Nicht Frieden, sondern Spaltung (Ev. vom 20. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium

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Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen! Ich muss mit einer Taufe getauft werden und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist. Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Denn von nun an wird es so sein: Wenn fünf Menschen im gleichen Haus leben, wird Zwietracht herrschen: Drei werden gegen zwei stehen und zwei gegen drei, der Vater gegen den Sohn und der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter gegen ihre Schwiegertochter und die Schwiegertochter gegen die Schwiegermutter.  (Lukas 12, 49-53)

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Nicht Frieden, sondern Spaltung

 

Meint ihr, ich sei gekommen, um Frieden auf die Erde zu bringen? Nein, sage ich euch, nicht Frieden, sondern Spaltung. Über keinen Menschen wird soviel gestritten, auch 2000 Jahren nach seinem irdischen Leben, wie über Jesus von Nazareth. Und die Verfolgung derer, die zu ihm halten, reißt in der Tat Familien auseinander, heute mehr denn je.

Es geht hier aber wohl auch darum, ob die Stelle nur deskriptiv oder darüber hinaus auch normativ gemeint ist. Beschreibt Jesus in prophetischer Rede die Situation (durchaus richtig, wie auch 2000 Jahre danach zu erkennen ist) oder lässt sich daran gedanklich ein normatives „Und das ist auch gut so!“ anfügen? Also: Will Jesus nicht nur sagen, dass es Spaltung geben wird, sondern, dass er Spaltung will?

Man könnte freilich sagen, dass Jesus immer normativ spricht, insoweit als sich in seinem Reden der Wille Gottes ausdrückt. Doch auch Jesus benutzt ja, wenn es um Gebote und Weisungen geht, eine explizit normative Diktion. Die fehlt hier. Ich denke auch nicht, dass Jesus für uns Streit und Spaltung will, doch er will auch nicht, dass wir dem Streit ausweichen, nur weil der uns ungelegen kommt. Er selbst hat Konflikte durchgestanden – und wir sollen das auch.

Etwas ganz anderes ist es freilich, Streit zu suchen, vielleicht sogar mit dem Ziel des Martyriums. Das wäre der falsche Weg, auch Jesus sucht keinen Streit (er wird an Ihn herangetragen) und Er sucht auch nicht das Martyrium (Er bittet den Vater um Verschonung), doch beides nimmt Er an, denn es gehört zu Seiner Mission. Und damit auch zu unserer.

Damit ist es wohl so, dass Jesus von uns fordert, Spannung und Spaltung zu ertragen, wenn es um den Kern dessen geht, der uns als Person ausmacht: um den Glauben. Geht es dabei um den Glauben an Christus, scheint dieser unmittelbar, ja geradezu konstitutiv an Verfolgung gebunden, weil Jesus selbst durch Verfolgung zum Christus wurde.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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Ein Gedanke zu “Nicht Frieden, sondern Spaltung (Ev. vom 20. So im JK)

  1. „Geht es dabei um den Glauben an Christus, scheint dieser unmittelbar, ja geradezu konstitutiv an Verfolgung gebunden, weil Jesus selbst durch Verfolgung zum Christus wurde.“

    Wer wollte diesen Worten – angesichts der weltweiten Christenverfolgung – etwas entgegensetzen.

    Doch neben dem Tatbestand der Verfolgung geht es um den Glauben und die Unterscheidung der Geister – um es mit den Worten des Heiligen Ignatius zu formulieren.

    Schon am Anfang hatte sich Gott nicht mit der Finsternis und dem Chaos abgefunden; Er hatte das Licht von der Finsternis geschieden (Gen 1,4). Diese Gegensätze sind nicht diplomatisch (ohne Spaltung) zu vermitteln. Noch weniger lassen sich das Licht der Liebe und die Finsternis des Hasses kompromisshaft ausgleichen.

    „Darum ist für Gottes Sohn die radikale Trennung kennzeichnend. Glaubt ihr, ich sei gekommen, Frieden auf die Erde zu bringen… (Lk 12). Jesus fordert uns heraus und schafft sich damit eine Übermacht von Feinden. Wahrheit und Lüge des Menschen, Licht und Finsternis, Rettung und Verlorensein bestimmen sich durch die Entscheidung für oder gegen Ihn. Alle Lauheit ist Ihm unerträglich: Wärst du doch entweder kalt oder warm! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, so will ich dich ausspeien aus meinem Munde (Off 3,15-16).“
    (Kardinal P. J. Cordes, Benedikts Vermächtnis und Franziskus‘ Auftrag: Entweltlichung, 2012)

    Insofern diese Unterscheidung klar ist, und wir uns mit aller Kraft und Liebe in unserem täglichen Kampf für Gott und sein Wort entscheiden, macht es in der Folge Sinn, von Verfolgung um Christi willen zu sprechen.

    Wenn aber im obigen Beitrag zum Sonnntagsevangelium von einer deskriptiven Rede Jesu gesprochen wird, dann besteht die Gefahr, Kompromissen zwischen Licht und Finsternis Tür und Tor zu öffnen.

    Jesus will die Spaltung, nämlich dann, wenn der Mensch nicht für Ihn ist, und der Mensch ist nicht für Ihn, solange er keine klare Unterscheidung zwischen Licht und Finsternis trifft.

    Ich bin ganz sicher, dass Josef Bordat einer solchen Lauheit niemals zustimmen würde – und nur um Missverständnissen vorzubeugen, sei mein Hinweis auf die „Unterscheidung der Geister“ erlaubt.
    LG Stefan

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