Fastenwoche 2 (2013): WEGE DER BEFREIUNG

Befreiung

Wir befinden uns in der Vorbereitungszeit auf Ostern. Wenn wir das vierzigtägige Fasten Jesu und die im heutigen Evangelium geschilderte Verklärung des Herrn, die ein großes Mysterium darstellt, betrachten, dann ist es unsere Aufgabe, Zusammenhänge mit unserem eigenen Leben zu entdecken.

In dieser zweiten Fastenwoche betrachten wir unser Leben als einen unvorhersehbaren, manchmal schmerz- und dann wieder freudvollen Pilgerweg. Brechen wir auf, um unsere Wege der Befreiung zu finden. Wie ist das zu schaffen?

Zunächst geht es darum, keine Furcht zu haben. Und es geht darum, das Angebot Gottes auf Heilung anzunehmen.

„Das ist mein auserwählter Sohn…, auf ihn sollt ihr hören“. Hört auf ihn, der den Weg zum Himmel öffnet und euch durch seine Qualen am Kreuz den Aufstieg zum Himmelreich ermöglicht. Warum fürchtet ihr euch davor, losgekauft zu werden? Warum habt ihr, die ihr verwundet seid, Angst davor, geheilt zu werden? Mein Wille geschehe, so will es Christus. Werft die Ängste dieser Welt ab, wappnet euch mit der festen Zuversicht, die der Glaube schenkt. Denn ihr dürft nicht das an der Passion des Retters fürchten, wovor ihr, mit seiner Hilfe, bei eurem Tod keine Angst haben werdet… Die ganze Kirche hat alles erfahren, was die Apostel mit ihren Augen gesehen und ihren Ohren gehört haben (vgl. 1 Joh 1,1). Möge doch der Glaube aller durch die Verkündigung des heiligen Evangeliums fester werden, und möge niemand sich des Kreuzes Christi schämen, durch das die Welt losgekauft wurde.

(Hl.Leo der Große, 5. Jhdt., Papst und Kirchenlehrer)

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Es folgen 6 Gedanken für die Woche

Ob du für jeden Wochentag (Mo-Sa) einen Gedanken
in den Mittelpunkt stellst, oder aus diesen Vorschlägen
ein „Fastenprogramm“ nach eigenen Vorstellungen
zusammenstellst, bleibt dir überlassen.

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1. VERZICHTEN BEFREIT

Es ist gut, zu beten und zu fasten, barmherzig und gerecht zu sein. Lieber wenig, aber gerecht, als viel und ungerecht. Besser barmherzig sein als Gold aufhäufen. (Tob 12,8)

In der Fastenzeit haben wir die Möglichkeit, einige (auch kleine) Schritte zu tun, um einen neuen Lebensstil einzuüben. Ganz unterschiedliche Formen des Fastenverzichts sind denkbar:

  • Bewegungsfasten: Nicht ständig unterwegs sein, das Fahrrad benutzen bzw. zu Fuß gehen, …
  • Geräuschfasten: Kein ständiges Radio bzw. Hintergrundmusik…
  • Kleiderfasten: Weniger Kleidung kaufen…
  • Bilderfasten: Nur ausgewählte Fernsehsendungen…
  • Redefasten: Nicht über andere herziehen bzw. tratschen, über Wesentliches reden…
  • Essen-, Trink-, Rauchfasten: Es geht einfacher oder auch ohne…

Bei Widerständen – da heißt es durchhalten, und bei Niederlagen – neu anfangen! Lieber weniger vornehmen, dafür konsequent bleiben…

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2. FASTEN BEFREIT

Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht wie die Heuchler. Sie geben sich ein trübseliges Aussehen, damit die Leute merken, dass sie fasten. Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten. Du aber salbe dein Haar, wenn du fastest, und wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern nur dein Vater, der auch das Verborgene sieht; und dein Vater, der das Verborgene sieht, wird es dir vergelten. (Mat 6,16).

„Tue deinem Leib Gutes, damit deine Seele Lust hat, darin zu wohnen“, schreibt die heilige Teresa von Avila. Als ob die Heilige für unsere Zeit schreiben wollte: Es geht nicht so sehr darum, den Körper zu kasteien. Der „Tempel unserer Seele“ braucht seine Pflege und soll sie haben, gerade in der Fastenzeit. Wichtiger ist, dass Fasten ein Weg nach Innen ist, in die seelisch-geistige Mitte unserer Person. Es ist ein Wandlungsprozess, der uns die Abhängigkeiten nimmt und mehr innere Freiheit schenkt.

