Enge Tür, verschlossene Tür (Ev. vom 21. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Auf seinem Weg nach Jerusalem zog er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf und lehrte. Da fragte ihn einer: Herr, sind es nur wenige, die gerettet werden? Er sagte zu ihnen: Bemüht euch mit allen Kräften, durch die enge Tür zu gelangen; denn viele, sage ich euch, werden versuchen hineinzukommen, aber es wird ihnen nicht gelingen. Wenn der Herr des Hauses aufsteht und die Tür verschließt, dann steht ihr draußen, klopft an die Tür und ruft: Herr, mach uns auf! Er aber wird euch antworten: Ich weiß nicht, woher ihr seid. Dann werdet ihr sagen: Wir haben doch mit dir gegessen und getrunken und du hast auf unseren Straßen gelehrt. Er aber wird erwidern: Ich sage euch, ich weiß nicht, woher ihr seid. Weg von mir, ihr habt alle Unrecht getan! Da werdet ihr heulen und mit den Zähnen knirschen, wenn ihr seht, dass Abraham, Isaak und Jakob und alle Propheten im Reich Gottes sind, ihr selbst aber ausgeschlossen seid. Und man wird von Osten und Westen und von Norden und Süden kommen und im Reich Gottes zu Tisch sitzen. Dann werden manche von den Letzten die Ersten sein und manche von den Ersten die Letzten. (Lukas 13, 22-30)

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Enge Tür, verschlossene Tür

In einem Seiner „Ich bin“-Worte spricht Jesus von sich als einer „Tür“: Ich bin die Tür; wenn jemand durch mich hineingeht, so wird er errettet werden und wird ein- und ausgehen und die Weide finden (Joh 10, 9). Diese Tür des Herrn ist erst eng – und dann verschlossen.

Das bedeutet: Es ist zunächst einmal schwierig, durch sie hindurch zu gelangen. Es macht Mühe. Man muss sich bücken und beugen, man eckt an, stößt sich, trägt blaue Flecken davon. Und dann ist es auch nur begrenzt möglich, Versuche zu unternehmen. Irgendwann ist Schluss – Sperrstunde. Wer dann noch kommt, steht vor verschlossener Türe.

Ist das nicht hart, ja, hartherzig? Widerspricht es nicht der Offenheit Gottes für den Menschen, die sich ja gerade in Christus zeigt? Ist es nicht etwas, das der Barmherzigkeit des Herrn quer liegt? Ich denke, unter Berücksichtigung dreier Aspekte können wir verstehen, was Jesus meint.

Zunächst: Es ist eine Warnung zur rechten Zeit. Jesus ermahnt uns zur Mühe, gerade uns, die wir oft meinen, unsere Beziehung zu Gott sei in Ordnung, weil wir die Sakramente empfangen und viel Gutes tun. Gott will mehr von uns, Er will uns ganz.

Dann: Nachfolge ist schwierig. Der Pfad der Tugend, die Tür das Gottesreiches – sie sind eng. Insofern ist besondere Aufmerksamkeit und Anstrengung nötig. Der Weg der Nachfolge muss „mit allen Kräften“ gegangen werden – sonst gelangen wir nicht ans Ziel.

Schließlich: Die Tür zu Gott steht allen Menschen grundsätzlich offen, denn es ist Jesus Christus, die uneingeschränkte Sehnsucht Gottes nach gelingendem Leben für den Menschen. Niemand ist prinzipiell vom Heil ausgeschlossen. Von „Osten und Westen“ und von „Norden und Süden“ gelangen Menschen durch die Tür. Aus aller Welt kommen all die, die sich bemühen, am Ende zu Gott.

Aber es sind eben nicht immer die, die sich selbst ganz vorne sehen, als Zugangsberechtigte, gar selbst als Türhüter, so dass „manche von den Letzten die Ersten“ sind und „manche von den Ersten die Letzten“. Wir wissen nicht, zu welcher Gruppe wir gehören – zu den Ersten oder den Letzten. Wir müssen uns bloß entscheiden und uns bemühen, den Weg zur Tür und durch die Tür zu finden. Am besten gleich – hier und jetzt.

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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