Neue Gebete (Sammlung „Moderne Gebete“)

GEBETE

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Tiefe meines Lebens

Ich möchte der Tiefe meines Lebens begegnen

mehr schauen und hören

—–und weniger leisten

mehr fragen und erspüren

—–und weniger wissen

mehr sein und leben

—–und weniger haben und festhalten

(P. Anton Rotzetter, geb. 1939, Kapuziner / „Gott der mich atmen lässt“, Herder, S.67)

Gedanken zum Gebet:

Als die Gebetesammlung „Gott der mich atmen lässt“ 1985 zum ersten Mal erschien, war Pater Anton etwa 45 Jahre alt. Ein Ordensmann mitten im Leben – und ein Mensch, der erkannt hat, wo der Weg zum wahren Leben zu finden ist.

WENIGER WISSEN, das lässt an die Seligpreisungen und die Armut im Geiste denken; für mich ist es eine Mahnung, bescheidener zu sein und mich „kleiner zu machen“: Je „kleiner“ ich werde, umso mehr Raum nimmt Er ein, und umso mehr sterbe ich.

MEHR SEIN UND LEBEN …UND WENIGER FESTHALTEN, das scheint mir die Folge aus dem vorgenannten: Je mehr ich die unnützen Dinge und Zerstreuungen abstoße, und die künstlichen und falschen Beziehungen bereinige, desto mehr lebe ich in Gott, und Gott in mir / lebe ich in Jesus, und Jesus in mir / lebt der Geist im mir, und ich mit Ihm.

DER TIEFE MEINES LEBENS BEGEGNEN, das geht wohl nur, wenn ich Gott begegnen lerne, und wenn mir Jesus barmherzig begegnet…

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Du lächelst…

Du lächelst aus mir hervor
und ich singe
deinen Namen,
Namenloser, in die Nacht.

In deinem Wachen schlafe ich
und in deinem Schlaf wache ich.

Dein Sehen glüht aus meinen Augen,
dein Leib leuchtet in meinem Leib,
aus meinem Mund kommt dein Wort.
Dein Duft bist du in mir.

Ohne Wissen sehe ich unter mir
das Gewand liegen,
das du gefordert hast.
Nackt bin ich auch,
du Universum meiner namenlosen Seele.

In deiner Liebe hast du mich verbrannt
bis ich schwarz wurde in deinem Licht
und gelassen in meinem Du.

(Ursula Albrecht, geb. 1950, Tertiarin im Karmeliten-Orden)

Gedanken zum Gebet

Lyrik hat mich immer schon angesprochen, und die Sprache von Ursula Albrecht darf lyrisch genannt werden. Es wird nicht jedem so gehen, aber bei diesen Zeilen entstehen für mich Schwingungen, die tief nach innen führen. Seit mir Pater Bernhard, mein Beichtvater, den übermächtigen Satz „Nicht mehr du sollst leben, sondern Christus in dir“ zur Aufgabe gemacht hat, suche ich einen Weg, der mich dorthin führt…

Ursula Albrecht beschreibt das Ende dieses Weges: Nicht mehr sie lebt, sondern Christus lebt in ihr. Soweit sie noch in dieser Welt lebt, „lebt sie im Glauben an den Sohn Gottes, der sie geliebt und sich für sie hingegeben hat“ (Gal 2,20).

Vielleicht ist es nicht nur das Ende des Weges, denn IN DEINER LIEBE HAST DU MICH VERBRANNT heißt wohl auch, dass ich bereit sein muss für diese Liebe, die – weil sie so unermesslich groß ist – gar nicht anders kann, als mich zu verbrennen. BIS ICH SCHWARZ WURDE IN DEINEM LICHT deutet auch an, dass dieses Bereitsein nicht nur einen Raum der Freude meint, sondern auch Zeiten großen Schmerzes einschließt.

OHNE WISSEN SEHE ICH UNTER MIR DAS GEWAND LIEGEN, DAS DU GEFORDERT HAST. Wer entblößt sich schon gerne, außer eben für die eine große Liebe… diese Liebe fordert, oder besser fordert heraus, wie sonst nichts in diesem Leben. NACKT BIN ICH AUCH: Diese Liebe provoziert, lässt uns ohne Kleider viel blutigen Schweiß verlieren, bis wir bereit sind für Sein Blut.

Doch ist es keine verzweifelte Liebe, sondern eine beglückende Liebe, eine Liebe „in Fülle“. DEIN SEHEN GLÜHT AUS MEINEN AUGEN, DEIN LEIB LEUCHTET IN MEINEM LEIB heißt es zwar in „brennender Sprache“, aber alles führt zu Seelenruhe und Gleichmut. DU LÄCHELST AUS MIR HERVOR UND ICH SINGE DEINEN NAMEN … GELASSEN IN MEINEM DU.

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Hier geht’s zur >>> Sammlung MODERNE GEBETE

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