Maria Königin – Zeit für meine demütige Einsicht

Maria Königin Krönung der Jungfrau -AngelicoSeit dem Mittelalter wird Maria als Königin über alle Engel und Heiligen verehrt. »Königin des Himmels, freue dich, halleluja. Den du zu tragen würdig warst, halleluja, er ist erstanden, wie er gesagt, halleluja. Bitte für uns bei Gott, halleluja« (Regina caeli).

Für mich ist es Zeit geworden, demütig Einsicht zu zeigen. Seit der Wallfahrt 2007 nach Mariazell ist mir die Gottesmutter ein großes Anliegen. Der wunderbare Papst Benedikt XVI. hat mir „die Augen geöffnet“, in dem er in seiner schlichten und von Herzen kommenden Predigt sagte: „Mit Maria auf Jesus schauen.“

Maria im Herzen

Das war der Moment, in dem Maria voll und ganz in meinem Herzen angekommen ist. Keiner war Jesus von Nazaret so nahe wie sie, und von da an war es das Natürlichste der Welt, sie in meine Gebete – als größte Fürsprecherin – miteinzubeziehen. Auch der Besuch 2012 in Medjugorje hat meinen Marienglauben weiter gestärkt. Wie ich in der Folgezeit merkte, hieß das aber noch lange nicht, dass ich ihre besondere Seele auch nur annähernd begriffen hätte…

Das Fest Maria Königin, so heißt es, eröffnet sich dem Betrachter am unmittelbarsten, wenn es als Oktavtag des Hochfestes Mariä Himmelfahrt gesehen wird. Und so möchte ich gerade an diesem Tag die Königin des Friedens um Verzeihung bitten.

Von der Schöpfung bis zur Wiederkunft

Mir war bis zur Predigt von Zisterzienserpater Dominicus (Stift Heiligenkreuz) einfach nicht verständlich, wie Maria Vorbild des Glaubens sein kann, wenn sie ohne Erbsünde geboren ist. Nach meiner Vorstellung bestand gerade im „Kampf  des erbsündigen Menschen mit der Sünde“ die Chance, zur Heiligkeit zu gelangen… oder umgekehrt gesagt: Welchen Sinn soll eine Heiligkeit besitzen, die schon vor der Geburt vergeben wurde?

Ja, liebe Leser, ihr dürft gerne schmunzeln und lächeln, das soll mich nicht weiter stören; mir ist wichtig, in meinem Glaubensleben zu wachsen, und da bin ich dem Heiligenkreuzer Pater sehr dankbar, der es verstand, den Bogen von der Schöpfung bis zur Wiederkunft zu spannen…

Maria als Mensch, wie er von Gott im Ursprung gedacht war

Die ersten Menschen sind der Versuchung erlegen, und wir tragen das Los derer, die verstoßen sind und die sich nur unter Mühsal dem Urzustand wieder annähern können.

Und dann kommt Maria: Als Mensch geboren – und zwar mit einer Seele geboren, wie die Urmenschen sie besaßen, in vollkommener Reinheit.

Damit war für mich die erste (gedankliche) Hürde genommen: Gott hat nochmals einen Menschen geschaffen, der in seiner Reinheit die Chance hat, ohne jede Sünde (einschließlich Ebsünde) zu bleiben. Und Maria erfüllt genau diesen Anspruch! Sie bleibt ohne Sünde!

Maria – Vorbild im Glauben

So hat sich auch meine zweite Blockade in seelischer Freude aufgelöst: Wenn Maria so geboren wurde, und alle Erwartungen Gottes erfüllt hat, wie könnte sie dann nicht unser größtes Vorbild im Glauben sein?

Männlicher Glaube?

Meine Frau lächelt still in sich hinein, wenn sie Darlegungen dieser Art von mir hört. Es ist vermutlich eine eher „männliche Herangehensweise“ an den Glauben – mit dem Herzen, und dann auch mit dem Kopf die eine oder andere Glaubenswahrheit verstehen zu wollen…

Wie auch immer, verzeih mir meine Kleingläubigkeit, geliebte Gottesmutter Maria – und sei weiterhin meine (und natürlich eure, liebe Leser) größte Fürsprecherin!

