Dreifaltigkeitssonntag – Der Geist als Vorausetzung

„Denn alle, die in sich den Heiligen Geist tragen, werden zum Wort geführt, das der Sohn ist, der Sohn führt sie zum Vater, und der Vater schenkt uns das ewige Leben“, so führen uns die Worte des Hl. Irenäus von Lyon zum Thema der Dreifaltigkeit. Der Heilige fährt fort: „Ohne den Geist ist es unmöglich, das Wort Gottes zu erkennen, und ohne den Sohn kann man sich nicht dem Vater nähern. Denn die Stimme des Vaters ist der Sohn, und die Stimme des Sohnes kommt durch den Heiligen Geist, und der Sohn schenkt den Geist, wie es dem Vater gefällt.“

Ist damit nicht alles gesagt? So großartig die Formel des Hl. Irenäus von Lyon ist, darf die Frage mit Nein beantwortet werden. Dem Thema der Dreifaltigkeit kann man sich von unendlich vielen Seiten nähern, so ist ein kindgerechter, intuitiver Blick denkbar: „Der Vater hat einen einzigen Sohn, den Er uns geschickt hat, um uns zu erlösen, und aus der Liebe zwischen Vater und Sohn ist der Geist entstanden, der uns jeden Tag beim Glauben hilft.“ Im Grunde genommen genügt dieser Zugang, und ich denke nicht, dass unser Glaube in dieser Sache viel mehr Wissen von uns verlangt. Aber gibt es für den erwachsenen Menschen nicht doch Fragen, die besonders in unserem naturwissenschaftlichen Zeitalter mit unangenehmer Regelmäßigkeit wiederkehren: Gibt es überhaupt so etwas wie „Geist“? Und wenn ja, was kann man sich überhaupt darunter vorstellen?

Wenn man an diesem Punkt angelangt ist, kann es hilfreich sein, einen Autor zu bemühen, den auch Josef Bordat wärmstens empfiehlt: Frank Sheed. Nachdem ich mir die Mühe gemacht habe, einige Kapitel seines Standardwerkes zusammenzufassen, kommen die Leser nun in den Genuß der Abhandlungen zum Thema „Geist und Dreifaltigkeit“.

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DER GEIST

Der Geist erkennt, liebt und hat Macht

Als ich noch recht neu war als Straßenredner für die Catholic Evidence Guild, fragte mich jemand, was ich unter Geist verstünde. Ich antwortete: „Ein Geist hat keine Gestalt, keine Größe, keine Farbe, kein Gewicht, keine Ausdehnung.“ Darauf sagte der andere: „Das ist die beste Definition von „Nichts“, die ich je gehört habe!“ Das war sehr richtig. Ich hatte aufgezählt, was der Geist nicht ist, ohne auch nur anzudeuten, was er ist!

In der Theologie ist „Geist“ nicht nur ein Schlüsselwort – es ist das Schlüsselwort schlechthin. Der Herr sagte zur Samariterin am Brunnen: Gott ist Geist (JOH 4,24). Wenn wir die Bedeutung des Wortes Geist nicht kennen, wissen wir nicht, was er sagen wollte. Es ist dann, als ob er gesagt hätte: „Gott ist…“ – was nun überhaupt nichts sagt. Dasselbe gilt von jeder Lehre; jede hat Geist zum Gegenstand. Wenn wir Theologie studieren, haben wir es immerfort mit Geist zu tun. Und das, womit wir studieren, ist auchGeist.

„Denn alle, die in sich den Heiligen Geist tragen, werden zum Wort geführt, das der Sohn ist…“ (Hl. Irenäus)

Wir müssen unbedingt wissen, was Geist ist. Nicht nur, dass wir ihn definieren müssen. Wir müssen eine Vorstellung von Geist gewinnen, sie uns zu eigen machen, lernen, sie mühelos und geschickt zu handhaben. Wenn wir hier langsam und sorgfältig nachdenken, wird sich das später bezahlt machen. Diese Ausführungen sind nicht gedacht als ein Bummel über die Äcker der Offenbarung. Es ist die Bemühung, die Anfänge der Theologie zu lehren.

Wir fangen an mit unserem eigenen Geist, weil wir ihn am besten kennen. Geist ist das in uns, wodurch wir erkennen, lieben und also auch wollen. Unser Körper weiß nichts, er liebt nichts; körperliches Wohlbefinden wird nicht vom Körper selbst genossen, er reagiert darauf physisch, mit erhöhtem Puls zum Beispiel – aber es ist der erkennende Geist, der die Reaktionen genießt oder verabscheut. Der Körper will nichts, auch wenn der Wille sich zu Gunsten von Dingen entscheiden mag, die uns körperliches Wohlbefinden bereiten.

