.Teresia Benedicta
zum Thema  Mann und Frau

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A N H A N G :

Katechismus der katholischen Kirche

Die Sakramente im Dienst der Gemeinschaft und der Sendung –
Das Sakrament der Ehe

1601-1666

Das Sakrament der Ehe schafft zwischen den Ehegatten ein Band, das lebenslang und ausschließlich ist. Gott selbst besiegelt den Konsens der Brautleute. Darum kann die zwischen Getauften geschlossene und vollzogene Ehe nie aufgelöst werden. Außerdem verleiht dieses Sakrament den Brautleuten die notwendige Gnade zur Erlangung der Heiligkeit im Eheleben und zur verantwortungsvollen Annahme und Erziehung der Kinder (1638-1642 Die Wirkungen des Ehesakraments).

***

7 Gedanken zu “„Katholische Ehe“, schon mal gehört?

  1. Der Artikel scheint mir bemerkenswert.
    Jemand, der in erster Linie die Zustände beklagt, aber keine Alternativen anbietet (oder auch nur so wahrgenommen wird), hat nie eine Deutungshoheit, sondern reagiert immer nur, während andere agieren. Das scheint mir ein großes Problem auch in der katholischen Bloggerszene zu sein: es wird ganz viel beklagt und der Untergang des Abendlandes heraufbeschworen, und von „Wir machen das SO“ und „Unser Programm ist attraktiver, seht her!“ finde ich nur wenig.
    Auf mich als „treue (fragt mich nicht warum) Leserin“ wirkt das oft sehr sauertöpfisch bis ermüdend. Ich denke dann immer – hallo, Frohe Botschaft, solltet Ihr nicht ein bisschen erlöster wirken?
    Ich habe ein Lieblingszitat, das besser verdeutlicht, was ich meine:

    „Let God tend to the hopeless-looking things. You are a Dominican, a foreigner to worry and quite a close friend of gaiety… like the rest of us, you putter at your job with a normal amount of energy, for a reasonable length of time, and go to bed with the humiliating yet exhilarating knowledge that you are only a child of God and not God Himself.” ~Fr. Walter Farrell, OP.

    Keine Blogozese wird an den Scheidungszahlen oder an der Schwulenehe etwas ändern – für die Blogozese sind das wohl „hopeless-looking things“. Es bringt wenig, sich auf diese Themen einzuschießen, man verbrät nur Energie und kommt als totale Spaßbremse rüber – statt dessen da ansetzen, wo man ein positives Zeichen setzen kann (ohne sich damit selbst permanent zu überfordern). Darum gefällt mir Ihr Vorschlag, die katholische Ehe so zu leben, dass sie erstrebenswert erscheint (und nix Ehmann Haupt der Frau und so…),so gut.

    Ich durfte mal ein bisschen in eine „katholische Ehe“ reinschnuppern, und sogar in meiner jugendlichen Naivität fiel mir ein Unterschied zu den Eheleuten in meiner Umgebung auf, und lange Zeit erschien mir das Zusammenleben dieser beiden als ein Idealbild. Hat mich sehr beeindruckt. Nicht, dass ich eine katholische Ehe geschlossen hätte,, aber ich hatte immer ein Beispiel vor Augen, wie gutes, harmonisches Zusammenleben aussehen kann.

    Das Problem das die Katholische Kirche im Moment damit haben dürfte, ist eine gewisse Dienstleistungserwartung der oft eher kirchenfernen Schäfchen. Was würde wohl passieren, wenn ein Pfarrer nur mehr Paare trauen würde, die tatsächlich eine christliche Einstellung haben? Erstmal große Wut bei allen, die abgelehnt werden, schätze ich. Aber dann? Wäre interessant, sich zu überlegen, wie’s dann positiv weitergehen könnte.

  2. Hallo Besucher,
    offensichtlich hat dieser alte Hirtenbrief eine große Bedeutung für dich. In diesem Fall würde ich die betreffende Diözese kontaktieren und um Stellungnahme bitten, wie diese Formulierungen HEUTE zu sehen sind.

    Im Ernst? Ich muss bei katholischen Wahrheiten, die unter Hinweis auf Gottes Wort, Evangelium und beständige Lehre der Kirche verkündet werden, nachfragen, ob diese Lehre aufrecht erhalten wird oder wurde, oder ob sie bereits verfallen und ungültig ist?