***

6 Gedanken zu “Maria Königin – Zeit für meine demütige Einsicht

  1. Nun, jetzt habe ich mir doch auch sehr lange Zeit gelassen … hatte viel zu tun und wollte meine Gedanken noch ein wenig „sickern“ lassen …
    Und ich hoffe, Du kannst mir nun folgen, wenn ich frei (ohne Zitate) antworte …
    Beim Lesen kam mir auch der Gedanke – wenn Maria (erst) seit dem Mittelalter als Königin über Engel und Heiligen verehrt wird, kann man das vielleicht auch von der Tradition her so sehen, dass man Demut als erste Eigenschaft, Königin als zweite erst später begreifen kann/ muss … Aber vielleicht neige ich da auch wieder zu sehr zu einem eigenartigen „Mystifizismus“.
    Zumindest finde ich es schön, wenn wenigstens ein Katholik das auch so sehen/ fühlen kann, dass Maria mit uns betet, (und eben auch für uns betet, was vielleicht gar nicht so sehr etwas anderes ist) – weil das für mich eigentlich die Kostbarkeit des Gebets ausmacht. Und schade darum wäre, finde ich.

    Christusrosenkränze scheint es ja nun einige zu geben, das ist nun schon der dritte. Falls es dich interessiert, hier zwei Links:
    http://alt.rpi-virtuell.net/workspace/users/52198/Christusrosenkranz/christusrosenkranz.pdf
    http://www.rosenkranzgebete.de/sonstige/christus-rosenkranz-protestanten/index.php
    Aber eigentlich folgen sie alle einem ähnlichen Schema, wie es wohl auch nicht anders geht … letzterer ist sehr individualistisch (oder ums positiver auszudrücken: modern) – aber ich mag die direkte Anrede Jesu darin sehr, bei erstem der eher traditionell ist (und eben lutherisch) gefallen mir die Geheimnisse mehr, aber ich finde, es ist schwer in eine Gebetshaltung zu kommen … deine Variante ist dem lutherischen sehr ähnlich.
    Das mit dem Heiligen Geist nun war nur eine Hilfskonstruktion, weil mir bei all diesen (nicht dem traditionell katholischen Rosenkranz) die Horizontale fehlt. Mir ist nicht ganz klar, was Du daran nicht verstehst – weil für mich eben der Heilige Geist an sich für die Horizontale steht – für Gemeinschaft und Kirche (vgl. Apostolikum, Apostelgeschichte und JohEv: „Tröster“). Wie gesagt, nur eine Hilfskonstruktion und nur beim Eingang zum „Gegenwärtigsein“. Und wohl auch sehr theoretisch (?!)

    Und nun doch noch ein Zitat:
    „Die ersten Menschen sind der Versuchung erlegen, und wir tragen das Los derer, die verstoßen sind und die sich nur unter Mühsal dem Urzustand wieder annähern können.“
    Ich glaube nicht, dass wir da wirklich anders denken, ich glaube nur für mich; dass es hilfreicher ist, auf sein Erbarmen zu blicken als meine eigene Unzulänglichkeit – und in seinen Augen es sich vielleicht ganz anders verhält (positiver). Das ist aber auch einfach bei mir so, dass ich auf soLCHE Sätze immer sehr empfindlich reagiere, weil ich von Haus aus sehr zu Askese neige. Und wohl ebendies auch der Hauptgrund war, nicht katholisch zu werden: weil es da auch eine dämonische Form gibt, gegen sein (gefallenes) Fleisch zu wüten, die im (v.a. mittelalterlichen) Katholizismus eher gefördert wird / wurde. Man denke an das Mönchtum u.ä. – da ist Luther interessant, weil er ja ein ausgesprochen frommer Mönch war, dann aber den Leib geradezu verherrlichte (heiligte!). Für mich war es auch sehr erhellend, dass er das katholische Abendmahlsverständnis eben nicht abmildern wollte (wie Zwingli u.a.), sondern die Realpräsenz eher noch verstärken (was sich dann in der Praxis leider nicht durchsetzen konnte). Also dass in dem Brot (bei, mit, unter) wirklich Christus ist und wir ihn buchstäblich zerkauen – der ja wirklich ins Fleisch gekommen ist (nicht unsichtbar etc.). Nur zur Erklärung, meines kryptischen Gegenarguments :) – eine Diskussion um die Abendmahlstheologie lassen wir vielleicht eher … ;) . – ich verherrliche eben auch gerne das Fleisch und mag keine Aussagen, die ihm irgendeinen negativen Wert beimessen … (wenn dieser AUCH richtig ist)

