Dreifaltigkeitssonntag – die Heiligste Dreifaltigkeit

In den vorangehenden zwei Beiträgen (siehe > DER GEIST und > DER UNENDLICHE GEIST) haben wir uns gefragt, wie „Geist“ eigentlich zu begreifen ist, und wie wir uns schließlich dem Begriff „unendlicher Geist“ (Gott) annähern können: Damit ist das Fundament gelegt. Die Ausführungen von Frank Sheed waren uns dabei sehr behilflich, und so können wir uns heute dem eigentlichen Thema widmen: Die Allerheiligste Dreifaltigkeit.*

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Die Heiligste Dreifaltigkeit

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Drei Personen

Im vorangegangenen Kapitel fiel das Wort vom „Abenteuer der Heiligsten Dreifaltigkeit“. Da wir Gott als einen lebendigen Gott begreifen, stellt sich tatsächlich die Frage, worin sein Leben besteht. Es mag sonderbar anmuten, über das Eigenleben dessen, der uns aus dem Nichts erschaffen hat, nachzudenken. Frank Sheed scheut sich nicht, zu fragen: „Was fängt Gott mit seiner Ewigkeit an“? (S.33)

Eine endliche Welt zu erhalten, kann niemals das ganze Lebenswerk eines unendlichen Wesens sein. Das Universum erscheint uns unbegreiflich, für IHN ist es das nicht. Wir können es als eine Art Nebenbeschäftigung betrachten. Was aber ist sein eigentliches Lebenswerk?

Konzentrieren wir uns auf die beiden Haupttätigkeiten des Geistes: Gott erkennt unendlich und liebt unendlich. Was liebt er mit seiner unendlichen Liebeskraft? Fast instinktiv antworten wir: den Menschen. Das ist wohl wahr, aber es kann nicht die ganze Wahrheit sein. Endliche Geschöpfe sind keine angemessenen Objekte für unendliche Liebe – wir können diese Liebe nicht verstehen, nicht erwidern, und auf den Punkt gebracht: wir bräuchten gar nicht zu existieren.

Wir könnten sagen, dass Gott sich selbst liebt. Aber in der Vorstellung eines einsamen Gottes haben manche Menschen etwas Erschreckendes gefunden, so erfanden die Heiden eine Vielzahl von Göttern. Ein Gott mit anderen seinesgleichen war nicht so erschreckend. Nun entsprang der Wunsch, für Gott Gefährten zu finden, wirklicher Einsicht in das Wesen Gottes; aber die Schlussfolgerung war falsch.

Es blieb Jesus vorbehalten, uns mitzuteilen, dass es Gefährten innerhalb der einen göttlichen Natur gibt – nicht eine Anzahl von Göttern, aber drei Personen in einem Gott. Innerhalb der Erkenntnis und Liebe dieser drei Personen spielt sich das göttliche Leben ab. Und unser Herr will, dass wir davon wissen.

Einerseits betont Jesus in Übereinstimmung mit dem Alten Testament, dass nur ein Gott ist: „Höre, Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig“ (5.MO 6,4). Darüber hinaus spielt er aber beständig auf eine Art Mehrzahl an. Bei Matthäus 11,27 und Lukas 10,22 lesen wir: „Niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.“ Hier sind zwei Personen auf ein und derselben Ebene. „Ich und der Vater sind eins“ heißt es bei Johannes 10,30. Sie sind zwei Personen und gleichzeitig eins.

Am Ende des Matthäus Evangeliums (MT 28,19) wird noch ein Dritter ins Spiel gebracht, der ebenfalls an der Einheit teilnimmt – „…tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“: Drei Personen, aber mit einem Namen benannt und deshalb einer Natur – da Gott die Dinge nach dem benennt, was sie sind.

Diese Verbindung von Einem und Mehr-als-einem wird ganz offenkundig in den Kapiteln JOH 14-17, in denen Johannes vom Letzten Abendmahl berichtet. Was man besonders beachten sollte, ist eine Art „Austauschbarkeit“. Auf die Frage des Apostels Philipp „Herr, zeig uns den Vater“ (JOH 14,8) antwortet Jesus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“.

Ebenso sagt Jesus, dass er unser Gebet erhören will (JOH 14,14) und dass sein Vater es auch tun will (JOH 14,23), dass er uns den Heiligen Geist senden will (JOH 16,7) und dass auch der Vater dies tun will (JOH 14,16). All dies fügt sich wunderbar in die Lehre von der Heiligsten Dreifaltigkeit.

