Papst Benedikt XVI. – Chronologie eines Amtes

Benedikt XVI Fischerring

Am letzten Tag seines Pontifikats darf daran erinnert werden, was für ein großartiges Pensum Benedikt XVI. in den knapp 8 Jahren seines Amtes bewältigt hat. Wir sprechen hier nicht von einem jungen Karol Wojtyla, der mit 58 Jahren noch in der Mitte des Lebens stand, sondern einem Mann, der mit rund 80 Jahren Jahr für Jahr anspruchsvolle Reisen zu Destinationen der Weltkirche unternommen hat. Israel, Großbritannien, Türkei – um nur drei herauszugreifen – bedeuten große Herausforderungen für die katholische Weltkirche, und Papst Benedikt XVI. hat nachhaltige Spuren im Namen des einen und wahren Gottes hinterlassen.

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Gestern hat die letzte Generalaudienz stattgefunden: Die tausenden Menschen auf dem überfüllten Petersplatz sowie viele Millionen Fernsehzuschauer verfolgten den letzten öffentlichen Auftritt von Papst Benedikt XVI. Im folgenden Video ist der Gruß an die deutschsprachige Gemeinde zu sehen und zu hören, in dem der Papst vom Boot der Weltkirche sprach: „Der Herr ist im Boot, und vergessen wir nicht: Es ist Sein Boot.“

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Im Anschluss an die Generalaudienz gab schloss sich eine Privataudienz für den Abt des Stiftes Heiligenkreuz an. Wie auf diesem Blog bereits angesprochen, war es ein großes Herzensanliegen der Heiligenkreuzer Zisterziensermönche, den päpstlichen Segen für den Ausbau der Phil.-Theologischen Hochschule, die zur größten deutschsprachigen Ausbildungsstätte für Priester herangewachsen ist, zu bekommen. Abt Maximilian Heim berichtet:

Überraschend schnell kam für uns Zisterzienser von Heiligenkreuz die Zusage aus dem päpstlichen Haus, dass der Heilige Vater unserem Wunsch entsprechen wolle, den Grundstein für den Ausbau unserer „Phil.-Theol. Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz“ zu segnen, die seit 2007, als er uns persönlich besuchte, seinen Namen trägt. Unerwartet war für uns auch der Rahmen für diese Segnung, die Papst Benedikt selbst wünschte: in einer Privataudienz, die sich direkt an die Generalaudienz anschloss.

Abt Maximilian konnte ihm viel Gutes berichten: vor allem über den zahlreichen Nachwuchs im Stift wie an der Hochschule, die mittlerweile 235 Studierende zählt. Derweil hatte ein Vatikan-Mitarbeiter den Grundstein vom Tisch heruntergenommen und direkt zu Papst Benedikt gebracht. Nun las er bedächtig die Inschrift des Chronogramms, das die Zahlensumme 2013 ergibt: „Maneant in vobis obedientia et sapientia, fides et ratio“. „Mögen in Euch Gehorsam und Weisheit, Glaube und Vernunft bleiben“. Oberhalb des Textes zierte das Wappen des Papstes die 15 Kilo schwere Steinplatte.

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Nun aber zur Chronologie dieses Pontifikats, die zumindest die wichtigsten Ereignisse und Reisen auflistet. Danke, Papst Benedikt XVI., für diesen großen Dienst an der katholischen Weltkirche!

Chronologie

19. April 2005: Joseph Kardinal Ratzinger wird zum neuen Papst gewählt und gibt sich den Namen Benedikt XVI. Fünf Tage später wird er in sein Amt eingeführt. Sein Vorgänger Johannes Paul II. war am 2. April im Alter von 84 Jahren gestorben.

Juni 2005: Benedikt XVI. verurteilt bei einem Konvent über die Rolle der Familie in Rom moderne Formen des Zusammenlebens, gleichgeschlechtliche Beziehungen und Abtreibungen scharf.

August 2005: Die erste Reise als Papst führt Benedikt nach Deutschland. Auf dem XX. Weltjugendtag in Köln ruft er junge Menschen aus aller Welt zu Güte und Barmherzigkeit auf. Mit einer Million Pilgern feiert er auf dem Marienfeld die Messe.

November 2005: Ein vom Papst unterzeichnetes Dokument verpflichtet Priesterseminare, Männer mit „homosexuellen Tendenzen“ nicht mehr zur Priesterweihe zuzulassen. Internationale Schwulen- und Lesbenverbände kritisieren den Schritt als „fatales Signal“.

Januar 2006: In seiner ersten Enzyklika „Deus caritas est“ (Gott ist Liebe) hebt der Papst die Bedeutung der christliche Nächstenliebe hervor.

Mai 2006: Mit Jubel empfangen ihn Zehntausende Menschen bei einem Besuch in Polen. In Auschwitz ruft er zu Vergebung und Versöhnung auf.

September 2006: Bei einer Vorlesung in Regensburg zitiert der Papst den byzantinischen Kaiser Manuel II. Palaiologos, der islamische Prophet Mohammed habe nur „Schlechtes und Inhumanes“ gebracht, weil er den Glauben mit dem Schwert verbreiten lassen wollte. In der islamischen Welt erzeugt dies heftige, teils gewalttätige Proteste.

November 2006: In der Türkei zeigt der Papst eine Geste der Versöhnung: Bei seiner ersten Reise in ein islamisches Land betet er in der Blauen Moschee von Istanbul gemeinsam mit dem Großmufti.

März 2007: Benedikt erteilt im Apostolischen Schreiben „Sacramentum Caritatis“ (Sakrament der Liebe) einem gemeinsamen Abendmahl von Katholiken und Protestanten eine deutliche Absage.

Juli 2007: Benedikt rehabilitiert weitgehend die traditionelle Messe in lateinischer Sprache.