    Was noch Luther betrifft: ich habe mich mit seiner Marienfrömmigkeit noch nicht wirklich beschäftigt, es ist aber mein festes Vorhaben … ich bin nämlich nicht sicher, ob die protestantische Theologie da nicht auch einen sehr „unlutherischen“ Weg eingeschlagen hat … (aber was ich denke, is ja eh immer das „ur-lutherische“ ;) , hem …)

    In Leipzig bin ich in einer Gemeinde, in der man vorne am Altar direkt auf ein Fensterbild blickt, Josef mit kleinem Jesus auf dem Arm … ich liebe dieses Bild und meditiere es den Gottesdienst hindurch. Josef ist ja auch mein Namensvetter (AT und NT) und seiner Person, wie sie in der Bibel gezeichnet ist, mag ich sehr – vermutlich v.a. auch deswegen, weil ich mir so auch meinen Vater sinniere … jedenfalls auch ein Teil des Glaubensreichtums, der mir erst kürzlich – durch diese Gemeinde bewusst geworden ist … ich selbst allerdings kann das kaum, mit jemandem zu beten. Ich schaue immer lieber Bilder an und stelle mir vor, derjenige ist da … es gibt eine Christusskulptur, da ist das ganz extrem so – aber nun werde ich – luthrisch gedacht – blasphemisch :) (oder auch nur protestantisch)
    Nun ja, so ist das mit der christlichen Freiheit in den Konfessionen: sie muss immer wieder errungen werden – und vermutlich werde ich mir auch auf längere Sicht die Freiheit nehmen, wieder mit Maria den Rosenkranz zu beten ;) … schaun we mal

    LG Mailin

    1. Vielen Dank, Mailin, dass du dir die Mühe gemacht hast, nochmals so ausführlich zu antworten!

      „Beim Lesen kam mir auch der Gedanke – wenn Maria (erst) seit dem Mittelalter als Königin über Engel und Heiligen verehrt wird, kann man das vielleicht auch von der Tradition her so sehen, dass man Demut als erste Eigenschaft, Königin als zweite erst später begreifen kann“

      Ja, kann ich auch so sehen, und ich möchte noch ergänzen – mit einer scheinbar paradoxen Formulierung: Gerade die Demut hat Maria erhöht – und immer mehr als „Königin“ wirken lassen!! Nicht in erster Linie als mächtige (!) Königin (!), die den Kopf der Schlange zertreten kann, sondern als „Königin des Glaubens“, gegen die die Schlange letztlich machtlos/hilflos/chancenlos ist!

      „Das mit dem Heiligen Geist nun war nur eine Hilfskonstruktion, weil mir bei all diesen (nicht dem traditionell katholischen Rosenkranz) die Horizontale fehlt. Mir ist nicht ganz klar, was Du daran nicht verstehst – weil für mich eben der Heilige Geist an sich für die Horizontale steht – für Gemeinschaft und Kirche (vgl. Apostolikum, Apostelgeschichte und JohEv: “Tröster”).“

      Natürlich, du hast völlig Recht, der Heilige Geist steht (nicht nur, aber auch) für die Horizontale – einverstanden. – Übrigens fällt mir gerade eine Charakterisierung Mariens eines orthodoxen Theologen ein: Er bezeichnet sie als „die schönste (höchste) Frucht des heiligen Geistes“ …und will damit mehr ihre Demut als ihre Krone ansprechen!