„[Der Sohn] ist nicht geschaffen auf eine Anordnung hin, sondern leuchtet unaufhörlich aus seiner eigenen Substanz heraus, ist in Ewigkeit vereint mit dem Vater, ihm gleich an Güte, ihm gleich an Macht…“ (Hl. Irenäus)

Der Geist ist es, der erkennt und liebt. Betrachten wir uns ein wenig genauer, so werden wir entdecken, dass der Geist auch Macht hat. Es ist der menschliche Geist, der das Atom spaltet; das Atom kann den Geist nicht spalten, es kann nicht einmal sich selbst spalten, es weiß nichts von seinen eigenen Elektronen.

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Der Geist bringt hervor, was der Stoff nicht hervorbringen kann

Der Geist benutzt den Körper und fragt den Körper nicht um seine Erlaubnis. Der Geist ist der Meister, der Körper das Handwerkszeug. Ist das Handwerkszeug wesentlich? Muss der Geist es gebrauchen, um mit der Materie fertig zu werden? Wir haben Beweise dafür, dass unser Geist die Materie unmittelbar beeinflusst. Wir wollen unseren Arm hochheben, und wir heben in hoch. Ein sehr komplizierter anatomischer Vorgang, der durch eine Willensentscheidung in Bewegung gesetzt wird. Wie wir sehen werden, haben mächtigere Geister als wir dieselbe unmittelbare Gewalt über die ganze Materie, so wie sie der menschliche Geist über den eigenen Körper hat.

Diese Vermischung von Geist und Materie in den menschlichen Handlungen unterscheidet den menschlichen Geist von jedem anderen. Der menschliche Geist ist der einzige, der zugleich auch Seele ist – das heißt: Lebensprinzip in einem Leib.

„Der Vater ist der Ursprung von allem, die Ursache dessen, was ist, die Wurzel alles Lebenden. Aus ihm strömen Leben, Weisheit, Kraft…“ (Hl. Irenäus zit. 1.Kor 1, Heb 1, Joh 1)

Gott ist Geist, aber er hat keinen Leib. Die Engel sind Geister, aber sie haben keinen Leib. Nur im Menschen ist der Geist mit einem Leib vereint, belebt einen Leib, macht ihn zu einem lebendigen Leib. Jeder lebendige Organismus – der Pflanzen, der niederen Tiere, der Menschen – hat ein Lebensprinzip, eine Seele. Und ebenso wie unser Geist der einzige Geist ist, der zugleich Seele ist, so ist unsere Seele die einzige, die zugleich auch Geist ist.

Aber was ist nun schließlich Geist? Wir können es verstehen, wenn wir uns selbst betrachten und eine der Tätigkeiten unserer Seele im Einzelnen prüfen: Sie bringt Ideen hervor. Wenn wir also beständig etwas hervorbringen, was keine stofflichen Eigenschaften hat, dann muss in uns etwas sein, was nicht Stoff ist. Und das nennen wir Geist.

Unsere Ideen sind nichts Stoffliches. Sie haben keine Ähnlichkeit mit unserem Körper. Sie gleichen unserem Geist. Sie haben keine Gestalt, keine Größe, keine Farbe, kein Gewicht, keine Ausdehnung im Raum. Auch der Geist, aus dem sie stammen, hat das alles nicht. Aber niemand kann ihn „Nichts“ nennen; denn er bringt Gedanken hervor, und Gedanken sind das Mächtigste in der Welt – außer der Liebe –, aber die wird ebenfalls vom Geist hervorgebracht.

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[ Betende Hände – Ausdruck des Geistes ]

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Der Geist ist nicht im Raum

Wir kommen nun zum schwierigsten Teil unserer Überlegungen. Das wird Schweiß und Anstrengung kosten; aber hinterher wird alles leichter sein. Beginnen wir mit einer Feststellung, die negativ klingt, es aber nicht ist. Geist unterscheidet sich von etwas Stofflichem dadurch, dass er keine Teile hat. Wenn wir das erst begriffen haben, sind wir schon nahe am Ziel.

In jedem Seienden unterscheiden wir das Ganze und seine Teile. Mein Arm ist ein Teil meines Körpers, oder ein Elektron ein Teil des Atoms. Der Geist aber hat keine Teile. In ihm gibt es nichts, was nicht sein Ganzes wäre. Es gibt keine Teilung in Teile wie bei der Materie.

