Lust und Gelassenheit – Heinrich Seuse

Der Dominikaner Heinrich Seuse, 1295 am Bodensee geboren, ist einer der großen deutschen Mystiker. Seine Werke »Büchlein der Ewigen Weisheiten« und »Büchlein der Wahrheit« wurden weithin bekannt. Er war Schüler von Meister Eckehard in Köln, schließlich als rastloser Prediger und Seelsorger besonders in Süddeutschland tätig. In Ulm, wohin er nach zahlreichen Verleumdungen versetzt worden war, starb er 1366.

Auch zu Zeiten Heinrich Seuses gab es Christenverfolgungen, Christenbashing und aggressive Atheisten, aber vermutlich nicht im heutigen Ausmaß. Was treibt Christengegener an? Das ist nicht über einen Kamm zu scheren, sondern spricht für eine Vielzahl von Faktoren: aggressives Aufklärertum, Übersexualisierung, Gender-Mainstreaming, Islamismus, und viele andere Motivationen mehr.

Selbst in Diskussionen in unserem Kulturraum geht die Post ab (wie im vorigen Beitrag nachzulesen). Im Grunde ist es ein exzessives Ausleben von (Streit- und Kampfes-)Lust und (falschverstandenem) Vernunftdenken. Hier täte eine große Portion Gelassenheit gut. In seinen Anweisungen zum innerlichen Leben gibt uns Heinrich Seuse wertvolle Ratschläge zu Lust und Gelassenheit.

*

Heinrich Seuse

*

LUST – Anstöße von Heinrich Seuse

Befleißige dich, dass in deinen Werken die Vernunft die Führung hat, denn wenn das Sinnliche zu schnell herbeischießt, dann kommt alles übel.

Man soll die Lust nicht nach den Sinnen ergreifen, man soll sie nach der Wahrheit ergreifen.

Gott will uns nicht der Lust berauben, er will uns Lust nach Allheit machen.

Ein Mensch soll befreit sein von Erscheinungsform und von Materie – darin liegt die größte Lust.

Wann ist die Lust größer, als wenn ich mich als das Eine, das ich sein soll, finde und als das All, das ich sein soll.

*

GELASSENHEIT – Anstöße von Heinrich Seuse

Setze dich in eine bloße Gelassenheit, denn wenn unmäßiges Begehren zuviel da ist, so möchte daraus ein verborgenes Hindernis werden.

Worin besteht eines recht gelassenen Menschen Übung? Darin, aus dem Ich herauszukommen.

Ein recht gelassener Mensch soll sich vierer Dinge befleißigen: erstens, er soll gar sittig im Wandel sein, so daß die Dinge, ohne in selbst mitzuziehen, aus ihm, fließen. Zweitens, sittig und ruhig in den Sinnen nicht hin und her flattern – denn das zieht die Erscheinungsformen an -, daraus entsteht den inneren Sinnen ein müßiges Spazieren. Drittens nicht anhaften, Acht geben, daß nichts Kreatürlich-Vermischtes da sei. Viertens, nicht zänkisch, sondern liebreich zu denen sich haben, durch die Gott einen vom Irdischen trennen will. […]

Ein gelassener Mensch gestaltet in sich selbst kein Unglück. […]

Wenn sich ein gelassener Mensch zur Wahrheit begeben will, so soll er sich dessen befleißigen, daß er eine Einziehung der Sinne nehme, denn Gott ist ein Geist, zweitens soll er darauf achten, ob er sich irgendwie ein Hindernis geschaffen habe, drittens, ob er dem eigenen Willen in irgendeinem Vorgreifen des eigenen Ichs gefolgt sei, viertens, und soll dann in dem Lichte die Gegenwärtigkeit des göttlichen Allwesens in sich merken, und daß er dessen nur ein Werkzeug ist.

Ein gelassener Mensch muß entbildet werden von der Kreatur, gebildet werden mit Christus, und überbildet in der Gottheit.

*

Quelle: Philos-Website

***

2 Gedanken zu “Lust und Gelassenheit – Heinrich Seuse

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s