      „…ich glaube nur für mich; dass es hilfreicher ist, auf sein Erbarmen zu blicken als meine eigene Unzulänglichkeit – und in seinen Augen es sich vielleicht ganz anders verhält (positiver).“

      Dem werde ich nichts entgegenstellen, nein!!!

      „Was noch Luther betrifft: ich habe mich mit seiner Marienfrömmigkeit noch nicht wirklich beschäftigt, es ist aber mein festes Vorhaben …“

      >>> bitte vergiss nicht, mich – wenn es soeit ist – ein wenig Teil haben zu lassen :-)) …

      „…ich selbst allerdings kann das kaum, mit jemandem zu beten. Ich schaue immer lieber Bilder an und stelle mir vor, derjenige ist da …“

      Vielleicht ist es dir möglich – wenn du wieder mal Zeit hast – das ein wenig mehr zu erklären… „mit jemandem beten“ da meinst du in diesem Fall Josef, oder verstehe ich das jetzt ganz falsch?? …ich bin neugierig >Zeit zu beten< – du weißt ;-)

      "…und vermutlich werde ich mir auch auf längere Sicht die Freiheit nehmen, wieder mit Maria den Rosenkranz zu beten ;) "

      Das ist wunderbar – sie wird sich freuen! Mein Liebelingszitat aus Medjugorje: "Wenn ihr [Gläubigen] wüßtet, wie sehr ich euch liebe, würdet ihr weinen vor Freude."

      LG Stefan

      1. Hmm … ich kann mich tatsächlich kaum an diese Diskussion erinnern, hatte aber noch im Kopf – da war noch was.
        Ich glaube, damals meinte ich tatsächlich, dass es mir irgendwie unangenehm ist, nach (transzendenten) Personen zu rufen, die mit mir beten, mal abgesehen von so ritualisierten Formen wie dem Rosenkranz oder die Heiligenanrufung in manchen katholischen Gottesdiensten.
        Mir wird aber immer mehr bewusst, dass ich das auch mit ganz „fleischlich“ real existierenden Menschen habe – dass ich eine große Furcht habe, in Gemeinschaft zu beten. Vielleicht ist an diesem Satz: Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen. – tatsächlich was dran. Und der Grund, dass ich dann eine solche Furcht spüre. Zumindest, wenn ich selbst etwas laut aussprechen muss. Das war selbst so, als ich einmal einen Gottesdienst hielt: Dass mir die Predigt weit leichter fiel, als das (vom Gottesdienstbuch vorformulierte) Gebet auszusprechen.

        Ähm, das ist hier wohl nicht der richtige Ort dafür, aber da ich schon dabei bin: zwei Fragen, wenn du sie mir beantworten magst.
        1. Was denkst du, wie Gott zu ungetauften (Kindern) steht? Auch Gläubigen, die sich aus irgendeinem Grund nicht taufen lassen können / dürfen?
        2. Was denkst du, welche Rolle im Glauben eine Entscheidung für / gegen Gott spielt? Ist diese grundsätzlich (d.h. einmalig) möglich, oder nur in bestimmten Situationen oder beides? Und: Ist sie (zwingend) nötig?

        Nur, weil mich das gerade sehr beschäftigt … und vielleicht würde mich deine Meinung da weiter helfen. Aber ist natürlich hier jetzt schon sehr off-topic :)