„So wie Brennen mit Feuer zu tun hat und Leuchten mit Licht, so kann man dem Heiligen Geist nicht absprechen, dass er heiligt oder lebendig macht, dass er die Güte und Gerechtigkeit ist…“ (Hl. Irenäus)

Unsere Seele hat keine Teile, denn sie ist Geist. In unserer Seele ist nichts, was nicht die ganze Seele wäre. Sie tut bemerkenswert viel verschiedenes: erkennen, lieben, den Körper beleben – aber jedes wird von der ganzen Seele getan; sie hat keine Teile, unter die diese Tätigkeiten aufgeteilt wären.

Diese Ungeteiltheit des Geistes ist die Schwierigkeit für den Anfänger. Denn wir haben jetzt zu folgern: etwas, das keine Teile hat, nimmt keinen Raum ein. Man kann kaum etwas hinzufügen, um diese Wahrheit deutlicher zu machen; man kann nur fortfahren sie anzuschauen, bis man plötzlich merkt, dass man sie sieht.

Wenn man irgendetwas Beliebiges denkt, das Raum einnimmt, dann sieht man, dass es Teile haben muss, dass es jedenfalls in kleinere Teile teilbar ist. Wenn es nur irgendwie Raum beansprucht, und mag es noch so unendlich submikroskopisch klein sein – irgendwie muss es doch Ausdehnung haben, wenn man unter Raum das versteht, wohinein die Materie ihre Teile ausbreitet. Aber etwas, was keine Teile hat, hat auch keine Ausdehnung; es hat nichts mit Raum zu tun, ist raumlos, braucht keinen Raum.

Das schwierige ist, dass wir es kaum fertig bringen, uns etwas vorzustellen, was nicht im Raum existiert; noch schwerer fällt es uns, uns etwas vorzustellen, was tätig ist, ohne Teile zu haben. Die erste Schwierigkeit kann man vielleicht beheben, wenn man sich daran erinnert, dass der Raum bloß Leere ist – Leere kann aber schwerlich wesensnotwendig sein dafür, dass etwas existiert. Die zweite Schwierigkeit lässt sich womöglich aus der Welt schaffen, wenn man überlegt, dass Teile nur etwas Abgeteiltes sind, dass Geteiltheit schwerlich eine unerlässliche Vorbedingung sein kann dafür, dass etwas tätig wird.

Vielleicht hilft es uns etwas, wenn wir an eine unserer gewöhnlichen Tätigkeiten denken: an die Urteile, die wir fällen. Wenn wir das Urteil fällen, dass in einem bestimmten Fall Nachsicht nützlicher ist als Gerechtigkeit, dann machen wir uns kaum klar, wie überraschend das ist, was wir da gemacht haben. Wir haben drei Ideen oder Begriffe hergenommen: Nachsicht, Gerechtigkeit und Nützlichkeit. Wir haben so etwas wie Identität zwischen Nachsicht und Nützlichkeit herausgefunden: Nachsicht = nützlich. Das bedeutet, dass wir Nachsicht und Nützlichkeit in unserem Geist zusammen vorgefunden haben müssen. Es kann keine „Distanz“ zwischen den beiden Begriffen geben, sonst könnten sie nicht in Vergleich und Urteil in eins gesetzt werden. Wenn der Geist ausgebreitet wäre wie das Gehirn, mit dem Begriff Nachsicht in einem und dem Begriff Nützlichkeit in einem anderen Teil, hätte man diese Begriffe nicht vergleichen können.

Das ist noch nicht alles. Alle drei Begriffe müssen beisammen sein, damit dem oberen Begriff „Nützlichkeit der Nachsicht“ zugestimmt werden kann. Die Urteilskraft wurzelt in der menschlichen Lebenskraft, der Kraft, sich zur Herrschaft über sich selbst und seine Umwelt zu entwickeln. Und die Urteilskraft ist abhängig von der Geteiltheit der Seele als eines einzigen, ungeteilten, denkenden Prinzips, das alle Begriffe, die wir zu vergleichen wünschen, ergreift und zusammenhält.

Schließlich müssen wir noch eine andere Eigenschaft des Geistes benennen und annehmen. Er ist das Bleibende, das Beharrende schlechthin.

