Petrus, Jesus, Atheismus und Intelligenz

Ich kenne eine ganze Reihe von Menschen, die sich zum Christentum bekennen, und den Teufel  fahrlässig unterschätzen. Sobald die Sprache auf Satan kommt, setzen ganz bestimmte Beschwichtigungsmechanismen ein. Aber nein, der Teufel – wenn es ihn überhaupt gibt? – erscheine doch nur sehr selten, vielleicht nur in ganz speziellen Situationen… und die Liste von Beruhigungsformeln ließe sich beliebig erweitern.

Wie blind und taub kann man als Christ eigentlich sein? Bereits ein mit mäßigen Sensoren ausgestattetes Gewissen macht uns alle paar Minuten auf Versuchungen und Einflüsterungen aufmerksam, denen ganz sicher nicht zu folgen ist, und die mit „an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ vom rechten Weg abbringen. Dahinter steht oftmals ein falscher Respekt nach dem Motto, der Teufel sei doch nur für „große Dinge“ zuständig.

Petrus Statue

So eine Einschätzung führt dazu, dass die vermeintlich kleinen Versuchungen nicht von Satan stammten und sie deshalb nicht so ernst zu nehmen seien. Was für eine Fehleinschätzung! Der Kommentar zum heutigen Evangelium (Joh 13,21-33.36-38) macht ganz besonders deutlich, wie Vergehen, die für einen ersten und kurzen Moment noch harmlos erscheinen, zu Belastungen werden, die der Betreffende ein Leben lang nicht vergessen wird; so fasst der Heilige Franz von Sales im 16. Jahrhundert zusammen, was zu allen Zeiten gilt und für jeden Christen eine der eindrücklichsten Mahnungen überhaupt darstellt:

Der hl. Petrus, einer der Apostel, fügte seinem Herrn schweres Unrecht zu; denn er verleugnete ihn und schwor, ihn nicht zu kennen. Und damit noch nicht genug, verfluchte er sich und beteuerte, nicht zu wissen, wer „der Mensch“ war (Mt 26,69f). Das war gewiss eine schlimme Begebenheit, die das Herz unseres Herrn erschütterte! O armer hl. Petrus, was tust du hier und was sagst du da? Du weißt nicht, wer er ist, du kennst ihn nicht? Du bist nicht durch ihn selbst zum Apostel berufen worden, du hast nicht bekannt, dass er der Sohn des lebendigen Gottes ist? (Mt 16,16) Du armseliger Mensch, wie kannst du es wagen zu sagen: „Ich kenne den Menschen nicht!“ Ist er nicht derselbe, der erst neulich vor dir kniete, um dir die Füße zu waschen (Joh 13,6), und der dich mit seinem Leib und Blut nährte?…

Als der hl. Petrus den Hahn krähen hörte, wurde ihm bewusst, was er getan und was ihm sein guter Herr gesagt hatte; da erkannte er, dass er sich falsch verhalten hatte, ging hinaus und weinte so bitterlich, dass er dafür einen vollkommenen Ablass und Vergebung aller seiner Sünden erhielt. Du glückseliger hl. Petrus, dir ist durch so viel Zerknirschung über deine Sünden eine so schwere Treulosigkeit vergeben worden… Ich weiß wohl, dass die Heiligkeit, die aus dem Blick unseres Herrn strahlte, sein Herz durchdrang und ihm die Augen öffnete, sodass er seine Sünde erkennen konnte (Lk 22,61)… Seither hat er nie aufgehört zu weinen, vor allem, wenn er des Nachts und am Morgen den Hahn krähen körte… So ist aus dem großen Sünder ein großer Heiliger geworden.

Der Ausdruck „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“, den ich oben nicht ganz ohne Hintergedanken verwendet habe, entstammt den modernen Naturwissenschaften. Immer mehr Hypothesen oder Lehrsätze aus Physik, Chemie und Biologie kommen ohne diese „Krücken der Wahrscheinlichkeit“ gar nicht mehr aus… Ich bin ganz sicher, dass Satan eine höllische Freude an dieser zeitgemäßen Ausdrucksform hat, nämlich immer dann, wenn sie in nicht-naturwissenschaftlichem Kontext verwendet wird.

Wir erinnern uns an die vor einigen Jahren mit großem Eifer von Atheisten geplante Buskampagne mit dem Slogan: „Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott. Die Auseinandersetzungen um diesen Leitsatz, der für nicht wenige Christen ein Ärgernis bedeutet, hat schlussendlich dazu geführt, dass die Kampagne (in Deutschland) gar nicht durchgeführt wurde. Das ändert aber nichts daran, dass einem in so gut wie jeder Diskussion mit Atheisten genau diese Formulierung um die Ohren gehauen wird.

