Glaube – Visionen inklusive

Einige unter euch werden die amerikanische Anwaltserie „Eli Stone“ kennen. Bei Mr. Stone handelt es sich um einen Rechtsanwalt, der an einem Gehirnaneurysma leidet und immer wieder von Visionen heimgesucht wird. Am Beginn der zweiten Staffel sieht sich Eli Stone in Therapiegesprächen mit einer von Sigourney Weaver wunderbar gespielten Psychiaterin – ob die Sitzungen wahr oder eingebildet sind, man weiß es nicht. Da einige seiner Visionen mit tatsächlich eintreffenden Ereignissen in Beziehung stehen, kommt die Sprache auf Gott. Fazit: Eli Stone dürfe sich wohl als eines der vielen Werkzeuge Gottes betrachten… Na ja, typisch amerikanisch überzogen, werden sich manche denken!

Eli Stone - Plakat
„…with a chance of vision“

Jedenfalls führt die Therapiesitzung zu einem Punkt, an dem ernsthaft über das Wirken Gottes auf dieser Erde gesprochen wird. Die Psychiaterin: Wenn also ALLES möglich ist, ist das nicht genau das, was man als Fundament des Glaubens ansehen muss?

Das ist es. Immer wieder werde ich, werden viele Menschen auf diesen nicht so leicht zu verinnerlichenden Ansatz zurückgeworfen; aber genau diesen Kern beinhaltet unser Glaube: ALLES ist möglich. Oder besser gesagt: Für GOTT ist NICHTS UNMÖGLICH.

„Zurückgeworfen“ steht hier als Ausdruck, weil diese Gewißheit der Allmacht Gottes etwas sehr Belebendes an sich hat, einen Neubeginn ermöglicht: Ja, großer Gott, das bist Du! – Gerade weil für Ihn alles möglich ist, ist das Mädchen Maria zur Gottesmutter erwählt worden, durften wir die Erfahrung des Menschen und des Gottes Jesu Christi machen, ist das Himmelreich schon auf Erden möglich…  so wird der oben so bezeichnete „Ansatz“ zum Glaubenssatz!

Eli Stone - Sigourney Weaver
„Das Fundament des Glaubens…“

Apropos Visionen: Wie nah selbst amerikanische Anwaltserien an der göttlichen Welt streifen können, zeigt die heutige Lesung. Es betrifft zwar nicht den Propheten Elia, sondern Petrus; der Apostel gerät durch das Gebet in Verzückung und er berichtet von seiner Vision:

Ich war in der Stadt Joppe und betete; da hatte ich in einer Verzückung eine Vision: Da standen auf einmal drei Männer vor dem Haus, in dem ich wohnte; sie waren aus Cäsarea zu mir geschickt worden. Der Geist aber sagte mir, ich solle ohne Bedenken mit ihnen gehen. Auch diese sechs Brüder zogen mit mir, und wir kamen in das Haus jenes Mannes. Er erzählte uns, wie er in seinem Haus den Engel stehen sah, der zu ihm sagte: Schick jemand nach Joppe, und laß Simon, der Petrus genannt wird, holen. Er wird dir Worte sagen, durch die du mit deinem ganzen Haus gerettet werden wirst. Während ich redete, kam der Heilige Geist auf sie herab, wie am Anfang auf uns. Da erinnerte ich mich an das Wort des Herrn: Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet mit dem Heiligen Geist getauft werden. Wenn nun Gott ihnen, nachdem sie zum Glauben an Jesus Christus, den Herrn, gekommen sind, die gleiche Gabe verliehen hat wie uns: wer bin ich, daß ich Gott hindern könnte? (Apostelgeschichte 11,1.11-18)

Wer bin ich, dass ich Gott hindern könnte? Wer bin ich, dass ich von Gott nicht erwartete, dass für Ihn ALLES möglich ist?

***

8 Gedanken zu “Glaube – Visionen inklusive

  1. Ja, ich empfinde das wirklich typisch amerikanisch überzogen, nämlich darum, dass Vorsehungen sofort mit Gott verbunden werden … ich denke, das hat oft eher mit Hellsichtigkeit zu tun, einer erhöhten Sensibilität — die auch gefährlich werden kann – ob es nun tatsächlich Gott ist, der wirkt, muss geprüft werden … Gott spricht auf so viele Weise und doch „weiß“ man nie dass er es ist – allein der Glaube …

    1. Die Serie ist überzogen, keine Frage. Aber hier steht ja nicht zur Diskussion, ob ich (oder wer auch immer) an die Inhalte der Serie glaubt.

