Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden (Johannes der Täufer)

 „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“

Johannes der Täufer kann zu Recht von unserem Herrn und Retter sagen: „Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden“ (Joh 3,30): Diese Beteuerung wird im Augenblick Wirklichkeit, als Christus geboren wird: jetzt nehmen die Tage zu; mit der Geburt des Johannes nehmen sie ab… Als der Retter erscheint, nimmt der Tag offensichtlich zu; er wird kleiner mit der Geburt des letzten Propheten, denn es steht geschrieben: „Bis zu Johannes hatte man nur das Gesetz und die Propheten“ (Lk 16,16). Die Befolgung des Gesetzes geht unabwendbar unter, sobald die Gnade des Evangeliums aufstrahlt; der Prophetie des Alten Bundes folgt die Herrlichkeit des Neuen Testaments…

Der Evangelist sagt über den Herrn Jesus Christus: „Er war das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet“ (Joh 1,9)… Als die Länge der Nacht fast den ganzen Tag verhüllte, verbreitete die Ankunft des Herrn plötzlich all ihren Glanz. Seine Geburt vertrieb das Dunkel der Sünde der Menschheit, seine Ankunft machte der Nacht ein Ende und brachte den Menschen den lichten Tag…

Der Herr vergleicht Johannes mit einer Lampe: „Jener war die Lampe, die brennt und leuchtet“ (Joh 5,35). Das Licht der Lampe verblasst, wenn die Sonne strahlt; die Flamme verliert an Kraft, wenn ein helleres Licht sie überstrahlt. Welcher vernünftige Mensch bedient sich bei vollem Sonnenlicht einer Lampe?… Wer käme noch, die Bußtaufe des Johannes zu empfangen (Mk 1,4), wenn die Taufe Jesu die Rettung bringt?

Hl. Maximus von Turin (? – um 420), Bischof
Predigt 99; PL 57,353

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Das Datum seines Gedenktages wurde entsprechend der Angaben des Lukasevangeliums (1, 26. 38) vom liturgischen Datum der Geburt Jesu her errechnet: drei Monate nach Mariä Verkündigung und sechs Monate vor Weihnachten; im Kirchenjahr ergab sich daraus das (antike) Datum der Sommersonnenwende, der 24. Juni. Anlass zu diesem Bezug des längsten Tag des Jahres war der Satz Johannes‘ des Täufers: Jener muss wachsen, ich aber muss abnehmen. (Johannesevangelium 3, 30). Jesus Christus, Maria und Johannes der Täufer sind die einzigen drei Menschen, bei denen die Geburtstage gefeiert und in der katholischen Kirche als Hochfest begangen werden.

Johannes war Sohn der Elisabeth und des Zacharias, er wurde nach der Überlieferung ein halbes Jahr vor Jesus geboren. Der schon alte Priester Zacharias, dessen Ehe lange kinderlos war, opferte im Tempel und erhielt durch den Erzengel Gabriel die Verheißung, dass ihm ein Sohn geboren werde. Zacharias zweifelte, bat um ein Zeichen und wurde vom Engel mit Stummheit geschlagen. Die dann tatsächlich in hohem Alter schwanger gewordene Elisabeth wurde in der Schwangerschaft von Maria besucht, die bei ihr blieb bis zur Geburt des Johannes. Elisabeth, nach der Geburt über die Namensgebung befragt, wusste aus ihrer Eingebung, dass der Knabe entgegen der Familientradition Johannes heißen sollte; gleichzeitig schrieb Zacharias den Namen auf eine Wachstafel, erhielt nun seine Sprache zurück und brach in den im Lukasevangelium (1, 67 – 79) überlieferten Lobgesang aus.

Johannes trat erstmals im Herbst des Jahres 28 öffentlich als Bußprediger auf, darüber berichtet auch der römische Geschichtsschreiber Flavius Josephus. Er lebte als Asket in der Wüste, wo er mit rauhem Kamelhaar bekleidet, von Heuschrecken und wildem Honig ernährt (Markusevangelium 1, 6; Matthäusevangelium 3, 4) geschildert wird, was an Elija erinnert. Er verkündete am Jordan das Kommen des von den Juden ersehnten Messias, vollzog zur Vorbereitung hierauf die Bußtaufe mit Wasser als Symbol für die Rettung im kommenden Weltgericht und versammelte eine Schar von Anhängern um sich. Dabei wurde er vom Fürsten Herodes bespitzelt, vorbeugend von Soldaten umgeben und von den Pharisäern zur Rede gestellt, ob er der Messias sei (Lukasevangelium 3, 1 – 20). Die christliche Kirche sieht in ihm den letzten großen Propheten der biblischen Tradition.