Die Lehre

Die Vorstellung von einem Gott in drei Personen ist tief geheimnisvoll: wir könnten sie überhaupt nicht haben, wenn Gott nicht den Schleier beiseite gezogen hätte. Selbst wenn wir die zahlreichen Äußerungen Jesu zusammen betrachten, geht vieles über unseren Verstand hinaus. Da Gott aber von uns erkannt sein will, müssen wir uns entsprechend anstrengen, ihn auch wirklich zu erkennen.

Die Eckpunkte für unsere Erkenntnis benennt Frank Sheed wie folgt (S.36):

  1. In der einen göttlichen Natur sind drei Personen, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
  2. Keine dieser Personen ist eine der anderen, jede ist ganz sie selbst.
  3. Der Vater ist Gott, der Sohn ist Gott, der Heilige Geist ist Gott.
  4. Sie sind nicht drei Götter, sondern ein Gott.

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Sogar Katholiken scheinen manchmal zu glauben, dass wir es mit dem mathematischen Problem „3 = 1“ oder „1 = 3“ zu tun hätten. Wir können nun zählen und rechnen so viel wir wollen, aber die Kernaussage zielt in eine ganz andere Richtung: Drei Personen haben eine Natur. Damit stellt sich die Frage, was „Person“ und was „Natur“ eigentlich heißt.

Wir können ganz unkompliziert beginnen, indem wir den Ausdruck „Meine Natur“ so verstehen, dass da eine Person ist, „ich“, die eine Natur besitzt. Diese Person könnte nicht existieren ohne Natur, aber es scheint einen Unterschied zu geben: die Person besitzt eine Natur, nicht umgekehrt.

Zudem ist nachvollziehbar, dass „Person“ und „Natur“ auf zwei verschiedene Fragen antworten. Wenn wir bei schlechter Beleuchtung vermuten, dass da etwas im Raum ist, fragen wir: „Was ist da?“ Sofern wir sehen können, dass es ein menschliches Wesen ist, aber seine Züge nicht zu erkennen vermögen, fragen wir: “Wer ist da?“ Wir können somit festhalten: „Was“ fragt nach der Natur, „wer“ fragt nach der Person.

Schließlich können wir noch eine Unterscheidung formulieren. Meine Natur bestimmt, was ich tun kann. So kann ich gehen, essen, lachen, schlafen, denken, weil jede dieser Handlungen der menschlichen Natur entspricht. Andererseits kann ich kein Ei legen, weil dies der Natur des Vogels entspricht, oder ich kann nicht unter Wasser leben, denn das entspricht der Natur des Fisches. Aber obwohl es meine Natur ist, die bestimmt, welche Handlungen für mich möglich sind, tue ich sie, ich, die Person. Die Natur ist die Quelle unseres Handelns, die Person handelt.

Wie lassen sich diese Erkenntnisse auf Gott anwenden? Auf die Frage „Wer bist du“ wird jeder dieser Drei seine eigene Antwort geben, Vater oder Sohn oder Heiliger Geist. Aber auf die Frage „Was bist du“ könnte jeder nur antworten: „Gott“, weil jeder diese eine selbe göttliche Natur besitzt und weil eben die Natur es ist, die bestimmt, was ein Wesen ist.

Weil jede der drei Personen die göttliche Natur besitzt, kann jede alles tun, was dieser göttlichen Natur entspricht. Weil jeder Gott ist, gibt es keine Ungleichheit, weder im Sein noch im Tun. Es ist notwendig, hier genau zu sein, besonders in zwei Punkten:

Zum ersten teilen sich die drei Personen nicht die göttliche Natur; sie ist unbedingt EINE und kann nicht aufgeteilt werden; sie kann nur in ihrer Ganzheit besessen werden.

Zum zweiten sind die drei Personen verschieden voneinander, aber nicht getrennt. Sie sind verschieden, weil jede sie selbst ist; aber sie können nicht voneinander getrennt sein, denn jede ist, was sie ist, indem sie die eine selbe Natur besitzt; losgelöst von dieser einen Natur, könnte keine der drei Personen überhaupt existieren.

An dieser Stelle sagt Frank Sheed, dass dies alles zunächst trocken und unergiebig erscheinen mag. „Aber nur zunächst. Der Lohn für den, der es sich nicht verdrießen lässt, ist unermesslich.“ (S.38)

Geheimnis, nicht Widerspruch

Die eine unendliche, unteilbare Natur Gottes gehört den drei Personen ganz – jede von ihnen ist deshalb Gott, jede von ihnen ist im Stande, das zu tun, was einem göttlichen Wesen entspricht. Es ist jedoch gut möglich, dass wir uns weiterhin Verständnisschwierigkeiten ausgesetzt sehen.