  2. Ich schreibe nun doch ein klein wenig dazu, weil ich mich derzeit mit ähnlichen Gedanken befasse, befasst habe – wenn auch freilich in viel bescheidenerem Ausmaß und Wichtigkeit … Das hat sicher einerseits damit zu tun, dass ich in letzter Zeit eine Liebe für Mariendarstellungen entwickelt habe (fast noch mehr für Magdalena) – wenn auch eher für einfache Varianten, die ihre Demut betonen. Andererseits bete ich eigentlich schon seit meiner „Bekehrung“ Ende 2007 immer wieder mal einen Rosenkranz (bloß nicht zu oft, dass ich nicht aus Versehen dadurch einen Ablass erhalte) – und da ist mir mit der Zeit eben auch dieses Wort sehr wahr geworden: „Mit Maria auf Jesus schauen“ – ohne es von dem vorhergehenden Papst gehört haben zu müssen. Mir ist auch immer noch nicht ganz klar, worin eigentlich genau für den (lutherischen) Protestantismus das Problem liegt … eben weil das Gebet, das empfinde ich so, letztlich ja doch an Jesus geht – und: ich denke das ist meine evangelische Sicht darauf, und vielleicht interessiert sie Dich ja auch – dass es so ist, nicht dass jemand für mich betet, sondern dass jemand mit mir betet, ich also nicht alleine bin, wie Jesus gesagt hat: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“ – Sicherlich ist Maria nicht irgendwer, denn das ist ja wahr, es gibt wohl keinen Menschen, der ihm auf Erden so nahe war wie sie … (nur beim „Jünger, den Jesus liebte“, bin ich mir nicht ganz sicher, sie werden ja auch Ende des JohEv einander zugeordnet). Und so stellt sie für mich ein wenig so etwas dar, wie die „Gemeinschaft der Heiligen“ in persona. Dass ich das zwar – ich – allein in meinem Zimmer bete, aber zugleich in christlicher Gemeinschaft. Und diese Gemeinschaft betet nun freilich auch für mich, wie ich für sie … darum ist das „für mich beten“ ja auch nicht ganz falsch.
    Nun ja, gut protestantisch wie ich bin (das muss ich ja immer extra betonen) habe ich mich dann auch immer wieder am Christusrosenkranz versucht … und doch ist das wie bei vielen Nachbildungen so (vergleichbar mit dem Katechismus Martin Luthers, dessen Qualität m.E. heute schwer zu erreichen wäre, mit „moderner Sprache“, der es dann aber eben an dieser Poesie fehlt, die mir im Glauben sehr wichtig ist) – sie erreichen doch nicht ganz das „Original“. Nun ja, das Problem beim Christusrosenkranz ist für mich nun v.a. die Tatsache, dass es kein Gebet im eigentlichen Sinne ist: keine direkte Ansprache an ein Gegenüber, sondern zuerst eine Art (biblische) Umschreibung, die dann ins Gebet mündet. Das Problem hierin sehe ich nun, nicht allein, dass die Gebetshaltung mir zu wechselhaft ist, sondern v.a. dass die „Gemeinschaft der Heiligen“ hinter der persönlichen Beziehung zu Gott stark zurücktritt, wie dies im Protestantismus ja häufig der Fall ist. Also, dass eben die nach meiner Empfindung horizontale Ebene abnimmt (da ich mir Maria eben protestantisch nicht als erhabene Gestalt im Sinne einer Königin vorstelle, sondern mehr als mit mir Betende zu Gott) zugunsten der vertikalen, d.h. die Verbindung zwischen mir und Christus sehr mächtig wird, ja eigentlich fast nur noch sie existiert. (Neben dem Vater Unser freilich, das sich aber ja auch „nach oben“ richtet).