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[ Der Körper als Hülle ]

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Der Geist ist immer er selbst

Wir haben gesehen, dass etwas, was keine Teile hat, und nichts, das nicht das Ganze wäre, keinen Raum besitzen kann. Wenn wir in unserer Betrachtung fortfahren, werden wir merken, dass es auch nicht in etwas anderes verwandelt werden und durch keinen natürlichen Prozess zerstört werden kann. Hier sind wir bei der tiefsten Wahrheit über den Geist angekommen – der Geist bleibt beständig, was er ist und kann niemals etwas anderes werden. Stoffliches kann zerstört werden in dem Sinne, dass es in seine Teile zerfällt; einige seiner Teile können fort genommen werden. Aber etwas, was keine Teile hat, kann von dergleichen nicht betroffen werden.

Nichts kann ihm fortgenommen werden, weil es aus nichts besteht als aus sich selber. Wir können uns natürlich vorstellen, dass es als Ganzes nicht mehr existiert. Das würde Vernichtung bedeuten. Aber ebenso wie nur Gott etwas aus dem Nichts erschaffen kann, indem er will, dass es existiert, so kann auch nur Gott etwas zunichte machen, indem er will, dass es nicht länger existiert. Was die menschliche Seele betrifft, so hat Gott uns versprochen, dass er sie nicht zunichte machen will.

Ein geistiges Wesen kann deshalb seine Identität nicht verlieren. Es kann Veränderungen erleben – beispielsweise kann es neue Erkenntnisse gewinnen oder Erkenntnisse verlieren, die es hatte; es kann seine Liebe von einem Gegenstand auf einen anderen richten; es kann seine Macht über die Materie entwickeln, sein eigener Leib kann aufhören, seiner belebenden Kraft zu antworten, was für den Leib den Tod nach sich zieht. Bei all diesen Veränderungen bleibt es jedoch es selbst, seiner selbst bewusst, beständig.

„Und wenn unsere Erkenntnis von irdischen Leidenschaften gereinigt sein wird und alle wahrnehmbare Geschöpflichkeit verlässt, wie ein Fisch, der aus der Tiefe zur Oberfläche auftaucht und  ihm die Reinheit seiner Erschaffung wiedergegeben wird: dann wird unsere Erkenntnis den Heiligen Geist dort erreichen, wo der Sohn ist und wo der Vater ist.“ (Hl. Irenäus)

Wem diese Gedanken neu sind, der sollte diese Wahrheiten immer wieder überdenken und sich gelegentlich zu Ihnen zurück wenden – auf dem Weg zur Arbeit, in Zeiten der Schlaflosigkeit. Er sollte immer wieder die Beziehung betrachten, die zwischen dem Teile-haben und einem Raum-einnehmen besteht, bis er sieht, dass etwas ohne Teile nicht im Raum sein kann. Es gilt immer wieder die Beziehung zwischen Teile-haben und Sterblich-sein betrachten, bis klar erkennbar wird, dass etwas ohne Teile niemals etwas anderes sein kann als es ist.

Unsere Seele, unser Geist tut für immer alles, was er tut, als ganzer und mit seinem ganzen Selbst. Aber die menschliche Seele ist von allen Geistern der geringste Geist. Der letzte Engel ist unvorstellbar mächtiger, als unser Geist es auf dieser Erde sein kann. Philosophen (Theologen) versichern uns, die Engel sein so mächtig, dass sie das Universum zerstören könnten, wenn nicht die mächtigere Macht Gottes sie daran hinderte. So wird diese selbe Macht den Menschen davon abhalten, das Universum zu zerstören, bis Gott will, dass es zu existieren aufhört.

Es genügt nun nicht, wenn wir jetzt wissen, was Geist ist. Wir müssen uns dieses Wissen ganz zu eigen machen. Die Wirklichkeit des Geistes zu sehen, muss unserem Denken zur Gewohnheit werden. Wenn wir das erreicht haben, haben wir das erste Stadium der Reife erreicht. Dann kann uns ein Materialismus, auch wenn er noch so überzeugend vorgetragen wird, nicht länger gefährlich werden. Wir sind vielleicht nicht immer im Stande, seinen Argumenten zu begegnen, aber das macht nichts.

Der Materialismus ist rückständig, alle unsere geistigen Gewohnheiten widersprechen ihm. Es ist, als ob ein Naturwissenschaftler Argumente dafür vorbrächte, auf allen Vieren zu gehen. Diese Vorstellung würden wir als rückständig empfinden, da alle unsere körperlichen Gewohnheiten dem widersprechen.

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Bitte um etwas Geduld, der Autor geht ganz konsequent auf das Thema Dreifaltigkeit zu!

Morgen folgt der zweite Teil!

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3 Gedanken zu “Dreifaltigkeitssonntag – Der Geist als Vorausetzung

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