Karsamstag – Abwesenheit der Liebe

KARSAMSTAG

Karsamstag – ein unterschätzter Tag der heiligen Osterzeit. Kennzeichnend für unsere Zeit und Gesellschaft. Verzweiflung, Sterben, Tod – das passt nicht in eine Zeit, die den naturwissenschaftlich-aufgeklärten Menschen zum Maß aller Dinge macht.

Doch auch Christen dürfen sich fragen, wie ernst sie diesen Tag nehmen. Jesus ist tot, Gott hat uns verlassen – wie sehr geht uns das heute unter die Haut? Es scheint mir notwendig zu sein, sich in die Zeit Jesu und der Jünger hineinzudenken.

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black circles
black circles

Dann sind Schock, Entsetzen, Trauer Begriffe, die verständlicher werden für das Erleben der Jünger und Urchristen. Natürlich ist ein gänzliches Hineinversetzenwollen in diese Zeit und diese Situation weder gefragt noch sinnvoll. Es sind andere Dimensionen der Jüngerzeit, die manchen unter uns vertrauter sind:

Hoffnungslosigkeit im Herzen, Verzweiflung im Glauben, Ohnmacht angesichts des Willens Gottes – das sind Erfahrungen, die Menschen zu allen Zeiten machen. Sie finden auch Niederschlag in den Gebetsanliegen, die hier auf ZEIT ZU BETEN eingehen. Papst Franziskus spricht davon, dass die Verkündigung bis in die „Randgebiete“ vordringen muss: das schließt auch die traurigen Ränder unserer Seelen mit ein.

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black splash
black splash

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GEDANKEN

Gottesferne,
Hoffnungslosigkeit im Herzen –
– wie weit reicht mein Glaube?

Verzweiflung,
Enttäuschung im Glauben –
– wie werde ich damit fertig?

Finsternis,
Abwesenheit Gottes –
– wie halte ich das aus?

Lieblosigkeit,
Gegenwart des Bösen –
– wie kämpfe ich an?

Dunkelheit,
Mangel an Licht –
– woran orientiere ich mich?

Trostlosigkeit,
Gleichgültigkeit im Umgang –
– wie kann ich aufmuntern?

Sterben,
Angst vor dem Verfall –
– wie finde ich zum Frieden?

Tod,
Erlöschen des Geistes –
– wie gelange ich zum Leben?

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black wood
black wood

Brief des Apostels Paulus an die Römer 6,3-11

Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind? Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben. Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein. Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde. Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden. Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn. Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus.

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black and light
black and light

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Das Licht leuchtet in der Finsternis

Die Kirche hört in der Osternacht vom Schöpfungsbericht vor allem den ersten Satz: „Gott sprach: Es werde Licht“ (Gen 1, 3). Der Schöpfungsbericht beginnt zeichenhaft mit der Schöpfung des Lichts… Dass Gott das Licht geschaffen hat, bedeutet: Gott hat die Welt als einen Raum der Erkenntnis und der Wahrheit, als einen Raum der Begegnung und der Freiheit, als Raum des Guten und der Liebe geschaffen. Der Grundstoff der Welt ist gut, das Sein selber ist gut. Und das Böse kommt nicht aus dem von Gott geschaffenen Sein, sondern es existiert nur aufgrund der Verneinung. Es ist das Nein.

Zu Ostern, am Morgen des ersten Wochentages hat Gott von neuem gesagt: „Es werde Licht.“ Die Nacht am Ölberg war vorausgegangen. Die Sonnenfinsternis der Passion und des Todes Jesu, die Nacht des Grabes. Aber nun ist wieder der erste Tag – die Schöpfung beginnt ganz neu. „Es werde Licht“, sagt Gott, „und es wurde Licht“: Jesus steht aus dem Grabe auf. Das Leben ist stärker als der Tod. Das Gute ist stärker als das Böse. Die Liebe ist stärker als der Hass. Die Wahrheit ist stärker als die Lüge. Das Dunkel der vergangenen Tage ist vertrieben in dem Augenblick, in dem Jesus aus dem Grab aufersteht und selbst reines Licht Gottes wird.

