Radikalität der Umkehr (Ev. vom 26. 1. 2014)

Artikel- Jobo zum SonntagsEvangelium***

Als Jesus hörte, dass man Johannes ins Gefängnis geworfen hatte, zog er sich nach Galiläa zurück. Er verließ Nazaret, um in Kafarnaum zu wohnen, das am See liegt, im Gebiet von Sebulon und Naftali. Denn es sollte sich erfüllen, was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Das Land Sebulon und das Land Naftali, die Straße am Meer, das Gebiet jenseits des Jordan, das heidnische Galiläa: das Volk, das im Dunkel lebte, hat ein helles Licht gesehen; denen, die im Schattenreich des Todes wohnten, ist ein Licht erschienen. Von da an begann Jesus zu verkünden: Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe. Als Jesus am See von Galiläa entlangging, sah er zwei Brüder, Simon, genannt Petrus, und seinen Bruder Andreas; sie warfen gerade ihr Netz in den See, denn sie waren Fischer. Da sagte er zu ihnen: Kommt her, folgt mir nach! Ich werde euch zu Menschenfischern machen. Sofort ließen sie ihre Netze liegen und folgten ihm. Als er weiterging, sah er zwei andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus, und seinen Bruder Johannes; sie waren mit ihrem Vater Zebedäus im Boot und richteten ihre Netze her. Er rief sie, und sogleich verließen sie das Boot und ihren Vater und folgten Jesus. Er zog in ganz Galiläa umher, lehrte in den Synagogen, verkündete das Evangelium vom Reich und heilte im Volk alle Krankheiten und Leiden.

(Mt 4, 12-23)

*

Umkehr

Jetzt geht es los! Jesus zieht aus der Wüste nach Galiläa, vom kargen Land in ein fruchtbares Gebiet, aus der Einsamkeit in die Gesellschaft. Dieser begegnet Er mit einer deutlichen Botschaft: „Kehrt um!“, was bedeutet: Ändert Euch, richtet Euch neu aus – auf das Himmelreich, das „nahe“ ist. Für die Verkündigung dieser Botschaft braucht Jesus Freunde – Ihm selbst wird nicht viel Zeit bleiben. Die Berufung der ersten vier Apostel verläuft reibungslos – als ein Beispiel für gelungene Neuorientierung auf Gott hin: klar und deutlich, ohne Wenn und Aber, von jetzt auf gleich. Hier mag Matthäus etwas schildern, das in dieser Weise nie stattfand. Es ist jedenfalls schwer vorstellbar, dass Fischer in Familientradition auf ein bloßes „Kehrt um!“ tatsächlich sofort ihre Netze liegen lassen und das Boot (ihren Arbeitsplatz) verlassen – und ihren Vater noch dazu.

Theologisch geht es hier um die Radikalität der Neuausrichtung. Diese muss innerlich vollzogen werden. Das bedeutet: Man kann ruhig im Boot und bei seinem Vater bleiben, oder im Architekturbüro und bei seiner Frau, doch die innere Haltung muss sich radikal ändern, wenn man Jesus nachfolgen will. Die veränderte Einstellung zum Leben, die mit der Nachfolge einhergeht, ändert die Prioritäten und damit die Rolle, welche der Familie, den Freunden und der Arbeit zukommt. Das alles hat sicher einen hohen Wert, doch nichts ist wichtiger als Gott, auf den hin wir zugehen, wenn wir den Weg der Nachfolge Christi beschreiten.

Es hat umgekehrt keinen Sinn, sein Leben nur äußerlich zu ändern. Mit Aposteln, die sich unterwegs nur über Fischereitechnik und Angelplätze austauschen, die von Sonnenuntergängen am See schwärmen und nicht offen sind für das, was Jesus ihnen zu sagen hat, auf dass sie es später weitergeben – mit solchen Nachfolgern hätte die Kirche nie entstehen können. Auch wir müssen uns zunächst von innen her erneuern lassen. Durch das Evangelium. Daraus können praktische, äußerlich erkennbare Konsequenzen erwachsen, dass man etwa von bestimmten Gewohnheiten lässt oder dass man tatsächlich seine Arbeit aufgibt und in ein Kloster geht. Beispiele dafür findet man immer wieder – besonders spektakuläre gehen auch durch die Presse.

Entscheidend ist, das berichten auch die „Spätberufenen“, dass es vor der Veränderung eine innere Umkehr gibt. Doch wenn Gott uns direkt anspricht, unmittelbar – und das ist durchaus möglich, ich denke da an meinen guten Bekannten Dario Pizzano, der so etwas erlebte und in seinem Buch „Exzess. Meine zwei Leben“ davon berichtet – mag das auch schon mal in eins fallen, die innere und die äußere Umkehr, erkennbar an der überwältigenden Eingebung: „Kehr um!“ Und so könnte es gewesen sein, damals, als Jesus auftrat, um Petrus, Andreas, Jakobus und Johannes zu berufen.

 

***

Josef Bordat betreibt das katholische Weblog Jobo72 (http://jobo72.wordpress.com/)

***

+

Wir freuen uns über deinen Beitrag:

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s