Unbeflecktes Herz Mariä – unsere Rettung? (Stöckchen)

Dein Beitrag ist wohl nicht als Stöckchen gedacht, aber warum nicht eines daraus machen? Diesen Beitrag hast du vielleicht in Gedanken an einen gemeinsamen Bekannten geschrieben, der wie viele Menschen ein Problem mit der traditionellen marianischen Spiritualität hat, vor allem mit der Verehrung des Unbefleckten Herzens. In deinem Posting richtest du dich an ihn und viele weitere „Skeptiker“:

Du bist erstaunt, wenn ich dir sage, dass mir dieses Fest viel bedeutet. Dein Verdacht, es sei ein Zugeständnis an ererbte katholische Sentimentalität (du nennst es katholische Herzneurose) ist angesichts der vielen Bilder berechtigt. Andererseits weißt du recht gut, dass das Herz in Schrift und Tradition eine tiefgründige und vielfältige Bedeutung hat.

Ich denke, dass dein marianisches Herz, Giovanni, heute von Maria besucht wurde. Maria wird auch als „die schönste Blume des Heiligen Geistes“ bezeichnet, und den spüre ich in deinen Zeilen. Ohne Umweg versuchst du eine Antwort auf die oft süßliche Bilderflut (auch ich konnte in meinem Beitrag nicht widerstehen) zu finden, die die Verehrung der Herzen Mariä und Jesu so oft blockieren mag. Dabei ist „das Herz“ ein ganz entscheidender Begriff, wie du schreibst.
*

Unbeflecktes Herz Mariens
Unbeflecktes Herz Mariens

*

Warum mir diese beiden Feste- Herz Jesu und Herz Mariä soviel bedeuten, liegt vor allem daran, dass das Herz im Sinn der Schrift wesentlich der Sitz des Willens und der Entscheidung ist. Glaube als Herzensangelegenheit ist also auch wesentlich vom freien Willen des Menschen abhängig, von einem Willensentscheid, der auch immer wieder neu getroffen werden muss. Marias Leben ist ein Weg der ständigen Erneuerung des Glaubens und dabei war vor allem ihr Herz gefragt.

Diesem letzten Satz wird fast jeder zustimmen. Und doch, hier liegt noch ein Grund für den Vorwurf (und für die Gefahr) einer zu sentimentalen Frömmigkeit. Das „Herz“ wird in der Bildsprache – vor allem als Sitz des Gefühls verstanden und dabei ist die Bedeutung der „Herzensbildung“ sehr weit in den Hintergrund geraten. Für diejenigen, die bei „Herz-Fragen“ gleich einen ablehnenden Schritt zurück machen, ist es vielleicht angebrachter, an die Seele des Menschen zu denken. Sicherlich ist auch dieser Begriff umstritten, aber der Zusammmenhang zwischen „ewigem Leben“ und „unsterblicher Seele“ ist sowohl in der Heiligen Schrift gegeben als auch im Alltag bekannt; vom „unsterblichen Herzen“ ist dagegen keine Rede. So kann es für nicht-marianische Zeitgenossen ein Zugang sein, wenn sie an die Seele Mariens denken, die „dieses Urbild des reinen, Glaubens, der beides ist: Gnade und Entscheidung“ widerspiegelt.

Therese von Lisieux sagt einmal an einer Stelle: „Ich glaube, weil ich glauben will“. Dieser Satz ist weder Apologie noch trotziger Voluntarismus sondern tiefes menschlches Bekenntnis: Wir müssen glauben wollen, sonst werden wir nie freie, reife Gläubige. Es gibt Hirnforscher, die beobachten, dass unsere bewußten Entscheidungen unseren Handlungen zeitlich hinterherlaufen. Ich weiß nicht, ob diese Beobachtungen wissenschaftlich halten werden. Wenn ja, dann sagen sie meiner bescheidenen Meinung nichts anderes als das, was die Schrift schon längst weiß: der Sitz unserer Persönlichkeit (und damit unseres Glaubens) ist das Herz.

Oder eben die Seele. Ich glaube, dass man mit dieser Formulierung niemandem etwas wegnimmt. Jetzt fragst du, was aber genau damit gewonnen wird. Zweierlei, denke ich; erstens finden die für manche Menschen hinderlichen Assoziationen von „Herz und Schmerz“ nicht mehr statt, und der Blick auf die eigentlich zu betrachtenden Tugenden Mariens – Gottesfurcht, Treue, Liebe, Demut, Reinheit – wird frei. Und außerdem verlieren bildliche Darstellungen ihre Bedeutung – wie auch sollte man die Seele zeichnen oder malen.

Wenn wir schon beim Thema sind: Was ist es noch, das manche Menschen am marianischen Glauben hindert? Da ist ganz offensichtlich an die Bilder, an die Abbildungen Mariens zu denken. Maria ist immer jung, immer schlank, immer lieblich, immer… Als marianischer Mensch wird man das nicht hinterfragen. Aber man kann es, wiederum ohne auch nur irgendetwas zu verlieren. Vielfach sind diese Marienbilder auch von Marienerscheinungen geprägt, ein weiteres rotes Tuch für nicht-marianische Menschen. Gerade wenn ich an die Erscheinungen denke, liegt mir der Gedanke an die Emmausjünger nahe. Was haben diese gesehen? Eine Gestalt oder eine Person, die so eine besondere Ausstrahlung hatte, „dass ihnen das Herz brannte“. Eine Gestalt, die sie gar nicht so genau zuordnen konnten, die sie erst an ihren Handlungen – wie das Brechen des Brotes – wiedererkannten. Oder denken wir an die Engel: Es sind Gestalten, die immer mit Licht beschrieben werden, aber nie ganz konkret dargestellt werden.

Maria -Gospa
Maria – in der Sicht der Kinder von Medjugorje

Wie also kann ich Maria noch sehen? Ich kann Sie – die so rein ist wie kein anderer Mensch es jemals sein wird – als ganz wunderbare, leuchtende Gestalt erleben, die eine unermessliche Wärme und Reinheit ausstrahlt… aber wie sollte ich so eine Erscheinung näher beschreiben können? So kann ich leicht zur Erkenntnis gelangen, dass Maria in den Augen der einfachen Seher-Kinder gar nicht anders als jung, schön und mädchenhaft erscheinen konnte. Oder anders gesagt: Wie sonst als in einer Gestalt, die den Kindern der jeweiligen Zeit vertraut war, sollte Maria erscheinen?

Manchem Leser wird das nicht gefallen: Das Herz Mariens soll durch die Seele Mariens ersetzt werden? Und die Abbildungen Mariens dürfen viel abstrakter gedacht werden?

Ja, ich glaube, der Gedanke an die unermesslich schöne Seele der Mutter Jesu, die für manche Menschen schon im Diesseits erfahrbar wird, ist für nicht-marianische Menschen zugänglicher. Und nein, ich denke nicht, dass wir marianischen Menschen, die bestimmte Bilder des „Unbefleckten Herzen Mariens“ lieben, etwas wegnehmen sollten. Schließlich heißt es: An den Früchten sollt ihr sie erkennen, und nicht etwa daran, wie der eine oder andere von ihnen sich Jesus oder Maria vorstellt.

Gott, erfülle uns mit Freude an Dir.
Beschenke uns mit Deinen Gaben.
Hülle uns in Deine Macht und Liebe.
Dein Wort leibhaftig
zur Welt gebracht von Maria:
Lass es nicht verklingen
in unserer Zeit.
Segne uns, indem du Dein Wort
in uns wachsen lässt.
Amen.

***

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s