Hochfest Christkönig (Ev. vom 34. So im JK)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König. Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da wies ihn der andere zurecht und sprach: Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.

(Lukas 23, 35-43)

*

Christkönig - Glasfenster
Christus König – Oxford’s Cathedral

*

***

Christkönig

Heute feiert die Kirche das Hochfest Christkönig, mit dem das Kirchenjahr abschließt. Christus ist der König, der eine Herrschaft aufrichtet, die ewig währt. Gott hat Seinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, „mit dem Öl der Freude gesalbt zum ewigen Priester und zum König der ganzen Schöpfung“, wie es in der Präfation zum Hochgebet heißt. Das Reich, in dem Christus als König herrscht, ist „das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens“, ein Reich, in das auch ein „Übeltäter“ gelangen kann, wenn er sich auf Jesus richtig. „Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst!“, bittet einer der Beiden, die mit Jesus gekreuzigt werden, und Jesus sagt ihm zu: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein.“ Er kann das sagen, denn Er ist der König in diesem Paradies: Christus, der Sieger von Golgatha.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Es gilt für die Königsherrschaft Christi das, was Papst Benedikt XVI. einst frisch ernannten Kardinälen mit auf den Weg gab: „Es ist nicht die Logik der Herrschaft, der Macht, nach menschlichen Kriterien. Es ist die Logik, sich hinzuknien und die Füße zu waschen. Es ist die Logik des Dienstes, die Logik des Kreuzes als Grundlage für jede Machtausübung. In allen Zeiten war die Kirche verpflichtet, dieser Logik zu folgen und sie zu bezeugen und so die wahre Herrschaft Gottes durchscheinen zu lassen: die der Liebe.“

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Gott ist Liebe. Er bringt diese Liebe zu uns. In Christus. Christus wird verherrlicht durch Sein Wirken, Sein Leiden und Sein Sterben. Und Seine Auferstehung, mit der die neue Zeit anbricht. Die Dornen des Karfreitags verwandeln sich in goldene Zacken einer strahlenden Oster-Krone. Der Spott über den „König der Juden“ muss der Erkenntnis weichen, dass Christus „König der Welt“ ist. König einer neuen Wirklichkeit jenseits der menschlichen Vorstellungskraft, erfahrbar nur in der Liebe.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Seine Herrschaft gehorcht nicht ihren Regeln, den machiavellischen Prinzipien menschlicher Macht, deren Verwirklichung einige seiner Jünger von Jesus, ihrem Königsideal, erwarteten. Doch Jesus Christus ist nicht der ersehnte Herodesersatz, Gott hat andere, größere Pläne. Er will in Christus nicht mit Macht die Herrschaft der Römer in den Palästen Israels brechen, sondern mit Liebe die Herrschaft des Bösen in den Herzen aller Menschen.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Christi Herrschaft ist Herrschaft, keine Transzendenzanarchie. Er selber hat die Regeln aufgestellt und wacht über ihre Befolgung – gütig, aber streng, streng, aber gütig. Christi Herrschaft stützt sich nicht auf Gewalt, sondern auf Gerechtigkeit und Gnade – unter den Bedingungen der Freiheit. Das bedeutet: Nicht jeder kommt unter dem König Christus ans Ziel, aber jeder bekommt eine Chance. Wer Gottferne will, bekommt sie (das gebietet die Gerechtigkeit unter der Bedingung der Freiheit des Menschen), wer die Nähe Gottes will, bekommt sie, auch wenn er sie nach menschlichem Ermessen nicht verdient (das verheißt die Gnade unter der Bedingung der Freiheit Gottes).

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Sein Reich ist nicht von dieser Welt. Man kann es nicht oft genug sagen, es nicht deutlich genug betonen, denn allzu sehr lädt die Metapher des Königtums zur Übertragung irdischer Bilder und Vorstellungen von Herrschaft ein. Doch bei deren Deutung sollte nicht unsere Erfahrung mit Herrschaft auf Erden Pate stehen, also Macht und Gewalt, sondern unser Erahnen der Herrschaftsprinzipien Gottes, wie sie sich im Vermächtnis Christi ausdrücken: Einheit und Liebe.

Christus Sieger, Christus König, Christus Herr in Ewigkeit.

Als Sieger über den Tod schenkt Er uns neues Leben. Als König sorgt Er für eine Herrschaft der Liebe. Vor so einem Herrn muss einem nicht bange sein, vor so einem Herrn kann man getrost die Knie beugen. Jesus Christus – so einen Herrn brauchen wir, zu so einem Herrn beten wir. Heute mit den Worten des Schlussgebets der Christkönigs-Litanei: „Herr Jesus Christus, wir huldigen Dir, dem König der Welt. Dir weihen wir das Wenige, das wir tun können. Wir wollen uns bemühen, Deine Ehre und den Triumph der heiligen Kirche zu fördern. Lasse alle Herzen Dein heiliges Königtum anerkennen. Amen.“

***

Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

***

+

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s