      Unser persönlicher Glaube – so ist jedenfalls meine Erfahrung – braucht immer neue Impulse. Das kann die Heilige Messe sein, können Begegnungen mit Menschen sein, etc.. oder eben auch Visionen, wie sie Petrus (der einfache Fischer) erfahren hat.

      Am Glauben der Vision Petri (nicht am Glauben der Visionen des Eli Stone) führt kein Weg vorbei: Was so eindeutig in der Apostelgeschichte geschrieben steht, soll angenommen werden.

      Aber bei meinem kleinen Beitrag geht es im Grunde um etwas anderes: Wieweit kann/darf ich mich von Begebenheiten meines Alltags bewegen lassen, gewisse Impulse für mein Glaubensleben zu schöpfen? Gar aus einer populären TV-Serie?

      Wenn ich die Frage so stelle, lautet meine Antwort: Jeder Input ist rechtens, wenn er tatsächlich hilft, mein Glaubensleben aufzufrischen oder mich zur Umkehr bewegt. Ja, diesem (möglicherweise lächerlich scheinenden) Ansatz will ich jeden erdenklichen Raum geben, denn was meinem Dienst an Gott hilft, kann per se nicht schlecht sein.

  2. Ja, wenn es dem Dienst an Gott hilft, ich würde vielleicht eher sagen: wenn es dem Glauben hilft.
    Aber was wäre denn, wenn diese Psychiaterin nicht gesagt hätte – wenn ALLES möglich ist – sondern, dass Visionen etwas sind, die nun mal grundsätzlich möglich (!) sind, bisweilen vorkommen. Nicht bei jedem Menschen und nicht immerzu, das ist klar.
    Und meine Kritik ist nur: Dass mit dieser Äußerung doch wieder so getan wird, als hätten diese Erlebnisse irgendwas an sich, was sie besonders für ein Wirken Gottes qualifiziert. Wie auch Jesus übers Wasser läuft oder andere Wunder … (ein weiteres anderes! Thema)
    Und sicher kann auch durch Visionen Gott zu uns sprechen, wie er auch auf andere Weise zu uns spricht, aber eben vielleicht auch nicht: Gott, sondern schlicht Informationen, die weitergegeben werden … bisweilen auch Wesen, die gegen Gott stehen. Und dann ist es tatsächlich so, dass es darauf ankommt,welche Früchte folgen, gute oder faule oder gar giftige.
    Und was die Serie zeigt ist m.E. einfach das: Dass diese Erfahrungen in unserem Leben (auch den Kirchen) weitestgehend totgeschwiegen und für verrückt erklärt werden … und daran Menschen ungeheuer leiden können. Folgt das: es wird entweder klein geredet oder überhöht. Wichtig wäre, sich wirklich zu fragen, was es zu bedeuten hat, ob es überhaupt was zu bedeuten hat (das muss ja nicht zwangsläufig sein) – erst diese Auseinandersetzung wäre im weiteren Verlauf wirklich spannend, finde ich ,,, und würde auch diese Frage beantworten: ob es dem Dienst an Gott, dem Glauben hilft – seinem Glauben hilft, dem Glauben seiner Umwelt – oder eher zerstört.

    PS – vermutlich gibt es nichts in der Welt, durch das Gott nicht wirken könnte – und nichts in der Welt, wodurch Gott wirken müsste – als kurze Zusammenfassung meines Kommentars ;)

    1. Liebe Mailin,
      du möchtest ein bisserl komplexer diskutieren, also bitte ;-)
      Für diese weiterführende Behandlung halte ich deine Einwände für so anregend, dass sie nicht nur im Kommentarbereich auftauchen sollen, kurzum, ich möchte das Thema in einem Folgeartikel wieder aufgreifen – ich hoffe das ist okay so!

      PS: Einen Knackpunkt meines Beitrags möchte ich nochmals hervorheben:
      Immer dann, wenn Unsicherheiten oder Unklarheiten mit dem verbunden sind, was man am Tag so erlebt und mit dem Glauben in Verbindung gebracht hat, ist es ganz entscheidend, die Angelegenheit am Wort Gottes zu messen! In dieser kleinen konkreten Begebenheit ist es nicht der Inhalt der TV-Serie (Stichwort Vision), den ich überhöht darstellen will. Das Entscheidende war, dass in der Tageslesung über eine Vision (des Petrus) berichtet wird!

      Erst dieser „Zufall“ macht meine Alltagsszene zu einer kleinen Geschichte – und deine Kommentare nehme ich als Hinweis, dass noch einiges mehr in diesem Thema steckt :-)
      LG Stefan

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s