Papst Franziskus: Wer Jesus Christus nicht bekennt, bekennt die Weltlichkeit des Teufels

Manche Beobachter des neuen Bischofs von Rom lassen sich vom sanften Auftreten und den Worten der „Zärtlichkeit“ beeindrucken, ohne den bereits erkennbaren programmatischen Inhalten des Papstes rechte Aufmerksamkeit zu schenken. Papst Franziskus ist der Mut zuzutrauen, große Veränderungen für die Weltkirche in Angriff zu nehmen, und er strahlt diesen Geist der Konzentration und der Wesentlichkeit aus, der eine wichtige Vorbedingung für Umbrüche darstellt.

Papst Franziskus Petersplatz
Flickr: Catholic Church (England and Wales)

Wir können gehen, wie weit wir wollen, wir können vieles aufbauen, aber wenn wir nicht Jesus Christus bekennen, geht die Sache nicht. Wir werden eine wohltätige NGO, aber nicht die Kirche, die Braut Christi. Wenn man nicht geht, bleibt man da stehen. Wenn man nicht auf Stein aufbaut, was passiert dann? Es geschieht das, was den Kindern am Strand passiert, wenn sie Sandburgen bauen: Alles fällt zusammen, es hat keine Festigkeit. Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, da kommt mir das Wort von Léon Bloy in den Sinn: „Wer nicht zum Herrn betet, betet zum Teufel.“ Wenn man Jesus Christus nicht bekennt, bekennt man die Weltlichkeit des Teufels, die Weltlichkeit des Bösen.

Wer sich diese Worte der Predigt vom 14. März nochmals vergegenwärtigt, spürt, dass hinter dem sanften Gesicht ein überaus klarer, wenn nicht radikaler Glaube wohnt. Benedikt XVI. sprach wiederholt von einer Kultur des Todes, eine Terminologie, die immer einen gewissen Spielraum für philosophisch-theologische Interpretationen eröffnete, während Franziskus deutliche Worte eines christlich-tatkräftigen Glaubens findet. Wer meint, dieser Papst würde den tragischen und bösartigen Entwicklungen unserer Gesellschaft (Abtreibung, Sterbehilfe, etc.) keine klaren Überzeugungen entgegenhalten, dem sei versichert: Das wird nicht lange auf sich warten lassen, gemessen an Aussagen, die er in seiner Funktion als Kardinal getätigt hat.

Jorge Mario Kardinal Bergoglio zeichnet sich durch große pastorale Erfahrung aus, und er ist bekannt dafür, Partei für die minder bemittelten Klassen zu ergreifen und sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Die Situation in Buenos Aires beschrieb er mit den Worten: „Für viele ist unsere Stadt wie ein Fleischwolf, der sie zerfleischt, weil er ihr Leben zerstört, sie ihres freien Willens beraubt und den Menschen die Freiheit nimmt. … Wir können angesichts all dessen nicht stumm bleiben.“ Bergoglio hat sich in der Vergangenheit deutlich für den Kampf gegen die Korruption und die Mafia ausgesprochen, gegen den Drogen- und Menschenhandel und gegen die Prostitution sowie für den Schutz und die Würde des Lebens. (Britta Dörre/zenit.org)

Nur einen Tag nach seiner Wahl hat der neue Pontifex die oben zitierten Worte über das Bekennen gesprochen. Und er verliert keine Zeit, seine Mitbrüder und die gesamte Kirche auf einen Kurs der „Bewegung“ und des Voranschreitens hinzuweisen. Die Schriftstellen des 14. März nimmt er zum Anlass, dies wie folgt zu formulieren: „Diese drei Lesungen haben meines Erachtens etwas gemeinsam: das Moment der Bewegung. In der ersten Lesung ist es die Bewegung auf dem Weg, in der zweiten Lesung ist es die Bewegung beim Aufbau der Kirche und im Evangelium die Bewegung im Bekenntnis. Gehen, aufbauen, bekennen.“ Der dritte Punkt „Bekennen“ wurde bereits zitiert, lesen wir hier nochmals, wie der neue Petrus seine Mitbrüder (und uns alle) ins Boot holt:

Das Evangelium fährt mit einer besonderen Situation fort. Derselbe Petrus, der Jesus Christus bekannt hat, sagt zu ihm: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Ich folge dir, aber sprich mir nicht vom Kreuz. Das tut nichts zur Sache. Ich folge dir mit anderen Möglichkeiten, ohne das Kreuz. – Wenn wir ohne das Kreuz gehen, wenn wir ohne das Kreuz aufbauen und Christus ohne Kreuz bekennen, sind wir nicht Jünger des Herrn: Wir sind weltlich, wir sind Bischöfe, Priester, Kardinäle, Päpste, aber nicht Jünger des Herrn. Ich möchte, dass nach diesen Tagen der Gnade wir alle den Mut haben, wirklich den Mut, in der Gegenwart des Herrn zu gehen mit dem Kreuz des Herrn; die Kirche aufzubauen auf dem Blut des Herrn, das er am Kreuz vergossen hat; und den einzigen Ruhm zu bekennen: Christus den Gekreuzigten. Und so wird die Kirche voranschreiten.

Wenn diese Predigt noch recht allgemein vom „Voranschreiten“ spricht, so darf man einige Tage später schon von ersten programmatischen Konturen sprechen: Erstens gibt es eindeutige Signale in Richtung der orthodoxen Kirchen, wie die Messe anlässlich der Amtseinführung gezeigt hat. Zweitens weisen die angeführten Predigtzitate darauf hin, dass ein tatkräftiger, wenn nicht kämpferischer Glaubensweg gegenüber den bösartigen Geiseln der Gesellschaft (Abtreibung, Sterbehilfe, Genderideologie, etc.) zu erwarten ist. Drittens werden sich die pastoralen Anstrengungen in diejenigen Erdteile verlagern, die von Armut gezeichnet sind und Entwicklungschancen für die katholische Kirche bereithalten; das beinhaltet auch eine Verlagerung der (materiellen) Mittel in diese Regionen, die ohnehin einen Großteil der Katholiken stellen.

Papst Franziskus Petersplatz
Flickr: Catholic Church (England and Wales)

Auf Europa und insbesondere Deutschland bezogen folgt daraus eine Entwicklung, wie sie Benedikt XVI. zuletzt in Freiburg vorweggenommen hat: Weniger Unterstützung in pastoraler und materieller Hinsicht bedeutet eine Schwächung der europäischen Kirchen, und eine „Entweltlichung“ der hiesigen Kirchen wird die Folge sein. Wer es positiv sehen kann, erkennt hier eine Chance zur schmerzhaften und radikalen Erneuerung der Kirchen vor allem im mitteleuropäischen Raum. Und wer den Worten der Gottesmutter in Medjugorje Gehör schenkt, weiß, dass in Frankreich bereits die Saat der kirchlichen Zukunft Europas liegt: Eine vom Staat völlig losgelöste, klein gewordene Kirche, die andererseits in kleinen, neuen Gemeinschaften (Gemeinschaft vom Lamm, Gemeinschaft Emmanuel, Schwestern von Betlehem, u.v.a.) ganz wunderbare Früchte eines authentischen Glaubens zeigt.

***

6 Gedanken zu “Papst Franziskus: Wer Jesus Christus nicht bekennt, bekennt die Weltlichkeit des Teufels

  1. Papst Benedikt – ein Denker allerhöchster Güte, tief-fromm, durchgeistigt, dabei bescheiden und sich vollkommen zurücknehmend, trotz der prächtigen Gewänder, die er trug.
    Ich habe ihn 2011 im Freiburger Münster hautnah erlebt und war von seiner Ausstrahlung überwältigt.

    Papst Franziskus – ein Praktiker, herzhaft, bodenständig, zupackend.
    Er spricht von der Barmherzigkeit Gottes, wie es auch schon sein Vorgänger tat.

    Wenn es nicht die Strippenzieher im Kardinalskollegium waren, sondern es der Wille des Heiligen Geistes ist, der uns und der Welt Papst Franziskus „zugeteilt“ hat, weil wir jetzt genau diesen Menschen brauchen, dann dürfen wir gespannt sein und auf viel Gutes hoffen.
    Das Hirtenamt positiv ausfüllen, auch Welt-Themen wie Abtreibung, Homo-Ehe und Genderwahn mutig ansprechen, auf die Menschen zugehen, den Glauben vermitteln – jeder auf seine ihm gemäße Art und in dieser Reihenfolge sich ideal ergänzend – das wäre in der Tat ein kluger „Schachzug“ des Heiligen Geistes.

    Die kommende Zeit dürfte spannend werden!

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s