  • Wieviel Ehrgeiz liegt in deinen Bemühungen? – Stopp, es gibt nichts zu beweisen…
  • Beginne ich mein Inneres, mein Innenleben, meine Seele wieder mehr zu spüren?
  • Will ich schon aufgeben, oder bin ich weiterhin auf Gott gerichtet, der mir helfen kann, mehr Freiheit zu finden?

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3. AUFRÄUMEN BEFREIT

Blinde Augen zu öffnen, Gefangene aus dem Kerker zu holen und alle, die im Dunkel sitzen, aus ihrer Haft zu befreien. (Jes 42,7).

Das Studium ist zu Ende, eine Familie zieht in eine größere Wohnung um, in einem anderen Fall ist gerade das jüngste Kind ausgezogen – auf ganz verschiedene Weisen beginnt ein neuer Lebensabschnitt: „Wir sind mitten im Aussortieren. Überall gibt es so vieles, von dem man sich trennen kann. Jeden Tag tragen wir Dinge zu Verwertungsstellen… Die leerer gewordenen Räume schenken uns Freiheit für Neues!“

  • Fällt es mir schwer, mich von Dingen zu trennen – aber was von all den Dingen kann ich am Ende der Zeiten mitnehmen?
  • Merke ich, wie ich mit mehr Abstand zu den Dingen, die mich umgeben, freier werde?
  • Denke ich schon über Neues, über neue Wege nach?

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4. ABSCHIED BEFREIT

Der Herr sprach zu Abram: Zieh weg aus deinem Land, von deiner Verwandtschaft und aus deinem Vaterhaus in das Land, das ich dir zeigen werde. (1.Mose 12,1)

Jede Reise beginnt mit einem Abschied – der Abschied ist die Tür zu neuem Leben. „Zieh weg!“ spricht Gott. Dieses „Geh!“ darf als Lebensmelodie eines glaubenden Menschen verstanden werden: Auszug aus dem Gewohnten, Abschied vom festen Standort, sich auf’s Neue auf den Weg machen.

  • Ist unser Geist, unser Herz bereit für den einen oder anderen Abschied?
  • Fällt mir der Abschied, das Loslassen zu schwer… rufe ich zu Jesus um Sein Erbarmen?
  • Stehe ich ohnehin in einer Lebensphase, wo Verzichte verlangt werden? Wie gehe ich damit um?

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5. UNTERBRECHUNG BEFREIT

Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus. Denn sie fanden nicht einmal Zeit zum Essen, so zahlreich waren die Leute, die kamen und gingen. (Mk 6,31)

„Eigentlich bin ich ganz anders, nur komme ich so selten dazu.“ Dieses Wort von Ödön von Horvath trifft so manchen von uns: Wir hetzen durch die Welt, und das Wesentliche kommt zu kurz… warum unterbrechen wir nicht öfter? „Die Unterbrechung ist die kürzeste Definition für Religion“ schreibt der Theologe Johannes Baptist Metz, so dürfen wir uns fragen:

  • Ruhen wir zwischendurch aus, wie es Jesus seinen Jüngern empfiehlt?
  • Gerade wenn es besonders eilt: Kann ich mir vorstellen, mich einen Augenblick hinzusetzen, Gott um seinen Segen anzurufen?
  • Einatmen – bewusste Atempause – ausatmen; diese kleine Unterbrechung kann mich zurück ins Gleichgewicht bringen!

