Gründonnerstag – Kennen wir die Sprache der Liebe?

Gedanke

Gehören wir zu Seinen Schafen?
Diese Frage stellen heißt fragen:
Kennen wir die Sprache der Liebe?

“Das ist mein Leib”: Hier hören wir die Stimme unseres Hirten. Gott ist die Liebe. Es ist die Stimme der Liebe. “… und sie werden Meine Stimme hören”, sagt Christus über seine Schafe, die er herbeiführen wird (Joh 10,16). Was für ein Trost liegt in dieser Stimme! Es ist die Stimme unseres Hirten, der Sein Leben für die Schafe hingegeben hat. Und immer wieder hören wir Seine Stimme: “Das ist mein Leib.” Immer wieder dürfen wir diese Worte der Liebe vernehmen. Daran erkennen wir IHN. “Ich bin der gute Hirt und kenne Meine Schafe, und die Meinen kennen Mich” (Joh 10,14). O Seligkeit, zu Seinen Schafen gehören zu dürfen! Das ist das alles Entscheidende. Es ist ja nicht selbstverständlich. Denn viele sind berufen, aber nur wenige auserwählt. Dürfen wir uns denn wirklich zu Seinen Schafen zählen? Das ist die Frage, vor der wir zittern! An ihr hängt alles. Wer wagte, sie zu beantworten! Der Herr selber hat sie beantwortet: Wer IHN an der Stimme erkennt, der gehört zu seinen Schafen.

(P. Engelbert Recktenwald FSSP)

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Eucharistie - Einsetzung der hl.Eucharistie

Evangelium nach Johannes 13,1-15

Es war vor dem Paschafest. Jesus wußte, daß seine Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater hinüberzugehen. Da er die Seinen, die in der Welt waren, liebte, erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung. Es fand ein Mahl statt, und der Teufel hatte Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, schon ins Herz gegeben, ihn zu verraten und auszuliefern. Jesus, der wußte, daß ihm der Vater alles in die Hand gegeben hatte und daß er von Gott gekommen war und zu Gott zurückkehrte, stand vom Mahl auf, legte sein Gewand ab und umgürtete sich mit einem Leinentuch. Dann goß er Wasser in eine Schüssel und begann, den Jüngern die Füße zu waschen und mit dem Leinentuch abzutrocknen, mit dem er umgürtet war. Als er zu Simon Petrus kam, sagte dieser zu ihm: Du, Herr, willst mir die Füße waschen? Jesus antwortete ihm: Was ich tue, verstehst du jetzt noch nicht; doch später wirst du es begreifen. Petrus entgegnete ihm: Niemals sollst du mir die Füße waschen! Jesus erwiderte ihm: Wenn ich dich nicht wasche, hast du keinen Anteil an mir. Da sagte Simon Petrus zu ihm: Herr, dann nicht nur meine Füße, sondern auch die Hände und das Haupt. Jesus sagte zu ihm: Wer vom Bad kommt, ist ganz rein und braucht sich nur noch die Füße zu waschen. Auch ihr seid rein, aber nicht alle. Er wußte nämlich, wer ihn verraten würde; darum sagte er: Ihr seid nicht alle rein. Als er ihnen die Füße gewaschen, sein Gewand wieder angelegt und Platz genommen hatte, sagte er zu ihnen: Begreift ihr, was ich an euch getan habe? Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müßt auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.

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Erster Brief des Apostels Paulus an die Korinther 11,23-26

Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe: Jesus, der Herr, nahm in der Nacht, in der er ausgeliefert wurde, Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und sagte: Das ist mein Leib für euch. Tut dies zu meinem Gedächtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sprach: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut. Tut dies, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis! Denn sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt, verkündet ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

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Gebet, um die Demut zu erlangen

O Jesus, als Du Gast auf Erden warst (Hebr 11,13), hast Du gesagt: „Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele“ (Mt 11, 29). O mächtiger König der Himmel, ja! Meine Seele findet Ruhe, wenn sie Dich sieht, der Du die Gestalt und Natur eines Sklaven angenommen hast (vgl. Phil 2, 7) und dich niedergebeugt hast, um die Füße Deiner Apostel zu waschen. Dann erinnere ich mich an diese Worte, die Du gesprochen hast, um mich zu lehren, wie man demütig wird: „Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, was ich getan habe; der Jünger ist nicht größer als sein Meister. Wenn ihr das versteht und in die Tat umsetzt, dann seid ihr selig“. Ich verstehe sie, diese Worte, Herr, die aus Deinem gütigen und demütigen Herzen kamen; ich möchte sie in die Tat umsetzen mit der Hilfe Deiner Gnade…

