Advent: Von der Neugier zur Sehnsucht

Advent - Maria mit Jesuskind

*

Mit Beginn des Advent heißt es: Wachsam sein. Keine Frage, es wäre besser immer wachsam zu sein, doch der Advent ermahnt uns ganz besonders, alle unsere Sinne zu bemühen. Da gibt es die Erinnerung an eine Zeit, in der Propheten von der Ankunft des Messias sprachen, und viele Menschen wachen Herzens auf seine Ankunft warteten. Heute geht es mehr darum, wieder wach zu werden für die Botschaft unseres Königs, der so arm in die Welt kam, und uns mit dem reichsten Wort beschenkt hat.

Josef Bordat schreibt dazu: „Mit dem göttlichen Christus kam etwas in die Welt, das zuvor durch die Sünde verdunkelt war: die Liebe. Die Liebe Gottes zum Menschen ermöglicht die Liebe des Menschen zu Gott und zum Mitmenschen. Die Adventszeit dient der betrachtenden Vorbereitung auf diesen Neuanfang Gottes mit dem Menschen, der dem Neuanfang des Menschen mit Gott vorausgeht.

Das klingt sehr anspruchsvoll und ist es auch. Alfred Delp hat es mit drastischen Worten ausgedrückt: „Advent ist eine Zeit der Erschütterung, in der der Mensch wach werden soll zu sich selbst.“ Geht das denn überhaupt: Erschütterung, wach werden, zu sich selbst kommen – zwischen Glühwein, Lebkuchen und verkaufsoffenem Sonntag? Worauf bereiten wir uns vor – im Advent? Denken wir Weihnachten von uns her, auf dass es ein schönes Fest werde, in der Familie oder im Freundeskreis? Oder stellen wir uns selbst zurück und denken Weihnachten von Gott her? Feiern wir es wirklich als Fest der Menschwerdung Gottes im Christuskind? Dann können wir auch schon den Advent von Gott her begehen und mit Dietrich Bonhoeffer zu der Erkenntnis gelangen, dass es auf unser Tun dabei gar nicht so sehr ankommt. In einem Brief an seinen Freund Eberhard Bethge schreibt Bonhoeffer am 21. November 1943 aus dem Gefängnis Berlin-Tegel: „Weißt Du, so eine Gefängniszelle, in der man wacht, hofft, dies und jenes – letztlich Nebensächliches – tut, und in der man ganz darauf angewiesen ist, dass die Tür der Befreiung von außen aufgetan wird, ist gar kein so schlechtes Bild für den Advent.“

In der Tat – kein schlechtes Bild: die Tür, die nur von außen aufgetan werden kann. Das Volk, das im Dunkeln lebt, findet in der Dunkelheit keine Möglichkeit, sich selbst zu erleuchten. Das Licht muss von außen in die Nacht hinein kommen. Dadurch, dass Gott in die Welt kommt. Wenn wir also in den nächsten Wochen die Türen von Kaufhäusern und die Türchen des Adventskalenders öffnen – denken wir daran: Dass uns die Tür zur Krippe, in der Gott als Mensch liegt, ganz weit offen steht, ist nicht Resultat unserer Geschäftigkeit, sondern das Geschenk der Liebe Gottes.

Ein Wort aus der Sonntagspredigt von P. Dominicus OCist (Stift Heiligenkreuz) will ich gerne weitergeben: Das Beste, was wir im Advent erbitten und erhoffen können, ist von der Neugier zur Sehnsucht zu gelangen. Von der Neugier der Welt und den Anhänglichkeiten unseres täglichen Lebens – zum Erwachen des Herzens und zur Sehnsucht nach Weg, Wahrheit und Leben Jesu Christi.

***

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s