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6. FREIZEIT BEFREIT

Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit. (Prediger 3,1)

„Zeit“ ist das am häufigsten verwendete Substantiv der deutschen Alltagssprache. Was so im Mittelpunkt steht, scheint uns immer mehr zu beherrschen. „Keine Zeit!“ „Geht nicht, zu wenig Zeit!“ „Sag mir, woher ich die Zeit nehmen soll!“ Freizeit wird gerne als „Luxusgut“ bezeichnet. Ich sehe diese Zeit eher als etwas, das für mein physisches und seelisches Überleben ganz wichtig ist! Freizeit soll etwas sein, das ich mir im kleinen Rahmen immer, manches Mal auch im größeren Maß ganz bewusst nehme:

  • Bin ich mir darüber im Klaren, dass unter Zeitdruck alles oberflächlicher wird, bis meine Tätigkeiten schließlich gar nichts mehr Wert sind?
  • Gelingt es mir wieder öfter, zu sagen: Ich habe jetzt Zeit für mich… Ich habe jetzt Zeit für Dich…
  • Kann ich bewusst darangehen, auf mein Schritttempo zu achten, damit ich „bedachter“ gehe, beim Kollegen oder Freund stehen bleibe, mich auf mein Gegenüber einlasse… Heute habe ich Zeit für Dich!

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Fortsetzung am nächsten Fastensonntag ab 06:00 !

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Wir wollen beten:

Jesus Christus, du willst uns zu Gottes Hochzeitsmahl führen,
so bitten wir dich:
Herr, steh uns bei –
Schenke uns Freude an deiner Nähe,
Bereite uns für dein Reich, das du uns schenken willst,
Hilf uns, die Fastenzeit gut zu nutzen.

Jesus, segne uns mit der Sehnsucht nach dir und dem Vater.
Segne uns mit der Freude über das, was du uns schenkst.
Segne uns mit der Kraft, uns darauf vorzubereiten.
Segne uns mit dem Willen, uns von dir führen zu lassen.
Amen.

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Anhang: FASTEN IM JAHR DES GLAUBENS (Benedikt XVI.)

„Caritas Christi urget nos“ (2 Kor 5,14): Die Liebe Christi ist es, die unsere Herzen erfüllt und uns dazu drängt, das Evangelium zu verkünden, formuliert Papst Benedikt XVI. Heute wie damals sendet Christus uns…, um sein Evangelium allen Menschen der Erde bekanntzumachen (vgl. Mt 28,19). Mit seiner Liebe zieht Jesus Christus die Menschen aller Generationen an sich.

Es ist das Anliegen von Benedikt XVI., dass dieses Jahr des Glaubens in jedem Gläubigen das Verlangen wecke, den Glauben vollständig und mit erneuerter Überzeugung, mit Vertrauen und Hoffnung zu bekennen. Diese Zeit verlangt es, dass das Zeugnis des Lebens aller Gläubigen an Glaubwürdigkeit gewinnt. Wir sind aufgerufen, über den Glaubensakt selbst nachzudenken.

In diesem Zusammenhang ist das Beispiel der Lydia sehr bedeutsam. Der heilige Lukas erzählt, dass Paulus, als er in Philippi war, sich am Sabbat aufmachte, um einigen Frauen das Evangelium zu verkünden; unter ihnen war Lydia, und „der Herr öffnete ihr das Herz, so dass sie den Worten des Paulus aufmerksam lauschte“ (Apg 16,14).
Was aber ist der Sinn dieser Worte? Der heilige Lukas lehrt, dass die Kenntnis der zu glaubenden Inhalte nicht genügt, wenn dabei das Herz, das echte „Heiligtum“ des Menschen, nicht durch die Gnade geöffnet wird.
Die Rede ist von jener Gnade, die die Augen öffnet, um in die Tiefe zu sehen und zu verstehen, dass das, was verkündet wurde, das Wort Gottes ist.

Über alle Zeiten haben Brüder und Schwestern aufgrund des Glaubens ihr Leben Christus geweiht und Tätigkeiten zugunsten der Gerechtigkeit gefördert, um das Wort des Herrn, der gekommen ist, konkret werden zu lassen. (vgl. Lk 4,18-19)

Aufgrund des Glaubens haben im Laufe der Jahrhunderte Männer und Frauen jeden Alters, deren Namen im Buch des Lebens verzeichnet sind (vgl. Offb. 7,9; 13,8), die Schönheit bekannt, was es heißt, dem Herrn Jesus dort nachzufolgen, wo sie berufen waren, ihr Christsein zu bezeugen: in der Familie, im Beruf, im öffentlichen Leben, in der Ausübung der Charismen und Dienste, zu denen sie gerufen wurden.

(Benedikt XVI.)

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Die Gedanken für die Woche sind inspiriert von
P. Erich Purk, Freiheit, KBW 2011

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