    Was schlagen Sie denn für einen Zeitraum für die Nachfrage vor, nachdem die Lehre der Kirche, des Evangeliums und Gottes Wort aus dem Jahr 1953, also nach sechzig Jahren schon bestätigungsbefürftig sind? Sollen wir nach der Hälfte dieser Zeit nachfragen, nach dreißig Jahren? Oder gar schon nach zehn Jahren, nachdem anscheinend nicht nur unsere Zeitläufte, sondern auch ewige Wahrheiten immer schnelllebiger werden?

    Insgesamt klingt das alles recht unglaubwürdig und trägt ganz bestimmt nicht zur Verbesserung der Situation des römisch katholischen Klerus in der Welt von heute bei. Man sollte da mal was machen, in Richtung Umkehr, wie es in der Überschrift dieser Seite so schön heißt.

    PS: Die Theologie des Leibes des verstorbenen Papstes habe ich gelesen. Man merkt dabei recht gut, dass der Papst ein ganz großartiger Theoretiker war auf diesem Gebiet.

    1. Im Ernst,
      geschätzter Besucher.

      Es gibt in unserer Kirche die Möglichkeit, Fragen zu stellen – im Ernst – und oft erhält der Fragende entsprechende Antworten – im Ernst.

      PS: Gerne gebe ich meine persönliche Hierarchie in Sachen Glauben bekannt:
      1. Heilige Schrift
      2. Mein Gewissen (die Stimme Gottes in mir).
      3. Päpstliche Worte und Schriften.
      4. Geistliche Berater.
      5. Meine Diözese und meine Pfarre.
      Alles ohne Gewähr.

      Gottes Segen für Sie!

  3. Anhang 2:
    „Wer grundsätzlich die Verantwortung des Mannes und Vaters als Haupt der Ehefrau und der Familie leugnet, stellt sich in Gegensatz zum Evangelium und zur Lehre der Kirche… Die Lehre selbst aber, um die es hier geht, ist in Gottes Wort klar bezeugt. Wer sie leugnet, verkennt und verkehrt die hohe Berufung und Verantwortung des Mannes und Vaters, dem zum Dienst der Liebe an Frau und Kindern eine Leitungsgewalt übertragen ist… Das gilt für jede Ehe…“ Hirtenwort der deutschen Erzbischöfe und Bischöfe zur Neuordnung des Ehe- und Familienrechtes vom 30.1.1953, in: Kirchlicher Amtsanzeiger für die Diözese Trier, 97, 1953, 41-44.

    Wenn man das den Liebenden als Merkmal der „katholischen Ehe“ lehren will, muss man sich über den sofortigen Misserfolg nicht wundern.

    Es kommt für die katholische Kirche darauf an, das wichtigste Wort aus der Überschrift dieser Seite mit Leben zu erfüllen: UMKEHR. Manche nennen es auch Reformen.

    Fragt sich nur, ob und wenn ja wann, katholische Ehewahrheiten wie die oben aus dem Hirtenbrief zitierte Lehre der Kirche, ein Verfallsdatum haben. Gelten die Lehren der Kirche und des Evangeliums, dass der Mann das Haupt der Ehefrau ist und ihm (von Gott?) die Leitungsgewalt über Frau und Kinder gegeben wurde auch heute noch, oder sind sie inzwischen überholt und ungültig und null und nichtig?
    Und wenn sie ungültig oder verfallen und damit null und nichtig sind, für welche anderen katholischen Ehewahrheiten gilt das noch?

    In diesen Tagen stellen sich ja, wie das eigentlich schon immer und immer wieder war in der katholischen Kirche, Wahrheiten die als ehern geglaubt wurden, als nicht ganz so betoniert heraus wie angenommen. Wie wäre es mit einer Umkehr bei ein paar Ehewahrheiten mehr?

    1. Hallo Besucher,

      offensichtlich hat dieser alte Hirtenbrief eine große Bedeutung für dich. In diesem Fall würde ich die betreffende Diözese kontaktieren und um Stellungnahme bitten, wie diese Formulierungen HEUTE zu sehen sind.

      Freuen würde sich der Verfasser obigen Artikels, wenn sein Beitrag auch gelesen würde, bevor kommentiert wird. Im Beitrag stehen klare Hinweise auf heute gültige Grundlagen wie z.B. die „Theologie des Leibes“ des seligen Johannes Paul II., einschließlich eines Literaturtipps.

      Alles Gute und Gottes Segen,
      Stefan

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