Erstens könnte es ganz unbegreiflich, ja als ein Widerspruch erscheinen, dass drei Personen ein und dieselbe Natur besitzen sollen; zweitens könnten wir meinen, es gebe drei Götter, nicht einen, wenn der Vater Gott ist, der Sohn Gott ist und der Heilige Geist Gott ist. Diese beiden Schwierigkeiten müssen wir näher betrachten.

Wenn wir an Person und Natur bei uns selber denken, so scheint es klar, dass eine Natur nur einer Person angehören und nur von einer Person in Tätigkeit gesetzt werden kann. Aber diese scheinbare Klarheit kommt daher, dass wir nicht tief genug eindringen. Es ist wohl so, dass wir uns einer Realität in uns bewusst sind, der Natur, durch welche wir sind, was wir sind, und einer anderen Realität in uns, der Person oder dem Ich, durch welche wir sind, wer wir sind. Aber ob dies zwei verschiedene Realitäten oder zwei Ebenen derselben Realität sind, können wir nicht mit hinreichender Gewissheit erkennen.

Auch wenn wir uns mit den exaktesten Methoden aus der Nähe betrachten, werden wir von unserer Natur nur eine schattenhafte Vorstellung, von unserem Ich einen noch schattenhafteren Eindruck gewinnen. Auf die Frage „erzählen Sie mir etwas von sich“ erzählen wir von unseren Eigenschaften oder von dem, was wir tun, aber nicht von dem Ich, dass diese Eigenschaften hat oder jene Dinge tut. Wir wissen, dass da ein Ich ist, etwas, was „ich“ sagt, aber wir können es nur unzureichend in unseren Blickwinkel bekommen. Die Natur, die wir haben, und die Person, die wir sind, liegen mehr im Dunkeln als im Licht.

Wenn also unsere Erfahrung dahin geht, dass eine Person eine Natur hat, so können wir auf richtigerweise nicht sagen, wir wüssten genug von Person und Natur im Menschen, um zu behaupten, dass „eins zu eins“ die einzige mögliche Beziehung wäre. Und von dem unendlichen Wesen haben wir überhaupt keine Erfahrung; wenn Gott uns sagt, dass in ihm drei Personen sind, dann haben wir genau genommen keinen Grund zu fragen, ob das möglich sei, wir müssen dies einfach zu verstehen versuchen.

Wie steht es nun mit dem Einwand von Seiten intelligenter Ungläubiger, dass drei Götter existieren müssen, wenn jede der drei Personen Gott ist. Diesen Trugschluss kann man am schnellsten aufzeigen, wenn man statt von drei Göttern von „drei Menschen“ spricht. Johannes, Anna und Lukas sind drei verschiedene Personen, jede besitzt eine menschliche Natur. So weit, würde man sagen, ist die Parallele vollständig. Vater, Sohn und Heiliger Geist sind drei verschiedene Personen, jede besitzt göttliche Natur.

Jetzt aber kommt der Unterschied: Johannes und Anna und Lukas haben jeder/jede ihre eigene Parzelle auf dem Grundstück der menschlichen Natur: Johannes erkennt nicht mit Annas Vernunft, Anna will nicht mit Johannes Willen, jeder/jede hat Vernunft und Willen für sich. Der Ausdruck „drei Menschen“ meint also drei verschiedene Personen, jede mit ihrer eigenen separaten menschlichen Natur, ihrer eigenen separaten Ausstattung als Mensch.

Soll nun der Ausdruck „drei Götter“ bedeuten: drei verschiedene Personen, jede mit ihrer eigenen separaten göttlichen Natur? So ist es nicht! Sie besitzen eine einzige Natur; sie tun in der Tat, was unsere drei Menschen nicht tun könnten – sie erkennen mit ein und derselben Vernunft, wollen mit ein und demselben Willen. Sie sind drei Personen, und jede ist Gott; aber sie sind ein Gott, nicht drei.

Wenn das nun alles wäre, könnten wir zumindest sagen, dass kein Widerspruch in der Lehre von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit zu sehen ist. Zu erfahren, dass die unendliche göttliche Natur, die schon geheimnisvoll genug für uns ist, drei noch geheimnisvolleren Wesen angehört, verdreifacht unsere Dunkelheit. Erst wenn wir über das Personsein der Personen erfahren, werden wir ein wenig Licht in die Sache bringen können.

„Wir müssen mit Gottes Hilfe diesen unendlichen Akt der Zeugung, mit der der Vater den Sohn zeugte, und diese unendliche Liebesvereinigung, in welcher der Heilige Geist vom Vater und vom Sohn ausgeht, auf unseren Geist einwirken lassen. Damit kommen wir der Antwort auf unsere Frage näher: Worin besteht Gottes Leben?“ (S.41)

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Link zu >>> Zitat und Gebet zum Hochfest

Link zum >>> Kommentar des Evangeliums (Josef Bordat)

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