Niemand, o mein Vielgeliebter, hatte Dir gegenüber irgendein Recht und doch hast Du nicht nur der heiligen Jungfrau und dem heiligen Joseph gehorcht, sondern auch Deinen Henkern. Jetzt hingegen ist es die Hostie, in der Du alle Deine Erniedrigungen noch übertriffst. Wie groß ist doch Deine Demut, o göttlicher König der Herrlichkeit, dass Du Dich Deinen Priestern unterwirfst, ohne zwischen denen zu unterscheiden, die Dich lieben und denen, die leider lau und kalt ihren Dienst tun. Auf ihr Wort hin steigst Du vom Himmel herab… O mein Vielgeliebter, wie erscheinst Du mir gütig und von Herzen demütig unter dem Schleier der weißen Hostie! Du kannst nicht noch tiefer steigen, um mich die Demut zu lehren…

Dennoch, Herr, kennst Du meine Schwachheit; jeden Morgen nehme ich mir vor, demütig zu sein, und am Abend muss ich erkennen, dass ich so manche Sünde des Hochmuts begangen habe. Wenn ich das sehe, kommt mir die Versuchung, entmutigt zu sein, und doch weiß ich ja, dass die Mutlosigkeit ebenfalls Hochmut ist. Ich will also, o mein Gott, auf Dich allein meine Hoffnung setzen; da Du alles vermagst, lass doch in meiner Seele auch die Tugend wachsen, die ich ersehne. Um diese Gnade Deines unendlichen Erbarmens zu erlangen, wiederhole ich oft: „O Jesus, gütig und demütig von Herzen, bilde mein Herz nach Deinem Herzen!“

(Hl. Theresia vom Kinde Jesu, Karmelitin, Kirchenlehrerin)

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Die Realpräsenz Jesu Christi

Katholische Christen glauben an die Realpräsenz Jesu Christi in der Eucharistie, d.h. sie glauben, dass der Herr unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich gegenwärtig ist. Thomas von Aquin hat für das Verständnis des Wandlungsvorgangs von Brot zu Leib und Wein zu Blut die passende metaphysische Erklärung gegeben – die Substanz ändert sich, die Akzidenzien bleiben (Transsubstantiation), was nichts anderes bedeutet als: Die Hostie erscheint in der sinnlich erfahrbaren Eigenschaft des Brotes (sieht aus wie Brot, schmeckt wie Brot), ist jedoch der Leib Christi. Die Eigenschaft der Hostie, nach Brot zu schmecken, ist dabei nicht wesentlich. Essentiell ist allein das Sein: Das Wesen der Hostie ist es, Leib Christi zu sein.

Dass sich der ontologische Status der Hostie von ihrer Erscheinung abkoppelt, ist nicht leicht zu akzeptieren für ein Sinneswesen, wie es der Mensch eben nun einmal auch ist. Thomas wusste das. In seinem eucharistischen Hymnus Adoro te devote bringt er diese Herausforderung für den Glauben zum Ausdruck:

„Augen, Mund und Hände täuschen sich in Dir,
Doch des Wortes Botschaft offenbart Dich mir.
Was Gott Sohn gesprochen, nehm’ ich glaubend an;
Er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann.“

Es geht also in der Eucharistie darum, dass das Wesentliche nicht mit den Sinnen („Augen, Mund und Hände“) zu erfassen ist, sondern im Glauben an die Wahrheit Jesu Christi, der selbst die Eucharistie in diesem Sinne einsetzte: „Und er nahm das Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!“ (Lk 22,19)

(Josef Bordat)

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“Das ist mein Leib.”

Vielleicht ist nie ein Wort ausgesprochen worden, in das soviel Liebe hineingelegt worden ist wie in dieses Wort: gesprochen von unserem Herrn bei jenem Mahl, da er die Seinen, die er liebte, liebte bis zum Letzten (Joh 13,1).

