Kirche in der Gesellschaft – „Was bringt Kirche“

Es ist an der Zeit, sachliche Antworten auf sachliche Fragen zu geben: In Österreich steht ein Volksbegehren mit dem etwas reisserischen Titel „Gegen Kirchenprivilegien“ ins Haus.

Kirchenprivilegien

Da von Seiten der Initiatoren des Begehrens viele Fragen aufgeworfen werden, nach dem Motto „Kirche hat ausgedient, Kirche kostet nur mehr viel Geld, Kirche bringt einfach nichts mehr„, gibt es verschiedene Initiativen der Erzdiözese, um diese Fragen zu beantworten.

Heute beschäftigen wir uns mit einem Flyer, der in hoher Auflage in den Pfarren verteilt wurde. Der nicht nur positiv aufgenommene Titel der Broschüre lautet „Was bringt Kirche – auch denen, die nicht dabei sind„: Die Headline ist am besten im Zusammenhang mit dem Vorwurf „Kirche hat in der Vergangenheit ihre Bedeutung gehabt, bringt aber heute nichts mehr“ zu verstehen.

Kirche in Zahlen - Was bringt Kirche

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In der Blogozese haben sich kritische Stimmen zum Vorgehen der Wiener Erzdiözese gemeldet, zum Beispiel meint Johannes „Verstehe ich nicht“ zu dieser Kampagne und schreibt im Kommentarbereich: “Ich bin mir gar nicht sicher, dass Johannes von Gott das Krankenwesen reformiert hat, um gesellschaftlich etwas zu bringen. Er hat den Kranken Linderung und allen sonst Christus gebracht, klar.”

Einverstanden. Aber heißt das, dass ich als Katholik in einer zunehmend säkularen Gesellschaft nicht darauf verweisen darf, dass dieses aus dem Glauben hervorgehende gute Werk (z.B. im Krankenwesen) auch einen gesellschaftlichen Nutzen hat? Darf ich das dann nicht sagen, wenn es um ein Volksbegehren geht, dass theoretisch dazu führen kann, dass eine säkulare Gruppe falsch behauptete Ansprüche mit dem Resultat durchsetzt, dass christliche Bildungs- und Krankeneinrichtungen zurückgedrängt oder gar aufgelöst werden?

Kritiker meinen nun, dass diese Initiative der Erzdözese die katholische Kirche nur unter materiellen Gesichtspunkten darstellen will: „Das sei eine zweifelhafte Strategie“, heißt es da und dort. „Ich [sehe es so], dass ich weder meine Religion, noch die Kirche unter dem Gesichtspunkt zu bewerten bereit bin, was sie mir oder der Gesellschaft bringen.“ (Johannes) Ja, Johannes, es steht doch außer Frage, dass überzeugte Katholiken eine andere Definition von Kirche kennen und bevorzugen.

Aber man muss sich nun einmal dem Faktum stellen, dass atheistische Gruppierungen im Materialismus zu Hause sind, und daher nur auf der materialistischen Ebene ansprechbar sind. Des weiteren handelt es sich hier um ein politisches Begehren, und auch in der Politik wird in erster Linie die Sprache des Materialismus gesprochen. Natürlich wäre es wünschenswert, dass allein das Ansprechen der Verehrungswürdigkeit Gottes gesellschaftliche Umwandlungen erzeugt. Aber will mir jemand erzählen, dass die philosophisch-theologische Ansprache von Papst Benedikt XVI. im deutschen Bundestag auch nur irgendeine politisch-gesellschaftliche Änderung bewirkt hätte?

Für meinen Teil falle ich meiner Diözese, die sich sachliche Antworten auf sachliche Angriffe hat einfallen lassen, nicht in den Rücken. Dies auch im Wissen, dass “das Bewusstsein für die Verehrungswürdigkeit Gottes, ein Empfinden des Dankes für Christi erlösendes Opfer, oder ein Empfinden für die Verehrung von Christi Mutter” (Johannes) keine Antworten auf das Begehren mit einer ellenlangen Auflistung von Steuergesetzen und Verordnungen darstellen.

Das Bewusstsein für die Verehrungswürdigkeit Gottes, der Dank für Christi erlösendes Opfer, und die Verehrung der Mutter Jesu Christi wird jeden Tag, angefangen vom Wiener Erzbischof über alle Pfarren bis hin zum kleinen Stefan Ehrhardt, in die Öffentlichkeit getragen, und kein Mensch käme auf die Idee, dass unsere Diözese nur die materiellen Aspekte der Kirche  in die Gesellschaft hinaustragen würde.

*

In dieser Auseinandersetzung zwischen offizieller Kirche und den atheistischen Betreibern eines Volksbegehrens gegen Kirchenprivilegien – wie übrigens in jedem Diskurs mit Atheisten – gilt es eine Doppelstrategie zu fahren:

1) Sachlichkeit

Sachlichkeit beeindruckt am meisten.Was PRO RELIGION und Was KIRCHE bringt  an sachlichen Informationen erarbeitet haben und auflisten, ist bemerkenswert und hilfreich. Mehr dazu in den nächsten Tagen.

2) Aufruf zu Respekt und Toleranz

Von Seiten atheistischer Diskutanten gibt es in Gesprächen häufig respektlose Unterstellungen und Angriffe. “Gott? Da kann ich genauso an die fliegende Teekanne glauben”, “Wie rückständig müssen Christen eigentlich sein, dass sie die Erkenntnisse der Evolutionsbiologie nicht akzeptieren wollen”, “Wie unmenschlich ist denn eine Religion, die Kreuzzüge und Hexenverbrennungen veranstaltet hat”, etc. Daher bin ich der Meinung, dass wir Gläubige in jedem Gespräch mit Atheisten “gebetsmühlenartig” wiederholen sollten:

Eine Bewegung, deren umtriebiger Meinungsführer (Richard Dawkins) die Unmöglichkeit des Beweises der Nicht-Existenz Gottes selber schriftlich festgehalten hat, täte gut daran, etwas leiser zu treten: Der aggressiv geführte Kampf gegen Religionen offenbart einen groben Mangel an Toleranz von Menschen, die lautstark von anderen einfordern, Toleranz zu üben.

Schließlich sollte eine Bewegung, die an Gott auf schlüssige Weise nicht vorbeikommt und bestenfalls auf vorläufige Hypothesen zur Entstehung des Universums verweisen kann, sich ganz einfach angemessen und respektvoll gegenüber religiösen Menschen verhalten, die in Sachen Schöpfung ihre eigene Quelle, Tradition und Ethik verfolgen.

Und dann kommen wir ganz von selbst zu dem Punkt, wo wir Respekt für die Verehrungswürdigkeit Gottes, Respekt vor dem Dank für Christi erlösendes Opfer, und Respekt für die Verehrung der Mutter Jesu Christi einfordern.

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dbeatles

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