Dreifaltigkeitssonntag (Trinitatis 2013)

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Noch vieles habe ich euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen. Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit führen. Denn er wird nicht aus sich selbst heraus reden, sondern er wird sagen, was er hört, und euch verkünden, was kommen wird. Er wird mich verherrlichen; denn er wird von dem, was mein ist, nehmen und es euch verkünden. Alles, was der Vater hat, ist mein; darum habe ich gesagt: Er nimmt von dem, was mein ist, und wird es euch verkünden. (Johannes 16, 12-15)

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Dreifaltigkeitssonntag

Was ist Wahrheit? Die Frage des Pilatus (vgl. Joh 18, 38) erhält hier eine Antwort: Wahrheit ist, was aus dem Geist Gottes gesagt wird, weil der Geist Gott verkündigt, der selbst die Wahrheit ist. So wie auch Jesus, der von sich sagt: „Ich bin die Wahrheit“ (vgl. Joh 14, 6). Daraus folgt dann auch Edith Steins Einsicht: „Wer die Wahrheit sucht, sucht Gott, ob ihm das klar ist oder nicht.“

Das ist die Ontologie der Wahrheit: Der dreifaltige Gott ist Wahrheit, in allen Seinen Personen. Diese Wahrheit ist absolut, nicht relativ, wie in den unterschiedlichen philosophischen Theorien, wo sie sich ergibt aus dem stimmigen Verhältnis von Begriffen und Dingen, der Wahrnehmung (dem „Für wahr nehmen“) und der Wirklichkeit. Gott ist reines, absolutes Sein, das unabhängig ist von unserer Auffassung. Über die bildhaften Verhältnisbestimmungen des Menschen – so einleuchtend sie sein mögen – ist Gott erhaben.

Der Grund dafür, dass Gott Wahrheit ist, ist der, dass Gott zugleich und zuerst die Liebe ist. Denn in der Liebe fallen Wahrnehmung und Wirklichkeit zusammen. Es gibt in der Liebe, in der absoluten Liebe Gottes, keine Differenz zwischen dem, was ist, und dem, was zu sein scheint. Und das gilt nur für die Liebe. Von daher muss, was absolut wahr sein will, aus der absoluten Liebe sein, also: aus Gott.

Die Liebe, und nur die Liebe, hat die Eigentümlichkeit, nicht durch einen Vergleich mit etwas anderem wahr-genommen zu werden, sondern nur aus sich selbst heraus. Ich kann sagen, wann die Aussage „x+2=5“ wahr wird (nämlich unter der Bedingung, dass gilt: x=3), ich kann aber nicht sagen, wann die Aussage „A liebt B.“ wahr wird. Wenn A für B das Frühstück zubereitet? Das könnte eiskalter Berechnung oder einer Klausel im Kleingedruckten des Ehevertrags geschuldet sein. Wenn A zu B sagt: „Ich liebe dich!“? Das könnte glatt gelogen sein. – Was Liebe ist, wahre Liebe, weiß ich nur, wenn ich liebe, indem ich liebe.

Gott ist Liebe, Gott ist Wahrheit. Im Absoluten sind Liebe und Wahrheit eins. Erst wir Menschen kennen eine „Liebe“, die auf Lügen basiert und eine „Wahrheit“ ohne Liebe. Doch was wirklich wahr ist, ist aus Gott. Umgekehrt bedeutet das: Alles, was nicht aus Gott ist, ist falsch. Heißt das, nur Christen können Wahres sagen oder tun? Und heißt das weiter, Christen können nur Wahres sagen oder tun? Nein, heißt es beides nicht. Das entscheidende Kriterium ist nicht der Glaube an Gott, sondern Gott. Dass wir Gottes Willen tun, dass wir Wahres sagen und tun, dass wir in Liebe sprechen und handeln, dafür ist unser christlicher Glaube sicher hilfreich, doch ist er weder hinreichend noch notwendig, nur Er ist dafür notwendig und hinreichend. Mit den Worten der Teresa von Ávila: Gott allein genügt.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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