    Ich für mich habe das nun so gelöst, nachdem ich lange darüber nachgesinnt habe, dass ich den traditionellen Christusrosenkranz etwas umformuliert habe, und dem Heiligen Geist eine stärkere Rolle zugesprochen (sicherlich nur ein sehr fragmentarischer Versuch). Das war ja schon vor einigen Jahren bei meinem kleinen selbstformulierten Gebet um das Wort Gottes so, dass der Heilige Geist da eine starke Rolle spielt – und ich dadurch vielleicht die Gemeinschaftsebene wieder ins Boot nehme, die mir sonst eher fehlt. In meinen Geheimnissen geht Christus dann zu uns Menschen eine sehr starke Bindung ein – und ebendies hat mich bei Deinen Ausführungen über Maria sehr an meine Fragen zu Jesus Christus erinnert: Weil ich das nie verstanden habe, wie es sein kann, dass er uns so nahe ist, da er ja kein Sünder war und ist (und das, obwohl ich eine Frau bin!! :) ) … und ich habe es mir wohl mittlerweile ähnlich beantwortet wie Du – wenn ich auch mehr eine schöpfungsbejahende Haltung proklamiere (die mir oft schwer fällt, wirklich zu glauben / anzunehmen) als es in Deinem Artikel mir erscheinen mag.
    Wie Du ja weißt, befasse ich mich gerade sehr mit 1. Tim 6, insbesondere Reichtum und Geldgier, und dieser Brief richtet sich ja stark gegen die Gnosis, die meint, wir müssten uns von der „schlechten Materie“ befreien … und da steht auch der Satz drin: „Denn alles was Gott geschaffen hat ist gut, und nichts ist verwerflich, was mit Danksagung empfangen (!) wird.“ – und in diesem Rahmen habe ich mich auch viel mit Lukas befasst – und ich empfinde das so, dass sich in seinem Evangelium da viele Parallelen zu finden, und insbesondere der Gedanke, dass Kinder Gottes, Nächste (und letztlich vielleicht auch die ganze Schöpfung) nicht festgelegt sind auf einen Wert (etwa Abrahams Kinder nicht durch die Zeugung, sondern den Glauben) – sondern in der Beziehung zueinander erst werden, was sie sind. Also, wir werden Kinder Gottes, weil Gott uns erwählt, der Nächste ist mir Nächster durch Barmherzigkeit, die Schöpfung wird erlöst durch die Liebe des Schöpfers und unseren Lob und Dank über sie … (wichtig ist dabei unser Dank, unsere Barmherzigkeit, unsere Liebe – in der Gemeinschaft, also nicht für sich – zumindest gedanklich/ spirituell). Aber ich denke, letztlich sind beide Ansätze wahr. Nur: Mir fällt letzteres immer schwerer zu glauben – hingegen dass wir in einer gefallenen Welt leben, das finde ich recht offenbar, bei all der Umweltzerstörung. Leid, Hunger etc … aber das sie gute Schöpfung Gottes ist (!) – das finde ich viel schwerer zu glauben und bin darum wohl auch lutherisch geworden, weil ich mir das immer wieder sagen (lassen) muss.
    Und damit verbunden ist eben auch wieder, was mich sowohl am katholischen wie am Christusrosenkranz stört, was über die Jahre immer stärker wurde, ja vielleicht sogar das einzig Entscheidende: die Aussage: „Muttergottes“ bzw. „Gottes und Marien Sohn“. Sicher ist nichts daran falsch und doch empfinde ich das fast wie eine Vergewaltigung … ja, Christus ist durch den Heiligen Geist gezeugt, von der Jungfrau Maria geboren, und doch diese Parallelität zwischen Gott-Vater und Maria fühlt sich für mich doch unrichtig an, denn es war ja eben gerade ein Durchbruch, eigentlich schier Unmögliches, dass der Herr (!) die Niedrigkeit (!) seiner Magd ansieht … Und für mich ist dabei – wenigstens auch – immer noch Josef der Vater Jesu. Wenn auch nicht leiblich, so doch wahrhaftig, wie auch ich einen Vater im Himmel habe – und einen irdischen Vater (wenn er auch nach der üblichen Redeweise „im Himmel“ ist, so ist er doch irdisch, nicht dem „himmlischen Vater“ gleichwertig).
    Letzteres ist aber ein Thema, dem ich wohl noch genauer nachspüren muss, bin da noch nicht ganz klar. Und ist jetzt leider doch sehr viel geworden, sorry! Vielleicht aber erlebst Du trotzdem ein kleines Amüsement durch meine Ausführungen … bin für mich jetzt zumindest froh, das mal formuliert zu haben – und hoffe, ich habe Deinen Post nicht allzu sehr für meine Zwecke missbraucht. Viele Grüße

