Bitten und Beten für Ai Weiwei und Nadeschda Tolokonnikova

Kirche und GesellschaftHeute lief auf ARTE TV ein Beitrag über den faszinierenden Gegenwartskünstler Anish Kapoor. Seine Kunstwerke sind beindruckend und einzigartig; viele seiner Werke hinterfragen unsere Existenz auf fesselnde und berührende Art. Seine berühmten Spiegelobjekte tun dies, in dem sie den Betrachter ganz unmittelbar einbeziehen. Bis 24. November bespielt Anish Kapoor mit 70 Werken das gesamte Untergeschoss und den Lichthof des Martin-Gropius-Baus in Berlin. Mehr als die Hälfte seiner Arbeiten hat er eigens für die Ausstellung entworfen.

„Bitten und Beten“: Von dieser Seite kann man das verlinkte Gangnam-Video* von Anish Kapoor sehen, wenn man zunächst davon ausgeht, das Beten auch viel mit Bitten zu tun hat – vor allem mit der Bitte für andere.

Am 24. Oktober 2012 veröffentlichte der chinesische Künstler Ai Weiwei aus Protest gegen die Zensur im Internet eine Parodie des Musikvideos Gangnam Style des südkoreanischen Popstars Psy, dessen Originalvideo mit weit über einer Milliarde Betrachtern zum meistgesehensten Video in der Geschichte von Youtube wurde.  Am darauf folgenden Tag löschte die chinesische Zensurbehörde den Clip.

Aus Solidarität mit Ai Weiwei kündigte Anish Kapoor an, seine eigene Version des Nummer-eins-Hits Gangnam Style zu drehen. Ziel des Videos war es, gegen staatliche Willkür und für die Meinungsfreiheit zu kämpfen.

Natürlich sind wir uns einig, dass die Essenz eines Gebetes – sich in vollem Glauben an den einen und wahren Gott zu wenden – mit dem folgenden Video nicht gegeben ist. Anish Kapoors „Gangnam for Freedom“ ist jedoch ein wertvoller  solidarischer Akt, der es verdient, im Gebet unterstützt zu werden.

Keine Frage, es ist wichtiger für die Opfer und Täter der Lampedusa-Katastrophen sowie für die verfolgten Christen in aller Welt zu beten – was auf diesem Blog auch ganz konkret geleistet wird. Andererseits sollten wir als christliche Kirche nicht die Möglichkeiten auslassen, uns mit Protesten gegen Menschenrechtsverletzungen z.B. im kulturellen Bereich zu solidarisieren, unabhängig davon, ob der jeweilige Kulturschaffende gerade in unser Welt- und Glaubensbild passt.

Wer es nicht vertreten kann, das Engagement der französischen Schauspielerin Jeanne Moreau für Nadeschda Tolokonnikova (Pussy Riot) zu befürworten, muss sich fragen, woher er oder sie das Recht ableitet, Menschen zu verurteilen. Ja, inzwischen wissen wir, dass die Pussy Riot-Aktivistinnen unter dem Kommando eines mutmaßlich sehr egozentrischen Einzelgängers standen und wohl kaum die Mutter Gottes angerufen haben. Aber ist das ein Grund, den verurteilten Frauen unmenschliche Haftbedingungen zuzubilligen?

Jeanne Moreau hat am 30. Oktober im französischen Sender France Culture einen Brief der Sängerin der Gruppe Pussy Riot vorgelesen. Darin beschreibt Tolokonnikova die Bedingungen in dem Arbeitslager, in dem sie seit einem Jahr inhaftiert ist. Moreau erklärte, sie sei zu alt um auf die Barrikaden zu gehen. Daher unterstütze sie den Protest der Aktivistin, deren Leben in Gefahr sei, mit Worten.

Worte, Gebete  – die sich im Glauben an Gott richten – zählen zu den wertvollsten Leistungen, die der Mensch erbringen kann.

Unmenschliche Haftbedingungen gehen oft mit Mißhandlungen und Folter einher. Seit Oktober 1998 engagiert sich die Katholische Hochschulgemeinde Konstanz bei der Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter (Action des Chrétiens pour l‘Abolition de la Torture, ACAT).

  • Die ACAT  ist eine internationale Menschenrechtsorganisation, in der sich Christen der verschiedenen Konfessionen für die Abschaffung der Folter engagieren.
  • ACAT-Vereinigungen gibt es in 30 Ländern. Die internationale Föderation FI.ACAT (Féderation internationale de l’ACAT) hat als Nichtregierungsorganisation Beraterstatus bei den Vereinten Nationen und beim Europarat sowie Beobachterstatus bei der Organisation für Afrikanische Einheit.
  • Bausteine des Engagements sind Briefaktionen und Gebet.

Auf der Seite von ACAT Deutschland ist ein Gebet des wunderbaren  Ernesto Cardenal zu finden:

Befreie mich Herr

Befreie mich, Herr,
von der SS, dem NKWD,
Dem FBI und der GN

Befreie mich
von ihren Kriegsgerichten,
von der blinden Wut
ihrer Richter und Kapos.
Du bist es,
der die Großmächte richtet,
du richtest die Justizminister
und die hohen Gerichtshöfe.

Bewahre mich, Herr,
vor einem Schauprozeß!
Verteidige die Verbannten
und Verschleppten,
die der Spionage
und Sabotage angeklagt
und zu Zwangsarbeit verurteilt sind.

Die Waffen des Herrn
sind furchtbarer als Atomwaffen!
Wer heute
bei Säuberungen mitmacht,
wird morgen
der Säuberung anheim fallen!

Ich aber will dich preisen,
weil du gerecht bist,
ich will dich besingen
in Psalmen und Gedichten.

Nach Psalm 7 von Ernesto Cardenal

Bitten und Beten für Ai Weiwei und Nadeschda Tolokonnikova? Bitten für Benachteiligte, Verfolgte und Gefolterte kann jeder, für das Beten ist immer noch der Glaube an unseren Herrn, Jesus Christus, eine wesentliche Voraussetzung.

*

*Gangnam Style :
Das Originalvideo „Gangnam Style“ des Südkoreaners Psy auf YouTube hat über 1,8 Milliarden Klicks erreicht. Jeden Tag schauen 7 bis 10 Millionen Youtube-Nutzer das Video an. Psy karikiert dabei die Bemühungen zahlloser Menschen, diesen Lebensstil zu imitieren, insbesondere im Nachtleben. Der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap gegenüber sagte Psy, sein Motto laute: „Sei lustig, aber sei nicht dumm.“ Wer mehr wissen will, findet dies auf >>> Wiki.

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