Franz von Assisi – Papst in weiterem Interview

wpa VatikanPapst Franziskus hat mit dem bekannten italienischen Intellektuellen Eugenio Scalfari ein langes Gespräch geführt. Die Übersetzung stammt von Radio Vatikan. Das Interview erschien in der Ausgabe vom Dienstag, dem 1. Oktober, der römischen Tageszeitung „La Repubblica“. Der fast neunzigjährige Scalfari folgte einer persönlichen Einladung des Papstes.

Erst kürzlich wurde ein Briefwechsel, in dem sich Papst Franziskus wichtigen Fragen zum Thema Glauben und Nichtglauben stellt, publiziert. Das Interview knüpft an diesen Briefwechsel an, der in der italienischen Öffentlichkeit für großes Aufsehen gesorgt hat.

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Franz von Assisi

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Scalfari: Glauben Sie, dass die Mystiker… wichtig für die Kirche waren?

Sie waren wesentlich. Eine Religion ohne Mystiker ist eine Philosophie. Ich liebe die Mystiker; auch Franziskus war es, in vielen Aspekten seines Lebens. Aber ich glaube nicht diese Berufung zu haben, außerdem müsste man den tieferen Sinn dieses Begriffs ergründen. Der Mystiker kann sich vom Handeln, den Tatsachen, den Zielen und sogar der Hirtenmission freimachen und sich erheben bis zur Kommunion mit der Glückseligkeit. Kurze Momente, die jedoch das ganze Leben erfüllen.

Scalfari: Wollen Sie mir erzählen, warum Sie sich Franziskus besonders verbunden fühlen?

Franziskus ist einer der Größten, weil er alles zugleich ist. Ein Mann der Tat, er gründet einen Orden und gibt ihm Regeln, er zieht umher und ist Missionar, er ist Dichter und Prophet, er ist Mystiker, er hat an sich selbst das Böse erlebt und er hat es überwunden, er liebt die Natur, die Tiere, die Grashalme auf der Wiese und die Vögel, die am Himmel fliegen, aber vor allem liebt er die Menschen, die Kinder, die Alten, die Frauen. Er ist das leuchtende Beispiel dieser agape, von der wir vorhin sprachen.

Scalfari: Jesus sagte in seiner Predigt, dass Agape, die Nächstenliebe , der einzige Weg sei, Gott zu lieben. Verbessern Sie mich, wenn ich mich irre. (vgl. LK 10,25-37)

Sie irren nicht. Der Sohn Gottes ist Mensch geworden, um in den Seelen der Menschen das Empfinden der Brüderlichkeit zu wecken. Alle sind Brüder und alle Kinder Gottes. Abba, wie er den Vater nannte. Ich bahne euch den Weg, sagte er. Folgt mir, und ihr werdet den Vater finden und werdet alle seine Kinder sein. Agape, die Liebe, die jeder von uns für die anderen empfindet, von dem Nächsten bis zu dem Fernsten, ist genau die einzige Art, die uns Jesus gezeigt hat, um den Weg des Heils und der Seligpreisungen zu finden.

Scalfari: Aber warum hat keiner Ihrer Vorgänger jemals diesen Namen [Franziskus] gewählt?

Es ist wahr, niemand vor mir hat ihn gewählt. Hier kommen wir zum Problem aller Probleme. Franziskus wollte einen Bettelorden und auch einen wandernden Orden. Missionare auf der Suche nach Begegnungen, bereit zu zuhören, zu dialogisieren, zu helfen, Glauben und Liebe zu verbreiten. Vor allem Liebe. Er träumte von einer armen Kirche, die sich um die Anderen kümmern würde, ohne an sich selbst zu denken. Seither sind 800 Jahre vergangen, und die Zeiten haben sich sehr geändert, aber das Ideal einer missionarischen und armen Kirche bleibt mehr als gültig. Dies ist ja die Kirche, die Jesus und seine Jünger gepredigt haben.

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Mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens

Herr, mache mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Liebe entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,
nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

(Franz von Assisi)

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