    1. Liebe Mailin,
      vielen lieben Dank für deine Ausführungen!
      Und: von einem Amüsement könnte ich nicht weiter weg sein, denn deine Gedanken haben bei mir einiges wachgerufen, im besten Sinn, auch die eine oder andere Frage.

      Ganz erstaunlich bin finde ich immer, wie wenig katholische Blogger und Leser an Glaubenserlebnissen Teil nehmen (bzw Teil haben wollen). Ein „guter Katholik“ hat seinen römisch-katholischen Katechismus und die regelmäßigen Verkündigungen aus Rom, da scheint nicht viel Raum für’s Erleben und Austauschen zu bleiben… Da erlebe ich evangelikale und auch lutherische Kreise schon ganz anders; das bedeutet keine Wertung, zeigt aber Unterschiede auf.

      Um inhaltlich auf deine Gedanken zu antworten, brauche ich etwas mehr Zeit – bin bis einschließlich Dienstag beruflich unterwegs…

      Danke, bis bald!

    2. Verzeih mir, liebe Mailin, die späte Antwort…

      „Das hat sicher einerseits damit zu tun, dass ich in letzter Zeit eine Liebe für Mariendarstellungen entwickelt habe (fast noch mehr für Magdalena) – wenn auch eher für einfache Varianten, die ihre Demut betonen.“

      Das ist schön zu hören! Und Varianten, die ihre Demut betonen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit die zielführenden…

      „da ist mir mit der Zeit eben auch dieses Wort sehr wahr geworden: “Mit Maria auf Jesus schauen” – ohne es von dem vorhergehenden Papst gehört haben zu müssen. Mir ist auch immer noch nicht ganz klar, worin eigentlich genau für den (lutherischen) Protestantismus das Problem liegt … … eben weil das Gebet, das empfinde ich so, letztlich ja doch an Jesus geht – und: ich denke das ist meine evangelische Sicht darauf, – dass es so ist, nicht dass jemand für mich betet, sondern dass jemand mit mir betet, ich also nicht alleine bin, wie Jesus gesagt hat: “Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.”“

      Mir sind deine Kommentare aus christlicher – und hier wiederum aus evangelicher Sicht sehr lieb geworden, diese Dankeschön sei vorausgeschickt. Das mit dem Papst ist verzeihlich ;-) und es lohnt immer daran zu denken, welch große Freude Luther mit Maria hatte, so habe ich es jedenfalls verstanden. Das Gebet geht letztlich immer zu Jesus, auch da sind wir uns einig.
      Zum „für uns beten“ und „mit uns beten“:
      Vielleicht wage ich mich jetzt aus katholisch-theologischer Sicht zu sehr aus dem Fenster, aber ich empfinde Maria immer als den demütigen Menschen, der für uns und mit uns betet!

      „protestantisch wie ich bin (das muss ich ja immer extra betonen) habe ich mich dann auch immer wieder am Christusrosenkranz versucht …“

      Jetzt betrete ich christliches Neuland ;-) daher die Frage, ob wir von diesem „Rosenkranz“ sprechen:
      GEPRIESEN SEI DER HERR DER ALLMÄCHTIGE UND BARMHERZIGE GOTTES UND MARIEN SOHN
      (es folgt der Geheimnis-Satz und darauf der Abschluß-Rahmenvers:)
      WIR BETEN DICH AN HERR JESU CHRISTE UND BENEDEIEN DICH.
      IN DEINEM HEILIGEN KREUZ HAST DU DIE WELT ERLÖST.