Dies aber bezieht sich nicht nur auf ihn allein und bezieht sich nicht nur auf die Finsternis jener Tage. Mit der Auferstehung Jesu ist das Licht selbst neu geschaffen. Er zieht uns alle nach in das neue Leben der Auferstehung hinein und besiegt alles Dunkel. Er ist der neue Tag Gottes, der uns allen gilt. Aber wie soll das geschehen? Wie soll all dies bis zu uns kommen, so dass es nicht nur Wort bleibt, sondern Wirklichkeit wird, in die wir einbezogen sind? Durch das Sakrament der Taufe und das Bekenntnis des Glaubens hat der Herr eine Brücke zu uns herübergebaut, durch die der neue Tag zu uns kommt. In der Taufe sagt der Herr zu demjenigen, der sie empfängt:… Es werde Licht. Der neue Tag Gottes – der Tag des unzerstörbaren Lebens kommt auch zu uns. Christus nimmt dich bei der Hand. Du wirst von nun an von ihm gehalten und gehst so in das Licht, in das wirkliche Leben hinein.

Benedikt XVI., Predigt vom 07/04/2012 (© Liberia Editrice Vaticana)

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5 Gedanken zu “Karsamstag – Abwesenheit der Liebe

  1. Danke!

    Auch Ihnen und allen Menschen, die heute diese Seite besuchen, schon jetzt ein frohes, tief empfundenes Osterfest.

    „In der Freude des auferstandenen Herrn und im Vertrauen auf seine immerwährende Hilfe gehen wir voran.“ Papst Benedikt XVI.

    Wenn wir in diesem Sinne vorangehen, wird es kein sinnloses Aneinanderreihen von Tagen mehr geben.
    -Auch wenn es uns manchmal so vorkommen mag!-

    Kinder fassen im Gehen vertrauensvoll nach der Hand ihres Vaters.
    Machen wir es ebenso und greifen nach der Hand Gottes, die uns führt.

  2. Alles, was weiter oben zu lesen ist, trifft zu.

    So oft Mutlosigkeit, Verzweiflung, Angst und die Frage nach Gott.
    Aber ER ist da! Auch heute – und immer.

    Aber – schon beim Aufwachen heute morgen spürte ich eine seltsame Stille, eine gewisse Leere in mir.
    Ich empfinde dieses Schweigen nicht als Abwesenheit Gottes – aber es ist etwas, was ich nicht näher beschreiben kann.

    Vielleicht kann man Ostern nur gut und befreit feiern, wenn man zuvor den Karfreitag durchlitten und die Stille des Karsamstags in sich gespürt hat.

    Früher, vor meiner Umkehr, war das nicht so!
    Es war eine Aneinanderreihung von Tagen.

    1. Hallo Clara,
      danke für Deinen Beitrag!

      Bei den Worten “Es war eine Aneinanderreihung von Tagen” musste ich an meine Jugend und auch spätere Jahre denken: Wichtig war der Sonntag, ansonsten waren es aneinandergereihte Tage…

      Benedikt XVI. hat mir so manche Augen geöffnet (er ist der Papst meiner Umkehr), eigentlich auf zweifache Weise: Durch seine theologische Tiefe und – das ist so liebenswert an ihm – durch seine gleichzeitige Schlichtheit im Auftreten (hier spreche ich von seinem Ausdruck und nicht von den roten Schuhen…).

      Ist es nicht so: Je mehr man weiß und erahnt, desto ehrfürchtiger (schlichter) wird man… angesichts der Geheimnisse, die Gott für uns bereit hält…

      “Aber ER ist da! Auch heute – und immer.” Daran wollen wir festhalten und uns freuen:
      Eine gesegnete Osternacht!

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