Ein Abend der Anbetung mit Firmkandidaten

Es ist etwa Viertel nach Sieben und die ersten Firmkandidaten kommen in die Spitalkirche, das ist die kleinere Pfarrkirche in der Fußgängerzone. Schon wesentlich länger ist das Musikteam vor Ort und probt die charismatischen Lieder für diesen Abend. Es ist das erste Mal, dass ein Abend der gestalteten Anbetung in die Firmvorbereitung einbezogen wird, und die Freude bei den Organisatoren ist groß.

Nur noch wenige Minuten, und die gestaltete eucharistische Anbetung – „Abend der Barmherzigkeit“ – wird beginnen. Pater Johannes Paul OCist vom Stift Heiligenkreuz trifft ein. Der junge Zisterziensermönch und Priester, der in seinem Stift für Medien und Jugend mitverantwortlich ist, wird die Anbetung zelebrieren.

Kurz nach 19 Uhr 30 ist die Spitalkirche voll und wir können beginnen. Nach der Aussetzung des Allerheiligsten Sakrament des Altars stimmt der Zisterzienserpater die Firmkandidaten auf die Anbetung ein und spart nicht mit direkten Worten: „Ihr habt heute Abend zwei Möglichkeiten: Entweder ihr zählt die Minuten und starrt in die Luft – oder aber ihr lasst euch auf Jesus ein, „aktiviert“ eure Sinne und euren Glauben – und ich garantiere euch: Wer sich wirklich auf die Anbetung einlässt, wird nach der Stunde ein anderer sein.“

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P. Johannes Paul OCist und das Musikteam des Abends

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Nun ist Ruhe eingekehrt, und die ersten Lieder vom Musikteam verfehlen ihre Wirkung nicht, sie „ziehen“ immer mehr Jugendliche nach vorne zum Allerheiligsten. Von den Firmkandidaten wurden Fragen an Jesus erarbeitet, die nun auszugsweise von den Jugendlichen vorgetragen werden. Daran anschließend versucht ein Gebet auf manche der Fragen einzugehen. Jesus ist unter uns, wie viele in der anschließenden Agape bekennen.

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1. DANKEN

Großer Gott,
vieles in dieser Welt und in unserem persönlichen Leben ist gut.
Dafür und auch für all jenes, was Du sonst noch für uns bereithältst,
wollen wir Dir danken:

Danke Für Familie, Freunde
und ein schönes Leben.

Danke für meine Fähigkeiten und Begabungen.

Danke für meine Freunde und ihre Ehrlichkeit.

Danke, dass ich so bin, wie ich bin.

Danke, dass ich in einem reichen Land leben darf
und nicht hungern muss.

Danke, dass es Menschen gibt,
die anderen helfen und dafür ihre eigenen Bedürfnisse zurücknehmen.

Danke, dass du mir Kraft gibst.

*

GEBET

Herr und Gott, Du bist es, der uns geschaffen hat.
Hilf uns zu verstehen, dass wir damit nicht nur dieses kurze und manchmal beschwerliche Leben für heute und morgen erhalten haben, sondern dass das eigentliche Wunder, auf ewig bei Dir – in Deiner Nähe, in Deinem Angesicht  – zu wohnen, noch auf uns wartet.

In der kurzen Zeit, in der wir uns heranbilden, Familien gründen und auch wieder dem Ende dieses ersten Lebens entgegenschauen, danken wir Dir für alles Leben, das Du geschaffen hast, für den Frieden in unserer Region, für andere hilfreiche Menschen, und für viele Annehmlichkeiten unseres Lebens.

Vor allem aber wollen wir Dir heute, so wie jeden Tag unseres Lebens, dafür danken, dass Du uns nicht einfach nur als Spielzeug erschaffen hast, sondern ganz im Gegenteil, dass Du  tatsächlich mit uns leben willst, mit jedem einzelnen von uns – unwiderruflich und auf ewig.
Amen.

Anbetung
Anbetung mit den Firmkandidaten unserer Pfarre

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2. UNGELÖSTES

Herr und Gott,
es gibt viele ungelöste Fragen, die uns beschäftigen.
Bitte nimm diese Fragen an, und behandle sie nach Deinem Ratschluss, Deiner Weisheit und Deinem Willen:

Unsere Angst vor der Zukunft und vor Ungewissheit.

Warum müssen manche Menschen Leid ertragen und andere nicht?

Warum lässt Gott so viele junge Menschen und auch Kinder sterben?

Warum lässt Gott Unschuldige leiden?

Warum gibt es keinen wissenschaftlichen Beweis für Gott?

Warum habe ich so eine tolle Familie und nicht ein anderer; wie habe ich das verdient?

Warum sind manche so arm und andere so unglaublich reich?

*

GEBET

Herr Jesus Christus, wir bitten dich in Deinem unfassbaren und unergründlichen Wesen, aber vor allem in Deiner Liebe zu uns: Hilf uns bei unseren ungelösten Fragen.

Warum geht es mir in meiner Familie gut, anderen aber gar nicht – womit habe ich das verdient, fragen manche? Herr und Gott, lass uns besser verstehen, dass wir, je besser es uns geht, die Aufgabe haben, denen zur Seite zu stehen, die nicht über unsere Privilegien und unser Glück verfügen.