  • Das ist mein Leib”: Dieses unscheinbare Stückchen Brot, diese Hostie, die ihr vor euch seht, ist mein Leib. So weit treibt mich meine Liebe zu euch, daß ich mich um euretwillen hineinbegebe in die äußerste Form der Erniedrigung und Wehrlosigkeit. Ich verzichte auf die äußere Erscheinung meiner Menschheit und gebe mich euch dar zur Speise unter der Gestalt des Brotes. Torheit der Liebe.
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  • “Das ist mein Leib”: Diese kleine weiße Scheibe bedeutet nicht nur meinen Leib. Sie ist nicht nur ein Symbol. Sie ist mein Leib. Mein Leib ist gegenwärtig: wahrhaft, wirklich und wesentlich. Denn ich liebe euch nicht nur symbolisch, sondern wirklich. Ich liebe euch nicht nur mit Worten, sondern in der Tat. Wahrheit der Liebe.
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  • “Das ist mein Leib”, der Leib eures Gottes. Denn ich, der Logos, Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, bin es, der diesen Leib angenommen hat, um einer von euch zu werden. Ich wollte, daß ihr daran meine Liebe erkennt und den Mut findet, mich ebenfalls zu lieben. Damit meine Größe euch nicht erschrecke, wurde ich klein, ein Mensch, ein Kind, voll Huld und Menschenfreundlichkeit. Ihr solltet Vertrauen fassen, alle Furcht ablegen und euch mir in Liebe nahen. Schönheit der Liebe.
    +
  • “Das ist mein Leib: Ich bin Geist und wohne in unzugänglichem Licht. Indem ich einen Leib annahm, wurde ich sichtbar, berührbar, verletzbar. Ich bin zugänglich geworden, setze mich eurem Zugriff aus, eurer Mißhandlung, eurem Haß. Am Kreuz und auf den Altären. Meine Liebe nimmt das in Kauf. Meine Liebe achtet dessen nicht. Sie nimmt es auf sich um der Seelen derer willen, die die Sprache der Liebe verstehen und statt mit Spott mit Gegenliebe antworten. Kühnheit der Liebe. – Liebe bis zum Letzten.

Die Eucharistie ist das Meisterwerk der Liebe. Nie werden wir die Liebe unseres Gottes verstehen, wenn wir die hl. Eucharistie nicht verstehen. Und nie werden wir zur rechten Einstellung gegenüber dem Allerheiligsten Altarsakrament gelangen, wenn wir sie nicht erkennen als das Wunder, das die allmächtige Liebe ersonnen hat. Nie können wir uns so sehr erniedrigen, wie Gott sich herabgelassen hat in selbstvergessener Liebe in der Eucharistie. Es ist gar nicht möglich, hier zu übertreiben: Wir werden doch nie an das Maß göttlicher Kenosis, göttlicher Selbstentäußerung herankommen. Jede liturgische Erneuerung muß sich daran messen lassen, ob sie uns tiefer in diese rechte Haltung gegenüber der Eucharistie hineinführt. Der Herr kennt nur einen Maßstab: die Liebe. Jede Reform sollte letztlich nur einen Maßstab anerkennen: die Liebe.

Als katholische Christen dürfen wir an diese Liebe glauben. Wirklich.

(P. Engelbert Recktenwald FSSP)

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5 Gedanken zu “Gründonnerstag – Kennen wir die Sprache der Liebe?

    1. Liebe Pia,
      dies ist der schönste Tag des Jahres, voller reinster, göttlicher Liebe

      (…und einem vorübergehenden Schmerz, der durch die Freude der Herrlichkeit mehr als ausgeglichen wird).

      Diese reinste Liebe – mit dem unglaublichen Geschenk der Eucharistie – darf uns treffen, mitten ins Herz!

      Alles Liebe!!

  1. „Als katholische Christen dürfen wir an diese Liebe glauben. Wirklich.“

    – Und als evangelische Christin nehme ich mir einfach die Freiheit heraus, an diese Liebe zu glauben. Wirklich. ;)

    Das sind wunderschöne Worte.

    1. Herzlich willkommen, Mailin!

      Auch die wohlgemeintesten Worte können sich ins Beschämende verkehren;
      an dieser Stelle ist „katholisch“ ganz einfach zu streichen.

      ALLE sind aufgerufen, an die Liebe Christi zu glauben, danke für den Hinweis!!!

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