Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien: Das Märchen der 3,8 Milliarden

Dem Bloggerkollegen Alipius bin ich dankbar, dass er gewissermaßen einen „nachösterlichen Startschuss“ gegeben hat, sich mit dem österreichischen „Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien“ zu beschäftigen.

Warum sich gerade die renommierten heimischen Naturwissenschaftler durch einen besonders ausgeprägten „Schildbürgergeist“ auszeichnen müssen, ist mir nicht verständlich. Den unrühmlichen Anfang machte die Molekularbiologin Renée Schroeder mit ihrem live im ORF ausgestrahlten Sonntagabendsager zum Christusglauben:

„Quatsch, Quatsch, und nochmals Quatsch!“

Daran schließt sich der Physiker Heinz Oberhummer an, der gleich zweifach auffällig wird. Zunächst betreibt er seit einigen Jahren die Plattform:

„Religion ist Privatsache“

Ein österreichischer und europäischer Staatsbürger stellt damit unter Beweis, vom Grundrecht der Religionsfreiheit noch nie etwas gehört zu haben, oder es einfach zu ignorieren. Religion ist frei und vor allem öffentlich ausübbar und kann a priori keine Privatsache sein. Selbstredend ist seine Initiative erfolglos.

In einem Interview mit den Salzburger Nachrichten fasst Oberhummer die hinlänglich bekannte Hitparade der Anti-Privilegienfront zusammen:

„Die Kirche bekommt mit 3,8 Mrd. Euro pro Jahr das meiste Geld vom Staat. Sie muss weder Gesellschaftssteuer noch Grundsteuer zahlen und darf die staatliche Infrastruktur, die Schulen, für ihren Religionsunterricht nutzen. Dafür müssen wir alle bezahlen, obwohl ein Viertel der Bevölkerung bereits konfessionslos ist.“

Wie ideologisch motiviert diese Hitparade ist, lässt sich einfach belegen. Da gibt es z.B. den ÖsterreichischenRechnungshof, das anerkannte Kontrollorgan im Rechtsstaat Österreich, wenn es um Organisationsreformen, Einsparungsmöglichkeiten und Unrechtmäßigkeiten (organisatorisch bzw. finanziell)  geht. Kommen wir also auf die zitierten 3,8 Milliarden und die angebliche Kirchensubventionierung von 2 Milliarden Euro zurück.

Der ehemalige und langjährige Präsident des Rechnungshofes, Franz Fiedler, hat sich vor kurzem dazu geäußert:

„Die Subventionen des Staates an die Kirchen liegen weit unter 2 Milliarden Euro jährlich. So erhält beispielweise die katholische Kirche als grösste Religionsgemeinschft nur 40 Millionen Euro jährlich – als Ausgleich für den von den Nationalsozialisten vereinnahmten Religionsfonds.“

Wenn ich mich als aufgeklärter Mensch nun entscheiden muss, wem ich mehr vertraue: Einem anerkannten Rechnungshofexperten auf der einen Seite, oder Herrn Oberhummer und dem Initiator des Begehrens namens Niko Alm andererseits, dann fällt mir diese Entscheidung nicht sehr schwer. Noch Fragen?

Weitere Beiträge zu den Themen Konkordat, Leistungen der Kirche in der Zivilgesellschaft, und Respektlosigkeit gegenüber Religionen folgen in den nächsten Tagen

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Folgendes >>>Banner
(grafisch offensichtlich an der Anti-Privilegienkampagne orientiert)

finde ich ansprechend:
+

PRO Kirchen

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***
dbeatles

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9 Gedanken zu “Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien: Das Märchen der 3,8 Milliarden

  1. Wenn Frau Schroeder in ihrem Fach nicht wesentlich sorgfältiger ist als bei ihren Aussagen über Fächer, von denen sie gar nichts versteht, ist sie zu Unrecht anerkannt.
    Ich traue mir übrigens zu, über Molekularbiologie gescheitere Aussagen zu machen als Frau Schroeder über Religion. Obwohl ich in Bio nie sonderlich gut war.

