Verlieren / Finden. Bitten / Danken. (Ev. vom 24. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Alle Zöllner und Sünder kamen zu ihm, um ihn zu hören. Die Pharisäer und die Schriftgelehrten empörten sich darüber und sagten: Er gibt sich mit Sündern ab und isst sogar mit ihnen. Da erzählte er ihnen ein Gleichnis und sagte: Wenn einer von euch hundert Schafe hat und eins davon verliert, lässt er dann nicht die neunundneunzig in der Steppe zurück und geht dem verlorenen nach, bis er es findet? Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es voll Freude auf die Schultern, und wenn er nach Hause kommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: Freut euch mit mir; ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren war. Ich sage euch: Ebenso wird auch im Himmel mehr Freude herrschen über einen einzigen Sünder, der umkehrt, als über neunundneunzig Gerechte, die es nicht nötig haben umzukehren. Oder wenn eine Frau zehn Drachmen hat und eine davon verliert, zündet sie dann nicht eine Lampe an, fegt das ganze Haus und sucht unermüdlich, bis sie das Geldstück findet? Und wenn sie es gefunden hat, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: Freut euch mit mir; ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte. Ich sage euch: Ebenso herrscht auch bei den Engeln Gottes Freude über einen einzigen Sünder, der umkehrt. Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land und es ging ihm sehr schlecht. Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen und ich komme hier vor Hunger um. Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand und zieht ihm Schuhe an. Bringt das Mastkalb her und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. Der Knecht antwortete: Dein Bruder ist gekommen und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden.

(Lukas 14, 25-33)

***

Verlieren / Finden.  Bitten / Danken.

Heute wird – soweit ich weiß, man möge mich hier korrigieren, wenn ich falsch liege – das einzige Mal im dreijährigen Lesezyklus ein ganzes Kapitel als Tagesevangelium gelesen. Es ist ein langer Text, der in gekürzter Fassung bereits in der Fastenzeit gelesen wurde – siehe hier. Doch es lohnt sich, ihn in Gänze zu lesen, tritt doch so das Generalthema des 15. Kapitels aus dem Lukasevangelium am deutlichsten hervor: die barmherzige Liebe Gottes, die nichts und niemanden verloren gibt – kein Geldstück, kein Schaf und erst recht keinen Menschen.

Es ist zugleich einer der fröhlichsten Texte, die wir im Laufe des Kirchenjahres zu hören bekommen. Die drei Gleichnisse enden allesamt in einem Freudenfest. Der Hirte freut sich, die Frau, der Vater. Alle rufen sie die Familie und die Freunde, Nachbarn und Bekannte zusammen, um zu feiern. Die Botschaft ist eindeutig: Gott freut sich über den Verlorenen, der sich finden lässt. Im Himmel herrscht Freude über die unverhoffte Restituierung einer zerrütteten Beziehung.

Wir kennen das aus dem Alltag. Solange wir etwas fest in Händen halten, fällt es schwer mit der Wertschätzung. Wenn wir es dann verlieren und zu vermissen beginnen, wenn wir die Lücke spüren, die materieller Verlust oder auch der Verlust an Gesundheit und Lebenskraft oder gar der Verlust eines geliebten Menschen mit sich bringt, dann freuen wir uns über kleine Fortschritte, sind gerührt, wenn wieder Dinge funktionieren, die für andere selbstverständlich sind, hier zum Beispiel für den anderen Sohn, der sich über die Freude des Vaters wundert, ja: ärgert.

Aus der Perspektive des verlorenen Sohnes, des Menschen, der die Beziehung zu Gott wieder aufbauen, der um Vergebung bitten muss, wird deutlich, wie wichtig es ist, für die Beziehung zu Gott, für den Glauben, täglich zu danken. Der Augustinerchorherr Alipius Müller hat es einmal so ausgedrückt: „Wie wichtig eine Sache ist, merken wir häufig erst, wenn wir um sie bitten müssen und nicht schon dann, wenn wir für sie danken können.“  – Seien wir also beständig dankbar für die hundert Schafe und die zehn Drachmen. Und für alle Beziehungen in Familie und Freundeskreis. Ganz besonders aber für unsere Beziehung zu Gott, die wir allzu oft für selbstverständlich nehmen.

 

***

Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

***

+

Ein Gedanke zu “Verlieren / Finden. Bitten / Danken. (Ev. vom 24. So im JK)

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s