Die Ausdauer der Witwe (Ev. vom 29. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Jesus sagte ihnen durch ein Gleichnis, dass sie allezeit beten und darin nicht nachlassen sollten: In einer Stadt lebte ein Richter, der Gott nicht fürchtete und auf keinen Menschen Rücksicht nahm. In der gleichen Stadt lebte auch eine Witwe, die immer wieder zu ihm kam und sagte: Verschaff mir Recht gegen meinen Feind! Lange wollte er nichts davon wissen. Dann aber sagte er sich: Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen, denn sie lässt mich nicht in Ruhe. Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht. Und der Herr fügte hinzu: Bedenkt, was der ungerechte Richter sagt. Sollte Gott seinen Auserwählten, die Tag und Nacht zu ihm schreien, nicht zu ihrem Recht verhelfen, sondern zögern? Ich sage euch: Er wird ihnen unverzüglich ihr Recht verschaffen. Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?

(Lukas 18, 1-8)

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Die Ausdauer der Witwe

Das Szenario der heutigen Perikope ist spannend: Ein gottloser Richter ohne Rücksicht (und das auch in der Selbstbeschreibung) und eine Witwe, die beharrlich um ihr Recht kämpft, so lange und so vehement, dass der Richter einlenkt, teils aus Bequemlichkeit („sie lässt mich nicht in Ruhe“), teils gar aus Furcht („Sonst kommt sie am Ende noch und schlägt mich ins Gesicht“).

Dass die Witwe nicht aufgibt, stattdessen „immer wieder zu ihm kam“, ist beachtlich, denn der Richter schaltet zunächst auf stur („Lange wollte er nichts davon wissen“), ehe er umzudenken beginnt, und ganz entgegen der bisherigen Lebensmaxime handelt („Ich fürchte zwar Gott nicht und nehme auch auf keinen Menschen Rücksicht; trotzdem will ich dieser Witwe zu ihrem Recht verhelfen“). Die Ausdauer ist ein besonderes Verdienst der Witwe, es ist ihr persönlicher Beitrag dazu, dass das Recht am Ende siegt.

Jesus möchte, dass wir – wie die Witwe – nicht locker lassen. Denn, so könnte man es deuten, wenn selbst der ungerechte, unbarmherzige Richter am Ende der Witwe zum Recht verhilft, so wird Gott, der gerechte, barmherzige Richter, auch uns das Recht verschaffen, wenn, ja, wenn wir nicht müde werden, uns an Ihn zu wenden, immer und immer wieder, in unseren Gebeten, in denen wir „Tag und Nacht zu ihm schreien“.

Am Ende verfällt Jesus in einen Zweckpessimismus, der die Jünger damals und auch uns heute herausfordern soll: „Wird jedoch der Menschensohn, wenn er kommt, auf der Erde (noch) Glauben vorfinden?“ Die Beantwortung dieser Frage hängt von uns ab, denn wir „auf der Erde“ müssen die Gnade Gottes auf- und annehmen, wir müssen uns für den Glauben entscheiden. Damit entscheiden wir uns gleichzeitig für das Recht, das uns nur Gott verschaffen kann. Lassen wir also nicht locker!

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Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

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