    1. Liebe Claudia,
      was die „gescheiteren Aussagen“ anbelangt, sind wir schon zwei :-)))
      … bei mir war Bio ganz okay, aber Physik :-(
      na ja, man kann nicht überall super sein, aber ein Mindestmaß ist schon nicht schlecht, würde ich meinen!
      LG, Stefan

    1. Zunächst danke für Hinweis und Link!

      Die Gedanken von E. Bamberger sind größtenteils nachvollziehbar – und doch nicht zielführend, wenn man nicht nur die eigenen Reihen überzeugen will, sondern auch die atheistischen Organisatoren: „…was die Organisatoren bei ihren Forderungen alles bedenken sollten.“

      Zwei Beispiele:
      1. Bamberger schreibt: „In Europa glaubt der Atheismus heute nur einen einzigen Feind auszumachen: das Christentum. Alle anderen Religionen, ob Islam oder Buddhismus – um zwei der großen Weltreligionen zu nennen – sind ihm nicht einmal im Ansatz eine intellektuelle Auseinandersetzung wert.“

      Das sollte so nicht behauptet werden; wenn man sich mit Michael Schmidt-Salomon (Giordano-Bruno-Stiftung) beschäftigt, oder den Atheist Media Blog bzw. dessen amerikanische Mutterseite liest, dann wird mehr als deutlich: Hier werden ALLE Religionen und Kulte gleichermaßen verdammt.

      2. Der Versuch einer konstruktiven Auseinandersetzung mit Atheisten ist deshalb schwierig, weil atheistischen Menschen nicht grundsätzlich vorgeworfen werden kann, sie würden im Vergleich mit gläubigen Menschen „weniger Gutes“ tun. Wenn Bamberger also die schweren Geschütze auffährt:
      „Glaube und Unglaube bedingen einander, weshalb der Atheismus immer nur die dunkle, von Missgunst und Hass zerfressene Kehrseite des Glaubens sein kann“
      dann kann ich in dieser Verteufelung (im Grunde nichts anderes als eine Spiegelung der Verteufelung von Religion durch Atheisten) keine zielführende Kritik erkennen.

      Deshalb scheint es mir wichtig, eine effiziente Doppelstrategie zu fahren:

      Zum einen ist die „atheistische Sachlichkeit“ bzw. die angestrebte Wissenschaftlichkeit dort anzugreifen, wo es ganz offensichtliche Schwachstellen gibt, so werden die behaupteten 3,8 Milliarden Kirchensubventionierung von kompetenter Seite glaubhaft bestritten.

      Im übrigen ist immer wieder darauf hinzuweisen, dass eine Bewegung, deren Meinungsführer (Richard Dawkins u.a.m.) die Unmöglichkeit des Beweises der Nicht-Existenz Gottes selber schriftlich festhalten, gut daran täte, etwas leiser zu treten: Der aggressiv geführte Kampf gegen Religionen offenbart einen groben Mangel an Toleranz von Menschen, die lautstark von anderen einfordern, Toleranz zu üben.

      Schließlich sollte eine Bewegung, die an Gott auf schlüssige Weise nicht vorbeikommt und bestenfalls auf vorläufige Hypothesen zur Entstehung des Universums verweisen kann, sich ganz einfach angemessen und respektvoll gegenüber religiösen Menschen verhalten, die in Sachen Schöpfung ihre eigene Quelle, Tradition und Ethik verfolgen.

      LG, Stefan

      1. Zu Punkt 1.

        Was die von Ihnen in Zweifel gezogene These von Bamberger betrifft, so muss ich dem Autor dennoch rechtgeben.

        In PSALM 1 gibt Kapitel 6.3.unter dem Titel „Mosaik der Religionen“ eine Kurzfassung der Lehre des Hinduismus, Buddhismus und des Islams. Ich finde den kleinen Ausflug in diese Weltreligionen insoferne als wichtig, da wir leider davon ausgehen müssen, dass in einem ehemaligen durch und durch christianisierten Europa bereits die Hälfte der Bevölkerung vom christlichen Glauben wenig oder gar keine Vorstellung mehr haben – von den drei genannten Religionen gar nicht erst zu reden.

        Ohne jetzt beleidigend zu werden, werden diese Religionen wegen ihrer Inhalte sowohl bei Christen als auch bei Atheisten nur Kopfschütteln verursachen und nicht im Geringsten ernst genommen. Hingegen ist die katholische Religion und ihr Glaube für den Atheismus etwas Handfestes, etwas Angreifbares, für das es sich „lohnt“ auf die Barrikaden zu steigen!

        Das meinte wohl der Autor, wenn er schreibt, dass dem Atheismus die genannten Weltreligionen „nicht einmal im Ansatz eine intellektuelle Auseinandersetzung wert ist“.

        Zu Punkt 2

        Ich weiß nicht, was an der Aussage „Glaube und Unglaube bedingen einander ….“ falsch wäre. Glaube und Unglaube sind vergleichbar mit den beiden Seiten einer Münze. Oder anders gesagt. Ohne Glaube gäbe es keinen Un-Glauben- als Gegensatz natürlich gemeint. Das hat mit dem Atheisten als Person nichts zutun.