Andere wieder fragen, warum wir in dieser Zeit der Ultra Tablets und Smartphones keinen wissenschaftlichen Beweis für Dich haben. Hilf uns zu akzeptieren, dass es im wissenschaftlichen Sinn weder einen Beweis für noch einen Beweis gegen dich gibt. Und lass uns freundlich reagieren, wenn manche im Namen der Wissenschaft erklären, dass es dich „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht gibt“ – Es ist offensichtlich, dass die Wissenschaft doch nichts endgültiges über Dich aussagen kann.

Dann gibt es Firmkandidaten, die wissen wollen, warum ein großer Gott es zulässt, dass auch viele junge Menschen und Kinder sterben, sei es durch Verkehrsunfälle, Krankheit, Krieg oder Tsunamis? Hilf uns, allwissender und allmächtiger Gott, zu verstehen, dass es dir einzig und allein um eines geht: Menschen, die aufrecht zu Dir, zu Jesus Christus und zu ihren Nächsten stehen. Das Alter und die Umstände des Todes spielen daher keine Rolle für Dich, ob Jugendlicher oder Oldie, einzig auf unsere Aufrichtigkeit und Liebe kommt es an.

Oft verstehen wir nicht, warum manche Menschen Leid ertragen müssen und andere nicht. Herr, lass uns vielleicht mehr darauf achten, dass leidende Menschen oft ganz außerordentliche Fähigkeiten entwickeln, lass uns an Nick Vujicic denken, den Mann ohne Arme und Beine, der 2013 geheiratet hat, und inzwischen Vater geworden ist… …und erinnere uns daran, dass es unser Auftrag ist, all diejenigen zu trösten und zu unterstützen, die leiden, und die sich nicht so helfen können, wie es dem angesprochenen Nick möglich wurde.

Herr, hilf uns anzuerkennen, dass nur Du den besten Weg für uns kennst, denn Du hast uns von allem Anfang so kreiert, dass wir das Beste, das Erfolgreichste und Liebenswerteste aus uns machen können – so hilf uns, diese Deine Liebe zu erkennen, anzunehmen, und hilf uns, den Kontakt zu Dir nie mehr zu verlieren. Amen.

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P. Johannes Paul OCist
P. Johannes Paul OCist im Gebet nach der Einsetzung des Allerheiligsten

3. BITTEN

Jesus,
im Vaterunser hast Du uns gelehrt, Gott, den Vater,
zu loben, Ihm zu danken,
und Ihn zu bitten
– um das tägliche Brot,
– um die Vergebung unserer Verfehlungen,
– um einen Glauben, der uns nicht verzweifeln lässt,
– und um die Erlösung vom Bösen.

Lass uns Herr, für all die Anliegen bitten, die wir für Dich vorbereitet haben,
in der Hoffnung auf Deine unerschöpfliche Barmherzigkeit:

So bitten wir

– um Gesundheit und ein langes Leben für unsere Familien.

– um eine gute Schulausbildung und ein erfülltes Leben.

– um Barmherzigkeit für alle, denen es nicht so gut geht wie uns.

– um Hilfe bei wichtigen Entscheidungen.

– um Unterstützung für Witwen und elternlose Kinder.

– um Gesundheit und Zufriedenheit für unsere Nächsten.

– um Dein Erbarmen für den Frieden in der Welt.

*

GEBET

Herr Jesus Christus, wenn wir hier zu Dir gekommen sind, zu Deinem Altar, in Deine lebendige Gegenwart, dann wagen wir auch unsere Bitten auszusprechen, in Deinem Namen, so wie Du es uns gelehrt hast.

Oft bitten wir um Gesundheit, für unsere Familien, Freunde und für uns selbst. Jesus, Du hast uns gesagt, dass Gott unsere Bitten kennt, noch bevor wir sie ausgesprochen haben. Jetzt aber, barmherziger Jesus, lehre uns bitte zu verstehen, dass unsere Wünsche nicht immer damit übereinstimmen, was Gott, der Vater, für uns bereithält. Hilf uns zu akzeptieren, dass Er aber genau weiß, was zu unserem Besten ist, auch wenn wir zu gewissen Zeiten Leid zu ertragen haben.

Natürlich bitten wir um weniger Schulstress, eine gute Ausbildung, und um Hilfe bei all unseren wichtigen Entscheidungen. Jesus, bitte lass uns nie mehr daran zweifeln, dass mit Deiner Hilfe alles besser geht, und wir durch Dich mehr gestärkt werden als durch alle anderen Maßnahmen und Mittel, die wir ergreifen können.

Lehre uns, Jesus, dass ein Gebet, in dem wir nicht daherreden und dahinjammern, sondern in dem wir wirklich nur durch unser Innerstes und mit unserem Herzen kurze und klare Anliegen ansprechen, das größte Heilmittel darstellt, das uns in diesem Leben zur Verfügung steht, nämlich dann, wenn wir Stille üben, und auf Deine Stimme in unserem Gewissen hören.

Und noch etwas, ewiger und liebender Gott: Hilf uns zu begreifen und dafür zu leben, dass jedes noch so kleine von uns gesprochene Gebet – sei es für andere, für den Frieden, oder für uns selbst – die Verbindung zwischen Himmel und Erde, die Verbindung zwischen Gott und jedem einzelnen von uns, stärkt,

…und dass jedes noch so kleine Gebet ein Zeichen der Liebe ist, wodurch wir unsere Seelen und die Seelen anderer stärken – und Dir wieder ein Stück näher kommen.
Amen.

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