Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu

Hymnus

O sel’ger Urgrund allen Seins,
Heiland der Welt, Herr Jesus Christ,
du Licht von deines Vaters Licht
und wahrer Gott vom wahren Gott.

[…]

Der Stoß der Lanze trifft dein Herz,
und Blut und Wasser bricht hervor,
ein Quell des Heils, der nie versiegt
und aller Schöpfung Freude bringt.

Dir, Herr, sei Preis und Herrlichkeit,
der uns sein Herz geöffnet hat,
mit dir dem Vater und dem Geist
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.

Nach »Auctor beate saeculi« (18. Jahrhundert),
Monastisches Stundenbuch

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Herz Jesu - Bellini Giovanni

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Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu

Die Propheten des Alten Bundes haben als das größte Geheimnis Gottes seine Liebe erkannt, und zwar die Liebe zu seinem Volk, das dieser Liebe immer wieder davonlief. In Jesus ist die Liebe Gottes sichtbar und greifbar geworden, und am Kreuz wurde sie zur „Torheit“ (1 Kor 1,23). Sie ist das Zeichen des Widerspruchs, sie ist aber auch die einzige Hoffnung für die Menschen in ihrer Not.

Alles Fragen und Forschen nach Gott gelangt nur bis an den äußeren Rand seines Wesens. Sein inneres Geheimnis aber, sein „Mysterium“, ist die Liebe. Das wissen wir, weil er selbst es uns offenbart hat: durch seine Propheten, und schließlich durch den Sohn. Im Herzen des Soh­nes wohnt die ganze Fülle der Liebe.

Die Liebe ist gekreuzigt worden. Und die Liebe wartet auf Antwort: die Antwort des Glaubens, der Treue und der reinen Hingabe an die Glut des Geistes. Die Botschaft von der barmherzigen Liebe wird als „gute Nachricht“ nur von den Sündern begriffen. Die Pharisäer und Schriftgelehrten waren rechtschaffene Leute; sie fanden das Verhalten Jesu den Sündern gegenüber ebenso ärgerlich wie seine Botschaft.

Müssen wir Sünder werden, um die Barmherzigkeit Gottes zu verstehen, die in Jesus sichtbar geworden ist? Wir brauchen es nicht zu werden; wir müssen nur eine Ahnung von der Heiligkeit Gottes haben, um zu wissen, dass wir es sind. Dann werden wir auch das Danken lernen – im Gebet und in der Liebe;  durch den Glauben und unser Tun.

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„Voll Freude nimmt er es auf seine Schultern…“

Um meiner Hände willen, Herr, die taten, was sie nicht hätten tun sollen, wurden deine Hände mit Nägeln durchbohrt, deine Füße desgleichen für meine Füße. Um der Haltlosigkeiten meiner Blicke willen sind deine Augen im Tod entschlafen, deine Ohren hingegen für jene meines Hörens. Der Speer des Soldaten hat deine Seite geöffnet, damit durch deine Wunde alle Unreinheit meines Herzens herausfließen kann, das so lange schon von der Krankheit entzündet ist und von ihr verzehrt wird. Und endlich bist du gestorben, damit ich lebe, wurdest du begraben, damit ich auferstehe. Das ist dein vollmundender Kuss, den du deiner Braut gibst, das ist die Umarmung deiner Liebe… Diesen Kuss hat der Schächer am Kreuz nach seinem Schuldbekenntnis erhalten. Petrus hat ihn empfangen, als sein Herr ihn ansah, während er ihn verleugnete, und er ging hinaus, um zu weinen. Viele von denen, die dich kreuzigten und die sich dann zu dir bekehrten nach deinem Leiden, haben mit dir einen Bund geschlossen durch diesen Kuss… Als du die Zöllner und Sünder umarmt hast, bist du ihr Freund und Tischgenosse geworden…
Herr, wohin entführst du sie, die du küsst und umarmst, wenn nicht in dein Herz? Dein Herz, Jesus, ist dies köstliche Manna deiner Göttlichkeit, das du in deinem Inneren aufbewahrst, im goldenen Schrein deiner Seele, die alles Verstehen übersteigt. Selig all jene, die deine Umarmung an sich zieht! Selig all jene, die in diesen Abgründen von dir geborgen wurden in den Geheimnissen deines Herzens, die du auf deinen Schultern trägst und die du vor den Wirren dieses Lebens behütest. Selig all jene, die keine andere Hoffnung haben, als die Wärme und den Schutz deiner Flügel.
Deine kräftigen Schultern schützen jene, die du auf dem Grund deines Herzens verbirgst. Dort können sie selig schlafen. Ein süßes Warten erfreut sie innerhalb der Mauern eines heiligen Gewissens und die Erwartung des Lohns, den du verheißen hast. Ihre Schwachheit lässt sie nicht schwach werden und keine Unruhe lässt sie hadern.

Wilhelm von Saint-Thierry (um 1085 – 1148), Benediktiner, dann Zisterzienser
Meditative Gebete, 8,6

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