Juli 2007: Protestantische Gemeinschaften sind empört, als die Glaubenskongregation in einer Erklärung die katholische Lehre unterstreicht, nach der sich nur christliche Gemeinschaften mit gültiger Bischofs- und Priesterweihe als „Kirchen“ bezeichnen können.

September 2007: Reise nach Österreich zum 850. Gründungsjubiläum des Wallfahrtsortes Mariazell.

November 2007: In seiner zweiten Enzyklika „Spe salvi“ kritisiert Benedikt dem technischen Fortschrittsglauben und materialistische Weltanschauungen.

März 2008: Der Papst empfängt erstmals das Oberhaupt der orthodoxen Christen, Patriarch Bartholomaios I. von Konstantinopel.

April 2008: Apostolische Reise nach USA. Benedikt spricht mit Missbrauchsopfern und entschuldigt sich öffentlich.

Jänner 2009: Januar 2009: Benedikt macht die Exkommunikation aller vier Bischöfe der Pius-Priesterbruderschaft rückgängig. Darunter ist der Holocaust-Leugner Richard Williamson. Die Entscheidung des Papstes zieht eine Welle der Kritik nach sich.

März 2009: Mit der Äußerung auf seiner Afrika-Reise, der schlichte Einsatz von Kondomen wären keine adäquate Hilfe für das Aids-Problem in Afrika, stößt der Papst auf Ablehnung.

Mai 2009: Reise ins Heilige Land: Benedikt besucht Jordanien, Israel und die palästinensischen Gebiete. In seiner Rede in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geht er nicht auf die Rolle der Kirche bei der Judenvernichtung ein.

Juli 2009: In seiner ersten Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ fordert der Papst ein ethisches Bewusstsein in der Wirtschafts- und Finanzwelt.

März 2010: In seinem Hirtenbrief an die irische Kirche bedauert Benedikt den sexuellen Missbrauch von Minderjährigen in der katholischen Kirche. Er drückt „die Schande und Reue aus, die wir alle fühlen“.

Mai 2010: Reise nach Portugal – Besuch von Fatima.

Juni 2010: Bei einer Messe auf dem Petersplatz bittet der Papst die Opfer von sexuellem Missbrauch öffentlich um Vergebung. Zuvor hatte er bereits in einem Hirtenbrief an die katholische Kirche in Irland die dortigen Missbrauchsfälle bedauert.

September 2010: Apostolische Reise nach Großbritannien. Der Papst trifft den Erzbischof von Canterbury Rowan Williams in London. Er ist somit der erste Papst, der sich an die anglikanischen Bischöfe wendet, die im Lamperth Palace versammelt sind.

August 2011: Reise nach Spanien zum Weltjugendtag: XXVI. Weltjugendtag in Madrid (18.-21. August 2011)

September 2011: Sein Deutschland-Besuch führt den Papst nach Berlin, Thüringen und Freiburg. Wegen der Haltung der Kirche gegenüber Frauen und Homosexuellen bleiben mehrere Abgeordnete von Linken und Grünen seiner Rede im Bundestag fern.

März 2012: Im kommunistischen Kuba trifft Benedikt den früheren Staatschef Fidel Castro. In einer Messe verlangt er volle Religionsfreiheit und die Anerkennung der katholischen Kirche.

Mai 2012: Die sogenannte Vatileaks-Affäre erschüttert den Vatikan. Der Kammerdiener des Papstes, Paolo Gabriele, wird mit dem Vorwurf verhaftet, vertraute Dokumente des Papstes an einen Journalisten weitergegeben zu haben. Gabriele verbringt fast zwei Monate in Untersuchungshaft und wird im Oktober 2012 zu 18 Monate Haft verurteilt. Vor Weihnachten 2012 wird er vom Papst begnadigt.

September 2012: Der Papst reist in den Libanon. Hier trifft er mit Vertretern von 18 christlichen und muslimischen Gemeinschaften zusammen. Überschattet wird die Reise vom nahen Bürgerkrieg in Syrien und von antiwestlichen Ausschreitungen im Nahen Osten anlässlich des in den USA produzierten Videofilms Innocence of Muslims.

Dezember 2012: Der Papst begnadigt seinen Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele. Zuvor war dieser wegen der Weitergabe vertraulicher Papiere zu einer Haftstrafe verurteilt worden. In der „Vatileaks“-Affäre waren seit Anfang 2012 geheime Dokumente über Kungeleien an der Spitze der Kirche aufgetaucht.

11. Februar 2013: Benedikt kündigt seinen Rücktritt zum 28. Februar an

27. Februar 2013: Letzte Generalaudienz, gehalten am Petersplatz vor einer überwältigenden Menschenmenge.

28. Februar 2013: Mit dem Ende der letzten offiziellen Arbeitsstunde des Papstes endet das Pontifikat von Past Benedikt XVI. um 20 Uhr dieses Tages.

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Müsste ich bestimmte Stationen und Werke der Ära von Benedikt XVI. besonders hervorheben, sind das nach meinem persönlichen Erleben:
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Weltjugendtag Köln – die Eucharistische Anbetung rückt in den Mittelpunkt 

Pilgerreise zum Wallfahrtsort Mariazell – persönliches Bekehrungserlebnis

USA – die Treffen mit den Missbrauchsopfern

Großbritannien – fruchtbare Begegnungen in einem zutiefst atheistischen Land

Deutschland – die Rede über die Entweltlichung der Kirche

CARITAS IN VERITATE – ein Vermächtnis für Kirche und Gesellschaft

Die Katechesen des Papstes über das Beten

Die JESUS-Bücher des Papstes

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Benedikt XVI - thank you

Benedikt XVI., Josef Ratzinger, wir bleiben Dir im Gebet verbunden!

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