Dankbarkeit (Ev. vom 28. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Auf dem Weg nach Jerusalem zog Jesus durch das Grenzgebiet von Samarien und Galiläa. Als er in ein Dorf hineingehen wollte, kamen ihm zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen und riefen: Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns! Als er sie sah, sagte er zu ihnen: Geht, zeigt euch den Priestern ! Und während sie zu den Priestern gingen, wurden sie rein. Einer von ihnen aber kehrte um, als er sah, dass er geheilt war; und er lobte Gott mit lauter Stimme. Er warf sich vor den Füßen Jesu zu Boden und dankte ihm. Dieser Mann war aus Samarien. Da sagte Jesus: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, außer diesem Fremden? Und er sagte zu ihm: Steh auf und geh! Dein Glaube hat dir geholfen.

(Lukas 17, 11-19)

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Dankbarkeit

Im 10. Kapitel des Lukasevangeliums hören wir vom barmherzigen Samariter, heute wird ein Abschnitt aus dem 17. Kapitel gelesen, der in der Einheitsübersetzung überschrieben ist mit Der dankbare Samariter. Dazwischen steht – vor vier Wochen haben wir es gehört (Verlieren-Finden-Bitten-Danken) – die Verbindung von Barmherzigkeit und Dank im 14. Kapitel des Lukasevangeliums, in der Begegnung des Vaters mit dem Sohn, der diesen in Liebe aufnimmt und aus Dankbarkeit ein Fest gibt. Der innere Zusammenhang von Liebe und Dank wird in diesem Teil des Lukasevangeliums ganz deutlich spürbar, und damit die Kraft des Glaubens. „Dank und Liebe“, so schreibt Friedrich von Bodelschwingh, „bleiben die großen Mächte, die mehr Siege gewinnen als alle Heere der Welt.“

Der barmherzige Samariter und der dankbare Samariter. Zweimal wird der Nichtjude, der Fremde, der gesellschaftliche Außenseiter zum Vorbild für uns Christen: zum Vorbild für die Liebe und zum Vorbild für die Dankbarkeit. Zweimal hebt er sich ab von denen, die weitergehen – einfach weiter, trotz miterlebten Leids, einfach weiter, trotz selbst erfahrenen Heils. Einer aber bleibt stehen, um zu helfen, einer kommt zurück, um zu danken – einer von Dreien im Fall der barmherzigen Liebe, einer von Zehn in Sachen Dank. Der dankbare Mensch scheint damit eine noch viel größere Ausnahme zu bilden als der barmherzige Mensch.

Eigentlich jedoch ist der Dank selbstverständlich. Jesus fragt: Wo sind die übrigen neun?, nachdem Er festgestellt hat: Es sind doch alle zehn rein geworden. Wer geheilt wird, zumal von einer so schlimmen Krankheit wie dem Aussatz, der sollte doch dankbar sein! Das ist eine Selbstverständlichkeit, für die man kein religiöser Mensch, kein Jude sein muss. Man muss nur erkennen, dass man geheilt wurde, durch das Wirken Gottes – und durch den eigenen Glauben, der den Menschen Gott entgegengehen lässt (Dein Glaube hat dir geholfen).

Benedikt XVI. schreibt, der Glaube komme in der Dankbarkeit zum Ausdruck. Die Dankbarkeit für den Glauben und die Dankbarkeit aus dem Glauben bestärken sich dabei wechselseitig. Der Glaubensvollzug des katholischen Christen ist im innersten Kern ein Akt des Dankes, der Danksagung – griechisch: Eucharistie. Wenn man zudem die sprachliche Nähe von danken und denken betrachtet, so kann man leicht erkennen, dass das Danken (wie das Denken) einen Wesensvollzug jedes Menschen beschreibt, dass damit also etwas angesprochen wird, das über den rein existentiellen Rahmen hinausweist, dabei jedoch nicht auf religiöse Überhöhung angewiesen ist.

In der Tat: Wir alle sind aufgerufen, dankbar zu sein – Juden und Samariter, Christen und Agnostiker. Danken ist menschlich. Und für uns Katholiken gilt: Danken wir Gott – wir haben allen Grund dazu!

 

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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