      „…dass die “Gemeinschaft der Heiligen” hinter der persönlichen Beziehung zu Gott stark zurücktritt, wie dies im Protestantismus ja häufig der Fall ist. Also, dass eben die nach meiner Empfindung horizontale Ebene abnimmt (da ich mir Maria eben protestantisch nicht als erhabene Gestalt im Sinne einer Königin vorstelle, sondern mehr als mit mir Betende zu Gott) zugunsten der vertikalen, d.h. die Verbindung zwischen mir und Christus sehr mächtig wird, ja eigentlich fast nur noch sie existiert.“

      Jetzt lehne ich mich gleich nochmal aus dem katholischen Fenster:
      Königin ja, aber ich sehe es schon als mittelalterliches Bild, das ihre Größe (auf irdische weise) beschreiben will. Ich kann mir kaum vorstellen, dass mir widersprochen wird, wenn ich sage, dass Demut und Gehorsam Mariens in der katholischen Auffassung immer an erster Stelle stehen, und die „Himmelskönigin“ vor allem ein Bild dafür ist, dass Maria als reine und rein gebliebene Seele bereits in den Himmel aufgenommen wurde, eben als erster Mensch überhaupt. So gesehen kann ich (als Katholik) Maria sowohl als Mitbeterin als auch als menschliche Fürsprecherin im Himmel (horizontal?!) erleben!

      „Ich für mich habe das nun so gelöst, nachdem ich lange darüber nachgesinnt habe, dass ich den traditionellen Christusrosenkranz etwas umformuliert habe, und dem Heiligen Geist eine stärkere Rolle zugesprochen habe“

      Das verstehe ich nicht: Wie trägt der Heilige Geist dazu bei. die horizontale Ebene deines Gebetes zu stärken; vermutlich habe ich etwas missverstanden!

      „…der Gedanke, dass Kinder Gottes, Nächste (und letztlich vielleicht auch die ganze Schöpfung) nicht festgelegt sind auf einen Wert (etwa Abrahams Kinder nicht durch die Zeugung, sondern den Glauben) – sondern in der Beziehung zueinander erst werden, was sie sind. Also, wir werden Kinder Gottes, weil Gott uns erwählt, der Nächste ist mir Nächster durch Barmherzigkeit, die Schöpfung wird erlöst durch die Liebe des Schöpfers und unseren Lob und Dank über sie … (wichtig ist dabei unser Dank, unsere Barmherzigkeit, unsere Liebe – in der Gemeinschaft, also nicht für sich – zumindest gedanklich/ spirituell).“

      Inwiefern unterscheiden sich unsere christlichen Sichtweisen hier? Ich kann hier nichts finden, was ich nicht bejahen könnte…??

      „die Aussage: “Muttergottes” bzw. “Gottes und Marien Sohn”. Sicher ist nichts daran falsch und doch empfinde ich das fast wie eine Vergewaltigung … ja, Christus ist durch den Heiligen Geist gezeugt, von der Jungfrau Maria geboren, und doch diese Parallelität zwischen Gott-Vater und Maria fühlt sich für mich doch unrichtig an, denn es war ja eben gerade ein Durchbruch, eigentlich schier Unmögliches, dass der Herr (!) die Niedrigkeit (!) seiner Magd ansieht … Und für mich ist dabei – wenigstens auch – immer noch Josef der Vater Jesu. Wenn auch nicht leiblich, so doch wahrhaftig, wie auch ich einen Vater im Himmel habe“

      Es ist in der Tat so, dass Josefs Rolle in der Heiligen Familie sehr im Hintergrund ist… er ist im Unterschied zu Maria nicht ohne Erbschuld und auch nicht leiblicher Vater …aber ich denke, kein Katholik würde ihn missen wollen, denn welch umglaublich demütigen Glauben muss dieser Mann gehabt haben, um im täglichen (weniger im biblischen) Leben an der Seite Mariens und Jesu zu stehen:

      Die Heilige Familie vereinigt alles, was uns „bekannt“ ist: Jesus als GOTT+MENSCH, Maria als ‚ursprünglichen‘ MENSCH OHNE ERBSCHULD, und Josef als ‚gewöhnlichen‘ MENSCH MIT SCHULD… diese Familie zeigt uns eine gottgewollte Zusammenstellung, eine Liebe, die alles umfasst, den Sohn, die Auserwählte, und den Menschen…

      …und zum Schluß gestehe ich, dass ich viel zu wenig zu Josef und mit Josef bete, der doch mein direktes, weil menschliches Vorbild ist!

      LG, Stefan

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