Johannes taufte Jesus im Jordan, wahrscheinlich an der heute Qasr el Jahud genannten Stelle auf der Ostseite des Flusses nahe des Toten Meeres. Dabei wurde die besondere Sendung Jesu und seine Göttlichkeit zum ersten Mal öffentlich offenbar: Aus dem Himmel erscholl eine Stimme: ‚Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden‘ (Lukasevangelium 3, 24). Von König Herodes Antipas wurde Johannes dann gefangen genommen, weil der ihm die unrechtmäßige Verbindung mit seiner Schwägerin Herodias öffentlich vorgehalten hatte. Die hasserfüllte Herodias bewegte ihre Tochter Salome, als diese dem von ihrem Tanz entzückten Vater einen Wunsch äußern durfte, Johannes‘ Haupt zu fordern. Er wurde enthauptet, Salome brachte ihrer Mutter das Haupt auf einer Schale (Markusevangelium 6, 14 – 29).

(weiterer Text siehe www.heiligenlexikon.de)

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3 Gedanken zu “Er muss wachsen, ich aber muss kleiner werden (Johannes der Täufer)

  1. Gern würde ich dieses Geschehen auf unser Leben übertragen.
    Ist es uns nicht auch vorgegeben, einmal zurückzutreten und einem anderen den Vortritt zu lassen.
    Wenn ich etwas mit ganzem Herzen tue und glaube, mein Bestes zu geben und dann kommt jemand, der dies ebenso gut oder gar besser kann….
    Manchmal freue ich mich darüber – aber ich kenne auch das Gefühl des Neids.

    So uneigennützig, so demütig sein können wie Johannes –
    zurücktreten können ohne inneren Widerstand –
    Für Johannes war es leichter – er trat für den Herrn, für den erwarteten Messias zurück.
    Das hat er erkannt und da gab´s kein Zaudern.

    Wir aber müssen manchmal fur unseresgleichen hintanstehen, für Menschen, die ebenso fehlerbehaftet sind wie wir.
    Das kann manchmal Überwindung kosten.
    Es kann aber auch befreien.
    Von der Gefahr der Selbstüberschätzung, der Eitelkeit, des Hochmuts und der Selbstbezogenheit.

    Ich denke, Johannes war frei von solchen Gefahren.

    1. Ich kann nicht sagen, ob Johannes frei war von den bekannten „sehr menschlichen“ Gefühlen und Anfechtungen.

      Die Schönheit des ersten Teils seines Lebens (bis zum Höhepunkt der Taufe Jesu) sehe ich darin, dass die Gnade des Johannes in einer Mission bestand, die auch wirklich zur Erfüllung gelangt -was für ein unendliches Glück und was für ein Liebeserlebnis muss es gewesen sein, Jesus schließlich zu erkennen!

      Im restlichen Teil seines Lebens hat Johannes vermutlich auch die eher hässlichen Menschenerfahrungen gemacht, bis hin zu seinem grausamen Tod…

      …Streben wir nicht oft nach Verbesserungen in unserem Leben? Sicherlich war es erfüllend, nach erfüllter Aufgabe die Menschen zur Nachfolge Christi aufzurufen. Und doch: Wie schwer muss es gewesen sein, nach dieser „erfolgreichen“ Mission weiter zu wirken; schließlich ist er der einzige Prophet, der das Vorhergesagte erleben durfte – vielleicht wird er deshalb von Jesus der Größte genannt, weil er dann noch in zweiter Reihe sein persönliches Leben zu leben hatte, schlussendlich als Märtyrer.

  2. Mit meiner Vermutung, dass Johannes frei war von Gefühlen des Hochmuts und der Selbstüberschätzung usw., meine ich natürlich nur die Zeit, in der er Jesu Erscheinen ankündigte und ich nehme an, dass er beseelt war von seinem Auftrag
    Was muss das für Johannes bedeutet haben, als er erkannte, w e n er im Moment der Taufe vor sich hatte!
    Dieses plötzliche Begreifen!
    Diesen wunderbaren, unbeschreiblichen Augenblick, den Johannes erleben durfte, dieses Glück, diese Gnade, dem verkündigten Messias leibhaftig begenet zu sein und fortan Sein Bild in sich zu tragen, hat Johannes sicher auch die Kraft gegeben, seinen Weg weiterzugehen und tapfer den Märtyrertod anzunehmen –
    trotz aller menschlichen Unzulänglichkeiten, die er sicher an sich selbst und an anderen wahrnahm.

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