        Nicht alle die sich Christen nennen, sind wirklich auch Christen – dem Geiste nach! Warum sollten Atheisten nichts Gutes tun können? Wahrscheinlich gibt es sogar solche, die christlicher denken und handeln als solche, die einen Taufschein haben.

        Das wär´s meinerseits.

  2. Antwort auf Otmar Keller:

    Zu Punkt 1:

    Dass der Islam von Atheisten nicht ernst genommen würde, ist eine schlimme Fehleinschätzung. Ich verweise auf den Kommentar von Univ.Prof.U.Körtner (siehe http://www.proreligion.at), der den Neuen Atheismus ganz klar mit den Ereignissen von 9/11 verknüpft sieht.

    Warum in unseren Breitengraden die katholische Kirche als Zielscheibe dient, ist ja offensichtlich: Die lange Tradition führt heute noch z.B. in Österreich zu 5,4 Millionen Katholiken (bei 8 Mio Einwohnern), also wendet man sich natürlich an den Hauptgegner.

    Es besteht jedenfalls kein Zweifel daran, dass der agressive und (im naturwissenschaftlichen Sinn) intelligente Atheismus einen Kampf gegen ALLE Religionen, im übrigen gegen alle Strömungen, die sich in welcher Form auch immer auf „übernatürliche Wesenheiten“ (Geister etc.) beziehen, richtet.

    Zu Punkt 2:

    Nicht böse sein, aber ich habe einen GANZEN Satz zitiert. Den Teil „Glaube und Unglaube bedingen einenander“ wollen wir stehen lassen. Wie aber geht es weiter:

    „…weshalb der Atheismus immer nur die dunkle, von Missgunst und Hass zerfressene Kehrseite des Glaubens sein kann.“

    Das ist natürlich grober Unfug, als ob der Autor nie davon gehört hätte, wie die in tiefer religiöser Überzeugung angewandten Bestrafungen laut Scharia häufig zur „dunklen Kehrseite des Glaubens“ werden. Oder wie Hexenverbrennungen im Namen christlicher Kirchen nichts, aber auch gar nichts mit dem Evangelium zu tun hatten, sondern am ehesten das gezeigt haben, was der Autor als eine „von Missgunst und Hass zerfressene Kehrseite des Glaubens“ bezeichnet.

    Wir sollten auf gezielt geführte Angriffe gegen die Kirchen, vor allem die katholische Kirche, nicht mit Unintelligenz antworten. Mt 10,16 „Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen und ohne Falsch wie die Tauben.“

    Wenn wir mit Atheisten diskutieren, dann ist bitte von Aggression oder hässlichen Vorwürfen abzusehen. Deshalb setze ich mich für die DOPPELSTRATEGIE ein:

    1) Sachlichkeit beeindruckt am meisten. Was proreligion.at und http://www.katholisch.at/site/themen/article/103730.html an sachlichen Informationen auflisten, ist bemerkenswert!

    2) Seitens atheistischer Diskutanten beinhalten Gespräche häufig respektlose Unterstellungen und Angriffe. „Gott? Da kann ich genauso an die fliegende Teekanne glauben“, „Wie rückständig müssen Christen eigentlich sein, dass sie die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie nicht akzeptieren wollen“, „Wie unmenschlich ist denn eine Religion, die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen veranstaltet hat“, etc. Daher bin ich der Meinung, dass wir Gläubige in jedem Gespräch mit Atheisten „gebetsmühlenartig“ wiederholen sollten:

    Eine Bewegung, deren Meinungsführer (Richard Dawkins u.a.m.) die Unmöglichkeit des Beweises der Nicht-Existenz Gottes selber schriftlich festgehalten hat, täte gut daran, etwas leiser zu treten: Der aggressiv geführte Kampf gegen Religionen offenbart einen groben Mangel an Toleranz von Menschen, die lautstark von anderen einfordern, Toleranz zu üben.

    Schließlich sollte eine Bewegung, die an Gott auf schlüssige Weise nicht vorbeikommt und bestenfalls auf vorläufige Hypothesen zur Entstehung des Universums verweisen kann, sich ganz einfach angemessen und respektvoll gegenüber religiösen Menschen verhalten, die in Sachen Schöpfung ihre eigene Quelle, Tradition und Ethik verfolgen.

    Wer in der Diskussion mit Atheisten diesen Weg konsequent beschreitet, wird letztlich dem Anspruch gerecht werden, den wir alle verfolgen sollten:

    Durch gutes Beispiel, nicht aber durch Kampf und aggressive Rethorik, zu überzeugen.

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