Renée Schroeder, Biologin
R.Schroeder: „Quatsch, Quatsch und nochmals Quatsch!“

Aber das ist nicht das Ende der Fahnenstange! Getoppt wurde diese quasi-seriöse Ausdrucksform durch die renommierte Naturwissenschaftlerin Renée Schroeder, die vor wenigen Tagen im ORF gleich jeglichen Anschein von Seriosität fallen ließ und die Fernsehöffentlichkeit in Bezug auf den christlichen Glauben an Jesus Christus als Sohn Gottes wissen ließ: „Quatsch, Quatsch und nochmals Quatsch!

In diesem „Licht“ finde ich es schade,  dass die Buskampagne in Österreich und Deutschland nicht zum Zug kam, denn wie unintelligent muss man eigentlich sein, um Sicherheit an Wahrscheinlichkeit grenzen zu lassen?

*

Kommen wir auf das Thema der Versuchung des Bösen zurück. Bischof Marian Eleganti (Jugendbischof in der Schweiz) fasst das Bemühen, nicht vom rechten Weg abzuweichen, kurz und prägnant zusammen:

Gib acht, dass nicht ein nichtswürdiger Gedanke in deinem Herzen aufsteigt (DTN 15,9). Die geistige Nüchternheit ist der Weg zur Erfüllung aller Gebote Gottes (Bischof Marian Eleganti).

***

4 Gedanken zu “Petrus, Jesus, Atheismus und Intelligenz

  1. Gesegneten Abend
    Ich finde es erschreckend zu erleben wie sich die Menschen immer mehr von Gott abwenden, ihn verleugnen und auch Christen ihn verletzen in dem Gott nicht mehr Teil ihrer Selbst ist. Auch brennt mir die Seele wie oft und schwer auch ich im Altag unseren Herrn verletze. Scham, tiefe Scham überkommt mich bei diesem Blick.
    Und doch lässt mich ein Gedanke nicht los: die Offenbarung! Und ich frage mich muss nicht all dies geschehen und noch vieles mehr damit wir Menschen aufwachen und wahrhaftig verstehen und bereit sind/werden für Gottes Liebe? Und Menschen die bereits heute versuchen dem Herrn wahrhaftig nachzufolgen, mit allen Höhen und Tiefen, Schwierigkeiten und persönlichen Unzulängligkeiten genauso Teil im Plan Gottes sind wie jene anderen? Gott will durch uns wirken! Aber seien wir ehrlich, bei diesem Weg ist nicht alles „perfekt“ und „wunderbar nützlich“, unser Herr fragt uns täglich nach unserem „ja“ und das ist nicht gerade der Weg des Mainstream. Und wie kann man erklären dass man gerade deswegen innerlich glücklich ist, inneren Frieden hat, hoffnungsvoll ist und erfüllt, mir geht es so dass mich die meisten da nur unverständlich ansehen.
    Ja es ist erschreckend wie wir Menschen uns abwenden von Gottes Liebe und wir Christen dürfen nicht stumm bleiben, ich glaube unser „Wort“ ist es wenn wir mit Gott „leben“ denn dann ist Gott in uns und strahlt aus uns heraus. So lasst uns Zeugnis geben!

    1. Auch einen gesegneten Abend, Pia!

      Viele Menschen wenden sich ab von Gott, vor allem dann, wenn es schwierig wird – ich genauso, leider.

      Dabei hast du Recht: die Offenbarung und die Gegenwart Jesu retten uns immer wieder, wenn wir den Weg verlassen haben, wenn uns eine zeitweise Hoffnungslosigkeit in Besitz nimmt… danke für Deine Präsenz und Deine Liebe, JESUS!

      Ich möchte dir so sehr zustimmen: Christen dürfen nicht schweigen. „Mit Gott leben ist unser stärkstes Wort“ – du bringst es wirklich auf den Punkt! Wir müssen wirklich Zeugnis geben!

      Gott sei mit Dir, Pia!!

      1. Hallo,
        nun ja wenn wir spüren dass wir uns entfernen oder dass wir zu wenig zeigen dass wir Gott lieben dann haben wir dabei die Sehnsucht nach und zu Gott in uns. Ist das nicht wie bei Liebenden? Wenn man das Gefühl hat sich nicht nah genug zu sein, zu wenig gesagt zu haben „ich liebe dich“ und diese Sehnsucht lässt uns inne halten und den Liebenden innig zuwenden. Ist es mit Gott/Jesus nicht eben so? Ich glaub schon.
        Gefährlich wird es wenn der Mensch diese Sehnsucht verliert.
        Auch dafür ist es wichtig dass wir Christen Zeugnis geben/leben. Gott liebt uns alle! Heißt es nicht wir sind Glieder Gottes, eins, verbunden. So verletzend unser Abwenden ist so wohltuend/heilend unsere Zuwendung. Gott lädt uns eins durch ihn zu sein, sagen wir ja zu ihm jeden Tag neu!

        In diesem Sinne wünsche ich gesegnete/frohe Ostern

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s